Januar 2020
Liebe Leser*innen!
Schon zum sechsten Mal laden die Aidshilfe NRW und die Deutsche AIDS-Gesellschaft, das ist die medizinische Fachgesellschaft für HIV/Aids, gemeinsam zur Fachtagung HIV-KONTROVERS ein. Neben Mediziner*innen sind Interessierte aus Aidshilfen, Positiven-Selbsthilfe und Prävention, aus dem Öffentlichen Gesundheitsdienst, ambulanter und stationärer Versorgung sowie aus Politik und Verwaltung ebenso eingeladen wie interessierte Menschen mit HIV. Das Besondere: Zu den sieben Themen treten jeweils zwei Referent*innen in einer kontrovers geführten Diskussion gegeneinander an. Auf diese Weise vertreten sie pointiert ihre gegensätzlichen Positionen und regen so eine spannende Diskussion, auch mit dem Publikum, an. Allein aus Frauenperspektive erscheinen schon zwei Kontroversen besonders spannend. In der einen Diskussion werden Leni Breymeier und Juanita Henning aufeinandertreffen. Die Bundestagsabgeordnete Breymeier tritt als Mitglied des Vereins SISTERS – für den Ausstieg aus der Prostitution! e.V. für ein komplettes Sexkaufverbot ein, während Juanita Henning, Sprecherin der in Frankfurt/Main ansässigen Prostituierten-Selbsthilfeorganisation Doña Carmen e.V., für eine sofortige Novellierung des Prostituiertenschutz-Gesetzes plädiert. Schon wegen der prominenten Vertretung dieser kontroversen Positionen ist diesem Forum große Aufmerksamkeit sicher. Die andere Kontroverse provoziert bereits mit ihrem Titel: "Die paar Frauen sollen sich mal nicht so aufregen!" Hier geht es um die Frage, inwieweit die unterschiedlichen biologischen und medizinischen Voraussetzungen, Lebenssituationen und Bedürfnisse von Frauen intensive frauenspezifische klinische Studien zu HIV erforderlich machen oder ob eine individuelle Behandlung von Frauen mit HIV ausreicht. Annette Haberl, Internistin im HIVCENTER - HIV-Schwerpunkt im Klinikum der J. W. Goethe- Universität Frankfurt am Main, plädiert für intensivere klinische Studien, während Olaf Degen, ärztlicher Leiter der Infektiologie am Ambulanzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf individuelle Behandlungsstrategien für ausreichend hält. Auch hier versprechen wir uns eine ausgesprochen spannende Diskussion, in der sich sicher auch Frauen aus unseren Reihen engagiert zu Wort melden werden. Wir hoffen, wir haben Ihr Interesse geweckt, vielleicht selbst an HIV-KONTROVERS teilzunehmen. Nähere Informationen finden Sie im unteren Terminteil. Wir freuen uns, Sie hier oder zu einer der anderen Veranstaltungen der Aidshilfe NRW 2020 zu treffen.
Viel Spaß beim Lesen unseres Newsletters!
Petra Hielscher und Guido Schlimbach
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


P O L I T i K

Aids beenden – ein realistisches Ziel für alle?
Bis 2020 wollen die Vereinten Nationen die 90-90-90-Ziele erreichen, damit bis 2030 niemand mehr an Aids erkranken muss. Dafür ist unter anderem ein einfacher Zugang zu HIV-Tests und zu medikamentöser Therapie ebenso nötig wie der Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung, denn viele Menschen lassen sich aus Angst vor Ausgrenzung nicht auf HIV testen. Häufig wird darum mittlerweile von den 90-90-90-0-Zielen gesprochen: 0 steht dabei für null Diskriminierung. Doch sind diese Ziele erreichbar? Auf dem Fachtag "90-90-90-0 – ein realistisches Ziel für alle!?" der Deutschen Aidshilfe diskutierten die Teilnehmer*innen über Diskriminierung und Zugangsbeschränkungen zum deutschen Gesundheitssystem. Mehr lesen sie unter magazin.hiv.


S O Z I A L E S

HIV-positiv und im Gesundheitswesen tätig - wie umgehen mit Fragen Arbeitgebender?
Menschen mit HIV, die im Gesundheitswesen tätig sind, können mit der Offenlegung ihres HIV-Status konfrontiert werden: Sei es, dass HIV-Tests im Bewerbungsverfahren oder bei betriebsärztlichen Untersuchungen "angeboten" werden, dass sie Gesundheitszeugnisse vorlegen müssen, die die „Freiheit von ansteckenden Erkrankungen“ attestieren oder Zusatzvereinbarungen zum Arbeitsvertrag unterschreiben sollen, die sie verpflichten, Infektionserkrankungen ihren Vorgesetzten und den Arbeitgeber*innen mitzuteilen. In einem Interview der Deutschen Aidshilfe werden einige Fragen aus der aktuellen Beratungspraxis dargestellt und durch Rechtsanwalt Jacob Hösl beantwortet und juristisch bewertet. Das Interview finden Sie unter hiv-diskriminierung.de.


