Januar 2021
Liebe Leser*innen!
Das neue Jahr begann, wie das alte Jahr endete. Viele der eingeübten Einschränkungen werden wir aus Rücksicht füreinander noch bis Februar und, wer weiß, noch bis in den März zu berücksichtigen haben. Aber trotz mancher Startschwierigkeiten ist die Impfung ein Lichtblick, der uns Hoffnung macht, dass sich unser Leben im Laufe des Jahres entspannt. Und bis dahin sollten wir alle gut füreinander, aber auch für uns selbst sorgen. Jüngste Studien haben gezeigt, dass vor allem Frauen unter den Folgen der Pandemie am meisten sozial zu leiden haben (vgl. dazu eine Studie der Bertelsmann Stiftung über Rollen und Aufgabenverteilung bei Frauen und Männern in Corona-Zeiten unten unter Soziales). Wir sollten daher dem nachgehen, was uns guttut. Es ist schön, zu beobachten, dass viele unserer Aidshilfen Angebote entwickelt haben, und auch POSITHIV HANDELN NRW bietet für Menschen mit HIV entsprechende Veranstaltungen an. Wichtig ist, dass wir auch nach der sukzessiven Öffnung bestimmte Verhaltensweisen nicht aus dem Blick verlieren. Und das wären aus unserer Sicht vor allem das Achtgeben aufeinander und auf uns selbst. Und vielleicht bewahren wir uns ja auch die Erfahrung der Entschleunigung.Wie schnell die Zeit für manche von uns vergangen ist, zeigt sich immer gern, wenn Jubiläen zu begehen sind. Unsere Kollegin Sabine Sauer arbeitet jetzt 25 Jahre für die Aidshilfe Bielefeld. Wir beglückwünschen Sie zu dieser erfüllten Zeit des Engagements und berichten darüber in einem Artikel auf unserer Homepage.Ihnen allen eine anregende Lektüre unseres Newsletters. Bleiben Sie gesund!
Petra Hielscher und Guido Schlimbach
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


A K T U E L L E S

Noch diese Woche: Bis zum 31.1. für ein Scholarship beim DÖAK 2021 bewerben!
Vom 25. bis 27. zum März findet der virtuelle Deutsch-Österreichische AIDS-Kongress (DÖAK) statt (siehe unten). In der digitalen Version wird es eigens geschaffene Formate für das wissenschaftliche Programm und fünf Community-Workshops geben. Scholarships unterstützen durch den kostenfreien Zugang (= Erlass der Teilnahmegebühr) eine möglichst breite Beteiligung der HIV-positiven Community am Kongress. Bewerbungen können online an die Deutsche AIDS-Gesellschaft gerichtet werden. Bewerbungsschluss ist allerdings schon der 31. Januar 2021. Das Formular finden Sie unter daignet.de.


P O L I T I K

Verhütung für alle besser machen!
"Jeder Mensch hat das Recht, über den eigenen Körper, seine Sexualität und damit einhergehende Verhütung zu bestimmen. Sexualität muss ohne Angst vor ungewollten Schwangerschaften auslebbar sein." Zwei junge Studentinnen der Internationale Beziehungen bzw. Politikwissenschaft haben sich Anfang 2020 im Europäischen Parlament kennengelernt und setzen sich gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Unterstützer*innen für eine bessere Verhütung für alle ein. In einer Online-Petition fordern sie: "Männer haben heutzutage neben dem Kondom keine massentaugliche Option zu verhüten. Auch deshalb liegt die Verantwortung häufig alleine bei den Frauen. Wir fordern mehr Solidarität!" Die Online-Petition finden Sie unter change.org


G E S U N D H E I T

HIV-Infektion und COVID-19
Im November waren in Deutschland etwa 720.000 Infektionen gemeldet. Bei einer geschätzten Prävalenz von knapp unter einem Prozent entspräche dies in der HIV-Population etwa 770 Fällen. Die Zahl der wirklich diagnostizierten Koinfektionen wäre also hierzulande vergleichsweise niedrig. Bislang gibt es keine Hinweise für eine höhere Inzidenz. Mehrere Studien zeigten sogar tendenziell das Gegenteil: In großen Kohorten aus Barcelona, New York oder Großbritannien war der Anteil der HIV-Patient*innen teilweise sogar deutlich niedriger als erwartet. Einige Expert*innen spekulierten über mögliche „schützende“ Faktoren, darunter antivirale Therapien oder auch die Immunaktivierung. Oder passen HIV-Patient*innen – in dem Wissen um ihre Grunderkrankung – in diesen Zeiten am Ende einfach ein bisschen besser auf sich auf? Sicher scheint zumindest, dass keine generell erhöhte Empfänglichkeit für eine SARS-CoV-2-Infektion besteht. Weitere spannende Erkenntnisse des Hamburger Virologen Christian Hoffmann lesen Sie unter hivandmore.de

