November 2018
Liebe Leser*innen!
In der vergangenen Woche trafen sich in Köln Vertreter*innen mehrerer Mitgliedsorganisationen sowie anderer in der Beratung von Sexarbeiter*innen Tätigen, um über die Folgen des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) zu beraten. Mehrheitlich kamen sie zu der Einschätzung, dass das neue Gesetz den Schutz und die Unterstützung von Sexarbeiter*innen erschwert. In keiner Weise konnten die Bedingungen für die Strafverfolgung von Menschenhandel und sexualisierter Gewalt verbessert werden. Ebensowenig trägt das ProstSchG zur Entstigmatisierung der Sexarbeit bei, im Gegenteil, es verschärft die Diskriminierung von Sexarbeiter*innen nur noch. Die Kolleg*innen diskutierten über ein Positionspapier, dass die Aidshilfe NRW Anfang nächsten Jahres vorlegen und mit Politik und Verwaltung diskutieren will. Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen hat ein Beschwerdeformular entwickelt, mithilfe dessen sowohl in der Sexarbeit Tätige als auch Beratungsstellen und Kund*innen ihre negativen Erfahrungen äußern können. Die Auswertung der Daten soll weit vor der offiziellen Evaluation der Folgen des ProstSchG 2025 erfolgen und somit Grundlage einer kritischen und engagierten Diskussion des Gesetzes sein. Bitte machen Sie auf das Beschwerdeformular aufmerksam, das unter beschwerdeformular-sexarbeit.de zu finden ist.

Viel Spaß beim Lesen des Newsletters!
Petra Hielscher und Guido Schlimbach
Frauen und HIV/Aids
Aidshilfe NRW


A K T U E L L E S

Gesundheitspreis NRW 2019
Der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, ruft zum Wettbewerb um den Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen 2019 auf. Der aktuelle Wettbewerb hat den Schwerpunkt "Integrierte Präventionsprojekte – Gesundheit in allen Politikbereichen". Das Anschreiben des Ministers finden Sie hier (PDF-Datei), die entsprechende Ausschreibungsbroschüre hier (PDF-Datei).


P O L I T I K

Gemeinsam gegen Diskriminierung im Arbeitsleben
Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) hat gemeinsam mit einigen Unternehmen unter dem Titel "Respekt und Selbstverständlichkeit: Für einen diskriminierungsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben" eine Deklaration erarbeitet, die ein Zeichen gegen Diskriminierung setzt. Ziel ist es, dass möglichst viele Arbeitgeber*innen diese Deklaration unterzeichnen und in ihren Unternehmen, Verbänden oder Organisationen umsetzen. IBM, Daimler und SAP unterstützen dieses Engagement von Anfang an, die Stadt Stuttgart strebt die Unterstützung an. Um dieses Projekt bekannt zu machen, möglichst viele weitere Unterzeichner*innen zum Mitmachen zu bewegen und auch um das Thema in den Unternehmen zu verankern, braucht die DAH Unterstützung. Weiteres lesen Sie hier (PDF-Datei).

Erster Bericht zum Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) in NRW
Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW hat dem Ausschuss für Gleichstellung und Frauen des Landtags NRW für seine Sitzung am 8. November 2019 einen Bericht zur Situation von Frauenhandel und Prostitution in Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Nur knapp zehn Prozent der für das Bundesland geschätzten 42.000 Sexarbeitenden haben sich bis zum 31. Dezember 2018 gemäß ProstSchG angemeldet. Mehr lesen Sie unter aids-nrw.de.

Keine Entscheidung über Gesetzentwürfe zu §219a
In der Diskussion um den Paragrafen 219a des Strafgesetzbuches, welcher Ärzt*innen das sogenannte Werben um Schwangerschaftsabbrüche verbietet, scheint keine Reform in Sicht. In der Debatte im Bundestag am vergangenen Donnerstag gab es inhaltlich keine neuen Argumente. Im Mittelpunkt der Debatte stand die Position der SPD-Fraktion. Weiteres lesen Sie unter zwd.info.


S O Z I A L E S

Aktion Mensch - Neue Förderbestimmungen für die Förderaktion Barrierefreiheit
Die Aktion Mensch hat ihre Förderbestimmungen für die Förderaktion Barrierefreiheit gelockert. Bisher konnten Projektpartner der Aktion Mensch nur einen einzigen Antrag in der Förderaktion Barrierefreiheit stellen. Diese Einschränkung ist nun aufgehoben. Ab sofort können auch mehrere Projektanträge gestellt werden – ein Antrag ist jetzt einmal im Jahr pro Einrichtung möglich. Weitere Informationen erhalten Sie auch auf der Homepage der Stiftung unter aktion-mensch.de.


