Nr. 6 - Dezember 2020

Sehr geehrte Leser*innen,

der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember soll Solidarität für Menschen mit HIV und Aids fördern und Diskriminierung entgegenwirken, an die an Aids verstorbenen Menschen erinnern und für den weltweiten Zugang zu Prävention und Versorgung werben. Drogengebrauchende Menschen und Menschen in Haft stehen an diesem Tag oftmals nicht im Fokus, dabei ist Drogengebrauch nach wie vor der dritthäufigste Übertragungsweg für HIV, die Neuinfektionszahlen bei drogengebrauchenden Menschen nehmen seit mehreren Jahren wieder zu. Schätzungen gehen davon aus, dass rund ein Prozent der Inhaftierten eine HIV-Infektion hat – dies mag nicht viel erscheinen, doch auch diese Gruppe bedarf unserer Aufmerksamkeit, sind doch die Hürden im Zugang zu Präventionsmaterialien und zur medizinischen Behandlung in Haft oftmals besonders hohe und die Diskriminierungspotenziale, zum Beispiel was die immer noch gängige Praxis bestimmter Beschäftigungsverbote betrifft, besonders viele im Strafvollzug. Doch auch über die HIV-spezifischen Problemlagen hinaus sind Beratungs-, Unterstützungs- und Empowerment-Angebote für Menschen, die Drogen gebrauchen und/oder Hafterfahrung haben, unverzichtbar. Dies ist nicht zuletzt im Zuge der Corona-Pandemie in diesem Jahr sehr deutlich geworden.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Menschen in den Aidshilfen und Drogenberatungsstellen, bei unseren Mitstreiter*innen der Selbsthilfe, bei kooperierenden Verbänden und Institutionen und Verbündeten in Politik und Verwaltung bedanken, dass Sie in diesem besonders schwierigen Jahr den Fokus für diese Menschen nicht verloren und Ihre wertvolle Arbeit aufrechterhalten, oftmals sogar intensiviert haben.

Anbei senden wir Ihnen nun die sechste und für dieses Jahr letzte Ausgabe des gemeinsamen Newsletters rund um die Themen Safer Use, Drogen und Strafvollzug. Hiermit möchten wir noch einmal abschließend für 2020 wichtige Entwicklungen und Neuigkeiten aus Politik und Gesellschaft, Medizin und Forschung, aus dem Verband sowie von unseren Kooperationspartnern mit Ihnen teilen. Gerne veröffentlichen wir interessante Projekte, Themen oder Termine über den Newsletter.  Bitte senden Sie die Beiträge einfach per Mail an brigitte.bersch@nrw.aidshilfe.de. Wir freuen uns über jede Rückmeldung.

Mit herzlichen Grüßen,

Brigitte Bersch            
Spritzenautomatenprojekt NRW

Domenico Fiorenza
   
Fachbereich Drogen|Strafvollzug      


A K T U E L L E S  &  P R E S S E
 

Kampagne zum Welt-Aids-Tag: Leben mit HIV – anders als du denkst

"Leben mit HIV – anders als du denkst", so lautet die diesjährige Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Deutschen Aidshilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Eine HIV-Infektion muss heute keine Einschränkungen mehr für den Alltag, für das Berufsleben oder das Ausleben von Sexualität und Partnerschaft bedeuten, und trotzdem sind viele Menschen mit HIV weiterhin Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt. Dem möchte die Kampagne entgegenwirken, indem sie die Lebenswirklichkeiten von Menschen HIV zeigt. Mehr zur Kampagne und weitere Meldungen und Daten rund um den Welt-Aids-Tag finden Sie im Spotlight Welt-Aids-Tag der AG AIDS-Prävention NRW.

HIV und Aids in Deutschland und NRW 2019: Leichter Anstieg bei drogenbrauchenden Menschen setzt sich fort
Zum Welt-Aids-Tag hat das Robert-Koch-Institut (RKI) im jüngsten Epidemiologischen Bulletin die aktuellen Zahlen zu HIV und Aids in Deutschland sowie den einzelnen Bundesländern (Stand: Ende 2019) veröffentlicht. Sowohl bundes- als auch landesweit in NRW sind die Zahlen leicht gestiegen. Dies ist vor allem auf einen Anstieg auf niedrigem Niveau durch die Übertragungswege heterosexuelle Kontakte und injizierender Drogengebrauch zurückzuführen. Weitere Informationen finden Sie unter saferuse-nrw.de.

