November 2019
Liebe Leser*innen!
Weltweit leben 200 Millionen Frauen und Mädchen mit beschnittenen Genitalien. Beschneidungen an Frauen und Mädchen werden in 29 afrikanischen Ländern sowie in einigen Staaten in Südostasien und im Nahen Osten durchgeführt. Nach der Dunkelzifferstatistik von Terre des Femmes von Oktober 2019 leben in Deutschland knapp über 88.000 betroffene Frauen und gefährdete Mädchen unter 18 Jahre. Für Nordrhein-Westfalen geht die Dunkelzifferstatistik von rund 18.500 aus. Beschneidungen an Frauen und Mädchen können zahlreiche lebenslange Gesundheitsprobleme zur Folge haben, beispielsweise Blutungen, Infektionen, Geschwüre im Genitalbereich sowie gynäkologische, sexuelle und geburtshilfliche Komplikationen. Da die Beschneidung auch eine bedeutende Rolle bei der der Übertragung von HIV spielen kann, hat die LAG Frauen und HIV/Aids in NRW eine Vertreterin des Vereins stop mutilation e.V. eingeladen, der sich gegen die Beschneidung von Mädchen in Europa und Afrika engagiert. stop mutilation unterhält in Düsseldorf bereits seit zehn Jahren die einzige Beratungsstelle für Frauen und Mädchen, die von Genitalbeschneidung betroffen oder bedroht sind. Der Verein geht aber auch in Schulen und klärt Jugendliche zum Thema weibliche Genitalbeschneidung auf. In Somalia baut er eine Frauenklinik und führt Aufklärungskampagnen, Umschulungen von Beschneiderinnen und ein Schulprojekt für Flüchtlingskinder durch. Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen am 25. November weisen wir gern auf die wichtige Arbeit von stop mutilation e.V. hin.
Viel Spaß beim Lesen unseres Newsletters!
Petra Hielscher und Guido Schlimbach
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


A K T U E L L E S

25. November: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November erinnert daran, dass weltweit Frauen und Mädchen täglich Gewalt erleben. Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen, so das Ergebnis einer Erhebung der Europäischen Agentur für Grundrechte. Die Aidshilfe NRW weist in diesem Zusammenhang erneut auf die Lebenssituation von Sexarbeiter*innen in Deutschland hin. Während die Deutsche Aidshilfe und andere Organisationen vor den Auswirkungen eines sogenannten "Sexkaufverbots", das Bundestagsabgeordnete mehrerer Fraktionen in die Diskussion bringen, warnen, betont der Landesverband, dass sich die Situation von Sexarbeiter*innen in Deutschland schon seit Einführung des sogenannten Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) vor über zwei Jahren verschlechtert hat. Weiteres lesen Sie unter ahnrw.de. Terre des Femmes nutzen diesen Tag, um eine "Welt ohne Prostitution" zu bewerben. Der Bundesverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) spricht sich als Fachverband für Sexarbeitende entschieden gegen jegliche Gewalt an Frauen aus. Die Tätigkeit in der Sexarbeit sieht der BesD aber als eine Dienstleistung und lehnt die pauschale Gleichsetzung mit Gewalt und Zwang ab. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

1. Dezember: Welt-Aids-Tag - Deutsche Aidshilfe startet zweite Staffel der Kampagne #wissenverdoppeln
Manchmal dauert es, bis die Öffentlichkeit von Sensationen Notiz nimmt. So zum Beispiel bei den medizinischen Möglichkeiten, die heute bei HIV bestehen. Menschen mit HIV können längst leben wie alle anderen. Die Medikamente erhalten die Gesundheit. Und mehr noch: HIV ist unter Therapie nicht übertragbar. Diese wissenschaftliche Tatsache kennen aber nur 10 Prozent der Bevölkerung, ergab eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 2017. Die Kampagne #wissenverdoppeln soll dafür sorgen, dass alle Menschen Bescheid wissen. Rechtzeitig zum Welt-Aids-Tag startete die zweite Staffel der Kampagne. Weitere Informationen unter aidshilfe.de.

HIV-Neuinfektionen 2018 erneut gesunken
Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist erneut gesunken. 2.400 Menschen infizierten sich im Jahr 2018, etwa 100 weniger als im Vorjahr. In NRW waren es 510, etwa 20 weniger als 2017. Damit gehen die Zahlen seit 2015 zurück. Das teilte heute das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin mit. Besondere Aufmerksamkeit fordert der fortgesetzte Anstieg von HIV-Infektionen bei Menschen, die intravenös Drogen konsumieren. Erfolgreiche Testprogramme für HIV und Hepatitis C müssen daher fortgesetzt und ausgebaut werden. Neue Substanzen und Konsumformen erfordern eine intensive und differenzierte Ansprache in der Prävention. In Haft muss ein flächendeckender Zugang zu Substitutionstherapien und sauberen Spritzen gewährleistet werden. Dringend erforderlich sind außerdem Drogenkonsumräume in allen Bundesländern. Außerdem meldet das RKI eine etwas geringere Anzahl Menschen, die bei der HIV-Diagnose bereits an Aids oder einem schweren Immundefekt erkrankt waren – überwiegend, weil sie lange nichts von ihrer Infektion wussten und unbehandelt blieben (1.000 statt 1.100 Fälle im Vorjahr). Offenbar haben mehr Menschen als bisher einen HIV-Test gemacht und wurden behandelt, bevor sie krank wurden. Ausführlichere Informationen finden Sie unter ahnrw.de.