G E S U N D H E I T

HIV-Selbsttest jetzt frei verkäuflich
Seit Anfang Oktober dürfen HIV-Selbsttests in Deutschland frei verkauft werden. Neben dem Online-Handel sind sie auch in Apotheken, Drogerien und natürlich einzelnen Aidshilfen und Beratungsstellen erhältlich. Am 21. September 2018 hatte der Bundesrat grünes Licht für den freien Verkauf gegeben. Mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt Ende September ist die geänderte Medizinprodukte-Abgabeverordnung in Kraft getreten.

Transmissionrisiko bei Analsex
Das Risiko einer HIV-Übertragung ist bei analem Sex zehnmal höher als bei vaginalem Verkehr. Das Risiko einer HIV-Infektion per Sexakt ohne Kondom liegt bei rezeptivem Analsex zwischen MSM 0,75 Prozent, bei Analsex bei Frauen 3,38 Prozent und bei insertivem Analsex bei MSM 0,17 Prozent. Weiteres lesen Sie unter hivandmore.de.


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

21. November 2018 bis 21. September 2019 | Wuppertal
Zertifikats-Basiskurs nach dem Ansatz der Positiven Psychotherapie zur Positiven Familien- und Konfliktberatung
Fach- und Führungskräfte der sozialen Arbeit wirken über ihre Person/Persönlichkeit und ihre professionellen Handlungskompetenzen. Dabei nehmen folgende Kompetenzen eine zentrale Rolle ein: die Fähigkeit zur Gestaltung von Beziehungen, zur zielgerichteten Kommunikation und strukturierten Beratung, zur Problem- bzw. Konfliktlösung, zur Aktivierung von Ressourcen, zur Nutzung transkultureller Vielfalt und zur Gesundheitsförderung. Das Beratungskonzept zeichnet sich besonders durch sein verständliches Modell und seine sowohl effektiven als auch kreativen Methoden aus. Weitere Informationen finden Sie unter paritaetische-akademie-nrw.de

7. bis 9. Dezember 2018 | Hattingen
6. Landesweites Positiventreffen
Die [Wahl-]Familie, Partner*innen und das soziale Umfeld spielen bei der individuellen Identifikationsfindung sowie bei der Entwicklung von Bewältigungsstrategien eine zentrale Rolle. Was bedeutet das im Kontext des Lebens mit HIV? Wissen die Menschen in der [Wahl-]Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis oder im beruflichen Umfeld von der HIV-Infektion? Das Verstecken, Verschweigen und das damit oft verbundene Doppelleben kostet viel Kraft. Ist dies notwendig? Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

14. bis 16. Dezember 2018 | Hattingen
Partizipation von Menschen mit HIV und Aids in Aidshilfe aktiv gemeinsam gestalten
Menschen mit HIV und AIDS sollen und wollen an der Aidshilfearbeit partizipieren. Manche engagieren sich als Ehrenamtliche in allen möglichen Bereichen der Arbeit lokaler Aidshilfen. Manchen reicht das nicht – sie wollen aktiv(er) mitgestalten und stärker teilhaben/partizipieren.Die Aidshilfen in NRW haben auf der Mitgliederversammlung 2015 beschlossen, Menschen mit HIV und AIDS stärker teilhaben zu lassen bzw. sie zu einer verstärkten Partizipation zu bewegen. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

18. und 19. Januar 2019 | Bochum
8. Fachtag: HIV, Sexualität und Psyche
"Die Zyklen des Begehrens: Heute Jung, morgen Erwachsen, übermorgen Alt". Geplant sind folgende Vorträge bzw. Workshops: "Dating-Apps und deren Einfluss auf Sexualität", "Normierte Sexualität durch Pornografie", "Als neue Psychotherapeut*in im HIV-Bereich", "Psychotherapie und der Umgang mit der eigenen Sexualität als Therapeut*in", "PrEP und die psychosexuelle Gesundheit", "Intersexualität", "Kinder und Sexualität", "Trans* bei Jugendlichen" sowie "Sex im Alter". Den Flyer zur Veranstaltung finden Sie hier (PDF-Datei).

