Dezember 2019
Liebe Leser*innen!
Vieles ist in Bewegung, so konnten Sie es im letzten Rundbrief lesen, als es um die Entwicklungen in regionalen Aidshilfen ging. Vieles bleibt in Bewegung, auch im kommenden Jahr. Eine Konstante aber ist, dass Frauen mit HIV eine zentrale Zielgruppe der Aidshilfen bleiben. Rund 20 Prozent derer, die mit HIV in NRW leben, sind Frauen. Viele haben das leider nicht im Blick, wenn hierzulande von Menschen mit HIV gesprochen wird. Die Aidshilfe NRW aber mischt sich ein, wann immer es um Frauen mit HIV geht. Daher hat sie eine von zwölf sogenannten Haltungskarten, mit denen sie Gespräche im politischen Raum anregen will, den Frauen gewidmet. Denn es gibt auch 2020 noch viel zu tun, wenn es um Präventions- und Testangebote, um Information für und Empowerment von Frauen geht. Neben der Lobby- und Vernetzungsarbeit sind es diese Schwerpunkte, die zuverlässig vor Ort erledigt werden, in den Regionen, wo immer XXelle-Standorte zu finden sind, in Westfalen, im Ruhrgebiet und im Rheinland. Wir danken allen Kolleg*innen im ganzen Land, die dies übers Jahr immer wieder ermöglichen. Wir danken allen, die uns und unsere Arbeit unterstützen. Allen wünschen wir frohe und erholsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!
Viel Spaß beim Lesen unseres Newsletters!
Petra Hielscher und Guido Schlimbach
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


A K T U E L L E S

Die Aidshilfe NRW zum Welt-Aids-Tag
Die Aidshilfe NRW sieht sich auf einem guten Weg. Der Ausbau von zielgruppenspezifischen Testangeboten und ein dadurch ermöglichter früher Behandlungsbeginn zeigen offenbar Wirkung. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist erneut gesunken. 2.400 Menschen infizierten sich im Jahr 2018, etwa 100 weniger als im Vorjahr. In NRW waren es 510, etwa 20 weniger als 2017. Damit gehen die Zahlen seit 2015 zurück. Die Presseinformation finden Sie unter ahnrw.de

Kampagnenstart zum Welt-Aids-Tag: HIV ist unter Therapie nicht übertragbar
Zum Welt-Aids-Tag startete die Deutsche Aidshilfe (DAH) die zweite Staffel der Kampagne #wissenverdoppeln. Neue Geschichten sollen die erleichternde Botschaft illustrieren. Das Ziel: weniger Diskriminierung. Dieses Wissen nimmt unnötige Ängste vor einer HIV-Übertragung und wirkt damit auch Zurückweisung und Tabubildung entgegen. Die Botschaft zum Welt-Aids-Tag lautet: Einem selbstverständlichen Zuammenleben steht nichts im Wege. Weiteres zur Kampagne der DAH unter aidshilfe.de


P O L I T i K

Kriminalstatistische Auswertung zu Partnerschaftsgewalt
Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen hat Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey die neuen Zahlen der Kriminalstatistischen Auswertung zu Partnerschaftsgewalt 2018 des Bundeskriminalamtes vorgestellt. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen weiterhin hoch und sogar in einigen Bereichen noch leicht gestiegen. Die Zahlen bilden nur jene Straftaten ab, die überhaupt zur Anzeige gebracht wurden. Die Dunkelziffer ist weitaus höher: Nach sogenannten Dunkelfeldstudien ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen. Die gesamte Auswertung finden Sie unter bka.de

Initiative "Stärker als Gewalt"
In der bundesweiten Initiative "Stärker als Gewalt" haben sich bislang 13 Organisationen zusammengeschlossen, die im Bereich Hilfe und Unterstützung aktiv sind. Die Initiative wendet sich ausdrücklich an betroffene Frauen und Männer, aber auch an ihr Umfeld. Wie können wir Frauen helfen, die Gewalt erleben? Wo bekommen wir Unterstützung? Die neue Internetseite der Initiative bündelt eine Vielzahl an Hilfs- und Beratungsangeboten. Die Homepage finden Sie unter stärker-als-gewalt.de.