P O L I T i K

Aidshilfe NRW formierte Kuratorium neu
Anlässlich einer Sitzung des Kuratoriums der Aidshilfe NRW in Düsseldorf wurde das Gremium neu besetzt. Ausgeschieden sind Christiane Friedrich, ehemalige Staatssekretärin im Umweltministerium und davor Landesgeschäftsführerin der Aidshilfe NRW, Joe Bausch-Hölterhoff, Tatort-Schauspieler und ehemaliger Gefängnisarzt in der JVA Werl, sowie Aslı Sevindim, die seit Juli im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen arbeitet. Neue Mitglieder sind Dr. Kristel Degener, seit einem guten Jahr neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung, Prof. Dr. Daniel Deimel, Professor für Soziale Arbeit (Klinische Sozialarbeit) an der KatHO Aachen, auf dessen Expertise zu Drogen gebrauchenden Menschen die Aidshilfe NRW schon mehrfach zurückgreifen konnte, Jascha Habeck, Journalist und Moderator, bekannt durch die Moderation des WDR 2-Mittagsmagazins, und Rainer Matheisen MdL, Mitglied der FDP-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Weitere Informationen finden Sie unter ahnrw.de.


S O Z I A L E S

App gegen Stalking
Stalking (Nachstellen, Belästigen und Cybermobbing) kann in Deutschland strafrechtlich verfolgt und gemäß dem Gewaltschutzgesetz untersagt werden. Doch dafür müssen Betroffene die Vorfälle möglichst umfassend dokumentieren – nicht selten ein schwieriges Unterfangen für die Opfer. Mit der kostenfreien App "No Stalk" möchte der Weiße Ring die Beweissicherung einfacher gestalten: Per Knopfdruck können Belästigungen dokumentiert und Hilferufe ausgesandt werden. Das Besondere: Die aufgezeichneten Fälle werden sofort extern gespeichert, vom Handy gelöscht und sind dann – gesichert durch mehrere Zugangscodes – ausschließlich der betroffenen Person zugänglich. Weitere Informationen unter frauenhauskoordinierung.de.

Bundesinvestitionsprogramm "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen"
Der Bund plant in den Jahren 2020 bis 2023 insgesamt 120 Millionen Euro in den Aus-, Um- und Neubau von Frauenhäusern und Beratungsstellen in Deutschland zu investieren. Jetzt wurden Details der Umsetzung des Investitionsprogramms durch das Bundesfrauenministerium vorgestellt und mit Ländern und Kommunen beraten. Im Januar 2020 soll das Programm starten. Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey: "Gewalt gegen Frauen darf niemals die Oberhand gewinnen. Jede Frau in einer Notsituation muss schnelle Hilfe und Unterstützung bekommen. Bund, Länder und Kommunen sind hier gemeinsam in der Verantwortung. Der Bund unterstützt ab Januar 2020 erstmalig den Ausbau von Hilfseinrichtungen mit einem Bundesinvestitionsprogramm." Weitere Informationen finden Sie unter bmfsfj.de.


G E S U N D H E I T

Mehr Gewichtszunahme unter modernen Regimen
Acht wissenschaftliche Studien an mehr als 5.000 Patient*innen in HIV-Therapie wurden im Hinblick auf den Verlauf des Gewichts analysiert. Es zeigte sich, dass die Patient*innen unter modernen Regimen mehr Gewicht zunehmen. Weitere Informationen unter hivandmore.de.

HIV-PrEP in der Sexarbeit?
Bereits im Juli dieses Jahres hat Hydra, Treffpunkt und Beratung für Prostituierte in Berlin, ein Statement zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in der Sexarbeit veröffentlicht. Für Hydra ist das oberste Ziel eine gute, umfassende Aufklärung, um jedem Individuum informierte Entscheidungen zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang begrüßt Hydra grundsätzlich die PrEP als zusätzliche Alternative, sich effektiv vor HIV-Infektionen zu schützen. Weitere Informationen unter aids-nrw.de.


