Nr. 3 - Juli 2018
Sehr geehrte Damen und Herren,

wir freuen uns sehr, Ihnen heute die 3. Ausgabe des gemeinsamen Newsletters rund um die Themen Drogen/Haft und Spritzenautomaten in NRW in diesem Jahr zusenden zu können. Gerne veröffentlichen wir interessante Projekte, Themen oder Termine über den Newsletter. Bitte senden Sie die Beiträge einfach per Mail an brigitte.bersch@nrw.aidshilfe.de. Wir freuen uns über jede Rückmeldung. 

Mit herzlichen Grüßen,

Brigitte Bersch             
Spritzenautomatenprojekt NRW

Domenico Fiorenza
    
Drogen|Strafvollzug


A K T U E L L E S


„20 Jahre Gedenktag - ein erfolgreiches Bündnis für akzeptierende Drogenpolitik“: Aidshilfe NRW zum Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen
In den vergangenen 20 Jahren sind bis zu 45.000 Menschen in Deutschland an Überdosierung von Drogen, den Folgen von konsumbedingten Infektionen wie HIV und Hepatitis und den negativen Auswirkungen von Schwarzmarkt und Kriminalisierung verstorben. Daran soll am 21. Juli, dem Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen, erinnert werden. Der 21. Juli wird seit 20 Jahren als Protest-, Aktions- und Trauertag begangen, um dem Gedenken an die vielen Drogentoten sowie den Gründen und Umständen, die zu ihrem Sterben geführt haben, öffentlich und mit medialer Beachtung Ausdruck zu verleihen. Über 150 Organisationen in mehr als 60 deutschen Städten beteiligen sich inzwischen mit Mahnwachen, Trauerfeiern, Musik- und Fachveranstaltungen sowie zusätzlichen Serviceangeboten. Auch in diesem Jahr finden in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Veranstaltungen statt, unter anderem in Aachen, Ahlen, Bielefeld, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Köln, Mettmann, Mülheim an der Ruhr, Recklinghausen und Wuppertal. Die uns vorliegenden Termine finden Sie anbei in der Presseerklärung der Aidshilfe NRW.

Alternativer Drogen- und Suchtbericht zeigt neue Wege für die Drogenpolitik
Die Bundesverbände von akzept und JES [Junkies, Ehemalige und Substituierte] sowie die Deutsche AIDS-Hilfe [DAH] stellten am 27. Juni 2018 im Haus der Bundespressekonferenz den 5. Alternativen Drogen- und Suchtbericht vor. Die Publikation versteht sich als kritische Ergänzung zum Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung. Sie benennt Missstände und beschreibt wissenschaftlich abgesicherte Wege, um schädliche Auswirkungen von Drogenkonsum für Individuen und die Gesellschaft zu vermindern. Dazu nimmt sie sowohl legale wie auch illegale Drogen in den Blick.
„Drogenpolitisch ist Deutschland Entwicklungsland“, so konstatieren die Herausgeber des Berichts im Vorwort. „Daran muss sich etwas ändern! Ein schlichtes „Weiter-So“ steht im Gegensatz zu einer modernen Drogenpolitik, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und systematisierten Erfahrungen basiert, Verbraucher- und Jugendschutz ernst(er) nimmt und sich von ideologischen und moralischen Scheuklappen befreit.“ Zahlreiche anregende Beiträge, wissenschaftlich fundiert und mit wertvollen Anregungen für die Praxis, u.a. zum Schwerpunktthema Cannabis, niedrigschwelligen Beratungs- und Testangeboten für Drogengebrauchende und zum Spritzenautomatenprojekt in NRW, können Sie im vollständigen Alternativen Drogen- und Suchtbericht (PDF). Weitere Hintergrundinformationen finden Sie in der Pressemappe von akzept, DAH und JES.

WDR-Beitrag zu Hepatitis in Haft in NRW

In den Haftanstalten in NRW hat mindestens jeder sechste Insasse den Hepatitis -C-Virus [HCV], aber nur ein Prozent davon wird therapiert. Neue Medikamente könnten heilen und dadurch die restliche Bevölkerung besser vor dem Virus schützen. Warum wird das nicht gemacht? Ist die Therapie dem Land zu teuer? Diese Fragen werden in einer Ausgabe der WDR-Sendung Westpol aus verschiedenen Perspektiven unter die Lupe genommen. Hier können Sie den ca. 5-minütigen Beitrag ansehen.
 
