Oktober 2020
Liebe Leser*innen!
Der Herbst hat längst Einzug gehalten, wie zu erwarten steigen die Corona-Infektionen inzwischen in einem Maße, dass sich die Politik wie die Behörden Sorgen machen, exponentielle Steigerungen nicht mehr in den Griff zu bekommen. Immer wieder werden neue Maßnahmen getroffen, von Maskenpflicht im öffentlichen Raum bis hin zur Reduzierung von Personenzahlen bei Veranstaltungen. Die meisten werden uns zustimmen, dass dies alles in allem zumutbare Einschränkungen sind, wenn dadurch verhindert werden kann, dass unsere Krankenhäuser über die Grenzen des Belastbaren kommen und Menschen abweisen müssen. Doch machen wir uns nichts vor: Corona verändert uns. Wir werden vorsichtiger, manche ängstlicher. Aber werden wir nicht auch bequemer? Verzichten wir nicht allzu gern auf ein reales Vernetzungstreffen, wenn die Videokonferenz in kürzerer Zeit den scheinbar gleichen Effekt hat? Sagen wir nicht allzu schnell Präsenzveranstaltungen ab, auch wenn unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen ein Treffen doch möglich wäre? Unsere Kolleg*innen haben anlässlich des 25-jährigen Bestehens der LAG Frauen und HIV/Aids in NRW das Motto „Wir sind auch weiter für euch da.“ geprägt, nicht wissend, was in diesem Jahr passieren und wie gut es in diese Corona-Zeit passen würde. Viele von uns haben es nach Ende des Lockdowns Anfang Mai festgestellt: wie inspirierend, wie bereichernd und wie unverzichtbar eine persönliche Begegnung ist. Wir bitten Sie, uns nicht falsch zu verstehen, alles sollte unternommen werden, was zur Eindämmung der Pandemie notwendig ist. Wir sollten alles nur Mögliche tun, uns und unsere Mitmenschen zu schützen. Aber wir sollten uns nicht darauf beschränken und auch persönliche Begegnungen weiter stattfinden lassen, wo immer es möglich ist. Nicht die Angst sollte in den kommenden Monaten unsere Ratgeberin sein, sondern Besonnenheit und Augenmaß sowie der Wille zum Zusammenhalt. Denn mit dem Virus werden wir auch im kommenden Jahr leben müssen. Und bitte verlieren wir dabei diejenigen nicht aus dem Blick, die sich vielleicht übervorsichtig aus dem öffentlichen Leben zurückziehen und in Gefahr sind, den Anschluss zu verlieren. Hier stehen uns ja auch sämtliche sozialen Medien zur Verfügung, um zumindest auf diesem Weg Kontakt zu halten. Wir bestärken unsere Kolleg*innen, ihre persönlichen Beratungsangebote – selbstverständlich unter Beachtung der notwendigen Hygienemaßnahmen – aufrecht zu erhalten, so lange die Ordnungsbehörden es nicht ausdrücklich untersagen. So manches lässt sich sicher am Telefon besprechen und eine telefonische Beratung ist allemal besser als gar keine. Aber viele Klient*innen fassen zu einer real gegenübersitzenden Person mehr Vertrauen. Hier sollte der Maßstab sein, dass beide Seiten sich wohl und sicher fühlen. Wir sollten alles unternehmen, dies nach unseren Möglichkeiten umzusetzen. Bitte bleiben Sie gesund und optimistisch. Mit den gemeinsam unternommenen Anstrengungen kommen wir hoffentlich gut durch den Winter!
Ihnen allen eine anregende Lektüre unseres Newsletters!
Petra Hielscher und Guido Schlimbach
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


A K T U E L L E S

Aktuelle Infos zu Corona
Die von der Deutschen Aidshilfe veröffentlichte Internetseite mit Informationen zu Corona wird laufend aktualisiert. Sie finden die Seite unter aidshilfe.de. Auch die Seiten von HIV & more zu Corona werden laufend aktualisiert, zu finden sind Sie unter hivandmore.de. Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden Sie unter infektionsschutz.de.


P O L I T I K

Sexarbeit und Corona
Im Rahmen der bundesweit erlassenen kontaktreduzierenden Maßnahmen wurden im März alle körpernahen, nicht medizinisch notwendigen Dienstleistungen untersagt. In diesem Zusammenhang erfolgten in allen Bundesländern Erlasse, Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen zu schließen. Vereinzelt wurde jegliche Ausübung sexueller Dienstleistungen verboten. Die Schließungen und Verbote trafen alle Sexarbeitende in Deutschland mit voller Wucht und ungeachtet ihrer Einkommensverhältnisse, Staatsbürgerschaft oder ihres legalen Status. Erst im August erlaubten einzelne Länder eine stufenweise oder umfassende Dienstleistungsausübung. Einen Artikel, welche Auswirkungen das "Prostitutionsverbot" in den Corona-Schutzverordnungen der Länder, die Prostitutionspolitik und die fortwährende Stigmatisiertung in den vergangenen sieben Monaten mit sich brachten, lesen Sie unter gender-blog.de.


