Juli/August 2020
Liebe Leser*innen!
Sommerzeit, Lesezeit. Gerade komme ich aus meinem sicher vor einigen Monaten noch nicht für möglich gehaltenen Sommerurlaub. Nicht nur Corona-bedingt habe ich mich gern ein wenig zurückgezogen und endlich kam ich dazu, ein paar von den Büchern zu lesen, die sich in letzter Zeit angesammelt hatten. Eins davon war "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen" der Kölner Journalistin Alice Hasters. Das Buch lässt sich gut lesen und regte mich immer wieder zum Nachdenken an. Eindringlich und geduldig beschreibt Hasters, wie Rassismus ihren Alltag als schwarze Frau in Köln geprägt hat und immer noch prägt. Das Problem Rassismus, so schreibt sie, ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft. Und das belegt sie mit sehr unterschiedlichen Erlebnissen aus ihrem Leben, so dass ich als Leserin immer wieder mit der Frage konfrontiert wurde, wie rassistisch ist denn mein eigenes Verhalten, meine Sprache und wie bewusst ist mir das eigentlich? Nicht zuletzt hat mich das Buch daran erinnert, dass nicht wenige Frauen mit HIV hier in NRW immer wieder auf rassistische Vorbehalte stoßen.Birgit Körbel, einige Jahre Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids in NRW, feierte in diesen Tagen ihr 25-jähriges Dienstjubiläum bei der Aidshilfe Köln. In diesem Vierteljahrhundert hat sie mit dem Frauen- und Familienzentrum eine wichtige Anlaufstelle für Frauen mit HIV aufgebaut und ich denke, sie darf sehr stolz auf alles Geleistete sein. Im Namen aller Kolleg*innen gratuliere ich ihr ganz herzlich. Auch Birgit trägt durch ihr Engagement immer wieder dazu bei, dass wir durch einen anderen Blick auf die Lebensrealität vieler Frauen mit HIV, die unter dem von Hasters beschriebenen Alltagsrassismus leiden, Wege aufgezeigt bekommen, diesen zu überwinden.Ihnen allen eine anregende Lektüre unseres Newsletters und bitte bleiben Sie gesund!
Eine anregende Lektüre unseres Newsletters!
Petra Hielscher
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


A K T U E L L E S

Aktuelle Infos zu Corona
Die von der Deutschen Aidshilfe veröffentlichte Internetseite mit Informationen zu Corona wird laufend aktualisiert. Sie finden die Seite unter aidshilfe.de.


P O L I T i K

Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen
Seit mehr als 20 Jahren wird am 21. Juli der Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen als internationaler Gedenk-, Aktions- und Protesttag begangen. Im Vordergrund steht neben dem individuellen Gedenken an verstorbene Freund*innen, Partner*innen, Verwandte, Kolleg*innen und Verbündete der Protest gegen eine repressive Drogenpolitik, die in diesen Jahren viele vermeidbare Todesfälle mitverantwortet hat. Corona wird auch auf dieses Thema erheblichen Einfluss haben, hat die Pandemie doch umso stärker die Unverzichtbarkeit des Hilfesystems, aber auch seine Verletzbarkeit und bestehende Versorgungslücken aufgezeigt. Das Aktionsbündnis stellt dieses Jahr im bundesweiten Motto deshalb auch das Thema Versorgungssicherheit nach vorne und fordert: Wohnraum, soziale und medizinische Hilfen – ob mit oder ohne Corona! Unter saferuse-nrw.de finden Sie eine gemeinsame Pressemitteilung von Aidshilfe NRW und akzept NRW, eine landesweite Veranstaltungsübersicht, die weiterhin mit Berichten und Fotos der Aktionen aktualisiert wird, sowie eine neue Postkarte der Kampagnenreihe "Wir meinen das ernst!".

Aidshilfe NRW veröffentlicht Strategiepapier zum Welt-Hepatitis-Tag
Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am 28. Juli weist die Aidshilfe NRW darauf hin, dass nach wie vor kein nennenswerter Rückgang an Hepatitis-C-Infektionen absehbar ist und in den Bereichen Prävention, Beratung und Test sowie Behandlung akuter Handlungsbedarf herrscht, wenn das WHO-Ziel der HCV-Elimination bis 2030 ernst genommen werden soll. Die jüngsten Zahlen wurden am 23. Juli 2020 vom Robert Koch-Institut im Epidemiologischen Bulletin Nr. 30/31 zur Verfügung gestellt. Im Zuge des Aktionstags stellt die Aidshilfe NRW auch ihr Strategiepapier Hepatitis vor, das die zentralen Herausforderungen sowie Maßnahmen aufzeichnet. Weitere Informationen finden Sie unter saferuse-nrw.de