Global Drug Survey 2018
Knapp 50.000 Leser*innen von ZEIT Online nahmen in Deutschland am diesjährigen Global Drug Survey teil – die weltweit größte Umfrage zum Drogenkonsum mit insgesamt rund 130.000 Teilnehmenden aus 44 Ländern. Die Befragung erhebt weder den Anspruch, repräsentativ zu sein, noch bildet sie die übliche Klientel der Sucht- und Drogenhilfe ab – die Teilnehmenden kommen aus der „Mitte der Gesellschaft“, wie die ZEIT schreibt. Dennoch oder gerade deshalb bietet sie einen interessanten Überblick über alltäglichen, meist auch unproblematischen Konsum legaler wie illegaler Substanzen, berichtet über Konsumprävalenzen, Beschaffungswege, Preise und etwa die Erfahrungen beim ersten Konsum. Auf ZEIT Online finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten Ergebnisse sowie weiterführende Artikel und Analysen.

Analyse von Drogen in Frankfurt: Kaum Heroin in Heroin
Frankfurt hat erstmals Rückstände aus Drogenverpackungen und Spritzen – mehr als 400 Heroin- und Kokainproben – aus den drei Konsumräumen der Stadt analysieren lassen, wie drugcom.de berichtet. Der Reinheitsgehalt des untersuchten Heroins betrug lediglich neun Prozent, zahlreiche Streckmittel wie Paracetamol und Koffein wurden entdeckt. Besonders alarmierend ist, dass in zwei Verpackungen Spuren des synthetischen Opioids Fentanyl gefunden wurden, das etwa 100-mal höher dosiert ist als Heroin und somit zu lebensbedrohlichen Überdosierungen führen kann. Der Reinheitsgehalt des untersuchten Kokains betrug 70 Prozent, auch hier wurden gefährliche Streckmittel wie z.B. das Medikament Levamisol entdeckt. Weitere Informationen finden sich auf der Website von drugcom sowie in der Pressemitteilung der Stadt Frankfurt. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig die Analyse von auf dem Schwarz- oder Graumarkt erworbenen und somit nicht qualitätsgeprüften Substanzen ist – dennoch gibt es in Deutschland nach wie vor keine gesicherte rechtliche Grundlage für Drug-Checking-Angebote.

Wuppertal und Düsseldorf setzen sich für eine nachteilsfreie Beteiligung von Menschen mit HIV am Arbeitsleben ein

Die Lebenssituation von Menschen mit HIV hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Gleichwohl spielt Diskriminierung im Alltag von Menschen mit HIV immer noch eine erhebliche Rolle, unter anderem im Arbeitsleben. Deswegen will die Stadt Wuppertal für eine nachteilsfreie Beteiligung von Menschen mit HIV am Arbeitsleben eintreten und ein Vorbild für andere Arbeitsgeber sein. Mehr hierzu lesen Sie hier. Inzwischen hat die Stadt Düsseldorf nachgezogen und Richtlinien zum Thema "HIV/AIDS am Arbeitsplatz" erlassen, weitere Informationen finden Sie unter aids-nrw.de.

G E S U N D H E I T

Harm Reduction und HIV-Inzidenzen unter Drogengebrauchen

Wie hätte sich die HIV-Epidemie unter injizierenden Drogengebrauchenden in der Schweiz entwickelt, wenn umfangreiche Harm-Reduction-Maßnahmen (Spritzen- und Nadeltausch bzw. –vergabe, Konsumräume, Substitutionsprogramme inkl. Originalstoffvergabe) nicht initiiert worden wären? Diese Frage hat eine beeindruckende Studie anhand Daten der Schweizer HIV-Kohorte, eines mathematischen Modells und phylogenetischer Analysen untersucht. Laut den Berechnungen der Studie konnten durch die Implementierung der umfangreichen schadensminimierenden Angebote in der Schweiz zwischen 1980 und 2015 15.903 HIV-Infektionen, 5.446 Aids-bedingte Todesfälle und eine maximale HIV-Prävalenz von 50,7 Prozent unter Drogengebrauchenden vermieden werden – eine beeindruckende Analyse zur Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen und ein Plädoyer dafür, auch in anderen Ländern entsprechende Bemühungen auszubauen oder überhaupt erst einzuführen. Hier finden Sie die komplette Studie.

