Juni 2020
Liebe Leser*innen!
Wir meinen das ernst: Wir machen das!

Die Entscheidungen zu den Lockerungen des Kontaktverbots scheinen sich förmlich zu überschlagen. Woche für Woche veröffentlichen die Landesregierungen neue Bestimmungen, was wie und wo möglich und was dabei zu beachten ist. Wir spüren, während die einen sich noch vorsichtig zurückhalten, erleben die anderen schon die so genannte „neue Realität“. Auch die Angebote der Aidshilfen wurden inzwischen vollständig wieder aufgenommen, sofern es nach den Hygienevorschriften oder freiwilligen Konzepten möglich ist. Grund genug, um eine erste Bilanz zu ziehen, wie die Aidshilfe NRW während der Krise agieren konnte. Arne Kayser, der Landesvorsitzende des Verbands, wandte sich Anfang dieser Woche mit einem Statement an die Öffentlichkeit. Dabei konnte er nicht nur auf eine Reihe von Maßnahmen verweisen, die insbesondere denen zugutekamen, die häufig Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren und sich oft in vulnerablen Lebenssituationen befinden, und die dabei halfen, vor allem die ambulante Beratungs- und Betreuungsarbeit der Aidshilfen aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus äußerte er sich kritisch gegenüber denjenigen, die meinen, alles mit Verboten regeln zu können, aber auch gegenüber den Sorglosen, die jetzt schon eine komplette Öffnung fordern. "Eine langfristige Strategie kann nur darauf beruhen, Verantwortung zu übernehmen, für sich und für andere. Wir können Menschen nicht längerfristig von der Polizei und den Ordnungsbehörden überwachen lassen, die ihr Verhalten kontrollieren. Menschen müssen davon überzeugt werden, was nützt und was schadet, das Nützliche zu tun und damit Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen Menschen zubilligen, Teil der Lösung zu sein und dabei empathisch und solidarisch zu handeln." Über Jahrzehnte haben wir in der HIV-Prävention gute Ergebnisse mit dem Konzept der "informierten Entscheidung" erzielt. Dieses Konzept wird uns auch in der jetzigen Situation helfen, mit der Pandemie umzugehen. Arne Kayser: "Wir machen das! Mit Mut, mit Engagement und voller Hoffnung, dass wir – vielleicht unter anderen Bedingungen – unser altes Leben ein Stückweit wiederbekommen und Nähe und Austausch wieder möglich sein wird." Dazu erbitten wir auch Ihre Unterstützung. Und bleiben Sie bitte weiterhin gesund!
Eine anregende Lektüre unseres Newsletters!
Petra Hielscher und Guido Schlimbach
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


A K T U E L L E S

"Wir machen das!": Aidshilfe NRW zum Umgang mit der Corona-Krise
Die Aidshilfe NRW zieht drei Monate nach dem Lockdown eine erste positive Bilanz des Umgangs mit der Corona-Krise. Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, äußerte sich in einer heute veröffentlichten Videobotschaft. Diese finden Sie unter ahnrw.de.

Film zu 25 Jahren erfolgreicher Frauenvernetzung in NRW
Vor 25 Jahren wurde die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Frauen und HIV/Aids in NRW gegründet. Seither haben sich unzählige Mitstreiter*innen in der Vernetzung, Selbsthilfeförderung und politischen Einflussnahme engagiert. Aber auch das Leben mit HIV/Aids hat sich in dieser Zeit umfassend verändert. In einem Film gratulieren zahlreiche Akteur*innen aus dem Kontext der Aidshilfe zu 25 Jahren erfolgreicher Frauenvernetzung in NRW und sprechen dabei viele Aspekte an, die die LAG Frauen und HIV/Aids ausmachen und die sie bewegt und erarbeitet hat. Der Film ist ab dem 19. Juni 2020 auf der XXelle-Seite unter xxelle-nrw.de zu sehen.

Johannas Kolumne: Aidshilfe und Corona – ein Einblick
Vorstandsmitglied Johanna Verhoven beschreibt in ihrer Kolumne ihre Eindrücke während des Lockdowns und die Einschränkungen der Aidshilfe in ihrer Arbeit mit den Klient*innen. Ihr Fazit: "Corona hat mich deutlich entschleunigt." Sie finden Johannas Kolumne unter xxelle-nrw.de

Corona-Schutzverordnung: Selbsthilfe-Treffen und Bildungsveranstaltungen sind wieder zulässig
Externe, außerschulische Bildungsangebote sowie auch Treffen von Selbsthilfegruppen sind gemäß der aktuellen Corona-Schutzverordnung (CoronaSchVO) in NRW seit Mai wieder zulässig. Hierbei sind geeignete Vorkehrungen zur Hygiene und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern zwischen Personen sicherzustellen; der Zutritt zu Schulungsräumen ist auf maximal eine Person pro fünf Quadratmeter Raumfläche zu begrenzen, soweit nicht durch einen Raumplan die Einhaltung der Mindestabstände auch bei einer Nutzung mit mehr Personen dargestellt werden kann. Mehr hierzu lesen Sie unter aids-nrw.de. Die Regelung hat auch in der aktuellsten Fassung der CoronaSchVO vom 20. Mai weiter Bestand.

