April 2020
Liebe Leser*innen!
Gerade einmal vier Wochen sind vergangen seit dem letzten Newsletter und doch erscheint vielen von uns die Welt nicht mehr dieselbe zu sein wie vorher. Unser öffentliches Leben wurde konsequent heruntergefahren, Geschäfte und Restaurants geschlossen, Veranstaltungen abgesagt, Angestellte ins Homeoffice geschickt – aus guten Gründen. In Sorge vor einer möglichen Verbreitung des Coronavirus und der Überlastung unseres Gesundheitssystems sollten direkte Kontakte vermieden werden. Uns fiel auf, dass dies neben dem erwünschten Abflachen der Ansteckungskurve zu ganz unterschiedlichen Effekten geführt hat. Einerseits entstanden eine Vielzahl an Hilfsangeboten und Solidaritätsbekundungen, man spricht nun mit Menschen, mit denen man vorher nie sprach, findet sich applaudierend an Fenstern und auf Balkonen, um denen zu danken, die in der Krise ihren Kopf hinhalten und unser System aufrechterhalten, den Pflegenden, Hilfsdiensten, den Ärzt*innen und Forschenden. Andererseits fanden sich nicht wenige, auch aus unseren Zielgruppen, die nun allein, isoliert und ohne unterstützende Strukturen zuhause bleiben mussten. Kranke und Sterbende in den Einrichtungen durften nicht besucht werden. Hier mussten vor allem die Organisationen der freien Wohlfahrtspflege als mahnende Lobbyisten auftreten.
Auch unseren regionalen Aidshilfen war es nicht mehr möglich, ihre Beratungsstellen für den Publikumsverkehr offen zu halten und Gruppenangebote sowie einen Teil ihrer persönlichen Beratungen weiterzuführen. Bestenfalls konnten Beratungen am Telefon, im Life-Chat oder per Videokonferenz angeboten werden. Viele Aidshilfen bemühen sich, innovative Alternativen anzubieten und nach der von den Behörden angekündigten Öffnung auch die Angebote der Beratungsstellen wieder hochzufahren (siehe dazu auch HIV-Beratung aktuell unten). Wenn Sie persönlich Bedarf haben, erkundigen Sie sich bitte bei den Vereinen vor Ort. Im Zweifelsfall stehen wir Ihnen aber auch hier in der Landesgeschäftsstelle aber auch telefonisch und per Mail für Auskünfte zur Verfügung.
Dieses Jahr hatten wir uns ganz anders vorgestellt. Veranstaltungen, die auf 25 Jahre Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids in NRW blicken sollten, können nicht stattfinden. Natürlich überlegen wir Alternativen zum bisher Geplanten. Sobald es dazu Neuigkeiten gibt, werden wir Sie darüber informieren.
Bitte bleiben Sie gesund!

Viel Spaß beim Lesen unseres Newsletters!
Petra Hielscher und Guido Schlimbach
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


A K T U E L L E S

Aktuelle Infos zu Corona
Wie im letzten Newsletter berichtet, hat die Deutsche Aidshilfe auf ihren Internetseiten Infos zu Corona veröffentlich. Sind Menschen mit HIV besonders von Corona betroffen? Was muss ich in Bezug auf Sex und Corona wissen? Was ist mit Beratungs- und Testangeboten? Das sind nur einige Fragen, die dort beantwortet werden. Die Informationen werden aktualisiert, Sie finden sie unter aidshilfe.de.

Was bedeutet COVID-19 für HIV-Infizierte?
Gut behandelte HIV-Infizierte mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze machen erfahrungsgemäß und auch nach Studienlage nicht mehr Infekte durch als nicht HIV-Infizierte. Sie sollten also nicht in die Gruppe der Risikopersonen gezählt werden, es sei denn, es liegen andere Erkrankungen zusätzlich vor (z.B. COPD, Nierenerkrankung, Diabetes, Herzkrankheit etc.). Eine aktualisierte Stellungnahme der Deutschen AIDS-Gesellschaft zur Gefährdung von HIV-Infizierten durch COVID-19 finden Sie hier (PDF-Datei).