RKI-Studie zu HIV-/HCV-Behandlung und Substitution in Haft
Infektionskrankheiten wie HIV und HCV sind ebenso wie Suchterkrankungen unter Inhaftierten weitaus häufiger verbreitet als in der Allgemeinbevölkerung – soweit bekannt. Bisher nicht systematisch erfasst wurde, in welchem Ausmaß diese Erkrankungen in deutschen Justizvollzugsanstalten behandelt werden – denn Gefangene sind nicht Teil der Regelversorgung, da sie mit Haftantritt ihre Krankenversicherung verlieren; ihre Gesundheitsfürsorge unterliegt den Justizministerien der Länder. Dies bedeutet, dass sie nicht von der üblichen Gesundheitsberichterstattung erfasst werden, es gibt keine bundeseinheitlichen Standards oder Daten zur Auswertung.
Aus diesen Gründen hat das Robert Koch-Institut [RKI] in einer jüngst veröffentlichten Studie eine Sekundärdatenanalyse von Apothekenverkaufsdaten der Arzneimittel zur Behandlung von Opioidabhängigkeit, HIV- und HCV-Infektionen an Justizvollzugsanstalten und Justizvollzugskrankenhäusern in ausgewählten Bundesländern durchgeführt (NRW hat an der Studie nicht teilgenommen). Eingeschlossen wurden die Verschreibungsdaten von drei Apotheken, die alle teilnehmenden Vollzugsanstalten und –krankenhäuser mit den jeweiligen Medikamenten beliefert haben, von Januar 2012 bis März 2013. Weitere Informationen zu der Studie sowie den Link zum Epidemiologischen Bulletin finden Sie auf saferuse-nrw.de.

HCV in Haft in Australien: Warum kommt es weiterhin zu Neuinfektionen?
Australiens Weg hin zum HCV-freien Strafvollzug ist wohl nach wie vor weltweit einzigartig – jeder und jede Gefangene mit einer HCV-Infektion, die dies wünschen, erhalten eine HCV-Therapie. Was zunächst nach einer Selbstverständlichkeit klingt, ist andernorts bisher fernab jeder Realität, und auf einen außergewöhnlichen Deal der australischen Regierung mit den Pharmafirmen zurückzuführen. Warum kommt es, trotz aller beeindruckenden Erfolge, weiterhin zu HCV-Neuinfektionen in Australiens Haftanstalten? Mit dieser Frage befasst sich die Fallstudie eines australischen Forscherteams, das zu dem einfachen Schluss kommt: Solange die Bedingungen in Haft nicht denen außerhalb der Haftmauern entsprechen – das heißt, dass sterile Konsumutensilien sowie sterile Tätowierinstrumente zur Verfügung stehen – wird es selbst bei einer beeindruckend hohen Behandlungsquote weiterhin zu Neuinfektionen kommen. Hier finden Sie die gesamte Fallstudie.

Wechselwirkungen von HCV-Medikamenten und Drogen
Eine Drogenabhängigkeit stell per se keine Kontraindikation für eine antiretrovirale HCV-Therapie mit Direct Acting Antivirals [DAAs] dar, dies bestätigt auch die jüngste Aktualisierung der S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus (HCV) -Infektion“. Dennoch gilt es bei fortgesetztem Konsum unter Therapie mögliche Wechselwirkungen zu beachten. Die University of Liverpool hat hierfür ein interaktives Tool entwickelt, dass nicht nur die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten, sondern auch zwischen HCV-Medikation und Drogen darstellt. Hier finden Sie die komplette Übersicht.

Weniger Lebertransplantationen und höhere Überlebenschancen seit Einführung neuer HCV-Medikamente
Seit Einführung der DAAs im Jahr 2014  konnte ein rasanter Abfall der Patient*innen, die eine HCV-bedingte Lebertransplantation benötigen, beobachtet werden. Die Überlebensraten derjenigen Patient*innen mit HCV, die eine neue Leber bekommen haben, verbesserten sich in diesem Zeitraum dramatisch. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die auf dem Internationalen Leberkongress in Paris vorgestellt wurde. Weitere Informationen finden Sie unter aidsmap.com.

