September 2020
Liebe Leser*innen!
In der vergangenen Woche hat das Oberverwaltungsgericht in Münster das Verbot sexueller Dienstleistungen mit einem Eilbeschluss vorläufig außer Vollzug gesetzt. Die vollständige Untersagung aller sexuellen Dienstleistungen sei derzeit nicht mehr verhältnismäßig, heißt es in der Begründung des obersten Verwaltungsgerichts in Nordrhein-Westfalen. Das Land habe mittlerweile weitgehende Lockerungen in nahezu allen gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bereichen zugelassen. Deshalb sei für die Richter*innen nicht ersichtlich, warum dies nicht auch für sexuelle Dienstleistungen gelten solle, heißt es in dem Beschluss. Auch wenn NRW-Integrationsminister Joachim Stamp Infektionsschutz-Probleme auf das Land zukommen sieht, hält er es andererseits für ein großes Problem, dass viele Sexarbeiter*innen in der Illegalität arbeiten müssten und dort zum Teil brutalster Ausbeutung ausgesetzt seien. Wir als Aidshilfe NRW hatten ebenso wie die Deutsche Aidshilfe gefordert, Sexarbeit wieder zuzulassen. Die Verdrängung in die Illegalität hatte fatale Folgen: Menschen in der Sexarbeit brauchen ein sicheres Arbeitsumfeld mit fairen Regeln und rechtlicher Absicherung. Sexarbeit darf außerdem nicht anders behandelt werden als andere Dienstleistungen mit engem Körperkontakt, wie etwa in Frisier- oder Massagesalons. Hygienekonzepte für den Bereich der Sexarbeit liegen längst vor. Daher begrüßen wir das OVL-Urteil und die Anpassung der Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen vom 16. September 2020 mit den Regelungen für die Erbringung sexueller Dienstleistungen.Damit wurde der gesundheitspolitisch vernünftige Weg wieder eingeschlagen. Nur wenn die klar definierten Orte für die Sexarbeit wieder legal zugänglich sind, haben die Sexarbeiter*innen auch wieder leichteren Zugang zur Gesundheitsprävention. Wir werden die weitere Entwicklung kritisch beobachten und konstruktiv begleiten im Sinne der mit uns in Kontakt stehenden Sexarbeiter*innen.
Ende Oktober findet die Mitgliederversammlung der Aidshilfe NRW als Videokonferenz statt. Zuvor haben alle Mitgliedsorganisationen per Briefwahl die Möglichkeit, den Landesvorstand neu zu wählen. Unsere Kollegin Johanna Verhoven hat sich, wie ihre vier Vorstandskollegen auch, erneut zur Wahl gestellt. Es ist gut, dass mit Johanna eine Frau, die die Interessen der Frauen mit HIV und der Frauenvernetzung in NRW vertritt, für diese Wahl zur Verfügung steht. Darauf hat in der vergangenen Woche auch die Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids in NRW noch einmal hingewiesen.
Ihnen allen eine anregende Lektüre unseres Newsletters und bitte bleiben Sie gesund!
Petra Hielscher und Guido Schlimbach
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


A K T U E L L E S

Aktuelle Infos zu Corona
Die von der Deutschen Aidshilfe veröffentlichte Internetseite mit Informationen zu Corona wird laufend aktualisiert. Sie finden die Seite unter aidshilfe.de. Auch die Seiten von HIV & more zu Corona werden laufend aktualisiert, zu finden sind sie unter hivandmore.de


S O Z I A L E S

Inhouse-Empowerment-Schulungen für Aidshilfen: "Empowerment – aktueller denn je…"
Die Deutsche Aidshilfe bietet ihren Mitgliedsorganisationen kostenlose Schulungen zum Thema Empowerment an. Das jeweilige Tagesseminar zeigt Multiplikator*innen Wege auf, wie Empowerment gelingen kann. Es wird sich mit unterschiedlichen Aspekten des Empowerments beschäftigt, an Fallsituationen gearbeitet und Methoden der Umsetzung werden praktisch geübt. Ziele der Schulung sind Wissensvermittlung zum Thema Empowerment, Analyse des Organisationsgrades von Empowerment in einer Beratungseinrichtung unter Einbezug der unterschiedlichen Fachbereiche, Entwicklung eines auf die Einrichtung abgestimmten Maßnahmenplanes zur Stärkung von emanzipatorischen Ansätzen in Beratung und Betreuung und Förderung regionaler Vernetzung mit Community durch gezielte Teilnehmenden-Einladung. Wer sich für eine Inhouse-Schulung interessiert, wendet sich an Steffen Taubert

Opferschutzportal Nordrhein-Westfalen jetzt online
Opferschutz und schnelle Hilfe für Opfer sind ein wichtiges Anliegen der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Das jetzt online gegangene Opferschutzportal macht es Betroffenen möglich, sich schnell, unkompliziert und kostenlos über die wichtigsten Fragen zum Opferschutz zu informieren. Die Online-Plattform ist ein Wegweiser durch die Vielzahl an Angeboten der Opferhilfe und richtet sich an Betroffene, Angehörige und alle weiteren Menschen im sozialen Umfeld. Das Opferschutzportal Nordrhein-Westfalen bietet Betroffenen und Angehörigen kostenlos einen aktuellen Überblick, welche Beratungs- und Unterstützungsangebote in der Umgebung des Wohnorts und überregional angeboten werden. Sie finden das Opferschutzportal unter opferschutzportal.nrw.