HIV-Beratung aktuell mit Schwerpunkt Corona
Die Geschwindigkeit und Massivität, mit der das Corona-Virus unseren Alltag umkrempelt, hat viele überrascht. Es stellt sich die Frage, wie Aidshilfe-Arbeit in diesen Zeiten aussehen kann. Flexibilität ist gefragt. Viele Kolleg*innen haben Erfahrung im Umgang mit übertragbaren Infektionen und auch mit entsprechenden Ängsten. Gleichzeitig wird es jedoch – zum Schutz vor Übertragungen – immer schwieriger, klassische Face-to-Face-Angebote aufrechtzuerhalten. In der aktuellen Ausgabe von "HIV-Beratung Aktuell" widmet sich die Deutsche Aidshilfe schwerpunktmäßig den Herausforderungen und Fragen, vor die uns die Corona-Pandemie und die damit verbundenen politischen Bewältigungsstrategien auf unsere Arbeit stellen. Sie finden die Ausgabe von HIV-Beratung aktuell unter hiv-beratung-aktuell.de.


P O L I T i K

Auch in Zeiten von Corona unterstützt das Land Frauenhäuser und Projekte
Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen beabsichtigt zur Sicherung der Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen zusätzlich 1,5 Millionen Euro aus dem NRW-Rettungsschirm vorbehaltlich der Beschlussfassung des Landtages zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus beobachtet die Landesregierung sehr aufmerksam, ob sich Veränderungen im Bereich der häuslichen Gewalt ergeben. Wenn sich Anzeichen für ein Ansteigen der häuslichen Gewalt ergeben, werde die Landesregierung sofort Maßnahmen ergreifen, so Ministerin Scharrenbach. Die Presseinformation der Staatskanzlei lesen Sie hier (PDF-Datei).


S O Z I A L E S

Warum die Krise viele Frauen besonders hart trifft
Mehr Frauen als Männer sitzen an Supermarktkassen, pflegen Kranke, betreuen die Kinder: Statistisch gesehen verteilen sich die Folgen der Corona-Krise unterschiedlich auf die Geschlechter. Einen in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Überblick finden Sie hier (PDF-Datei).

Schutz von Kindern und Jugendlichen vor häuslicher Gewalt
Kontaktbeschränkungen und Quarantänemaßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Ausbreitung sind für viele Familien eine enorme Herausforderung. Druck, Existenzängste und Konflikte können insbesondere in bereits belasteten Familien in Gewalt gegen Kinder und Jugendliche münden. Das Bundesfamilienministerium nimmt bereits wahr, dass die Beratungsangebote stärker nachgefragt werden. Bundesjugendministerin Franziska Giffey steht im intensiven Austausch mit den Jugend- und Familienministerinnen und -ministern der Länder, um Hilfsmaßnahmen in der Corona-Krise abzustimmen. Giffey wörtlich: "Wir verstärken die Beratungsangebote, die wir bereits fördern und bauen sie aus, wo es geht." Weitere Informationen finden Sie unter bmfsfj.de.

Beratungsstellen und Frauenhäuser sichern auch weiterhin Hilfsangebote für Frauen und Kinder
Die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind wichtig. Dennoch führen ständige Nähe in der Wohnung, Homeoffice, Kinderbetreuung zu Hause und Existenzängste zu hohen Belastungen in Familien. Fehlende soziale Kontrolle und der Mangel an Möglichkeiten, sich Gewaltsituationen zu entziehen, verschärfen die Situation für viele gewaltbetroffene Frauen und Kinder. Kinder, die zuhause physische, psychische oder sexualisierte Gewalt erleben, sind ihren Täter*innen weitgehend ausgeliefert. Beratungsstellen und Frauenhäuser haben ihre Arbeitsweise der neuen Situation angepasst und sichern weiterhin Beratung und Schutzunterkünfte für gewaltbetroffene Frauen und Kinder. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Mehrsprachige onlinegestützte oder telefonische Beratungsmöglichkeiten und Informationen
Eine Auflistung von Angeboten mit aktuellen Nachrichten zur Beratung in Krisen, aufenthaltsrechtlicher Beratung und mehrsprachige Informationen des Paritätischen NRW finden Sie hier (PDF-Datei).