Neues Online-Toolkit für Beratungs- und Testangebote für drogengebrauchende Menschen
Der Ausbau niedrigschwelliger HIV- und HCV-Testangebote für drogengebrauchende Menschen war eine der wichtigsten Empfehlungen der DRUCK-Studie (2016) des Robert Koch-Instituts. Um den Aufbau und die Weiterentwicklung solcher Angebote zu unterstützten, hat die Aidshilfe NRW nun ein Online-Toolkit, also einen "Werkzeugkasten" mit Checklisten und Aktionsplänen für niedrigschwellige Einrichtungen veröffentlicht. Dieses Toolkit, abrufbar unter dem Link ivd-toolkit.de, bündelt Anleitungen, Empfehlungen und Leitlinien sowie Maßnahmen für die Anpassung und Qualitätsentwicklung verschiedener Bereiche eines Beratungs- und Testangebots. Dies sind zum Beispiel die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen, die zum Betrieb eines Beratungs- und Testangebots notwendig sind, aber auch Hinweise zur Einbeziehung von peers und zur Bewerbung des Angebots. Teil des Toolkits ist außerdem ein bundesweites Angebotsmapping bestehender Testprojekte für drogengebrauchende Menschen. Mehr zum Toollkit lesen Sie unter saferuse-nrw.de.
 
Aktionstage Gefängnis weisen auf Missstände in Haft hin
Zum vierten Mal fanden in diesem Jahr vom 1. bis 11. November 2020 die Aktionstage Gefängnis statt. Getragen von einem breiten Bündnis, dem unter anderem die Deutsche Aidshilfe, der Paritätische Gesamtverband, die Katholische Arbeitsgemeinschaft Straffälligenhilfe und die Gefangenengewerkschaft GG/BO angehören, wollen die Aktionstage auf Missstände in Gefängnissen hinweisen, die Rechte von Menschen in Haft stärken und die Bevölkerung sensibilisieren. Elf zum Teil bewusst provokant oder zynisch formulierte "Thesen" und Themen standen jeweils an einem Tag Pate für verschiedene Aktionen und Veranstaltungen. Die meisten Aktionen fanden online statt oder wurden aufgezeichnet, viele aufschlussreiche Beiträge können so nun auch im Nachhinein noch unter aktionstage-gefaengnis.de abgerufen werden.

Substitutions-Fachtag von akzept NRW: Mitschnitt nun online verfügbar
Der Online-Fachtag Diamorphin, Substitution, Versorgung von akzept NRW befasste sich am 16. September 2020 mit aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen der Diamorphinbehandlung sowie Neuerungen und Chancen für die Substitution im Allgemeinen im Zuge der Corona-Pandemie. Der Mitschnitt der gesamten Veranstaltung ist nun auf youtube.de einsehbar. Einzelne Beiträge können Sie jeweils zu folgenden Zeitpunkten in der Aufzeichnung aufrufen:
  • Stephan Walcher, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin – Das 10-Eckpunkte-Papier zur Lösung der Versorgungskrise (17:00)
  • Rainer Matheisen, drogenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag NRW – Diamorphin, ein Angebot für ganz NRW? (29:50)
  • Christian Plattner, Düsseldorfer Diamorphinambulanz – Diamorphin, mehr als eine Notlösung (45:02)
  • Ansgar von der Osten, Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe – Substitution mit Methadon und Diamorphin sicherstellen, aber wie? (1:02:08)
  • Thomas Pöhlke, substituierender Arzt, Münster – Substitution in Zeiten von Corona, was hat sich (nicht) bewährt? (1:25:41)
  • Christine Tügel, Substitutionsambulanz im Drob Inn, Hamburg – So kommen wir voran … Erfahrungsbericht zur Neugründung einer Substitutionsambulanz in Corona-Zeiten (1:43:44)
Hepatitis-Strategie der Aidshilfe NRW: Best Practice im Verband
Die Aidshilfe NRW hat in diesem Jahr ihr Strategiepapier Hepatitis veröffentlicht. Das Strategiepapier benennt vier wesentliche Handlungsfelder – Zugang zu Information und Prävention, zu Beratung und Test und zur Behandlung, und den Bereich Antidiskriminierung – sowie drei Maßnahmenpakete – mehr Awareness und Öffentlichkeit, mehr Vernetzung und Empowerment, mehr Ressourcen. Diese Handlungsfelder und Maßnahmen gilt es nun weiter im Landesverband, also auf Landesebene sowie in den Mitgliedsorganisationen, zu bearbeiten. Im Zuge der Arbeit mit der neuen Strategie wurde das Papier auch auf der Online-Mitgliederversammlung der Aidshilfe NRW am 31. Oktober 2020 unter den Delegierten diskutiert. Das Thema Hepatitis ist selbstverständlich kein ganz neues, und zahlreiche Beispiele guter Praxis existieren bereits im Verband. Zwei dieser Beispiele wurden auf der Mitgliederversammlung im Interview mit Claudia Schieren, Geschäftsführerin der Drogenselbsthilfevereins VISION, sowie Jürgen Rockstroh, Vorstandsmitglied der Aidshilfe Köln, per Video-Einspieler vorgestellt. Die Videos können Sie sich hier und hier anschauen.
 

