Nr. 6 - Dezember 2017
Foto: VICUSCHKA | photocase.de
Sehr geehrte Damen und Herren,

wir freuen uns sehr, Ihnen heute die 6. Ausgabe des gemeinsamen Newsletters rund um die Themen Drogen/Haft und Spritzenautomaten in NRW in diesem Jahr zusenden zu können. Gerne veröffentlichen wir interessante Projekte, Themen oder Termine über den Newsletter. Bitte senden Sie die Beiträge einfach per Mail an brigitte.bersch@nrw.aidshilfe.de. Wir freuen uns über jede Rückmeldung. 

Wir wünschen unseren Leser*innen eine schöne Weihnachtszeit und ein gesundes und frohes Jahr 2018.


Mit herzlichen Grüßen


Brigitte Bersch                         
Spritzenautomatenprojekt NRW

Domenico Fiorenza
Drogen/Haft


A K T U E L L E S



HIV-Neuinfektionen 2016
Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland im Jahr 2016 beträgt nach den Berechnungen des Robert Koch-Instituts 3.100 und bleibt damit im Vergleich zum Vorjahr stabil. Ein Anstieg ist im Zeitverlauf jedoch bei einzelnen Zielgruppen zu verzeichnen, so auch seit 2010 bei Menschen mit intravenösem Drogenkonsum. Die Zahl der insgesamt mit HIV lebenden Menschen in Deutschland wird auf 88.400 geschätzt. Diese und weitere Zahlen veröffentlichte das RKI im jüngsten Epidemiologischen Bulletin vom 23. November 2017. Einige der wichtigsten Eckdaten und Entwicklungen insbesondere im Drogenbereich finden Sie zusammengefasst auf der Safer-Use-Homepage der Aidshilfe NRW.
 
Aidshilfe NRW zum Welt-AIDS-Tag
"Viele HIV-infizierte Menschen mit Drogenkonsum sind nicht in Behandlung. Daher muss der Zugang zur Therapie deutlich verbessert werden, zusätzlich müssen Risiko minimierende Angebote ausgebaut und mehr Plätze in Drogenkonsumräumen geschaffen werden", so äußerte sich Arne Kayser, Landesvorstand der Aidshilfe NRW, zu den aktuellen Zahlen. "Auch Menschen in Haft müssen Zugang zu sauberen Spritzen erhalten. Wir wissen, dass viele Gefangene Drogen injizieren, zugleich aber ein Prozent der Inhaftierten HIV-positiv ist und 20 Prozent mit dem Hepatitis-C-Erreger HCV infiziert sind. Wir appellieren an die Landesregierung, im Umfeld des Strafvollzugs niemandem einen möglichen Schutz vorzuenthalten." Weiterführende Informationen erhalten Sie in der Pressemitteilung der Aidshilfe NRW.

Umfrage zu chronischen Erkrankungen am Arbeitsplatz 
Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Landesverband NRW, die Aidshilfe NRW und die Deutsche Rheuma-Liga NRW haben das Projekt "Chronische Erkrankungen am Arbeitsplatz" ins Leben gerufen, um chronisch erkrankte Arbeitnehmer*innen zu unterstützen. Mit einer Online-Befragung möchten die Verbände erfahren, welche Probleme chronisch erkrankte Menschen am Arbeitsplatz haben und welche Unterstützung sie benötigen. Darauf aufbauend werden im Projekt mit der Erfahrung der drei Selbsthilfeorganisationen konkrete Maßnahmen entwickelt, um den Menschen in ihrem Arbeitsleben zu helfen. Zu diesem Zweck wurde nun eine Online-Befragung initiiert, um Erfahrungen und Wünsche zu eruieren. Mitmachen kann jede Person, die chronisch erkrankt ist, mindestens 18 Jahre alt ist und schon einmal einer bezahlten Tätigkeit nachgegangen ist. Die Umfrage dauert ca. 20 bis 30 Minuten, erfolgt anonym und ist bis zum 31. Dezember 2017 online. Die Befragung kann hier aufgerufen werden. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter DMSG-NRW.de.