Zulässigkeit von Treffen von Selbsthilfegruppen
Das Gesundheitsministerium NRW hat sich auch zur Zulässigkeit von Selbsthilfe-Treffen in Zeiten von Corona geäußert. Nach § 7 Abs. 1 und § 12 der geltenden Coronaschutz-Verordnung ist die Durchführung von (außerschulischen) Bildungsangeboten zulässig. Zudem sind nach § 12 auch gesundheitliche Dienstleistungen erlaubt. Aus der Zusammenschau ergibt sich, dass auch medizinisch indizierte Selbsthilfegruppen ihre Arbeit aufnehmen dürfen. Die aktuelle Corona-Schutzverordnung finden Sie unter land.nrw/corona.

Arbeitshilfe für die Planung und Organisation virtueller Treffen von Selbsthilfegruppen
Der Paritätische Gesamtverband hat eine Arbeitshilfe für die Planung und Organisation virtueller Treffen von Selbsthilfegruppen erstellt, für den Fall, dass regelmäßige Gruppentreffen nicht möglich sind. Die Arbeitshilfe finden Sie unter der-paritaetische.de


P O L I T i K

Aidshilfe NRW zum Internationalen Hurentag
Mitte März wurden in Deutschland alle körpernahen, nicht medizinisch notwendigen Dienstleistungen untersagt. Viele Länder und Kommunen haben darüber hinaus explizit jede Art von Prostitution verboten. Der Ausfall der Honorare macht den meisten Sexarbeiter*innen zu schaffen, da sie über keine Rücklagen verfügen, um für ihre Lebenshaltung und Miete aufkommen zu können. Immerhin konnte der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) erreichen, dass vor allem Frauen, die in Bordellen arbeiteten, nach deren Schließung dort übernachten konnten, was durch das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) eigentlich verboten ist. Gerade in Zeiten von Corona erschien es der Aidshilfe NRW mehr als notwendig, auf die besonders prekäre Situation der Sexarbeiter*innen in dieser Krise hinzuweisen. Die Presseerklärung der Aidshilfe NRW finden Sie hier (PDF-Datei). Die Presseerklärung der Deutschen Aidshilfe finden Sie hier (PDF-Datei) .


S O Z I A L E S

Wo die Corona-Krise Frauen ins Hintertreffen bringt
Weltweit sind etwa drei Viertel der Beschäftigten im Gesundheitswesen Frauen, in Deutschland wird immerhin 70 Prozent der Arbeit in den Gesundheits- und Sozialpflegeberufen von Frauen verrichtet – verglichen mit 41 Prozent in anderen Beschäftigungsbereichen. Bei den Pflegekräften, im Rettungsdienst und der Geburtshilfe ist der Anteil sogar noch höher. Und doch verdeutlicht gerade die Corona-Krise, dass es offenbar an einem Bewusstsein für diese Tatsache fehlt, so dass Frauen im Gesundheitswesen in Entscheidungen während der Pandemie zu wenig berücksichtigt wurden. In einem Podcast-Gespräch legt Dr. Sabine Ludwig, Leitung und Gründerin der Deutschen Sektion von Women in Global Health an der Berliner Charité, den Finger in die Wunde und erläutert, wo die Schwachstellen liegen. Den Podcast finden Sie unter aerztezeitung.de.

Trans* am Arbeitsplatz
In vielen Bereichen des täglichen Lebens sind gerade trans*Menschen immer noch Diskriminierungen ausgesetzt, auch in der Arbeitswelt. Die Landeskoordination geschlechtliche Vielfalt Trans NRW möchte mit einer Broschüre alle Beteiligten, die im Kontext Berufs- und Arbeitswelt miteinander agieren, sensibilisieren und informieren. Ziel ist es, ein wertschätzendes und möglichst diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld für trans*Beschäftigte und Selbstständige zu schaffen, unabhängig von Funktion und Beruf. Die Broschüre finden Sie hier (PDF-Datei).


G E S U N D H E I T

Empfehlung der Landeskommission Aids zum HIV-Selbsttest
Bereits im Januar dieses Jahres hat die Landeskommission Empfehlungen zum HIV-Selbsttest veröffentlicht. Die Kommission macht die Herausforderungen bei der Einführung von HIV-Selbsttests in Nordrhein-Westfalen deutlich und gibt Empfehlungen ab, wie diese Tests erfolgreich in bestehenden Strukturen der HIV-Prävention integriert werden können. Mehr lesen Sie unter mags.nrw.