M E D I Z I N  &  G E S U N D H E I T 

Leitlinien erleichtern Behandlung auch akuter Hepatitis-C-Infektionen
Die Zulassungskriterien zur Hepatitis-C-Behandlung sind nach wie vor ein massives Hindernis, um Menschen mit frisch diagnostizierter Hepatitis-C-Infektion zeitnah in die Behandlung überzuleiten: Die direct acting antivirals (DAAs), die seit einigen Jahren erhältlichen hoch wirksamen HCV-Medikamente, sind nur für chronische Infektionen zugelassen. Chronisch gilt eine Hepatitis-C-Infektion dann, wenn sie seit nachweislich mindestens sechs Monaten besteht; vorher spricht man von einer akuten Infektion.

Ein sogenanntes "Addendum", also ein Zusatzdokument zu den Behandlungsleitlinien der zuständigen medizinischen Fachgesellschaft, spricht sich nun für die Behandlung jeder aktiven HCV-Infektion aus, da jede Infektion ein Risiko für die Entwicklung von Folgeerkrankungen darstelle. Eine Unterteilung in akute und chronische Infektionen sei "klinisch häufig nicht praktikabel". Bei einer typischen Konstellation für eine chronische Infektion sei die Wartezeit von sechs Monaten "medizinisch nicht notwendig". Dieser neue Zusatz stärkt all jene Behandler*innen, die psychischen und gesundheitlichen Leidensdruck ihrer Patient*innen unmittelbar angehen und die Therapie nicht um weitere sechs Monate verzögern und dabei viele Patient*innen verlieren möchten. Die Therapieleitlinien und das erwähnte Addendum finden Sie unter dgvs.de.

Screening auf Hepatitis B und C wird Teil des Gesundheits-Check-Ups
Eine weitere Errungenschaft zur besseren Verfügbarkeit von Beratung, Test und Behandlung ist nun durch die Aufnahme des Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Screeinings in den "Gesundheits-Check-Up" gelungen. Im Rahmen des Check-Ups, auf den gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle drei Jahre einen Anspruch haben, soll nun auch die Option aufgenommen werden, sich kostenfrei auf Hepatitis B und C testen zu lassen. Davon verspricht man sich, insbesondere symptomlose oder schleichend verlaufende Infektionen zu finden, Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs können so verhindert werden. Dies hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 20. November 2020 beschlossen. Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de.

Evaluation der BtMVV-Novelle aus ärztlicher Sicht
Viele Hoffnungen waren mit der Novelle der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) im Jahr 2017 verbunden: eine Sicherstellung und Ausweitung der Behandlung, mehr Rechtssicherheit für substituierende Ärzt*innen, eine bessere, einfachere und leichter verfügbare Behandlung für die Patient*innen. Silke Kuhn vom Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg hat eine erste Evaluation der Auswirkungen in der Praxis beim digitalen Kongress der Gesellschaft für Suchtmedizin am 6. November 2020 vorgestellt. Den Link zur Präsentation finden Sie unter forum-substitutionspraxis.de.