G E S U N D H E I T

Gütesiegel "Praxis Vielfalt" für eine diskriminierungsarme Gesundheitsversorgung
Zehn Praxen und Kliniken haben seit September 2018 ein Fortbildungsprogramm der Deutschen Aidshilfe durchlaufen und das Gütesiegel „Praxis Vielfalt“ für einen diskriminierungsarmen Umgang mit Patient*innen erhalten, 20 weitere Einrichtungen sind aktuell auf dem Weg. Ziel ist es, medizinische Einrichtungen für die Belange von Menschen mit HIV und mit unterschiedlichen sexuellen, kulturellen sowie sprachlichen Hintergründen zu sensibilisieren, um Diskriminierungen im Gesundheitswesen vorzubeugen. Auf magazin.hiv wird über das Berliner Zentrum für sexuelle Gesundheit und Familienplanung am Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf berichtet, das den Zertifizierungsprozess bereits erfolgreich abgeschlossen hat. Unter praxis-vielfalt.de finden Sie weitere Informationen zum Projekt und zum Anmeldeverfahren.


M E D I E N

Datenschutz
Immer wieder werden Berater*innen in Aidshilfen mit Datenschutzverletzungen im Kontext von HIV konfrontiert. Im Dschungel von Vorschriften und Gesetzen zurechtzukommen ist nicht leicht. Die neue Expertise der Deutschen Aidshilfe "Datenschutz und HIV - Eine praktische Anleitung für die Beratungspraxis" kann hier Abhilfe schaffen. Sie bietet einen gut strukturierten und aktuellen Überblick über die wichtigsten gesetzlichen Regelungen wie z.B. die Datenschutzgrundverordnung. Grundsätze des Datenschutzrechts werden verständlich dargelegt und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, wie bei Datenschutzverletzungen vorgegangen werden kann. Neben dieser ausführlichen Darstellung liegen ein kurzes Handout und eine Checkliste zur Prüfung datenschutzrechtlicher Sachverhalte vor. Weiteres erfahren Sie unter aidshilfe.de.

Positiv Leben: Seminarangebote für Frauen
Mit einem Faltblatt möchte die Deutsche Aidshilfe HIV-positive Frauen über die frauenspezifischen Angebote für das Jahr 2020 informieren. Nicht alle von ihnen sind an eine lokale Aidshilfe oder ein anderes Projekt für Frauen mit HIV angebunden. Um den Frauen den Zugang zu den Vernetzungs- und Seminarangeboten der DAH zu erleichtern, wird darum gebeten, dieses Faltblatt in Praxen oder Beratungsstellen auszulegen. Das Faltblatt finden Sie hier (PDF).


T H E M A

Seit zehn Jahren XXelle PLUS
Rückhalt brauchen Frauen mit HIV auch in der heutigen Gesellschaft leider noch, wenn sie mit ihrer Infektion und ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit treten.Dazu trägt ganz entscheidend der Rückhalt der Kolleginnen von XXelle PLUS bei. Eine Haltung zu entwickeln und das Selbstbewusstsein zu stärken gehört daher neben dem Prinzip der Selbstorganisation zu den Kernzielen dieser NRW-weiten Gruppe. Weiteres zur Arbeit von XXelle PLUS, die seit zehn Jahren Frauen mit HIV zusammenbringt, lesen Sie unter xxelle-nrw.de.

Noch einmal: Empowerment von Frauen mit HIV in Osteuropa
Im November 2019 fand in Minsk die von der Deutschen Aidshilfe organisierte Konferenz Empowerment von Frauen mit HIV in Osteuropa statt. Unser Vorstandsmitglied Johanna Verhoven berichtete (xxelle-nrw.de). Jetzt berichtete die AIDS.CENTER-Korrespondentin Alexandra Savinich von den spannendsten Diskussionen und Vorträgen und erklärt, was Geschlechterdiskriminierung mit HIV zu tun hat. Den Artikel finden Sie unter magazin.hiv.


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

15. Februar 2020 | Köln
HIV-KONTROVERS
Zum sechsten Mal laden die Deutsche AIDS-Gesellschaft und die Aidshilfe NRW gemeinsam zu dieser Fachtagung ein, die ganz im Zeichen der kontroversen Diskussion steht. Die Tagung steht Ärzt*innen, Expert*innen aus Aidshilfen, Positiven-Selbsthilfe, Prävention, Öffentlichem Gesundheitswesen, ambulanter und stationärer Versorgung, Politik und Verwaltung sowie Menschen mit HIV und Aids offen. Weitere Informationen lesen Sie unter hiv-kontrovers.de.

