April 2021
Liebe Leser*innen!
Der Deutsch-Österreichische AIDS-Kongress fand in diesem Jahr ausschließlich online statt. Vielleicht war das der Grund, warum die Community, besonders auch die Frauen aus unseren Zusammenhängen, ebenso stark vertreten war wie die Mediziner*innen aus Behandlung und Forschung. Neben der obligatorischen Sitzung zum deutschen Schwangerschaftsregister, bei der es um die Behandlung und Versorgung von Schwangeren, Neugeborenen und Kindern ging, kamen in verschiedenen Vorträgen und Seminaren während des Kongresses eine Reihe frauenspezifischer Fragestellungen zur Sprache. 
Seit vielen Jahren ist es uns ein Anliegen, dass solche auch in der Forschung Berücksichtigung finden. Umso erfreulicher war in diesem Jahr die Verleihung des DAIG-Nachwuchsforscher*innenpreises. Im Rahmen des DÖAK wurden drei junge Frauen mit Nachwuchsforscher*innenpreisen ausgezeichnet: Dr. Kathrin van Bremen aus Bonn für eine Arbeit zu Late Presentern bei HIV/HBV-Koinfektion, Laila Cravat, ebenfalls aus Bonn, für ihre Forschung zu HIV-Test Beratung und Durchführung in der Schwangerschaft und Lila Haberl aus Tübingen für ihre Dissertation über Stillen mit HIV. Angesichts dessen, dass gerade im Bereich Frauen und HIV mangelnde spezifische Forschung immer wieder kritisiert wird, ist es ein deutliches Signal, dass drei Frauen, davon zwei mit frauenspezifischen Themen, ausgezeichnet wurden. Wir gratulieren den drei Ärztinnen zur Auszeichnung und freuen uns auf weitere spannende Forschungsprojekte zu Frauen mit HIV auch in Zukunft.
Ihnen allen eine anregende Lektüre unseres Newsletters. Bleiben Sie gesund!
Petra Hielscher und Guido Schlimbach
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


A K T U E L L E S

Resumee zum Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress
Ende März fand der 10. Deutsch-Österreichische AIDS-Kongress statt, aus bekannten Gründen virtuell. Hieran nahmen auch zahlreiche Kolleg*innen der Mitgliedsorganisationen und der Landesgeschäftsstelle der Aidshilfe NRW teil. Das Motto war "40 Jahre HIV/AIDS – Pandemie gestern und heute". Neben den bereits angesprochenen DAIG-Nachwuchsforscher*innenpreisen berichteten unsere Kolleg*innen auch über weitere Aspekte und das gute Miteinander von Forschung, Behandlung und Community. Weiteres lesen Sie unter ahnrw.de.

Aktuelle Infos zu Corona
Die von der Deutschen Aidshilfe veröffentlichte Internetseite mit Informationen zu Corona wird laufend aktualisiert. Sie finden die Seite unter aidshilfe.de. Auch die Seiten von "HIV & more" zu Corona werden laufend aktualisiert, zu finden sind sie unter hivandmore.de. Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden Sie unter infektionsschutz.de.


G E S U N D H E I T

RKI: Rückgang meldepflichtiger Infektionskrankheiten
Auch andere Infektionskrankheiten werden durch die Corona-Maßnahmen beeinflusst, wie eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und assoziierter Public-Health-Maßnahmen auf andere meldepflichtige Infektionskrankheiten in Deutschland gezeigt hat. Nach den Berechnungen des RKI sind HIV-Diagnosen um ca. 22 Prozent und Diagnosen auf Hepatitis B und C um jeweils ca. 28 Prozent zurückgegangen. Neben dem veränderten Kontaktverhalten führt das RKI dies auch auf  den eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsleistungen, Testangeboten von Gesundheitsämtern und Checkpoints, aber auch zu niedrigschwelligen Einrichtungen für drogengebrauchende Menschen zurück. Weiteres lesen Sie im Epidemiologischen Bulletin des RKI unter rki.de.