Videos für Geflüchtete
REFUGIO München, das Beratungs- und Behandlungszentrum Refugio München für traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer, hat Videos in verschiedenen Sprachen für geflüchtete Menschen zum Umgang mit Stress und Angst in der Corona-Krise erstellt. Sie finden die Videos unter youtube.com.

Menschen in Haft in Zeiten von Corona
Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise für Menschen in Haft? Und welche Auswirkungen hat dies auf unser Projekt und die Arbeit der Aidshilfe Düsseldorf? Wie betreuen wir die betroffenen Menschen in Zeiten von "Social Distancing"? Lesen Sie dazu den Beitrag der AhD-Mitarbeiterin Mascha Zapf, den Sie hier (PDF-Datei) finden.

Corona und Sexarbeit
Mitte März wurden in Deutschland sämtliche Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen geschlossen. Alle körpernahen, nicht medizinisch notwendigen Dienstleistungen sind laut Vorgabe der Bundesregierung derzeit untersagt. Viele Bundesländer und Städte haben darüber hinaus explizit jede Art von Prostitution verboten. Seit Beginn der Krise arbeite der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen unter Einsatz aller Kräfte daran zu informieren, Hilfestellung zu leisten und die Not der Menschen in der Sexarbeit den Behörden und Medien zu kommunizieren. Alle relevanten Informationen für Sexarbeiter*innen und alle anderen finden Sie unter berufsverband-sexarbeit.de.


G E S U N D H E I T

Sex in Zeiten von Corona
Kann ich in Zeiten des Coronavirus noch unbesorgt Sex haben? Wie kann ich mich schützen? Ist das Risiko in der Sauna erhöht? Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen Aidshilfe, gibt Auskunft in einem Interview unter magazin.hiv. Auch Herzenslust NRW beschäftigt sich mit dieser Frage und gibtTipps und Tricks zu Sex in Zeiten von Corona. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Sexualität schwuler Männer. Dabei werden die Möglichkeiten einer Ansteckung mit dem Coronavirus ebenso thematisiert wie der Anteil der Sexualität am körperlichen und psychischen Wohlbefinden. Näheres dazu lesen Sie unter ahnrw.de.

Aidshilfe NRW, JES NRW und akzept NRW zum Internationalen Drug Checking Day
Unter Drug Checking-Angeboten versteht man, illegale Substanzen auf ihre Zusammensetzung untersuchen und sich gleichzeitig beraten lassen zu können. In Deutschland mangelt es allerdings trotz internationaler Erfolge in diesem Bereich an entsprechenden Möglichkeiten. Vor allem vor dem Hintergrund der gestiegenen Drogentode um rund 22 Prozent im vergangenen Jahr in NRW ist dies ein Unding. Anlässlich des Internationalen Drug Checking Day am 31. März fordern Aidshilfe NRW, JES NRW und akzept NRW erneut die Schaffung von Drug Checking-Angeboten. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Arztvorbehalt für Schnelltests auf HIV, HCV und Syphilis entfallen
Mit Inkrafttreten des Masernschutzgesetzes zum 1. März 2020 ist auch der sogenannte Arztvorbehalt für Schnelltests (Antikörpernachweis) auf HIV, Hepatitis C und Syphilis entfallen. Das bedeutet, dass ab sofort für die Durchführung eines solchen Schnelltests die Anwesenheit ärztlichen Personals nicht mehr zwingend notwendig ist. Die weitergehende Diagnostik in Form eines Bestätigungstests bleibt jedoch weiterhin Ärzt*innen vorbehalten. Weitere Informationen zur Gesetzesänderung finden Sie unter aids-nrw.de.