R E C H T

Landessozialgericht Hessen: Asylbewerber*innen haben Recht auf Hepatitis-C-Behandlung
Hessens Landessozialgericht hat konkretisiert, welche medizinischen Leistungen Asylbewerber*innen zustehen, wie die ZEIT bereichtet. Konkret ging es um die Behandlung eines Mannes mit Hepatitis C. Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Deutschland haben Anspruch auf eine kostenintensive medizinische Therapie, wenn diese aus gesundheitlichen Gründen erforderlich ist. Das hat das Hessische Landessozialgericht Darmstadt entschieden. Dies gelte zumindest dann, wenn es sich nicht bloß um eine Bagatellerkrankung handele und der Aufenthalt der Person in Deutschland nicht nur kurzzeitig sei. In dem konkreten Fall ging es um einen an Hepatitis C erkrankten Mann aus Aserbaidschan. Das Gericht verpflichtete den Landkreis Fulda per einstweiliger Anordnung dazu, die Kosten für eine antivirale Therapie bei dem Mann zu übernehmen. Ein ärztliches Gutachten hatte zuvor ergeben, dass die Heilungschancen bei einer solchen Therapie im vorliegenden Fall bei 90 Prozent lägen. Der Beschluss ist nach Angaben des Gerichts unanfechtbar und damit rechtskräftig. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter zeit.de.

Justizministerkonferenz beschließt Einbeziehung von Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten in die gesetzliche Rentenversicherung

Auf Initiative von Berlin hat die Justizministerkonferenz am 7. Juni 2018 in Thüringen beschlossen, dass die Einbeziehung von Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten in die gesetzliche Rentenversicherung sinnvoll ist. Das Bundesjustizministerium wurde gebeten, sich beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales für eine entsprechende Änderung des SGB VI einzusetzen. 
Durch die Einbeziehung von Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten in die gesetzliche Rentenversicherung kann ein eventueller Bezug von Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung zwar nicht ausgeschlossen werden, regelmäßig könnte aber der Bedarf gemindert werden. Insbesondere kann verhindert werden, dass ein gegebenenfalls bestehender Erwerbsminderungsschutz aufgrund der Zeit im Strafvollzug verloren geht. Betroffen wären davon nur Gefangene und Sicherungsverwahrte, die arbeiten. Weiter Informationen finden Sie in der Pressemitteilung der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung.

P O L I T I K

Eine moderne Drogenpolitik nützt allen: Eine Handreichung für die Politik
Drogenpolitik hat den Sinn, schädliche Folgen des Drogenkonsums zu verhindern. Menschen sollen vor gesundheitlichen Schäden geschützt, Todesfälle vermieden werden. Die Gesellschaft profitiert, wenn zum Beispiel Folgekosten im Gesundheitswesen reduziert werden, wenn Beschaffungskriminalität vermindert wird oder Wohngegenden vor Belastungen durch offene Drogenszenen bewahrt werden. Die deutsche Drogenpolitik hat diesen Anspruch in den letzten Jahren immer weniger einlösen können. Es gibt Alternativen. Denn wissenschaftlich erprobte Konzepte können Individuen und Gesellschaft sehr viel wirksamer schützen als bisher. In anderen Ländern sind sie bereits erfolgreich erprobt worden. Deutsche AIDS-Hilfe, akzept und JES haben gemeinsam eine Handreichung für die Politik herausgegeben, dessen Lektüre sehr lohnt. Sie finden die Broschüre hier.

Portugal auf bestem Wege zur Erfüllung der UNAIDS-Ziele vor 2020
Der portugiesische Gesundheitsminister Dr. Adalberto Campos Fernandes verkündete am 5. Juli 2018, dass Portugal bereits zwei der vom Gemeinsamen HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen [UNAIDS] gesetzten drei HIV-Zielvorgaben (die sogenannten 90-90-90-Ziele) erfüllt habe. Damit ist das Land auf dem besten Weg, alle drei Zielvorgaben bereits vor Ablauf der Frist im Jahr 2020 zu erfüllen, wie das Regionalbüro für Europe der Weltgesundheitsorganisation [WHO] berichtet.
 