18. bis 20. Januar 2019 | Remagen
Beratung und Betreuung von Drogengebraucher*innen (Methoden)
Im sozialen Hilfesystem gehört die Drogenarbeit zu den Bereichen mit der höchsten Personalfluktuation. Die Konfrontation mit prekären gesundheitlichen Problemen, Verelendung und Tod, die gesellschaftliche Ächtung des Drogenkonsums und die Ausgrenzung von Menschen mit HIV/Aids fördern Gefühle der Ohnmacht und Überforderung und lassen – schneller als in anderen Bereichen – die Frage nach dem Sinn der Arbeit aufkommen. In Teil I des Seminars findet eine Auseinandersetzung mit den Grundlagen von Niedrigschwelligkeit und Drogenakzeptanz statt. Darüber hinaus werden verschiedene Methoden der Gestaltung von Beratungs- und Betreuungsprozessen vermittelt, die dazu befähigen sollen, von HIV/Aids betroffene und bedrohte Drogengebraucher*innen in allen drei Präventionsebenen (Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention) zu unterstützen. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

20. bis 23. Januar 2019 | Waldschlösschen
Beziehungen - Dates - Affären? HIV-Prävention und sexualpädagogische Arbeit in der Vielfalt von Lebenswelten und Realitäten Jugendlicher
Wie sehen die Lebenswelten Jugendlicher heute aus? Wie findet Sexualität statt? In Beziehungen, Dates, Affären? Welche Rolle spielen das Internet und Apps wie Tinder, Grindr und Gayromeo? Wie definieren Menschen heute ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität? Was ergibt sich aus den Lebenswelten der Jugendlichen oder Zielgruppen wie LSBTIQ* oder der Geflüchteten für die sexualpädagogische Präventionsarbeit? Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

21. Februar 2019 | Dortmund
Datenschutz in der Frauen-, Mädchen- und Migrationsarbeit
Müssen Klient*innen-Unterlagen vernichtet werden oder kann man sie für den Fall weiterer Gespräche aufheben? Was ist bei der Kommunikation per Mail, über Whatsapp oder Facebook zu beachten? Wie muss die Homepage angepasst werden? Braucht man eine*n Datenschutzbeauftragte*n? Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

1. bis 3. März 2019 | Berlin
Diversity. Ein Anfang. Das Basistraining
Ratsuchende und Nutzer*innen der HIV/STI-Beratung und Prävention wenden sich in all ihrer Unterschiedlichkeit mit sehr sensiblen Themen und Anliegen an die lokalen Aidshilfen, MSM-, Sexwork- oder Drogen-Projekte. Dabei sind die Bedürfnisse und Ansprüche an eine vertrauensvolle Atmosphäre und einen geschützten Raum so vielfältig wie die Adressat*innen selbst. Damit man als kompetente*r Ansprechpartner*in wahrgenommen wird, braucht es ein Grundverständnis von Diversität und den daraus resultierenden Bedarfen. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

1. und 2. April 2019 | Düsseldorf
Aufenthalts- und Sozialrechte von Geflüchteten und Unionsbürger*innen
Um im Feld "HIV/STI- und Hepatitis-Prävention und Migration" kompetent beraten zu können, ist es notwendig, in punkto Aufenthalts- und Sozialrecht ständig auf dem Laufenden zu sein. Dieses Seminar dient dem Erwerb von Grundlagen in diesen Rechtsbereichen sowie der Aktualisierung des Fachwissens, vor allem für die Beratung von Geflüchteten und Unionsbürger*innen. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

10. bis 12. Mai 2019 | Remagen
Beratung und Betreuung von Drogengebraucher*innen (Reflexion)
In Teil II des Seminars stehen die Erfahrungen im Mittelpunkt, welche die Teilnehmer*innen bei der Anwendung der im ersten Teil gelernten Methoden der Gestaltung von Beratungs- und Betreuungs-prozessen gemacht haben. Diese Erfahrungen sollen reflektiert werden, um gegebenenfalls Korrekturen vornehmen oder Lösungen für erkannte Probleme entwickeln zu können. Zugleich geht es darum, die persönlichen Ressourcen für die Arbeit mit Drogengebraucher*innen wie auch die Grenzen des eigenen Handelns zu erkennen. Darüber hinaus werden Techniken der Fallbearbeitung und der Intervision (kollegiale Beratung) vermittelt – auch dies ein wichtiger Beitrag zur Qualitätssicherung in der Beratung und Betreuung. Siehe oben (18. bis 20. Januar)


S O N S T I G E S

Ausschreibungen im Landesverband
Aktuelle Ausschreibungen der Aidshilfe NRW und ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint vor Weihnachten 2018 
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise, etc. Bitte senden Sie diese bis Mitte Dezember 2018 per E-Mail an Petra Hielscher.
 
 
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