S O Z I A L E S

Corona trifft Arme extra hart
Im Februar startete der Paritätische gemeinsam mit rund 40 Erstunterzeichner*innen den Appell "Corona trifft Arme extra hart - Soforthilfen jetzt!" Im vergangenen Jahr konnten viele Organisationen der Wohlfahrt feststellen, wie stark besonders Ärmere unter anderem finanziell von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen sind. Der Appell fordert eine Anhebung der Regelsätze auf mindestens 600 Euro, 100 Euro Coronahilfe, die Ausstattung aller Schüler*innen mit Geräten für den Onlineunterricht und die Aussetzung von Zwangsräumungen während der Pandemie. Bis heute haben bereits 137.000 Einzelpersonen und weitere Organisationen unterschrieben. In seinem Verbandsmagazin greift der Paritätische die Schwerpunkte von #Mindestens600 noch einmal in Heftlänge auf. Das Magazin finden Sie unter der-paritaetische.de

Schattenbericht zur Istanbul-Konvention
Die 2018 in Kraft getretene Istanbul-Konvention ist das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Sie verpflichtet die Staaten zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, zum Schutz der Opfer und zur Bestrafung der Personen, die gewalttätig werden. Deutschland hat 2020 einen Staatenbericht zum aktuellen Umsetzungsstand der Istanbul-Konvention eingereicht. Inwieweit die Staaten die Verpflichtungen des Abkommens eingehalten haben, überprüft die GREVIO-Kommission (GREVIO = GRoup of Experts on action against VIOlence against women and domestic violence), ein unabhängiges Expert*innengremium des Europarats im Herbst 2021. Da der Zivilgesellschaft eine starke Rolle im Überprüfungsprozess zukommt, wurde vom Bündnis Istanbul-Konvention, einem Zusammenschluss von führenden Frauenrechtsorganisationen, Bundesverbänden und Expert*innen mit dem Arbeitsschwerpunkt Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Deutschland, der Schattenbericht zur Istanbul-Konvention veröffentlicht. Dieser ist abrufbar unter buendnis-istanbul-konvention.de.


P O L I T I K

Drug Checking wirkt – und ist dringend notwendig
Drug Checking wirkt! Darauf wiesen die Aidshilfe NRW, akzept NRW und JES NRW anlässlich des internationalen Drug Checking Day am 31. März 2021 hin. Trotz positiver Erfahrungen in anderen europäischen Ländern liegt Deutschland hier drogenpolitisch ganz weit hinten. Eine jüngst vorgelegte Studie im Auftrag des Schweizer Bundesamts für Gesundheit (bag.admin.ch) belegt, dass Drug Checking gesundheitliche Beeinträchtigungen bis hin zu tödlichen Überdosierungen verhindern kann. Die neuen drogenbedingten Todesfallzahlen unterstreichen die Notwendigkeit neuer Harm-Reduction-Ansätze. Mehr hierzu lesen Sie unter saferuse-nrw.de.

Erster Aktionstag Substitution
Im Zuge der Kampagne "100.000 Substituierte bis 2022" (aidshilfe.de) rufen die Deutsche Aidshilfe sowie die Bundesverbände von akzept und JES zum ersten bundesweiten Aktionstag Substitution am 5. Mai 2021 auf. Der Aktionstag soll das Thema Substitution bei Aids- und Drogenhilfen, bei den Nutzer*innen ihrer Angebote sowie bei Behandler*innen noch stärker in den Fokus rücken und zur Vernetzung anregen. Thematisiert werden sollen auch die Neuerungen in der Behandlung durch die Corona-Pandemie. Weitere Informationen zum Aktionstag, neue Medien und Informationsmaterialien sowie Anregungen für Aktionen vor Ort finden Sie unter jes-bundesverband.de.

Harm-Reduction-Empfehlung der AG AIDS-Prävention NRW und des Beirats der Landesstelle Sucht
Die Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW und der Beirat der Landesstelle Sucht NRW hatten im Oktober des vergangenen Jahres ihre erste gemeinsame Empfehlung veröffentlicht: HARM REDUCTION: RISIKEN MINDERN - GESUNDHEIT FÖRDERN. Im Unterschied zu vergangenen Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft ist diese sehr umfangreich ausgefallen. Deshalb hatten die beiden Gremien angeregt, die Übersichtlichkeit und Lesbarkeit mit einem professionellen Layout zu unterstützen. Die Broschüre liegt nun vor. Die Online-Variante finden Sie unter aids-nrw.de.