19. bis 20. März 2020 | Waldschlösschen
"1 Pille und unter der Nachweisgrenze = alle zufrieden?"
Die Situation von Menschen mit HIV hat sich im Laufe der vergangenen Jahre dank der Entwicklungen im medizinisch-therapeutischen Bereich sehr verändert. Die meisten HIV-Positiven, die in Behandlung sind, haben eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. HIV ist eine chronische Erkrankung mit einer möglichen Lebenserwartung wie die von Nicht-Infizierten. Viele stehen heute im Berufsleben und Nebenwirkungen der Therapien werden immer seltener. Sind also alle zufrieden? Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

27. bis 29. März 2020 | München
18. Münchner AIDS- und Hepatitis-Tage
Ziel des Kongresses ist es, die mit HIV- und Hepatitispatienten arbeitenden Berufsgruppen mit dem derzeitigen Wissens- und Forschungsstand und neuen Wegen der Behandlung vertraut zu machen. Wie in den vergangenen Jahren trägt die interdisziplinäre Themenauswahl und -bearbeitung diesem Ansatz Rechnung. Weitere Informationen finden Sie unter sv-veranstaltungen.de.

27. bis 29. März 2020 | Hannover
HIV/STI-Prävention in der Beratung für Sexarbeiter*innen
Die Arbeitsstrukturen und -bedingungen für Menschen in der Sexarbeit haben sich seit dem Inkrafttreten des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG), durch die Erweiterung der Europäischen Union sowie vielfältige wirtschaftliche Entwicklungen verändert. In Beratungsstellen werden mehr und mehr Fragen zur Sexarbeit als Beruf, aber auch zur beruflichen Umorientierung bis hin zum Ausstieg aus der Sexarbeit erörtert. Präventionsangebote müssen sich deshalb stets neu an den unterschiedlichen Bedürfnissen, Lebens- und Arbeitswelten der Sexarbeiter*innen orientieren, um wirksam zu werden. Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de.

28. April 2020 | Düsseldorf
Jahresempfang der Aidshilfe NRW – Verleihung des Ehrenamtspreises "merk|würdig"
An diesem Abend werfen wir besonders einen Blick auf 25 Jahre LAG Frauen und HIV/Aids in NRW und 25 Jahre Herzenslust. Die Einladungen werden im Februar versandt.

6. bis 9. Mai 2020 | Bochum
STI-Kongress
Der STI-Kongress 2020 findet vom 6. bis 9. Mai in Bochum statt. Vorträge und Diskussionen werden unter anderem zu folgenden Themen angeboten: Epidemiologie und Prävention; Mehr Tests, mehr Gesundheit? Sexualität in allen Lebensphasen; Sexualität und psychische Gesundheit; Resistenzen und STI-Diagnostik; Sex und Darm; Trans* und sexuelle Gesundheit und Impfung und PrEP. Weitere Informationen finden Sie laufend unter dstig.de.

19. Juni 2020 | Köln
Wir werden 25: "XXelle und Herzenslust an Bord!"
Nähere Informationen erfolgen in Kürze.

5.bis 7. Juli 2020 | Mexico City
HIV2020
Ab sofort sind Bewerbungen um Stipendien für die alternative internationale HIV-Konferenz HIV2020 möglich. Bewerbungsschluss ist der 10. Februar. Damit auch Menschen aus der HIV-Community teilnehmen können, die die Kosten nicht selbst tragen können, will die Deutsche Aidshilfe "Scholarships" vergeben, das heißt die Kosten für Reise, Unterkunft und Teilnahme an der Konferenz übernehmen. Bewerben können sich Menschen aus der Selbsthilfe und den Communities im HIV-Bereich. Die Deutsche Aidshilfe begrüßt ausdrücklich die Bewerbung von offen mit HIV lebenden Personen. Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de.

6. bis 9. August 2020 | Bremen
Positive Begegnungen 2020
Rund 400 Menschen mit und ohne HIV aus dem ganzen Bundesgebiet werden zu den 21. Positiven Begegnungen erwartet. Sie werden dort in über 50 Veranstaltungen gemeinsam über die Herausforderungen des heutigen Lebens mit HIV diskutieren. Das Motto der Konferenz, "SELBSTVERSTÄNDLICH POSITIV", soll Mut machen für ein selbstverständliches und damit auch offeneres Leben mit der Infektion. Anmeldungen sind ab sofort möglich unter aidshilfe.de.


S O N S T I G E S

HIV? Ist doch egal!
Eine HIV-Infektion sollte heutzutage in allen möglichen Bereichen des Lebens keine Rolle mehr spielen. Mit Fragen rund um das Leben mit HIV beschäftigt sich POSITHIV HANDELN auch in diesem Jahr. Anfang Januar erschien das neue Jahresprogramm mit allen Terminen der landesweiten Positiventreffen, der Landesarbeitsgemeinschaft POSITHIV HANDELN NRW und weiteren wichtigen Veranstaltungen. Das Programm finden Sie hier (PDF-Datei).

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint Ende Februar 2020
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis Mitte Februar per E-Mail an Petra Hielscher.
 
 
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