M E D I E N

Broschüre: Sexismus in der Werbung in Deutschland
Eine 40-seitige Broschüre der Hamburger Organisation Pinkstinks mit allen Ergebnissen aus zwei Jahren Monitoring sexistischer Werbung steht gegen einen freiwilligen Beitrag zum Download zur Verfügung. Weitere Informationen unter pinkstinks.de.


T H E M A

B wie Bochum und Bewegung
Aidshilfe bedeutet nicht nur Beratung und Begleitung. Aidshilfe bedeutet auch Bewegung. Und gleichzeitig Kontinuität. Zum Beispiel bei der Aidshilfe Bochum mit Sitz im WIR (Walk in Ruhr), dem Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochums Gerberviertel. Hier ist Bewegung in vielerlei Hinsicht ein großes Thema. Dass es aber auch um Kontinuität und Bindung geht zeigt sich an Mitarbeiterinnen wie Ines Loll. Denn sie ist nicht die erste, die bereits während ihres Studiums in Kontakt mit der Aidshilfe kam und sich jetzt freut, seit Anfang des Jahres als festangestelltes Mitglied zum Team der Aidshilfe Bochum zu gehören. Inzwischen konnte sie sich schon gut in ihre Aufgaben einarbeiten. Wie kommt es, dass Menschen wie Ines oder auch Johanna aus Bielefeld, die Frau im Vorstand der Aidshilfe NRW, sich so verbunden fühlen und die Aidshilfe sie nicht mehr loslässt? Eins sei vorweg gesagt: Es hat viel mit Gemeinschaft und Respekt zu tun. Mit dem Miteinander und der Teamarbeit, (gemeinsamen) Herausforderungen und dem Ineinandergreifen von Aktionen. Mit der Vernetzung untereinander. Und nicht zuletzt natürlich mit den Menschen, denen man in Aidshilfen begegnet. Bochum ist ein gutes Beispiel dafür. Lesen Sie mehr unter xxelle.nrw.de.


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

17. und 18. Januar 2020 | Bochum
Sexualität & Psyche
In seiner neunten Auflage beschäftigt sich der Fachtag mit dem Thema "Mann, Frau, Divers – kontrovers?". Geplant sind u.a. Vorträge bzw. Workshops zu Sexualität und Wechseljahre bei Mann und Frau, Sexualität und Trans*, Beratung und Therapie zu sexuellen und geschlechtlichen Identitäten, Behandlung von Traumata, Kindlicher Sexualität und nicht-binären Geschlechtsidentitäten. Weitere Informationen erfahren Sie hier (PDF-Datei).

15. Februar 2020 | Köln
HIV-KONTROVERS
Zum sechsten Mal laden die Deutsche AIDS-Gesellschaft und die Aidshilfe NRW gemeinsam ein zu dieser Fachtagung, die ganz im Zeichen der kontroversen Diskussion steht. Die Tagung steht Ärzt*innen, Expert*innen aus Aidshilfen, Positiven-Selbsthilfe, Prävention, Öffentlichem Gesundheitswesen, ambulanter und stationärer Versorgung, Politik und Verwaltung sowie Menschen mit HIV und Aids offen. Weitere Informationen lesen Sie unter hiv-kontrovers.de.

6. bis 9. Mai 2020 | Bochum
STI-Kongress
Der STI-Kongress 2020 findet vom 6. bis 9. Mai in Bochum statt. Vorträge und Diskussionen werden unter anderem zu folgenden Themen angeboten: Epidemiologie und Prävention; Mehr Tests, mehr Gesundheit? Sexualität in allen Lebensphasen; Sexualität und psychische Gesundheit; Resistenzen und STI-Diagnostik; Sex und Darm; Trans* und sexuelle Gesundheit und Impfung und PrEP. Weitere Informationen erfolgen rechtzeitig. 


S O N S T I G E S

NRW SelbsthilfePreis
Der Preis ist eine Initiative der gesetzlichen Krankenkassen/-verbände in Nordrhein-Westfalen und wird seit 2014 verliehen. Die gesetzlichen Krankenkassen/-verbände unterstützen und fördern die Aktivitäten der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe, zum Beispiel durch finanzielle Hilfen, als Pauschal- undProjektförderung. Für den NRW SelbsthilfePreis 2020 bewerben können sich alle Landesorganisationen und regionalen Gruppen mit ihren Projekten aus Nordrhein-Westfalen. Es gibt insgesamt vier Kategorien, drei für die Landesorganisationen und eine vierte neue Kategorie für die regionalen Gruppen. Die eingereichten gesundheitsbezogenen Projekte mussten im Zeitraum 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2019 durchgeführt und von den gesetzlichen Krankenkassen/-verbänden gefördert werden. Bei mehrjährigen Projekten müssen diese im genannten Zeitraum mindestens begonnen haben. Einsendungen sind noch bis zum 28. Februar 2020 möglich. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint Mitte Dezember 2019
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis Anfang Dezember per E-Mail an Petra Hielscher.
 
 
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