Kampagne "100.000 Substituierte bis 2022" wird von Bundesdrogenbeauftragter unterstützt
Nicht nur aus ärztlicher Perspektive, auch aus Patientensicht bleibt zum Thema Substitution noch viel zu tun. Die Deutsche Aidshilfe sowie die Bundesverbände von akzept und JES haben sich mit der Kampagne "100.000 Substituierte bis 2022" zum Ziel gesetzt, die Behandlungsquote in den nächsten zwei Jahren deutlich auszubauen. Die Kampagne wird auch von der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig unterstützt. Mehr lesen Sie unter aidshilfe.de und drogenbeauftragte.de.


P O L I T I K  &  R E C H T 

Drug Checking im Bundesrat: Hessen beantragt Änderung des Betäubungsmittelgesetzes
Berlin ist bislang das einzige deutsche Bundesland, das ein Drug-Checking-Projekt auf den Weg gebracht hat. Das Land Hessen hat versucht, Drug Checking als ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt zu etablieren, ist hierbei jedoch am Widerstand des Bundesinstituts für Arzneimittel und Mediziprodukte (BfArM) gescheitert. Nun schlägt die Landesregierung einen anderen Weg ein: Am 6. November 2020 hat das Land Hessen im Bundesrat einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) eingebracht, der analog zum Paragraphen über den Betrieb von Drogenkonsumräumen den Ländern die Einrichtung von Drogenuntersuchungseinrichtungen erlauben würde. Solch eine bundeseinheitliche Regelung hätte den Charme, dass sie die rechtlichen Unsicherheiten, die derzeit selbst bei grundsätzlich aufgeschlossenen Akteure für Zurückhaltung sorgen, beseitigen würde. Zugleich würde sie die Verantwortlichkeit und Umsetzung auf Länderebene belassen, dies macht die Änderung auf Bundesebene möglicherweise leichter verdaulich. Ähnlich hat es auch bei den Drogenkonsumräumen funktioniert, die nun immerhin in acht Bundesländern in Betrieb sind.

Die Unterlagen zur hessischen Bundesratsinitiative finden Sie unter bundesrat.de (TOP 55). Der Antrag wurde in die zuständigen Ausschüsse verwiesen und nach aktuellem Stand vom federführenden Gesundheitsausschuss zur Weiterverweisung an den Bundestag empfohlen. Auf der letzten Sitzung des Bundesrats am 27. November 2020, an dem der Bundesrat hierzu hätte entscheiden sollen, ist der Tagesordnungspunkt jedoch vertagt worden (s. bunderat.de, TOP 21). Zustimmung angekündigt wurde vorab aus Hamburg, aus Bremen sowie vom saarländischen Drogenbeauftragten.

Vom Drug Checking zur "analysegestützten Beratung" – das Modell der Bundesdrogenbeauftragten

Auch Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig hatte sich Anfang des Jahres offen gegenüber dem Thema Drug Checking gezeigt. In ihrem nun veröffentlichten Jahresbericht (s.u.) spricht sich Daniela Ludwig für die Hinwendung zu einem Modell "analysegestützter Beratung" aus, verweist aber auch auf bestehende Differenzen: "Vor diesem Hintergrund spricht sich die Drogenbeauftragte für eine deutliche Intensivierung der Prävention auch gegenüber illegalen Drogen aus. Außerdem setzt sie sich für eine unvoreingenommene Prüfung der Potenziale und der rechtlichen Realisierbarkeit einer sogenannten „Analysegestützten Beratung“ ein. Hierbei handelt es sich um eine Form des Drug-Checkings, bei der nicht die stoffliche Analyse, sondern ein Beratungsgespräch durch geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Suchthilfe im Vordergrund steht. Im Februar 2020 hat das BMG zu einem orientierenden Fachgespräch eingeladen. Daran nahmen neben der Drogenbeauftragten u. a. Vertreter der Bundesländer, der Suchthilfe und der Polizei teil. Die Diskussion zeigt, dass die Positionen sowohl im Bund als auch unter den Ländern noch weit auseinanderliegen."