S O Z I A L E S

Erste deutsche Bevölkerungsstudie veröffentlicht
Die ersten Ergebnisse der ersten repräsentativen Studie zur Sexualität Erwachsener in Deutschland wurde im Deutschen Ärzteblatt publiziert. GeSiD (Gesundheit und Sexualität in Deutschland) wurde vom Sozialforschungsinstitut KANTAR in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) mit Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durchgeführt. Geleitet wurde die Studie von Prof. Dr. Peer Briken und Dr. Arne Dekker vom Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des UKE. Eine Übersicht der Ergebnisse in einfachen Grafiken finden Sie unter bzga.de.


G E S U N D H E I T

HIV, Sex und Corona
Haben Menschen mit HIV ein höheres Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren? Oder schützen HIV-Medikamente möglicherweise sogar vor einem schweren Krankheitsverlauf? Im Rahmen der Corona-Pandemie stellen sich für Menschen mit HIV wie auch für PrEP-User viele Fragen. Der Hamburger HIV-Mediziner Professor Hans-Jürgen Stellbrink, Vorstandsmitglied der Deutschen AIDS-Gesellschaft, gibt im Magazin der Deutschen Aidshilfe Antworten. Das Interview finden Sie unter magazin.hiv

HIV-Remission: Die Tür zur HIV-Heilung ist einen Spalt offen
Bei einem HIV-positiven Mann aus Brasilien lässt sich über ein Jahr nach Absetzen seiner in einer Studie zusammengesetzten Medikamenten-Kombination kein HIV mehr im Blut nachweisen. Viele Fragen sind noch offen, dennoch könnte dieser Erfolg Grund zur Hoffnung für Menschen mit HIV sein, denn anders als bei den beiden bisher anerkannten Fällen einer sogenannten funktionalen HIV-Heilung wurde hier keine potenziell lebensgefährliche Stammzelltransplantation eingesetzt. Eine Erläuterung von Armin Schafberger, dem Medizinreferenten der Deutschen Aidshilfe, finden Sie unter magazin.hiv.

Empfehlung zur Harm Reduction und Gesundheitsförderung
Die Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW hat am 18. August 2020 zusammen mit dem Beirat der Landesstelle Sucht NRW eine Empfehlung mit dem Titel HARM REDUCTION: RISIKEN MINDERN - GESUNDHEIT FÖRDERN verabschiedet. Beide Gremien würdigen das Engagement des Landes, der Freien Trägerschaft und der Kommunen für die Gesunderhaltung von Menschen, die illegale psychoaktive Substanzen konsumieren. Sie stellen jedoch auch fest, dass immer noch erhebliche gesundheitliche Probleme bestehen, denen mit gezielten Schaden minimierenden Maßnahmen entgegengewirkt werden kann. Weitere Informationen finden Sie unter ahnrw.de.

Hepatitis-C-Behandlung nun auch für akute Infektionen empfohlen
Ein Hindernis für viele Patient*innen, zeitnah nach ihrer Diagnose eine Hepatitis-C-Behandlung zu bekommen, ist die Behandlungsindikation, die bislang nur eine Behandlung chronischer Infektionen vorsieht. Das bedeutet, dass die Therapie erst initiiert werden kann, wenn die Infektion nachweislich bereits seit sechs Monaten vorliegt und somit als chronisch gilt. Vorher spricht man von einer akuten Infektion. Die European Association for the Study of the Liver (EASL) hat nun in ihren neuen Leitlinien erstmals die Behandlung für alle Menschen sowohl mit akuter als auch mit chronischer HCV-Infektion empfohlen. Dringlich indiziert ist die Behandlung nach EASL-Leitlinien insbesondere bei drogengebrauchenden Menschen und Männern, die Sex mit Männern haben. Mehr erfahren Sie unter hepatitisandmore.de.

Neue Leitlinien zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft
Die neuen „Deutsch-Österreichischen Leitlinien zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen“ stehen jetzt zur Verfügung. Mit Spannung wurden vor allem die Ausführungen zum Stillen erwartet, die deutlich erweitert wurden. Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de.


M E D I E N

Leben mit HIV - anders als du denkst
Auch in diesem Jahr stellen das Bundesministerium für Gesundheit und die BZgA in Zusammenarbeit mit Deutscher AIDS-Stiftung und Deutscher Aidshilfe Aktionsmaterialien zur Verfügung. "Rollenmodelle" in diesem Jahr sind unsere Vorstandsfrau Johanna Verhoven und ihr Mann Simon. Das Plakat finden Sie hier (PDF-Datei) und den informativen Flyer hier (PDF-Datei). Bestellen können Sie diese und weitere Materialien unter welt-aids-tag.de.