S O Z I A L E S

Positive Stimmen 2.0 ist gestartet!
Die erste Umfrage zu Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen, die mit HIV leben "Positive Stimmen" 2012 hat viele und wichtige Einblicke und Erkenntnisse gebracht, wie sehr HIV-Positive in ihrem Alltag Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren. Die Ergebnisse sind Grundlage für viele Projekte, die gegen die Stigmatisierung von Menschen mit HIV kämpfen. Mit "Positive stimmen 2.0" möchte die DAH hier anknüpfen und neue und vertiefende Informationen zur HIV-bezogenen Stigmatisierung erfragen. Zudem soll verglichen werden, wie sich die Stigmatisierungserfahrungen verändert haben. Zudem sollen klare Handlungsempfehlungen für Organisationen, Politik, Verwaltung und andere gesellschaftliche Akteure formuliert werden. Damit wollen die "Positiven Stimmen" konkret einen Beitrag gegen die Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen, die mit HIV leben, leisten. Weitere Informationen unter hiv-diskriminierung.de.

Menschen ohne Papiere im Krankenhaus: erhebliche Versorgungslücken
Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Gesundheit/Illegalität weist mit einem Arbeitspapier auf eine erhebliche Lücke in der Versorgung von Menschen ohne Papiere im Krankenhaus hin. Während sich für die ambulante medizinische Versorgung inzwischen bundesweit ein vielfältiges Netz medizinischer Anlaufstellen etabliert hat, die spendenbasiert und mit ehrenamtlichen Kräften eine notdürftige medizinische Primärversorgung anbieten können, stellen stationäre Behandlungen einen zentralen Versorgungsengpass für Menschen ohne Papiere dar. Mit einem Arbeitspapier macht die BAG, die aus über 100 medizinischen und sozialpolitischen Akteuren besteht, auf zwei zentrale Probleme aufmerksam: Erstens können die Menschen sich nicht ausreichend sicher sein, dass ihre Daten nicht an die Ausländerbehörde weitergereicht werden, wenn sie im Notfall ein Krankenhaus aufsuchen. Zweitens greift eine Kostenerstattung durch das Sozialamt im Notfall nur in einem Bruchteil der Fälle. Teils wird deshalb den Betroffenen eine sofortige Behandlung im medizinisch notwendigen Umfang verwehrt. Das Arbeitspapier Notfallhilfe im Krankenhaus für Menschen ohne Papiere finden Sie hier (PDF-Datei).  

Online-Studie der Universität zu Köln zur Inklusion im Arbeitsleben
Der Lehrstuhl für Arbeit und Berufliche Rehabilitation der Universität zu Köln führt eine anonyme und nicht-kommerzielle Online-Befragung durch, wie es um die "gefühlte" Inklusion ins Arbeitsleben in Deutschland steht. Erleben sich Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen (chronische Erkrankungen, Behinderungen oder andere gesundheitliche Problemen/Störungen) als ebenso wertgeschätzt am Arbeitsplatz wie ihre Kolleg*innen ohne Beeinträchtigung? Können sie im Job ‚sie selbst‘ sein? Oder haben viele eher das Gefühl, sich verstellen zu müssen? Wie fühlen sich Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen in ihrem Team? Welche Auswirkungen hat das auf sie? Und was brauchen sie, damit es besser wird? Es geht also um die psychologische Seite der Inklusion. Die Uni Köln sucht Menschen mit HIV als Teilnehmer*innen für die Befragung. Sie sind eine sehr wichtige Zielgruppe, da Menschen mit HIV im Berufsleben aufgrund von Stigmatisierung, Unwissenheit/Unsicherheit von Kolleg*innen und Vorgesetzten und der Unsichtbarkeit von Symptomen oft vor besonderen Herausforderungen stehen. Weitere Informationen und den Teilnahmelink finden Sie unter mittendrin.uni-koeln.de.