Forschungspreis für Suchtexperten Heino Stöver
Für seine Unterstützung beim Aufbau einer Drogenhilfe-Infrastruktur in Zentralasien, seinen Beitrag zur Senkung der drogenbedingten hohen Sterblichkeitsraten unmittelbar nach der Haftentlassung und zur verbesserten Prävention und Behandlung von drogenkonsumierenden Jugendlichen und Heranwachsenden in Jugendhaftanstalten wurde Prof. Dr. Heino Stöver vom Land Hessen ausgezeichnet. Neben seiner Tätigkeit als Professor am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Sciences ist Stöver unter anderem auch als Vorstandsvorsitzender von akzept e.V. – Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik aktiv und Mitherausgeber des seit 2014 erscheinenden Alternativen Drogen- und Suchtberichts. Wir gratulieren herzlich. Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de


G E S U N D H E I T

Hepatitis-C-Therapie oftmals auch für HIV-Ko-Infizierte schon nach acht Wochen erfolgreich
Eine achtwöchige Behandlung mit der Wirkstoffkombination des Hepatitis-C-Medikaments Sofosbuvir/Ledipasvir zeigte in einer aktuellen Studie nachhaltige Erfolge bei allen Patient*innen, die HIV-koinfiziert und von einer akuten HCV-Infektion vom Genotyp 1 oder 4 betroffen waren. Die Richtlinien empfehlen nach wie vor eine zwölfwöchige Behandlungszeit als Standard, bei einigen Gruppen zeigt jedoch auch eine kürzere Therapie anhaltende Erfolge – so nun offensichtlich auch bei Menschen mit HIV/-HCV-Ko-Infektion, die in der Ära der Interferon-basierten Therapien noch als schwierig zu behandelnde Gruppe galten. Patient*innen mit sehr hoher HCV-Viruslast sollten weiterhin eine zwölfwöchige Therapie erhalten, da es bei ihnen länger dauert, bis die Viruslast unter der Nachweisgrenze ist. Des Weiteren zeigt die Studie, dass die Behandlung akuter Infektionen (also innerhalb der ersten sechs Monate der Infektion) erfolgreich ist. Dadurch werden nicht nur die Symptome der akuten Infektion und langfristige Leberschäden abgeschwächt, auch zur Prävention trägt eine frühzeitige Behandlung bei, so der Befund. Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter aidsmap.com

Warnungen vor der neuen "Superdroge" Carfentanyl
Carfentanyl ist ein in Deutschland bislang noch relativ unbekanntes, hochwirksames und in der Humanmedizin verbotenes Anästhetikum, das zur Betäubung von Großwild wie etwa Elefanten verwendet wird. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland bereits 22 Todesfälle aufgrund von Überdosierungen, nun wurde die Substanz auch erstmals in NRW in einem Drogenlabor in Hamm gesichert. Carfentanyl ist 5.000 Mal stärker als Heroin, aber deutlich günstiger, und wird deshalb oft beigemischt – dies macht es so extrem gefährlich, schon einmaliger Konsum kann tödlich sein. Darüber berichteten u.a. der Kölner Stadt-Anzeiger und der WDR

Stellungnahme von JES, DAH und akzept zu den Rechtsänderungen Substitution
Anfang Oktober sind die dritte Verordnung zur Änderung der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) sowie die Richtlinie der Bundesärztekammer (BÄK) zur Substitution in Kraft getreten. Der Bundesverband von JES [Junkies, Ehemalige und Substituierte] sowie die Deutsche AIDS-Hilfe haben als Patientenorganisationen den Gesetzesprozess begleitet, ebenso wie die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin und der akzept-Bundesverband. JES, Deutsche AIDS-Hilfe und akzept haben nun eine gemeinsame Stellungnahme zu den wesentlichen Änderungen durch die BtMVV-Novelle herausgegeben. Der überwiegende Teil der Gesetzesänderungen wird von den drei Verbänden positiv beurteilt. Weitere Informationen sowie den Link zur vollständigen Stellungnahme finden Sie unter saferuse-nrw.de