Magazin Hinsehen 
Die Opferberatung Rheinland (OBR) hat die erste Ausgabe des halbjährlich erscheinenden Online-Magazins namens Hinsehen veröffentlicht. Neben wechselnden Schwerpunktthemen sollen aktuelle und relevante Themen im Kontext rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt aufgegriffen und speziell mit Fokus auf die Perspektive von Betroffenen thematisiert werden. Mit dem Magazin soll eine Plattform geschaffen werden für Perspektiven von Betroffenen dieser Gewalt, in dem die Arbeit und die Forderungen von Selbstorganisationen, Betroffeneninitiativen und engagierten Akteur*innen fokussiert werden. Hierfür stellen sich unterschiedliche Initiativen, Akteur*innen und Betroffene vor. Zusätzlich wird aus der Beratungs-, Recherche- und Bildungsarbeit der OBR berichtet und in einem Serviceteil über bevorstehende Veranstaltungen sowie Medientipps und Ratgebern für Betroffene informiert. Das Magazin finden Sie hier (PDF-Datei).


G E S U N D H E I T

Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli
Rund um den Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli wurden eine Reihe wichtiger und informativer Papiere veröffentlicht. Neben dem Launch des Strategiepapiers der Aidshilfe NRW (im letzten Newsletter) erschien eine Doppelausgabe des Epidemiologischen Bulletins des Robert Koch-Instituts (RKI) mit den Themen "Virushepatitis B und D im Jahr 2019" und "Hepatitis C im Jahr 2019" (PDF-Datei), dem Abschlussbericht zur Begleitevaluation des BZgA-Modellprojekts "HIV? Hepatitis? Das CHECK ich!" (PDF-Datei) sowie einer qualitativen Studie der aidshilfe dortmund zum HCV-bezogenen Gesundheitsverhalten drogengebrauchender Menschen (PDF-Datei).

SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel
Im August 2020 ist die sog. SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel in Kraft getreten. Die Arbeitsschutzregel konkretisiert für den Zeitraum der Corona-Pandemie die zusätzlich erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen für den betrieblichen Infektionsschutz und die im SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard (PDF-Datei) bereits beschriebenen allgemeinen Maßnahmen. Die Arbeitsschutzregel ist sehr umfangreich und kleinteilig. Trotzdem ist es für alle Beratungseinrichtungen ratsam, zu prüfen, ob die in der Beratungsstelle getroffenen Maßnahmen der Arbeitsschutzregel entsprechen. Die SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel finden Sie hier (PDF-Datei)


M E D I E N

Sexarbeit: Ein ganz normaler Job?
Seit einigen Tagen sind die Betriebe für Sexarbeit in NRW wieder geöffnet. Die Coronakrise hat die meisten Sexarbeiter*innen direkt in wirtschaftliche Not gebracht. Über ein halbes Jahr war Sex gegen Geld bei Strafe untersagt. Was macht die Coronazeit mit der Branche? Viele haben keinen Anspruch auf staatliche Hilfen, sie arbeiten jetzt illegal weiter. Johanna Maria Knothe war für den WDR unterwegs im Westen, um denen nahe zu kommen, die sonst für viele unsichtbar bleiben. Der Film ist ein Jahr lang zugänglich in der WDR-Mediathek unter wdr.de/mediathek.


T H E M A

Picknick mit Schafen
Mit Schafen picknicken und dabei Pferden die Mähne kraulen und Kühen beim Grasen zusehen – das Ganze auf einer großen grünen Weide in Hürth – klingt das nicht fast zu schön um wahr zu sein? Aber es ist wahr! Aus einer Idee wurde ein therapeutisches Projekt der Aidshilfe Köln für Frauen mit HIV. Mehr dazu erfahren Sie unter xxelle-nrw.de.


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

2. bis 4. Oktober 2020 | Waldschlösschen
Trans*, queer, non-binär, gender-non-konform: Geschlechtliche Vielfalt in der HIV-Beratung und Betreuung
Die HIV/STI-Beratung in Aidshilfe erreichte schon immer eine Vielzahl unterschiedlicher Menschen mit Fragen zu Sexualität, HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen: schwule Männer, Sexarbeiter*innen, Heteros mit wechselnden Partner*innen, Menschen mit und ohne HIV. In den letzten Jahren finden zunehmend auch trans* Menschen und Menschen mit queerer, nonbinärer oder gender-non-konformer Identität ihren Weg in Aidshilfen oder Checkpoints – sei es, um Testangebote wahrzunehmen oder allgemeine Fragen zu HIV/STI oder zu Communityangeboten zu stellen. Einige Aidshilfen haben bereits eigene Beratungsprojekte für trans* Menschen aufgebaut. Dort können z. B. Fragen zur eigenen Identitätsfindung, zur Transition oder zum Coming-out gestellt werden. Die Erweiterung der Adressat*innen-Gruppe der HIV-Prävention auf trans* Menschen und Menschen mit queerer, non-binärer oder gender-non-konformer Identität ist sinnvoll; internationale Studien zeigen in Teilen dieser Gruppen eine deutlich erhöhte HIV-Prävalenz. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier (PDF-Datei).