Neues Erklärvideo zu HIV und Aids in Deutscher Gebärdensprache
Was ist HIV? Was ist der Unterschied zwischen HIV und Aids? Wie kann ich mich vor einer Infektion schützen und wie lässt sich eine HIV-Infektion behandeln? Antworten auf diese und viele andere grundlegende Fragen rund um HIV und Aids liefert ein neues Erklärvideo der Deutschen Aidshilfe – sowohl gesprochen als auch simultan übersetzt in Deutsche Gebärdensprache (DGS). Das Video finden Sie unter gehoerlosen-aids-info.de.


T H E M A

Johannas Kolumne in Zeiten von Corona
Sexarbeit ist ja in "normalen" Zeiten schon ein eher prekärer Arbeitsbereich, in dem die Menschen auf viele Hindernissen treffen. Aber in Coronazeiten hat sich dies natürlich massiv verschärft. Mit dem Erlass des Landes NRW vom 16.03.2020 wurde zum einen die Arbeit von Sexarbeiter*innen komplett verboten, zum anderen wurden die Prostitutionsstätten geschlossen. Das hatte zur Folge, dass die Frauen und Männer nicht nur der finanziellen Grundlage für ihre Lebensführung beraubt wurden. Corona hat die auf vielen unterschiedlichen Ebenen problematischen Verhältnisse für die Sexarbeitenden vielerorts deutlich verstärkt. Johannas Kolumne zu diesem Thema finden Sie unter xxelle-nrw.de.


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

3. November 2020 | Online
"Let´s talk about…" Patientenverfügung – Wozu?
Was passiert mit Menschen, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, selbst über ihre medizinische Behandlung zu entscheiden? Welche Maßnahmen sind zu treffen? Welche Formulare sind vorab auszufüllen? Was bedeutet es, Entscheidungsträger*in zu sein? Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Anmeldemöglichkeit finden Sie hier (PDF-Datei).

17. November 2020 | Online
Bundeskonferenz Frauengesundheit 
Die BZgA und das Bundesministerium für Gesundheit veranstalten die vierte gemeinsame Bundeskonferenz Frauengesundheit. Auf der Veranstaltung nehmen Fachexpert*innen die Herz-Kreislauf-Gesundheit von Frauen in den Blick und diskutieren neue Aspekte und aktuelle Herausforderungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen galten lange Zeit als "Männerproblem". Bekanntermaßen spielt die Herz-Kreislauf-Gesundheit bei Frauen eine ebenso große Rolle. Doch von welchen Erkrankungen sind Frauen besonders betroffen? Welche Risikofaktoren tragen zur Entstehung bei und wie äußern sich die Erkrankungen? Die Konferenz will dazu beitragen, das Wissen der Bevölkerung zum Thema Herz-Kreislauf-Gesundheit bei Frauen zu erweitern. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Gendermedizin im Bereich Herz-Kreislauf wird es auf der Veranstaltung vor allem um für Frauen relevante Aspekte der Gesundheitsförderung und Prävention gehen. Weitere Informationen sowie das Programm finden Sie unter frauengesundheitsportal.de. Eine Anmeldung ist möglich unter frauengesundheitsportal.de.

28. November 2020 | Wuppertal
Update HIV – Workshop für Frauen mit HIV und Aids
Der Workshop gibt ein Update rund um das Thema Frauen und HIV. Marianne Rademacher, Ärztin und ehemalige Frauenreferentin der Deutschen Aidshilfe, gibt einen Überblick über frauenspezifische Aspekte der HIV-Infektion, aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen. Die Themen sind vielfältig: besondere Aspekte der Infektion bei Frauen, Therapie und Nebenwirkungen, gynäkologische Erkrankungen, Kinderwunsch und Schwangerschaft, PEP, PrEP, Schutz durch Therapie, Wechseljahre. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Noch bis zum 29. November 2020 | Essen
Rettet die Liebe! Internationale Plakate gegen Aids
Seit Bekanntwerden der HIV-Infektion in den 1980er Jahren spielt das Plakat – sei es digital oder in seiner analogen Form auf Plakatflächen im öffentlichen Raum – eine zentrale Rolle in der Präventionsarbeit. Die Schau „Rettet die Liebe!" versammelt rund 180 Plakate aus fünf Kontinenten und veranschaulicht ausgehend von den frühen Initiativen von Künstler*innengemeinschaften wie Act Up, zu der auch Keith Haring gehörte, und Gran Fury aus New York, wie unterschiedlich in den verschiedenen kulturellen und religiösen Gemeinschaften visuell und kommunikativ mit der HIV-Infektion umgegangen wurde und wird. Weitere Informationen finden Sie unter museum-folkwang.de.


S O N S T I G E S

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint Ende November 2020
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis Mitte des Monats per E-Mail an Petra Hielscher.
 
 
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