P U B L I K A T I O N E N

Die Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht: Bericht zur Drogensituation in Deutschland 2017
Der Bericht zur Drogensituation in Deutschland 2017 ("REITOX-Bericht"), der jährlich durch die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht [DBDD] als Beitrag zum Europäischen Drogenbericht erstellt wird, wurde veröffentlicht. In insgesamt acht Workbooks werden die aus der Perspektive der DBDD relevanten Entwicklungen in Bereichen wie der Drogenpolitik, der rechtlichen Rahmenbedingungen, der Prävention und der Behandlung dargestellt. Auf der Homepage saferuse-nrw.de erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen, die im 10-seitigen Kurzbericht geschildert werden. Den gesamten Kurzbericht sowie die einzelnen Workbooks finden Sie auf der Homepage der DBDD

AG AIDS-Prävention NRW: Bericht zur HIV-/AIDS-Prävention 2016
Der Bericht zur HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen 2016 der Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW fasst alle Aktivitäten der beteiligten Akteur*innen im Öffentlichen Gesundheitsdienst und der Freien Trägerschaft des Jahres 2016 zusammen. In diesem Jahr kann erstmals ein Überblick über die Entwicklungen der Jahre 2014 bis 2016 gegeben werden. Im Jahr 2016 haben sich 72 Kommunen und Freie Träger an der Datenerhebung beteiligt. Die über 160.000 dokumentierten Beratungen zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) machen den nach wie vor hohen Bedarf an Information deutlich. Ein besonderes Augenmerk legt der aktuelle Bericht auf die Weitergabe von Wissen und Kompetenzen an Fachkräfte: Die Zahl der dokumentierten Fachberatungen und Fortbildungen für Multiplikator*innen und Menschen in der Arbeitswelt nahm weiter zu (2014: 9.942 | 2015: 10.912 | 2016: 11.139) und verdeutlicht somit die steigende Nachfrage. Weitere Informationen sowie den vollständigen Bericht als PDF finden Sie auf der Homepage der AG AIDS-Prävention

M E D I E N

HIVreport mit Schwerpunkt "Synthetische Drogen"
Der aktuelle HIVreport (PDF) der Deutschen AIDS-Hilfe vom 8. Dezember 2017 beschäftigt sich mit dem Schwerpunktthema "Synthetische Drogen: Wichtige und neue Substanzen im Überblick". Neue Substanzen stellen für Aidshilfen und das Suchthilfesystem bisweilen eine Herausforderung dar. Beratungs- und klinische Einrichtungen sind noch in einer Phase, in der Hilfestrukturen aufgebaut werden und man voneinander und miteinander lernt. Die aktuelle Ausgabe des HIVreport bietet einen psychiatrischen Einblick in das Thema: Felix Betzler, Andreas Heinz und Stephan Köhler von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité stellen in einem Gastbeitrag eine Reihe von Substanzen sowie das das therapeutische Vorgehen bei Intoxikationen, der Entzugsbehandlung und der Langzeittherapie dar. 

Neue Ausgabe des DROGENKURIERS
Die neue Ausgabe des DROGENKURIERS (Nr. 112) vom Bundesverband von JES [Junkies – Ehemalige – Substituierte] ist erschienen und kann unter www.jes-bundesverband.de als PDF-Version heruntergeladen werden. Über die Homepage des JES-Bundesverbands kann ein Abo bestellt werden. Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe sind die Neuerungen im Substitutionsrecht, darüber hinaus werden zahlreiche Projekte von und für Drogengebrauchende aus der Selbsthilfe und aus dem Strafvollzug vorgestellt. 

SMOKE IT Reloaded – neue Kampagne der Deutschen AIDS-Hilfe zur Reduzierung von Drogentodesfällen und Infektionen
Viele Drogengebrauchende sind in den letzten Jahren vom intravenösen auf den inhalativen Drogenkonsum umgestiegen, wie auch beispielsweise die jüngste Drogenkonsumraumstatistik zeigt. Dies kann ganz unterschiedliche Gründe haben: Einige User*innen sind durch jahrzehntelangen intravenösen Konsum nicht mehr in der Lage, ihre Substanzen zu injizieren, andere entscheiden sich freiwillig zum Umstieg, um das Risiko einer Überdosierung zu reduzieren und um HIV-/Hepatitisinfektionen zu vermeiden. Die Deutsche AIDS-Hilfe [DAH] hat durch ihre Kampagne "SMOKE IT" dazu beigetragen, den inhalativen Konsum als Alternative zum i.v. Konsum bekannt zu machen und auf seine schadensminimierenden Auswirkungen hinzuweisen. Im Rahmen einer neuen Kampagne hat die DAH ihre Medien weiterentwickelt und auch neue Medien aufgelegt, die über den Versand der DAH kostenfrei bestellt werden können. Teil der Kampagne sind u.a. ein Faltblatt (PDF) sowie Videoclips, die bei youtube.com abgerufen werden können.