G E S U N D H E I T

Schnelltest auf HIV, Hepatitis C und Syphilis bald auch ohne Anwesenheit von Ärzt*innen möglich
Mit dem am 14. November 2019 verabschiedeten Masernschutzgesetz sind auch Änderungen des Infektionsschutzgesetzes und der Medizinprodukte-Abgabeverordnung beschlossen worden, die die Rahmenbedingungen für Schnelltests auf HIV, Hepatitis C und Syphilis verändern. Mit dem Beschluss wurden nun Schnelltests auf HIV, Hepatitis C und Syphilis vom sogenannten "Arztvorbehalt" ausgenommen. Die Anwesenheit von Ärzt*innen ist für die Durchführung dieser Schnelltests nun nicht mehr zwingend notwendig. Der Bundestag will damit insbesondere die Arbeit der niedrigschwelligen Beratungs- und Testeinrichtungen, unter anderem von Aidshilfen, Suchtberatungsstellen und Gesundheitsämtern für besonders gefährdete Personengruppen erleichtern, die zukünftig entsprechende patientennahe Schnelltests ohne die zwingende Anwesenheit von Ärzt*innen durchführen können. So sollen die Zugangshürden zu Testangeboten weiter gesenkt und damit die Anzahl der diagnostizierten HIV-, Hepatitis C- und Syphilisinfektionen weiter erhöht werden. Weitere Informationen finden Sie unter aids-nrw.de

Die Hälfte aller Frauen mit HIV wird in der Europäischen Region erst spät diagnostiziert
Viele Frauen in der Europäischen Region der WHO, insbesondere jene in den Vierzigern, werden erst in einem späten Stadium der HIV-Infektion diagnostiziert, wenn ihr Immunsystem bereits schwächelt. Sie werden drei- bis viermal häufiger spät diagnostiziert als jüngere Frauen. Daten aus dem Jahr 2018, die vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und dem WHO-Regionalbüro für Europa veröffentlicht wurden, zeigen, dass Frauen ein Drittel der 141.000 HIV-Neudiagnosen in der Region ausmachen. Dies deutet darauf hin, dass dieser Bevölkerungsgruppe in Bezug auf die Bemühungen bei Prävention und  HIV-Tests in der Europäischen Region mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Weitere Informationen lesen Sie unter euro.who.int.


M E D I E N

Aidshilfe NRW: "WIR MEINEN DAS ERNST!"
"Frauen haben Sex", wer wollte das bestreiten? Diese lapidare Aussage fungiert als provokativer Aufmacher einer Haltungskarte der Aidshilfe NRW. Angesprochen wird damit auf die Tatsache, dass rund zwanzig Prozent derer, die in NRW mit HIV leben, Frauen sind. Die Aidshilfe NRW mischt sich ein, wann immer es um Frauen im Kontext von HIV geht. Weitere Haltungskarten zur Aktion "WIR MEINEN DAS ERNST" hat die Aidshilfe NRW zu Safer Sex 3.0, Sexarbeit, Sexueller Identität, Integration, rechtzeitigen HIV-Tests, zur Finanzierung von STI/HIV-Tests und der PrEP, Versorgung außerhalb von Großstädten, zu Naloxon, Prävention im Knast, Spritzenautomaten und zur Refinanzierung ihrer Arbeit publiziert. Sie dienen als Anlass, mit Politiker*innen, Kooperationspartner*innen und Sponsor*innen ins Gespräch zu kommen. Weitere Informationen unter xxelle-nrw.de.

Lea Dickopf: "Positive Mutterschaft"
In Deutschland scheint HIV kein großes Thema mehr zu sein. Die Therapiemöglichkeiten werden immer besser und eine Diagnose muss nicht mehr tödlich sein. Trotzdem ist HIV, wie kaum eine andere Krankheit, weiterhin von Stigmatisierung betroffen. HIV-positive Mütter spüren dies besonders deutlich, denn sie erleben durch ihre spezifische Sorgeposition erheblichen Rechtfertigungsdruck: Gegenüber der Gesellschaft müssen sie sich als gute Mütter behaupten, gegenüber ihren Kindern fragen sie sich nach dem richtigen Umgang mit HIV. Das Buch trägt unterschiedliche Perspektiven auf und Erfahrungen von HIV-positiver Mutterschaft zusammen und fragt nach individuellen Strategien im Umgang mit Stigmatisierung und Ohnmacht. Weiteres lesen Sie unter edition-assemblage.de