Ein ähnlicher Weg könnte auch in NRW denkbar sein, folgt man der in diesem Jahr verabschiedeten Harm-Reduction-Empfehlung der AG AIDS-Prävention NRW und des Beirats der Landesstelle Sucht NRW. Die Safer-Use-Beratung wird hier als wesentlicher Bestandteil der Angebote von Aids- und Drogenhilfen benannt, dabei gehe es um „Beratung zu Safer Use, alternativen Konsumformen, risikoärmeren Gebrauchsmustern, Zusammensetzung und Wirkweise von Substanzen sowie ggf. Substanz- und Schadstoffanalysen und Safer Sex“. Zudem entspricht dies auch der gelebten Praxis von Drug-Checking-Angeboten etwa in der Schweiz und Österreich, die ein integriertes Modell anwenden, welches die Beratung in den Mittelpunkt stellt. Vielleicht liegen die Positionen am Ende also weniger weit auseinander, als befürchtet wird – der Ausgang der oben genannten Bundesratsinitiative wird es zeigen.

Cannabis-Modellversuch im Landtag NRW abgelehnt

Auf Initiative der grünen Landtagsfraktion hatte sich der Landtag NRW unter Hinzuziehung von Sachverständigen mit dem Antrag „Modellversuch kontrollierte Cannabis-Abgabe: Schwarzmarkt bekämpfen, Jugendschutz und Prävention stärken“ beschäftigt. Die Gutachten, vom Hanfverband bis hin zum Bund Deutscher Kriminalbeamter, befanden unter anderem, dass ein Modellversuch auf Grundlage der guten Erfahrungen im Bereich Entkriminalisierung in anderen Ländern (z.B. Portugal) gar nicht mehr nötig sei. Der einseitige Fokus auf Cannabis sei auch nicht zielführend. Dennoch wurde der Antrag nun sowohl im Innenausschuss (TOP 5), im Rechtsausschuss (TOP 2) als auch im Gesundheitsausschuss (hier finden sich die Stellungnahmen der Fraktionen) von einer Mehrheit abgelehnt.


P U B L I K A T I O N E N  &  B E R I C H T E

Eckpunktepapier zur Gesundheitsarbeit in der Drogenhilfe
Im vergangenen Newsletter wurde bereits die Studie "we care" der aidshilfe dortmund zum Hepatitis-C-bezogenen Gesundheitsverhalten drogengebrauchender Menschen vorgestellt. Die Studie enthält zahlreiche wichtige Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die ambulante Drogenhilfe und die Suchtmedizin. Diese wurden nun übersichtlich und präzise in einem neuen Eckpunktepapier mit dem Titel „Umdenken/lenken in der Gesundheitsarbeit der Drogenhilfe – Lebensweltorientiertes Konzept für Hepatitis-C-spezifische Versorgungsangebote“ aufbereitet. Das Papier finden Sie unter aidshilfe-dortmund.de.

Jahresbericht 2020 der Bundesdrogenbeauftragten
 
Daniela Ludwig hat am 26. November 2020 den neuen Jahresbericht der Bundesdrogenbeauftragten vorgelegt. Der Bericht orientiert sich an den vier Handlungsfelder der Nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik (2012): Suchtprävention – Beratung und Behandlung – Schadensreduzierung – Angebotsreduzierung und Strafverfolgung. Die erste Säule, Suchtprävention, nimmt einen erkennbaren Schwertpunkt ein. Der Abschnitt zum Thema Harm Reduction (ab S. 47) enthält jedoch einige ermutigende Passagen. Die benannten Themen sind die Sicherstellung der Substitutionsbehandlung, der Einsatz von Naloxon, Drogenkonsumräume, Beratung und Test sowie Behandlung von HIV und Hepatitis B und C sowie analysegestützte Beratungen (Drug Checking, s.o.). Die Pressemeldung der Drogenbeauftragten sowie den gesamten Bericht als PDF finden Sie hier.
 