T E R M I N E

19. bis 20. Januar 2018 in Bochum: Fachtag HIV, Sexualität und Psyche
Der 7. Fachtag "HIV, Sexualität und Psyche" mit dem Schwerpunkt "Im Blickpunkt: Sexualität für dich und mich – Darf ich anders sein?" findet am 19. Und 20. Januar 2018 in Bochum statt und widmet einige Vorträge und vertiefende Workshops dem psychotherapeutisch oft vernachlässigten Thema "LGBT und Queer". Weitere in der psychologisch-psychiatrischen Fachliteratur nur wenig – oder oft nur pejorativ-pathologisierend – diskutierte Themen werden der Sexarbeit, der "bunten Sexualität im Alter" sowie der neuen Herausforderung in Deutschland "Chance und Risiken – Cannabis als Medikament" gewidmet sein. Alle medizinischen, psychotherapeutischen und sozialpädagogischen Fachkräfte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen zur Anmeldung und zum Programm finden Sie unter wir-ruhr.de (PDF).
 
24. Februar 2018 in Essen: HIV-Kontrovers
Unter dem Motto Interdisziplinär - interaktiv - kontrovers! laden die Aidshilfe NRW und die Deutsche AIDS-Gesellschaft in Kooperation mit der Uniklinik Essen am 24. Februar 2018 zur Fachtagung HIV-KONTROVERS in das Haus der Technik in Essen ein. HIV-KONTROVERS bietet den Rahmen für einen interaktiven Diskurs rund um HIV und Aids für alle Beteiligten. Zu sieben aktuellen Themen treten jeweils zwei Referentinnen bzw. Referenten in eine moderierte Kontroverse ein. Sie vertreten pointiert gegensätzliche Positionen und bieten so den Einstieg für eine Diskussion. Die Fortbildung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die kritische Reflexion zu zentralen kontroversen Themen im Kontext von HIV und Aids sind zentrale Schwerpunkte der Fachtagung. Wir freuen uns, Sie im Februar zu HIV-KONTROVERS 2018 begrüßen zu dürfen und auf spannende Diskussionen mit Ihnen. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie unter hivkontrovers.de.

23. bis 25. Februar 2018 in Remagen: Beratung und Betreuung Drogen gebrauchender Menschen – zweiteilig - Teil 1
Die Drogenarbeit gehört zu den Bereichen mit der höchsten Mitarbeiter*innen-Fluktuation im Hilfesystem. Gesundheitliche Probleme (z. B. HIV- und Hepatitis-Koinfektionen), Verelendung und Drogentodesfälle einerseits, die Ausgrenzung Drogen gebrauchender Menschen andererseits fördern Gefühle von Ohnmacht und Überforderung. Weitere Infos finden Sie unter aidshilfe.de.


A U S S C H R E I B U N G E N

Ausschreibung der Stelle einer Fachreferentin/eines Fachreferenten „Sucht- und Gefährdetenhilfe“
Der Paritätische Wohlfahrtsverband Landesverband Nordrhein-Westfalen sucht zum schnellstmöglichen Zeitpunkt eine Fachreferentin/einen Fachreferenten "Sucht- und Gefährdetenhilfe" in der Fachgruppe Behinderung und Rehabilitation. Es handelt sich um eine Vollzeitstelle (z. Zt. 38,5 Wochenstunden), Dienstsitz ist die Geschäftsstelle des Paritätischen in Unna. Inhaltlicher Schwerpunkt der Fachberatung ist die Unterstützung der Mitgliedsorganisationen mit ca. 170 Angeboten der Sucht- und Gefährdetenhilfe in Nordrhein-Westfalen. Weitere Informationen finden Sie in der vollständigen Ausschreibung (PDF).  
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