Auf dem Höhepunkt der Epidemie in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren waren HIV-Infektionen in Portugal hauptsächlich durch injizierenden Drogenkonsum bedingt. Bereits 1993 war ein Nadel- und Spritzen-Tauschprogramm für intravenös injizierende Drogenkonsument*innen eingeführt worden. Eine progressive Drogenpolitik, die auch die Entkriminalisierung des privaten Drogenkonsums im Jahr 2001 umfasste, verlagerte den Schwerpunkt weg von der Strafjustiz hin zu öffentlicher Gesundheit. Diese Maßnahmen in Zusammenspiel mit einer hohen Abdeckungsrate durch umfassende Prävention, Behandlung und Pflege sowie einem ressortübergreifenden Ansatz unter Beteiligung von Organisationen der Zivilgesellschaft führten zu einer Verringerung des Anteils der mit injizierendem Drogenkonsum verbundenen HIV-Neuinfektionen auf einen Tiefstwert von 1,5% im Jahr 2016. Ein ausführliches Portrait des portugiesischen Erfolgsweges in der Drogenpolitik findet sich im Schweizer Magazin Republik.

Gefährlich und menschenverachtend: Russlands repressive Drogenpolitik
Wie schädlich das Gegenteil einer evidenz- wie menschenrechtsbasierten Drogenpolitik sein kann, zeigt das traurige Beispiel Russlands. Die Bedingungen für Präventionsarbeit und Gesundheitsversorgung drogengebrauchender Menschen werden immer schwieriger, Substitutionsprogramme sind verboten. Unterdessen steigt die Zahl der HIV- und HCV-Neuinfektionen in Russland rapide, 57 Prozent der HIV-Neuinfektionen betreffen Drogengebrauchende. Unter magazin.hiv finden Sie ein Interview mit dem Aktivisten Alexander Delphinov über die bedenkliche Lage in Russland.

P U B L I K A T I O N E N 

Drogenkurier: Magazin des JES-Bundesverbands
Druckfrisch erschienen ist aktuell die neue Ausgabe des Drogenkuriers, des Magazins des Bundesverbands von JES. Schwerpunktthema ist die anhaltende Opioid-Krise in den USA, darüber hinaus gibt es zwei neue Formate: in „vorgestellt“ werden herausragende Persönlichkeiten, die sich für die Rechte drogengebrauchender Menschen einsetzen, portraitiert, und die neue Reihe zur Substitutionsbehandlung in Deutschlands Nachbarländern beginnt mit einer Darstellung des österreichischen Modells. Der Drogenkurier kann über die Homepage des JES-Bundesverbands als PDF heruntergeladen werden.

Europäischer Drogenbericht 2018 
Was sind die neuesten Trends auf dem europäischen Drogenmarkt und durch welche Faktoren werden diese befördert? Welche Substanzen werden wie häufig konsumiert und welche Risiken können sich dadurch ergeben? Was sind die neusten Entwicklungen hinsichtlich Prävention, Behandlung und Drogenpolitik? Diese und viele weitere Fragen versucht die aktuelle Ausgabe des Europäischen Drogenberichts der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) zu beantworten. Auf der Website der EMCDDA finden Sie u.a. die deutschsprachige Version des vollständigen Berichts, ebenso gibt es einen englischsprachigen Länderbericht zur Situation in Deutschland.

Drogenkonsumräume: Überblick über Angebot und Evidenzdaten
Drogenkonsumräume, in denen Drogen unter der Aufsicht von geschultem Personal konsumiert werden können, gibt es in Europa seit drei Jahrzehnten. Diese Einrichtungen dienen in erster Linie dem Ziel, die akuten Risiken im Zusammenhang mit der Übertragung von Krankheiten durch unhygienischen injizierenden Konsum einzudämmen, Todesfällen durch Überdosierung vorzubeugen und besonders gefährdete Drogenkonsument*innen mit Einrichtungen der Suchtbehandlung und anderen Gesundheits- und Sozialdiensten in Kontakt zu bringen. Die EMCDDA hat nun als Teil ihrer Reihe „Drogenperspektiven“ eine Übersichtsanalyse zu Angeboten und Evidenzdaten von Konsumräumen in Europa herausgegeben, die auch als deutschsprachige Version (PDF) verfügbar ist. 