M E D I E N

POSITIV ALTERN: Positive Vorbilder – ein Film über HIV und das Älterwerden 
Vier positive Protagonist*innen geben Einblicke in ihren Umgang mit HIV und mit dem Älterwerden. Christoph Mayr und Jürgen Rockstroh kommentieren die medizinischen Hintergründe. Zu sehen ist der Film unter youtube.com.

Leitfaden Diskriminierungssensible Sprache in Aids- und Selbsthilfe
Der vom Fach-Arbeitskreis Antidiskriminierungsarbeit der Deutschen Aidshilfe erarbeitete Leitfaden "Diskriminierungssensible Sprache in Aids- und Selbsthilfe" ist fertig und wurde inzwischen veröffentlicht. Er kann bei der DAH angefordert werden. Online finden Sie ihn hier (PDF-Datei).

Mehrsprachige Info-Videos der AIDS-Hilfe Krefeld
Basiswissen HIV/Aids – der HIV-Test – HIV ist unter Therapie nicht übertragbar – zu diesen drei Themen hat die AIDS-Hilfe Krefeld in Kooperation mit der Deutschen Aidshilfe und dem Kommunalen Integrationszentrum kurze und kurzweilige Info-Videos entwickelt, die bereits in acht Sprachen zur Verfügung stehen. Den Link zu den Videos finden Sie unter aidshilfe.krefeld.de.


T H E M A

Im Kleinen das Große finden
Corona und immer wieder Corona. Es ist in aller Munde. Und natürlich nicht nur das: Es gehört seit über einem Jahr zu unserem Alltag. Es schränkt uns ein und macht Begegnungen von unmöglich bis zumindest schwierig und umständlich. Das betrifft in besonderem Maße auch die Selbsthilfe und deren Angebote. Maria-Fernanda ist eine der Frauen, die das fast täglich erlebt. Sie arbeitet in der Aidshilfe Bonn und ist hier für den Bereich Frauen mit HIV zuständig. "Normalerweise" plant sie dabei mit ihren Kolleg*innen aus Bonn oder auch von der Vernetzung XXelle Rheinland auch immer wieder Events wie beispielsweise das Frauen-Sommerfest. Das fiel dieses Jahr ins Wasser – wie so viele andere geplante Veranstaltungen. Geblieben sind die kleineren Angebote wie das seit einigen Jahren laufende Habari-Projekt, eine organisierte und regelmäßig stattfindende Begegnungseinheit für Frauen mit HIV/Aids aller Nationalitäten. Wie gut das auch in der Corona-Zeit funktionieren kann, lesen Sie unter xxelle-nrw.de.   


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

13. bis 16. Mai 2021 | Waldschlösschen
Bundesweites Positiventreffen 
Dieses bundesweite Positiventreffen richtet sich an junge HIV-Positive bis 31 Jahre. Neben Diskussionen, Fortbildungs- und Informationsangeboten zu den jeweiligen Schwerpunktthemen gibt es genügend Raum für Begegnung und den so wichtigen "informellen Austausch". Mit diesen Treffen soll die Selbsthilfearbeit von HIV-Positiven gefördert und diese miteinander vernetzt werden. Voraussetzung ist die Bereitschaft aller Teilnehmenden, sich aktiv und offen mit sich und den anderen sowie den unterschiedlichen Lebens- und Sichtweisen auseinanderzusetzen. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

19. Mai 2021 | Wuppertal
Fortbildungsveranstaltung Hepatitis
Die AIDS-Hilfe Wuppertal bietet eine Fortbildung zu Hepatitis an, in der unter anderem auf die Grundlagen zu Leber und Leberentzündung, den Krankheitsverlauf und die Diagnose von Hepatitis A und E, B und D, sowie Hepatitis C eingegangen wird. Weiteres lesen Sie hier (PDF-Datei).


S O N S T I G E S

Welt-Aids-Tag 2021: Gesucht werden HIV-positive Eltern
Die Planungen für die neue Kampagne zum Welt-Aids-Tag 2021, welche die Fortsetzung der Aktion "Leben mit HIV - anders als du denkst!" vom letzten Jahr ist, sind angelaufen. Die Planer*innen würden sehr gern die Geschichte von HIV-positiven Eltern erzählen, mit der Stoßrichtung: Familienplanung ist natürlich auch mit HIV möglich! Weitere Informationen dazu finden Sie hier (PDF-Datei).

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint Ende Mai 2021
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis Mitte des Monats per E-Mail an Petra Hielscher.
 
 
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