The Global State of Harm Reduction 2020
The Global State of Harm Reduction ist eine einmalige, globale Bestandsaufnahme des Zugangs drogengebrauchender Menschen zu Maßnahmen der Schadensminimierung. Der Bericht wird zweijährlich von der Initiative Harm Reduction International (HRI) veröffentlicht. Insgesamt habe sich der Zugang der weltweit geschätzt 11,3 Millionen intravenös drogengebrauchenden Menschen im Vergleich zum letzten Report auf dem Jahr 2018 verschlechtert, so HRI. Abgenommen habe beispielsweise die Anzahl der Staaten, in denen Zugang zur Substitutionstherapie besteht. Schwerpunktthemen des Reports sind die Corona-Pandemie, die bestehende Herausforderungen vielerorts verschärft hat oder mittelfristig droht zu verschärfen, Hepatitis und Tuberkulose. Den englischsprachigen Report sowie einige Übersichtsgraphiken und –tabellen können Sie unter hri.global einsehen.


M E D I E N  &  I N F O R M A T I O N S M A T E R I A L I E N

Neue Ausgabe des Drogenkuriers online
Die Ausgabe Nr. 124 des Drogenkuriers, das Magazin des JES-Bundesverbands, ist online bereits verfügbar unter jes-bundesverband.de. Die Ausgabe beschäftigt sich u.a. mit dem Schwerpunktthema „Gleichstellung der Substitutionsbehandlung mit Diamorphin“, neuen Materialien und Medien rund um Hepatitis C und neuen Safer-Use-Utensilien für den Crackkonsum.


F O R S C H U N G  &  S T U D I E N 

Corona und Drogenhilfe: Befragung des CDR geht in die nächste Runde
Die Studie „Corona und Drogenhilfe“ des Centre for Drug Research (CDR) an der Universität Frankfurt geht in die nächste Runde. Über mehrere Monate wurden nun die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeit in der ambulanten Drogenhilfe und auf den Lebensalltag drogengebrauchender Menschen durch Berichte aus den Einrichtungen erhoben und fortlaufend aktualisiert. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse sollen nun durch quantitative Daten durch einen 15-minütigen Online-Fragebogen unterfüttert werden. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert und somit würden die Ergebnisse auch politisch wahrgenommen, so das CDR. Weitere Informationen und den Link zur Befragung finden Sie unter forum-substitutionspraxis.de.

Corona und Drogenhilfe: Auswertung des Robert Koch-Instituts
Ergänzend zur oben genannten Befragung hat das Robert Koch-Institut eine bundesweite Kurzbefragung unter niedrigschwelligen Drogenhilfeeinrichtungen zur Aufrechterhaltung der Präventionsangebote für durch Blut und sexuell übertragbare Infektionen bei drogengebrauchenden Menschen im Zuge der Corona-Pandemie durchgeführt. Auf Grundlage der Rückmeldungen zeigt sich ein gemischtes Bild: Ein großer Teil der Einrichtungen musste zumindest zu Beginn der Pandemie Räumlichkeiten schließen, Angebote reduzieren oder umstellen. Ein Notbetrieb wurde jedoch in aller Regel aufrechterhalten, allen voran die Vergabe von Konsumutensilien und die Essensausgabe. Einige Einrichtungen haben ihre Angebote (v.a. im Bereich Streetwork) sogar ausgebaut, um die Menschen mit gestiegenen Hilfsbedarfen und während des Wegfalls vieler anderer Säulen des Hilfesystems weiterhin zu erreichen. Weiteres lesen Sie unter saferuse-nrw.de. 


T E R M I N E  &  V E R A N S T A L T U N G E N

4. bis 5. Dezember 2020 (online): Gefängnismedizintage
Die fünften Gefängnismedizintage bieten dieses Jahr erneut ein Forum für den Austausch für Medizinische Dienste und Mitarbeitende aus dem Justiz- und Maßregelvollzug, aber auch externe Beratungsstellen. Schwerpunktthemen sind Infektiologie, Psychiatrie, Suchtmedizin, Recht und Ethik in der Vollzugsmedizin, Pflege, Labordiagnostik und Alter und Behinderung. Unumgänglich wird auch die Frage sein, wie das Coronavirus den Justizalltag berührt und wie mit den Herausforderungen durch die Pandemie in Haft umgegangen wird. Die Veranstaltung wird ausschließlich online stattfinden, möchte aber trotzdem das gewohnt interaktive Format beibehalten. Weiteres lesen Sie unter sv-veranstaltungen.de. 