Neue Psychoaktive Substanzen in Haft
Neue Psychoaktive Substanzen [NPS] sind mittlerweile auch in Haftanstalten ein schnell wachsendes Phänomen, auf das bislang überwiegend Antworten fehlen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (PDF). Unklar bleibt, ob die steigende Anzahl von Berichten aus den untersuchten europäischen Staaten, inkl. Deutschland, auf steigenden Konsum oder ein effektiveres Monitoring zurückzuführen ist – eine wichtige Erkenntnis ist jedoch zunächst die Anerkennung der Tatsache, dass Substanzkonsum in Haft eine Realität ist, mit der man arbeiten muss. 

Monitoring der ambulanten Sucht- und Drogenhilfe in Nordrhein-Westfalen 2016
Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales [MAGS] des Landes NRW hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung den dritten Monitoringbericht der ambulanten Sucht- und Drogenhilfe in Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Der Bericht zeigt laut MAGS deutlich: Die Zahl ratsuchender und zum großen Teil auch behandlungsbedürftiger Menschen stieg auch im Jahr 2016 an. Zugleich nimmt das durchschnittliche Lebensalter der betreuten Klient*innen in der ambulanten Sucht- und Drogenhilfe in allen Altersgruppen zu. Um diesen Trend näher zu untersuchen, beinhaltet der Bericht in diesem Jahr eine Sonderauswertung zu altersspezifischen Aspekten. Den vollständigen Bericht finden Siehier.

Dokumentation der Konferenz HIV in Osteuropa
Am 17. Oktober 2017 berieten auf Einladung des Aktionsbündnis gegen AIDS, Brot für die Welt und der Deutschen AIDS-Hilfe in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin rund 80 Fachleute aus osteuropäischen und deutschen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen auf der Konferenz „HIV in Osteuropa – die unbemerkte Epidemie?!“ über die Frage, wie die Infektion in der Region unter Kontrolle gebracht werden kann. Die Dokumentation der Veranstaltung können Sie unter aids-kampagne.de abrufen.


M E D I E N

Anleitung für Personen, die beruflich Kontakt mit Menschen haben, die Drogen konsumieren
Die beiden Organisationen infodrog (Schweiz) und Fixpunkt (Berlin) habe eine Handreichung veröffentlich für Personen, die beruflich Kontakt mit drogengebrauchenden Menschen haben. Die Anleitung enthält anschauliche Hinweise etwa dazu, was im Fall einer Stichverletzung mit einer gebrauchten Nadel zu tun ist, aber auch Informationen zu HIV/Aids und Hepatitis und zur Drogenpolitik. Die Anleitung ist als PDF zum Download verfügbar.

Website „Mind your trip“ zu Neuen Psychoaktiven Substanzen
Die Website mindyourtrip.eu, die aus dem EU-geförderten Projekt „Click for Support – REALized“ hervorgegangen ist, ist online gegangen. Die Website bietet Informationen zu Neuen Psychoaktiven Substanzen, zu Safer-Use-Regeln und Beratungsstellen, und gibt Hinweise dazu, wie der Konsum reduziert, schadensminimierend gestaltet oder beendet werden kann.

DHS: Informationsbroschüren zu Drogen und Alkohol auf Französisch und Farsi
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen [DHS] hat zusätzlich zu ihrem englisch- und arabischsprachigen Angebot nun auch Informationsbroschüren auf Französisch und Farsi veröffentlicht. Die Broschüren vermitteln Risiken und Folgen des Substanzkonsums ebenso wie den Zugang zu Beratung und Hilfe. Wie die bereits vorhandenen Broschüren in Arabisch und Englisch wurden die neuen Ausgaben zweisprachig gestaltet, um Multiplikator*innen auch die deutsche Übersetzung des Textes zugänglich zu machen. Diese und weitere Medien können über die Website der DHS bezogen werden. 

T E R M I N E

5. September 2018 in Dortmund: Interdisziplinärer Fachtag Substitution
Die Drogenhilfe PUR richtet am 5. September in Dortmund den interdisziplinären Fachtag Substitution aus. Themen werden u.a. die HCV-Elimination, die Versorgungsstruktur der HCV-Behandlung in Dortmund sowie aktuelle Entwicklungen in der Substitutionstherapie sein. Weitere Informationen zum Programm sowie zur Anmeldung finden Sie im Einladungsflyer.