Corona-Krise: Sexarbeit wieder zulassen
Die Deutsche Aidshilfe fordert, dass Sexarbeiter*innen ihrer Tätigkeit umgehend wieder nachgehen dürfen, in Bordellen, mobil und auf der Straße. Entsprechende Hygienekonzepte lägen vor. Nachbarländer wie Belgien, die Niederlande, Österreich, die Schweiz und Tschechien hätten diesen Schritt bereits vollzogen. Aufgrund von Corona-Verordnungen dürfen Sexarbeiter*innen in Deutschland zurzeit nicht arbeiten. Prostitutionsstätten sind geschlossen. Während andere körpernahe Dienstleistungen bereits wieder möglich sind, gibt es für die Prostitution bisher so gut wie keine Lockerungen. Das aktuelle Tätigkeitsverbot bringe Sexarbeiter*innen in Notlagen. Viele seien ohne Einkommen, nicht wenige auch ohne Wohnraum oder Krankenversicherung. Prekäre Lebenssituationen und Abhängigkeitsverhältnisse werden verschärft. Die komplette Meldung der Deutschen Aidshilfe finden Sie unter aidshilfe.de. Das Positionspapier der Deutschen Aidshilfe finden Sie unter aidshilfe.de.

Offener Brief: "Ein Sexkaufverbot verschärft gesellschaftliche Stigmatisierung"
Das Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter lehnt die Forderung von 16 Bundestagsabgeordneten der Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD nach einem Sexkaufverbot ab. Nötig seien stattdessen Antistigmatisierungs-Kampagnen sowie niedrigschwellige und akzeptierende Angebote der Fach- und Gesundheitsberatung sowie gesundheitlichen Versorgung. Mehr lesen Sie unter aidshilfe.de.


S O Z I A L E S

"positive stimmen 2.0" - Umfrage zum Leben mit HIV sucht Interviewpartner*innen
Für das Interviewprojekt People Living with HIV Stigma Index 2.0 werden in Deutschland weitere Interviewpartner*innen mit HIV gesucht. Vor einigen Wochen hat die Deutsche Aidshilfe im Rahmen des Projekts "positive stimmen 2.0" eine große Online-Umfrage zu den Diskriminierungserfahrungen von Menschen mit HIV freigeschaltet. Die Umfrage ergänzt die peer-to-peer Umfrage zu Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV. Das Ziel sind 2.000 ausgefüllte Fragebögen, doch davon ist man zurzeit noch sehr weit entfernt. Die Ergebnisse der gesamten Studie sind jedoch von hoher Bedeutung für die politische Interessenvertretung von Menschen mit HIV und die Antidiskriminierungsarbeit in Aidshilfen und der Selbsthilfe. Die Erfahrungen der ersten Runde "positive stimmen" in 2011/12 haben auch gezeigt, dass die Befragung eine "Bewegung" in der positiven Community ausgelöst hat. Plötzlich ist bei vielen Teilnehmenden ein Bewusstsein für die Ungerechtigkeit der Ungleichbehandlung und dauernden Stigmatisierung entstanden und dies hat sie mobilisiert. Daraus sind viele gute Projekte, viel Energie für die Selbsthilfe und große politische Aufmerksamkeit für das Thema entstanden. Der Link zur Umfrage ist hiv-diskriminierung.de.


G E S U N D H E I T

Befragung #wissenverdoppeln der Deutschen Aidshilfe 
18 Prozent der Befragten wissen, dass HIV unter Therapie nicht mehr übertragbar ist. Damit hat sich das Wissen darüber nahezu verdoppelt. Dies ist für die Kampagne ein erster Etappenerfolg. Sogar 34 Prozent der Befragten wissen, dass HIV-Medikamente auch die Übertragung von der Mutter auf das Kind bei der Geburt verhindern. Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de.

Rollenmodellsuche #wissenverdoppeln
Die Kampagne #wissenverdoppeln geht zum Welt-Aids-Tag 2020 in die dritte Runde. Auch in diesem Jahr werden wieder Menschen gesucht, die als Teil der Kampagne ihre Geschichte zum Thema Nichtübertragbarkeit von HIV unter Therapie erzählen.Viele Infos – auch eine (unvollständige) Liste mit Beispielgeschichten, die gesucht werden - finden Sie hier (PDF-Datei). Bei Fragen kann man sich an Charlotte und Verena wenden unter wissenverdoppeln@dah.aidshilfe.de

Forschung zum Thema "Stillen mit HIV"
Die Hebamme Eva Simakoloyi studiert im 8. Semester Hebammenwissenschaften an der Hochschule für Gesundheit in Bochum. Aktuell arbeitet sie an ihrer Bachelorarbeit mit dem Titel "Stillen mit HIV: das Erleben von Frauen im Spannungsfeld von aktueller Leitlinie und dem eigenen Stillwunsch". Für die Studie ist sie noch auf der Suche nach Interviewpartnerinnen. Sie möchte explizit die Sicht der Frauen beleuchten und dokumentieren und mit ihrer Hilfe einen Handlungsleitfaden für Hebammen erstellen, die positive Mütter in der Stillzeit begleiten möchten. Weitere Informationen erfahren Sie hier (PDF-Datei).