10. Oktober 2020 | Düsseldorf
ACHTUNG: LETZTE CHANCE - Treffen für Jugendliche mit HIV in NRW "HIV-positiv? Ja, und?"
Das diesjährige landesweite Treffen für Jugendliche mit HIV in NRW findet als Tagesveranstaltung in Düsseldorf statt. Es ist eine Kooperation zwischen den Aidshilfen Dortmund, Düsseldorf und der Aidshilfe NRW. Das Angebot für Jugendliche ist, bis auf die Fahrtkosten, kostenlos. Diese können jedoch auf Antrag übernommen werden. Nach der Anmeldung erhalten die Eltern/Erziehungsberechtigten einen Elternbrief mit einer Anmeldebestätigung und genauen Informationen. Anmeldungen sind noch bis diesen Sonntag, 20. September 2020, möglich. Alle weiteren wichtigen Informationen finden Sie im Flyer hier (PDF-Datei).

16. bis 18. Oktober 2020 | Biggesee
"ICH UND MEIN POSITIVES LEBEN MIT (WAHL-)FAMILIE UND SOZIALEM UMFELD"
Menschen machen nach ihrer HIV-Diagnose in ihrem sozialen und familiären Umfeld unterschiedliche Erfahrungen: von Unterstützung, Liebe und Anteilnahme bis hin zu Ablehnung, Schuldzuweisung und Ausgrenzung. Wichtig hierbei ist eine gute Kommunikation, unabhängig davon, ob es sich um die Herkunfts- oder die Wahlfamilie, sprich den Freund*innenkreis, handelt. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten zum nächsten landesweiten Positiventreffen finden Sie hier (PDF-Datei).

24. Oktober 2020 | Düsseldorf
"HIV als Familiengeheimnis"
Ein Elternteil ist HIV-positiv oder ein Kind hat HIV. Daraus ergeben sich besondere Fragen: Ist HIV ein Familiengeheimnis oder geht man offen mit der HIV-Infektion um? Wie sagt man es dem Kind? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie wirkt sich die HIV-Infektion eines Familienmitglieds auf das Familienleben aus? Der Workshop für Mütter und Väter bietet die Möglichkeit, sich zum Thema HIV und Familienleben auszutauschen und orientiert sich an den individuellen Fragen der Teilnehmer*innen. Gemeinsam werden Lösungsstrategien und Vorstellungen entwickelt, welchen Weg die Teilnehmer*innen gehen möchten. Weitere Informationen erhalten Sie hier (PDF-Datei).

30. Oktober bis 1. November 2020 | Berlin
Self-Empowerment und Bewältigungsstrategien
Diskriminierung von Menschen mit HIV findet in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen statt. Oft ist es nicht leicht, in dieser Situation schnell und schlagfertig zu reagieren und erst im Nachhinein fallen die guten Sprüche und wichtigen Argumente ein. Es bedarf Mut, Wissen und der richtigen Verbündeten, um sich erfolgreich dagegen zu wehren. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Netzwerktreffens Frauen und HIV/Aids statt. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei). Das Anmeldeformular finden Sie hier (PDF-Datei)

28. November 2020 | Wuppertal
Update HIV – Workshop für Frauen mit HIV und Aids
Der Workshop gibt ein Update rund um das Thema Frauen und HIV. Marianne Rademacher, Ärztin und ehemalige Frauenreferentin der Deutschen Aidshilfe, gibt einen Überblick über frauenspezifische Aspekte der HIV-Infektion, aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen. Die Themen sind vielfältig: besondere Aspekte der Infektion bei Frauen, Therapie und Nebenwirkungen, gynäkologische Erkrankungen, Kinderwunsch und Schwangerschaft, PEP, PrEP, Schutz durch Therapie, Wechseljahre. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Noch bis zum 29. November 2020 | Essen
Rettet die Liebe! Internationale Plakate gegen Aids
Seit Bekanntwerden der HIV-Infektion in den 1980er Jahren spielt das Plakat – sei es digital oder in seiner analogen Form auf Plakatflächen im öffentlichen Raum – eine zentrale Rolle in der Präventionsarbeit. Die Schau „Rettet die Liebe!" versammelt rund 180 Plakate aus fünf Kontinenten und veranschaulicht ausgehend von den frühen Initiativen von Künstler*innengemeinschaften wie Act Up, zu der auch Keith Haring gehörte, und Gran Fury aus New York, wie unterschiedlich in den verschiedenen kulturellen und religiösen Gemeinschaften visuell und kommunikativ mit der HIV-Infektion umgegangen wurde und wird. Weitere Informationen finden Sie unter museum-folkwang.de.


S O N S T I G E S

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint Ende Oktober 2020
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis Mitte des Monats per E-Mail an Petra Hielscher.
 
 
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