12. September 2018 in Essen: Update Suchtmedizin
Die 14. Ausgabe der Reihe „Update Suchtmedizin“ findet am 12. September im LVR-Klinikum Essen statt. Auch hier werden die HCV-Therapie und aktuelle Entwicklungen der Substitutionsbehandlung sowie u.a. Cannabis als Medizin und Neue Psychoaktive Substanzen diskutiert. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier. 

15. September 2018 in Köln: Fachtag Migration
Am Samstag, den 15. September 2018, richtet die Aidshilfe NRW im KOMED in Köln von 10.00 bis 17.00 Uhr den Fachtag "Migration im Verband" aus. Schwerpunkte sind die  Erhöhung der inner- und außerverbandlichen Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit des Themas. Die Vernetzung von Zielgruppen, Projekten und der Vor-Ort-Arbeit mit Kolleg*innen, der Politik, dem Gesundheitssystem und anderen Stakeholder*innen stehen im Fokus. Eine detaillierte Einladung folgt in Kürzte, wer sich jetzt schon anmelden möchte, kann das formlos per E-Mail an stephan.gellrich@nrw.aidshilfe.de tun.

8. bis 10. Oktober 2018 in Berlin: Fachkongress bio-psycho-SOZIAL
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen und der Fachverband Drogen- und Suchthilfe richten vom 8. bis 10. Oktober in Berlin den gemeinsamen Fachkongress „bio-psycho-SOZIAL“ aus. Weder die Ursachen der Sucht, noch dessen Bewältigung lassen sich auf einzelne Faktoren zurückführen. Das bio-psycho-soziale Modell verdeutlicht unterschiedliche Ursachen von Abhängigkeit und verpflichtet die Angehörigen unterschiedlicher Berufsgruppen zur Zusammenarbeit bei den Angeboten der Hilfe unter Betonung der sozialen Aspekte. Der Fachkongress bietet unterschiedliche Perspektiven auf die Umsetzung eines integrierten bio-psycho-sozialen Ansatzes bei der Begleitung, Beratung und Behandlung von Menschen, deren Teilhabe durch Abhängigkeitsprobleme beeinträchtigt ist. Neues, Notwendiges und Bewährtes wird analysiert, diskutiert und weiter entwickelt. Weitere Informationen finden Sie im Einladungsflyer.

11. bis 12. Oktober 2018 in Hamburg: 12. internationaler akzept-Kongress
Gleich im Anschluss an die Veranstaltung der DHS und des fdr findet vom 11. bis 12. Oktober in Hamburg gleich der nächste, hochkarätig besetzte Fachkongress statt, der 12. Internationale akzept-Kongress. Die Fachveranstaltung steht unter dem Motto „Gesundheitsförderung 3.0 – Harm Reduction, Verhältnisprävention und Versorgung“ und deckt ein breites Themenspektrum ab, von Safer-Nightlife-Projekten über die besonderen Anforderungen an die Arbeit mit Menschen mit Migrant*innen und Geflüchteten bis hin zu Drogenkonsumräumen und Drug Checking. Aktuelle Informationen zum Programm sowie zum Anmeldeverfahren finden Sie unter akzept.org.

A U S S C H R E I B U N G E N

Stellenausschreibung aidshilfe dortmund: Dipl.-Sozialarbeiter für Projekte „neonlicht“ und „pudelwohl“
Die aidshilfe dortmund sucht für den Arbeitsbereich „Prävention für schwule/bisexuelle Männer und andere MSM“ zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Dipl.-Sozialarbeiter (oder vergleichbare Qualifikation) für 35 - 39 Stunden/Woche. Die Stelle ist zunächst auf zwei Jahre befristet und ist verortet innerhalb der Angebote im Stricherprojekt „neonlicht“ (ggf. inklusive Projektkoordination „Pasumi“, einem Peer-Projekt mit drogengebrauchenden Strichern) sowie im Rahmen von „pudelwohl“, einem Gemeinschaftsprojekt mit dem KCR zur Gesundheitsförderung und Prävention für schwule/bisexuelle Männer/andere MSM (Männer, die Sex mit Männern haben). Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de.

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter nrw.aidshilfe.de.
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