Empfehlung zu Hepatitis B und C bei Beschäftigten im Gesundheitswesen
Die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten (DVV) hat eine neue Empfehlung zur Prävention der nosokomialen Übertragung von Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) durch im Gesundheitswesen Tätige herausgegeben. Nosokomiale Übertragungen sind solche, die im Zusammenhang mit einer medizinischen Maßnahme geschehen, zum Beispiel während eines Krankenhausaufenthalts. Die DVV stellt fest, dass eine Infektion von Beschäftigten offenzulegen und kontinuierlich zu beobachten ist, dass aber nur bei chirurgischen Tätigkeiten relevante Auflagen und Einschränkungen über die üblichen Schutz- und Hygienemaßnahmen hinaus notwendig sind. Die Empfehlung finden Sie hier (PDF-Datei).

AASLD-Leitlinien empfehlen sofortige Behandlung nach Diagnose
Die neuen Leitlinien der amerikanischen Hepatologen empfehlen bei der akuten Hepatitis C neuerdings eine „Trest and Treat“-Strategie, d. h. die Behandlung sollte nach Diagnosestellung (Nachweis von HCV-RNA) eingeleitet werden ohne eine eventuelle Spontanheilung bzw. Chronifizierung abzuwarten. Zur Therapie sollten die gleichen Regime wie zur Behandlung der chronischen Hepatitis C eingesetzt werden. Die Guideline finden Sie unter hcvguidelines.org.


M E D I E N

Du liebes Kind! Drogen und Schwangerschaft
Die Deutsche Aidshilfe hat eine Broschüre für Drogengebraucherinnen herausgegeben, die Antworten auf viele Fragen rund um das Thema Schwangerschaft gibt, beispielsweise: Darf eine Drogenabhängige überhaupt Kinder bekommen? Können Drogen dem Kind schaden? Drogen und Mutterschaft? Muss die Lebensführung geändert werden? Die Broschüre mit Adressen von Beratungsstellen erhalten Sie über aidshilfe.de.


T H E M A

Ariadne – 20 Jahre und noch lange kein Ende der Vernetzungsarbeit in Westfalen
Ariadne lautet der Name eines Vernetzungstreffens für Frauen mit HIV/Aids in Westfalen. Die Mitarbeiterinnen von XXelle Westfalen haben dieses Angebot vor 20 Jahren aus dem Bedürfnis heraus entwickelt, die erlebte Isolation der Frauen zu durchbrechen und ihnen regelmäßig zweimal im Jahr für einen ganzen Tag eine Möglichkeit der Begegnung, des gegenseitigen Austauschs anzubieten, sie aus ihrem Alltag zu entführen und ihnen Momente der Entspannung und Leichtigkeit zu verschaffen. Diese Treffen sollten Frauen aus der Region in ihrem Selbstbewusstsein stärken und ihnen neue Perspektiven aufzeigen. Ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind mit Ihrer HIV-Infektion, mit ihren Fragen und Sorgen, mit ihrer Angst. Ariadne war seit jeher deshalb regional ausgerichtet, weil die Anzahl der Frauen mit HIV/Aids, die die lokalen Aidshilfen besuchten, zu klein war, um dort einen solchen Austausch mehrerer Frauen in regelmäßigem Turnus zu gewährleisten. Weil sich jedoch seit 1999 vieles in der Welt und damit auch in Westfalen entscheidend geändert hat, stand auch für die XXelle Westfalen-Frauen fest, dass sie Ariadne verändern müssen, um weiter zuverlässig Orientierung zu bieten. Lesen Sie mehr dazu unter xxelle-nrw.de.


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

4. Juli 2020 | online
CSD-Empfang der Aidshilfe NRW und des Schwulen Netzwerks NRW
Aus bekannten Gründen findet der CSD-Empfang der beiden Landesverbände in diesem Jahr online statt. Im Rahmen der Veranstaltung verleiht das Schwule Netzwerk NRW zum zwanzigsten Mal die Kompassnadel. 2020 geht die Auszeichnung an den Verein Keshet Deutschland für sein einzigartiges ehrenamtliches Engagement für queere jüdische Communities. Die Online-Premiere finden Sie ab 4. Juli um 13.00 Uhr unter csd-empfang-nrw.de

5.bis 7. Juli 2020 | online
HIV2020
Wegen COVID-19 wird die im Juli in Mexico City geplante alternative internationale HIV-Konferenz HIV2020 online stattfinden. Weitere Informationen finden Sie unter hiv2020.org.

6. bis 10. Juli 2020 | online
23rd International AIDS Conference virtual
Wegen COVID-19 wird die im Juli in San Francisco geplante 23. WeltAidsKonferenz nur online stattfinden. Weitere Informationen finden Sie unter aids2020.org

6. bis 9. August 2020 | Bremen
Positive Begegnungen 2020
Die Konferenz zum Leben mit HIV in 2020 wurde leider abgesagt! Die Positiven Begegnungen werden, ebenso wie unsere zuletzt geplante Alternativveranstaltung, in diesem Jahr leider nicht stattfinden.


S O N S T I G E S

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint Mitte August 2020
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis Anfang August per E-Mail an Petra Hielscher. Wir wünschen allen eine schöne Sommerzeit!
 
 
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