T H E M A

Wahre Pionierinnen in Osteuropa
Unsere Vorstandsfrau Johanna Verhoven nahm in Minsk an der Konferenz "Empowerment von Frauen mit HIV in Osteuropa" teil, die von der DAH im Rahmen des Programms "Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der östlichen Partnerschaft und Russland" organisiert wurde. Darüber berichtet sie in ihrer aktuellen Kolumne, die Sie unter xxelle-nrw.de finden.

T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

17. bis 19. Januar 2020 | Waldschlösschen
Bundesweites Treffen von Frauen mit HIV
Die dreimal im Jahr in der Akademie Waldschlösschen stattfindenden Treffen von Frauen mit HIV aus dem gesamten Bundesgebiet ermöglichen es ihnen, sich über aktuelle gesundheitliche, soziale und rechtliche Fragen zu informieren und an Themen zu arbeiten, die für HIV-positive Frauen besondere Bedeutung haben und die ihnen auch als Multiplikatorin in ihrer Aidshilfe-Arbeit begegnen. Das erste Treffen 2020 hat das Thema „Gestärkt ins neue Jahr! Selbststärkung für Frauen mit HIV“. Mehr Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

17. und 18. Januar 2020 | Bochum
Sexualität & Psyche
In seiner neunten Auflage beschäftigt sich der Fachtag mit dem Thema "Mann, Frau, Divers – kontrovers?". Geplant sind u.a. Vorträge bzw. Workshops zu Themen wie Sexualität und Wechseljahre bei Mann und Frau, Sexualität und Trans*, Beratung und Therapie zu sexuellen und geschlechtlichen Identitäten, Behandlung von Traumata, Kindlicher Sexualität und nicht-binären Geschlechtsidentitäten. Weitere Informationen erfahren Sie hier (PDF-Datei).

15. Februar 2020 | Köln
HIV-KONTROVERS
Zum sechsten Mal laden die Deutsche AIDS-Gesellschaft und die Aidshilfe NRW gemeinsam zu dieser Fachtagung ein, die ganz im Zeichen der kontroversen Diskussion steht. Die Tagung steht Ärzt*innen, Expert*innen aus Aidshilfen, Positiven-Selbsthilfe, Prävention, Öffentlichem Gesundheitswesen, ambulanter und stationärer Versorgung, Politik und Verwaltung sowie Menschen mit HIV und Aids offen. Weitere Informationen lesen Sie unter hiv-kontrovers.de.

27. bis 29. März 2020 | München
18. Münchner AIDS- und Hepatitis-Tage
Ziel des Kongresses ist es, die mit HIV- und Hepatitispatienten arbeitenden Berufsgruppen mit dem derzeitigen Wissens- und Forschungsstand und neuen Wegen der Behandlung vertraut zu machen. Wie in den vergangenen Jahren trägt die interdisziplinäre Themenauswahl und -bearbeitung diesem Ansatz Rechnung. Weitere Informationen finden Sie unter sv-veranstaltungen.de.

6. bis 9. Mai 2020 | Bochum
STI-Kongress
Der STI-Kongress 2020 findet vom 6. bis 9. Mai in Bochum statt. Vorträge und Diskussionen werden unter anderem zu folgenden Themen angeboten: Epidemiologie und Prävention; Mehr Tests, mehr Gesundheit? Sexualität in allen Lebensphasen; Sexualität und psychische Gesundheit; Resistenzen und STI-Diagnostik; Sex und Darm; Trans* und sexuelle Gesundheit und Impfung und PrEP. Weitere Informationen finden Sie laufend unter dstig.de.


S O N S T I G E S

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint Ende Januar 2020
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis Mitte Januar per E-Mail an Petra Hielscher.
 
 
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