Dolutegravir und Schwangerschaft
Ein HIV-Therapieregime auf der Basis von Dolutegravir scheint die sicherste und wirksamste Behandlung in der Schwangerschaft zu sein. Das zeigen aktuelle Daten aus einer Studie in Malawi, die zwei Dolutegravir-basierte Behandlungen mit einer Efavirenz-basierten Behandlung verglich. Weitere Informationen finden Sie unter aidsmap.com.


M E D I E N

"Wir wollen wissen, was drin ist!"
Anlässlich des Internationalen Drug Checking Day veröffentlicht die Aidshilfe NRW eine weitere Haltungskarte in der Reihe "WIR MEINEN DAS ERNST". Diese Karte werden unsere Kolleg*innen als Anstoß nutzen können, mit Vertreter*innen der Politik über Drug Checking ins Gespräch zu kommen. Die Karte ist in der Landesgeschäftsstelle erhältlich. Sie finden Sie hier (PDF-Datei).


T H E M A

HIV Kontrovers 2020 – mit Schwung in die Diskussion
Unsere Kollegin Johanna Verhoven, Mitglied des Landesvorstands der Aidshilfe NRW, berichtet in ihrer Kolumne über die Fachtagung HIV KONTROVERS 2020, die am 15. Februar in Köln stattfand. Den Text finden Sie unter xxelle-nrw.de.


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

25. bis 28. Juni 2020 | Waldschlösschen
Bundesweites Treffen von Frauen mit HIV
Durch Verordnung des Landes Niedersachsen Mitte April ist die Schließung der Akademie Waldschlösschen bis zum 6. Mai 2020 verlängert worden. Daher wurde das zweite bundesweite Treffen für Frauen mit HIV 2020 bislang nicht abgesagt. Es steht unter dem Motto „30 Jahre bundesweite Treffen für Frauen mit HIV“ und wendet sich an Langzeitpositive. Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de.

5.bis 7. Juli 2020 | online
HIV2020
Wegen COVID-19 wird die im Juli in Mexico City geplante alternative internationale HIV-Konferenz HIV2020 online stattfinden. Weitere Informationen finden Sie unter hiv2020.org.

6. bis 10. Juli 2020 | online
23rd International AIDS Conference virtual
Wegen COVID-19 wird die im Juli in San Fransisco geplante 23. WeltAidsKonderenz nur online stattfinden. Weitere Informationen finden Sie unter aids2020.org

Juli/August 2020 | Bochum
Deutscher STI-Kongress
Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation um die Ausbreitung des Coronavirus musste der 65. Deutsche STI-Kongress verschoben werden. Die Deutsche STI-Gesellschaft arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, einen neuen Termin zu finden, und wird diesen so zeitnah wie möglich kommunizieren. Weiterführende Infos finden Sie zu gegebener Zeit unter dstig.de.

6. bis 9. August 2020 | Bremen
Positive Begegnungen 2020
Die aktuelle Situation rund um COVID-19 betrifft natürlich auch die Positiven Begegnungen 2020. Die Bundesregierung hat ein Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August verhängt. Die Deutsche AIDS-Hilfe geht davon aus, dass die PoBe als Konferenz davon nicht betroffen ist, jedoch unterliegt die endgültige Entscheidung darüber dem Land Bremen. Neben der Prüfung einer Durchführbarkeit in Bremen ist man mit der Vorbereitungsgruppe aktuell dabei, alternative Optionen zu prüfen. Das könnte eine alternative Form der PoBe oder auch eine Verschiebung auf nächstes Jahr bedeuten. Weitere Informationen folgen.


S O N S T I G E S

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint Ende Mai 2020
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis Mitte Mai per E-Mail an Petra Hielscher.
 
 
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