Corona-Impfstudien und HIV
An den Studien zur COVID-19-Impfung haben nur wenige HIV-positive Menschen teilgenommen. Bislang gibt es keine Hinweise, dass die Impfung bei HIV-Infektion weniger gut verträglich ist. Theoretisch gibt es keinen Grund, der gegen eine Corona-Impfung bei HIV-Positiven spricht. Der Impfstoff enthält keine lebenden Viren und stellt damit selbst bei Immunschwäche kein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen dar. Fachgesellschaften und Experten empfehlen Menschen mit HIV zu impfen. Weiter Informationen finden Sie unter hivandmore.de

Erste komplette HIV-Therapie in Form von Monats-Spritzen in Europa zugelassen
Die Europäische Kommission hat ein HIV-Medikament mit dem Wirkstoff Cabotegravir als Depotspritze in Verbindung mit einem weiteren injizierbaren HIV-Medikament mit dem Wirkstoff Rilpivirin zugelassen. Die Spritzen werden einmal im Monat oder alle zwei Monate ins Gesäß verabreicht. Weitere Informationen lesen Sie unter aidshilfe.de


S O Z I A L E S

Frauen leiden unter der Krise
Mehr als zwei Drittel der Frauen erledigen in der Corona-Krise die Arbeiten im Haushalt allein, mehr als die Hälfte kümmert sich um Home-Schooling und Kinderbetreuung, viele geraten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Eine neue Umfrage der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die Rollen überwiegend traditionell verteilt sind. Die Grünen fordern daher eine "Care-Revolution" für gerechtere Aufteilung der Sorgearbeit. Weitere Informationen lesen Sie unter bertelsmann-stiftung.de

EU-Ministerrat fordert Schritte für gleiche Teilhabe am Arbeitsmarkt
Zwischen Gehältern von Frauen und Männern klafft immer noch eine Lücke: Frauen leisten einen großen Teil der Pflegearbeit, erleiden Karrierebrüche, sind häufig in Teilzeit tätig und müssen Beruf und Familie vereinbaren. Mit den neuen EU-Ratsschlussfolgerungen haben die EU-Minister*innen die Grundlage für eine Politik der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen auf dem Arbeitsmarkt gelegt. Weiteres lesen Sie unter zwd.info

Frauenrechte: Mehr Einsatz für Gleichstellung geplant
Die Bundesregierung hat sich den Schutz von Frauen und die Förderung ihrer gleichberechtigten Teilhabe auf die politische Agenda im In- und Ausland gesetzt. In dem Anfang Dezember vorgelegten 14. Menschenrechtsbericht bekennt sich die Bundesrepublik zum Engagement gegen den international zu beobachtenden Trend, Räume zivilgesellschaftlichen Handelns einzuschränken und Fortschritte in Richtung auf Gleichberechtigung zurückzudrängen. Weitere Informationen finden Sie unter bundesregierung.de


M E D I E N

"Sexarbeit und Corona: So schützt du dich und andere"
Eine jüngst von der Deutschen Aidshilfe publizierte Broschüre informiert über Hygiene- und Schutzmaßnahmen, mit denen Sexarbeitende und Kund*innen das Risiko für eine Corona-Infektion reduzieren können. Orientiert an dem Arbeitsalltag von Sexarbeitenden werden einzelne Maßnahmen sowie Utensilien, die zur Umsetzung benötigt werden, vorgestellt. Die Broschüre ist auch in den Sprachen Englisch, Russisch, Bulgarisch, Rumänisch, Ungarisch, Thailändisch und Spanisch erhältlich. Die deutsche Ausgabe finden Sie unter aidshilfe.de.  