10. Dezember 2020 (online): Hepatitis-C-Schulung für klinisches Personal

Menschen mit injizierendem Drogengebrauch sind die wichtigste Gruppe für Maßnahmen der Hepatitis-C-Prävention und –Behandlung. Neben drogengebrauchenden Menschen selbst, deren Ressourcen und Kompetenzen in diese Maßnahmen einzubeziehen sind, sowie Mitarbeitende aus Aids- und Drogenhilfen kommt es hier vor allem auch auf klinisches Personal an. In einem dreiteiligen Online-Schulungsmodul für Ärzt*innen, Pflegepersonal, Suchtspezialist*innen und weiteres klinisches Fachpersonal, das mit drogengebrauchenden Menschen arbeitet, sollen nun Fachwissen und Kompetenzen im Umgang mit Diagnose, Behandlung und Begleiterkrankungen der Hepatitis C weiterentwickelt werden. 

 Die Schulung wird u.a. durch die Deutsche Aidshilfe und die Deutsche Leberstiftung unterstützt, die Teilnahme ist kostenlos. Fortbildungspunkte bei der Ärztekammer Berlin sind beantragt. Der Online-Workshop – ergänzt jeweils durch ein e-Learning-Modul, das vorab zu absolvieren ist, sowie ein Toolkit zur weiteren Bearbeitung des Themas, das im Nachgang zur Verfügung gestellt wird – findet statt am 10. Dezember 2020 von 17.00 bis 20.00 Uhr. Hier erhalten Sie weitere Informationen.

16. Dezember 2020 (online): Nationale Substitutionskonferenz

Die neue Ausgabe der Nationalen Substitutionskonferenz von akzept beschäftigt sich kurz vor den Feiertagen u.a. mit neuen Modellen der Substitutionsversorgung in Freiheit und in Haft, den Corona-bedingten Flexibilisierungen in der Substitution sowie der Psychosozialen Betreuung (PSB). Weitere Details zum Programm und zur Anmeldung finden Sie unter akzept.eu.

25. bis 27. März 2021 (online): Deutsch-Österreichische AIDS-Kongress

Die zehnte Ausgabe des DÖAK möchte im März 2021 unter dem Titel „„40 Jahre HIV/AIDS – Pandemien gestern und heute“ auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Prävention und Behandlung blicken. Nach mehrgleisiger Vorbereitung wird der Kongress nun rein digital stattfinden. Weitere Informationen finden Sie hier.


A U S S C H R E I B U N G E N

Arbeitskreis Jugend- und Drogenberatung im Kreis Warendorf: Geschäftsführung (m/w/d)
Die Drogenberatung Ahlen in Trägerschaft des Arbeitskreises Jugend- und Drogenberatung im Kreis Warendorf sucht zum 1. Januar 2021 eine Geschäftsführung. Bewerbungsschluss ist der der 15. Dezember 2020. Weitere Informationen zur Einrichtung und zur Ausschreibung finden Sie unter suchtvorbeugung-waf.de.  

Düsseldorfer Drogenhilfe: Sozialarbeiter*in/Sozialpädagog*in 

Die Düsseldorfer Drogenhilfe sucht zur Umsetzung eines niedrigschwelligen, zweistufigen Konzeptes, welches sich aufgliedert in ein Modul von Tagesstrukturierenden Angeboten und eine Maßnahme der Beschäftigung, ein*e Sozialarbeiter*in/Sozialpädagog*in. Das Arbeitsfeld ist eingebunden in die bereits vorhandenen niedrigschwellegen Bereiche in der Überlebenshilfe und kooperiert mit dem internen Bereich Wohnen. Frühestmöglicher Beginn ist der 1. Januar 2021 und Bewerbungsschluss hier ebenfalls der 15. Dezember 2020. Weiteres lesen unter drogenhilfe.eu.

Ausschreibungen im Landesverband

Weitere aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

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