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu HIV und Schwangerschaft
Frauen mit HIV können dank der antiretroviralen Therapie ein Leben führen wie andere Frauen auch. Dazu gehört für viele, Kinder zu bekommen. Die Deutsche Aidshilfe hat den aktuellen medizinischen Stand und andere wichtige Informationen rund um die Schwangerschaft von Frauen mit HIV zusammengestellt. Dabei kamen unterschiedliche Expert*innen zu Wort: Emilia, eine HIV-positive Mutter, Patricia Barth, Beraterin von VHIVA KIDS aus Hamburg, Ingrid Mumm, Landeskoordinatorin für „Aids, Kinder und Familie“ der Aidshilfe Niedersachsen, und Dr. Annette Haberl vom HIVCENTER der Universitätsklinik Frankfurt am Main. Den Artikel lesen Sie unter hiv-diskriminierung.de.


M E D I E N

Empowerment mit geflüchteten Frauen - Bedarfe, Praxisansätze und Handlungsempfehlungen
Ausgehend von den zentralen Ergebnissen einer Umfrage unter geflüchteten Frauen wird in der Publikation aufgezeigt, warum Empowermentarbeit so wichtig ist und welche Rahmenbedingungen es braucht, damit sie wirksam sein kann. Sie stellt gelungene Praxisansätze in den verschiedenen Bereichen der Unterstützung vor und leitet Handlungsempfehlungen für die weitere Arbeit mit geflüchteten Frauen und anderen besonders schutzbedürftigen Personen ab. Im Zentrum steht dabei immer die Frage, wie die Menschen am besten unterstützt und gestärkt werden können, welche Haltung seitens sozialer Arbeit dafür wichtig ist, welche Zugänge und Ansätze sich für die verschiedenen Bedarfe eignen und welche Möglichkeiten es gibt, auf Herausforderungen im Rahmen dieser Arbeit zu reagieren. Die Publikation ist online verfügbar unter der-paritaetische.de.

"Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen"
Wer sich aufgrund der jüngsten Entwicklungen mit dem Thema "Rassismus" auseinandersetzen möchte und sich fragt, was man als weiße Person tun kann, dem bietet dieses Buch einen guten Einstieg. Weitere Infos unter hanser-literaturverlage.de.

Weil ich so bin, wie ich bin. Vielfalt in der Pflege. Ein Praxis-Leitfaden für stationäre und ambulante Dienste
Der Leitfaden informiert über eine Vielzahl praxiserprobter Strategien zur Einführung, Umsetzung und Aufrechterhaltung LSBTI*-diversitätssensibler Pflege und basiert auf den Erfahrungen des dreijährigen Modellprojekts "Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt®" gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Den Leitfaden finden Sie unter ssl.webflow.com.


T H E M A

Sexarbeit – Was bedeutet das in Corona-Zeiten? 
Auch unser Vorstandsmitglied Johanna Verhoven widmet sich in ihrer aktuellen Kolumne der Sexarbeit. Sie stellt bei ihren Überlegungen fest, dass der steigende Unterstützungsbedarf in dieser Zeit auf ein total heruntergefahrenes Unterstützungsangebot trifft. Corona hat die auf vielen unterschiedlichen Ebenen problematischen Verhältnisse für die Sexarbeitenden vielerorts deutlich verstärkt. Johannas Kolumne finden Sie unter xxelle-nrw.de.


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

18. bis 20. September 2020 | Essen
Vernetzungstreffen für Migrantinnen, die mit HIV leben 
Es geht um Erfahrungsaustauch über Diskriminierung und Rassismus, Empowerment und "sich stark machen". Das Treffen ist ein Frauentreffen für positive Migrantinnen. Es findet in einem geschützten Rahmen statt. Mehr Infos finden Sie hier (PDF-Datei).

10. Oktober 2020 | Düsseldorf
Treffen für Jugendliche mit HIV in NRW "HIV-positiv? Ja, und?"
Das diesjährige landesweite Treffen für Jugendliche mit HIV in NRW findet als Tagesveranstaltung in Düsseldorf statt. Es ist eine Kooperation zwischen den Aidshilfen Dortmund, Düsseldorf und der Aidshilfe NRW. Das Angebot für Jugendliche ist, bis auf die Fahrtkosten, kostenlos. Diese können jedoch auf Antrag übernommen werden. Nach der Anmeldung erhalten die Eltern/Erziehungsberechtigten einen Elternbrief mit einer Anmeldebestätigung und genauen Informationen. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Treffen, zur Anmeldung, zur Anreise etc. finden Sie im Flyer hier (PDF-Datei).

30. Oktober bis 1. November 2020 | Berlin
Self-Empowerment und Bewältigungsstrategien
Diskriminierung von Menschen mit HIV findet in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen statt. Oft ist es nicht leicht, in dieser Situation schnell und schlagfertig zu reagieren und erst im Nachhinein fallen die guten Sprüche und wichtigen Argumente ein. Es bedarf Mut, Wissen und der richtigen Verbündeten, um sich erfolgreich dagegen zu wehren. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Netzwerktreffens Frauen und HIV/Aids statt. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei). Das Anmeldeformular finden Sie hier (PDF-Datei)


S O N S T I G E S

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint Ende September 2020
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis Mitte September per E-Mail an Petra Hielscher.
 
 
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