T H E M A

25 Jahre Streetwork in Bielefeld - Wir gratulieren
Vor 25 Jahren begann Sabine Sauer bei der Aidshilfe Bielefeld, den neuen Bereich bzw. das neue Modellprojekt "Gesundheitsförderung für Frauen in der Straßenprostitution" aufzubauen. Das war 1995, nachdem sie zuvor 1989 in der Beratungsstelle ein Praktikum absolviert hatte. Ihre Diplom-Arbeit hatte sie dem Thema "Aidsprävention im Jugendalter" gewidmet. Bereits ein Vierteljahrhundert begleiten Sabine Sauer und ihre Kolleg*innen in ihrer aufsuchenden Arbeit die Frauen rund um die Themen Gesundheitsförderung, Überlebenshilfe und Gewaltprävention. Dabei erfahren sie eine hohe Wertschätzung von zwei Seiten – von vielen der Sexarbeiter*innen wie auch von den Institutionen, die hinter diesem Projekt stehen. Lesen Sie hierzu mehr unter xxelle-nrw.de


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

5. bis 6. Februar 2021 | online
STI-Kongress 2021
Die verschobene Tagung unter dem Motto "Liebe in Zeiten von COVID-19" findet nun virtuell statt. Folgende Themen sind vorgesehen: Epidemiologie und Prävention, Resistenzen und  STI-Diagnostik, STI-Klinik, Sexualität und psychische Gesundheit, Impfung und PrEP sowie HIV und Hepatitis. Weitere Informationen finden Sie unter sti-kongress2021.de.

18. bis 21. März 2021 | Waldschlösschen
Bundesweites Treffen für junge HIV-Positive bis 31 Jahre
Neben Diskussionen, Fortbildungs- und Informationsangeboten zum Thema "Vom Sein und Anderssein – Leben in Vielfalt - Jede*r ist anders und alle sind gleich!" bleibt genügend Raum für Begegnung und den so wichtigen "informellen Austausch". Mit diesen Treffen soll die Selbsthilfearbeit von HIV-Positiven gefördert werden. Weitere Informationen dazu finden Sie hier (PDF-Datei).

25. bis 27. März 2021 | online
Deutsch-Österreichischer AIDS-Kongress
Die zehnte Ausgabe des DÖAK möchte im März 2021 unter dem Titel „40 Jahre HIV/AIDS – Pandemien gestern und heute“ auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Prävention und Behandlung blicken. Nach mehrgleisiger Vorbereitung wird der Kongress nun rein digital stattfinden. Weitere Informationen finden Sie unter sv-veranstaltungen.de.

"SELBSTVERSTÄNDLICH POSITHIV!" – auch in Corona-Zeiten
Derzeit können keine Präsenzveranstaltungen aufgrund des Lockdown stattfinden. Doch die Positive Selbsthilfe NRW lebt. Ganz im Sinne, Menschen mit HIV und Aids zu unterstützen und ihre Resilienz zu fördern, bietet POSITHIV HANDELN NRW diverse Positiventreffen als Online Kurse an. Die derzeitigen Angebote: Frische und Entspannung tanken im Lockdown, Qigong-Online Kurs, mittwochs von 18 bis 19:15 Uhr; Selbstfürsorge und Achtsamkeit in herausfordernden Zeiten, Online Kurs, donnerstags von 18 bis 19:30 Uhr; Raus damit!, Online- Schreibworkshop, Dienstags von 18 bis 21 Uhr. Weitere Angebote werden folgen. Nähere Informationen finden Sie unter posithiv-handeln.de


S O N S T I G E S

Jahresprogramm der Positiven Selbsthilfe NRW
Alle im diesem Jahr geplanten Veranstaltungen der Positiven Selbsthilfe NRW sowie die Themen und Termine der Positiventreffen NRW sind Ende des Jahres in einer Broschüre erschienen. Mit den Veranstaltungen und Angeboten soll weiterhin ein selbstbewusstes und selbstbestimmtes Leben mit HIV und Aids gefördert und unterstützt werden. Ganz in diesem Sinne ist das Jahresmotto 2021 "SELBSTVERSTÄNDLICH POSITHIV!" Das Jahresprogramm von POSITHIV HANDELN NRW finden Sie hier (PDF-Datei).

Online Beratung der Dortmunder Mitternachtsmission
Die Lebenswelt von Kinder und Jugendlichen ist das Internet. Zum Großteil findet die Kontaktaufnahme für Prostitution und sexueller Ausbeutung über das Internet statt. Darauf reagiert die Dortmunder Mitternachtsmission nun mit einer Onlineberatung als Ergänzung ihrer Arbeit. Die Hemmschwelle sich per Mail oder virtuell an eine Beratungsstelle zu wenden, ist deutlich geringer. Durch die Onlineberatung sollen mehr Kinder und Jugendlichen erreicht werden, sie richtet sich aver auch an Angehörige und Fachkräfte. Den Flyer zum Angebot finden Sie hier (PDF-Datei).

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint Ende Februar 2021
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis Mitte des Monats per E-Mail an Petra Hielscher.
 
 
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