Nr. 4 - September 2017
Sehr geehrte Damen und Herren,

wir freuen uns sehr, Ihnen heute die 4. Ausgabe des gemeinsamen Newsletters rund um die Themen Drogen/Haft und Spritzenautomaten in NRW zusenden zu können. Gerne veröffentlichen wir interessante Projekte, Themen oder Termine über den Newsletter. Bitte senden Sie die Beiträge einfach per Mail an brigitte.bersch@nrw.aidshilfe.de. Wir freuen uns über jede Rückmeldung.

Mit herzlichen Grüßen

Brigitte Bersch Domenico Fiorenza
Spritzenautomatenprojekt NRW Drogen/Haft


A K T U E L L E S

PrEP zum günstigen Preis: Neues Kapitel in der HIV-Präventionsgeschichte
Die Aidshilfe NRW begrüßt ausdrücklich die Initiative eines Kölner Apothekers, die HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) zeitnah in Deutschland für gut 50 Euro pro Monat anzubieten. Ein Generikum des Medikaments Truvada wird in ausgewählten Apotheken in sieben Großstädten erhältlich sein. "Wir erleben gerade ein weiteres Kapitel Geschichte in der HIV- und Aidsprävention in Deutschland", sagte Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW. "Mit dieser im Ausland lange erprobten Methode, sich aktiv vor HIV zu schützen, wird nicht nur ein wirksamer Präventionsbaustein für mehr Personen als bisher erschwinglich, es wird zudem auch der psychischen Gesundheit vieler zuträglich sein." Die komplette Pressemitteilung finden Sie hier (PDF-Datei).

Pressemitteilung zum Welt-Hepatitis-Tag
Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags, der jährlich am 28. Juli ausgerichtet wird, sprach sich Patrik Maas, Landesgeschäftsführer der Aidshilfe NRW, für eine engere Verschränkung von HIV- und Hepatitisprävention aus. Bestärkt wird dieser Ansatz nicht nur von der neuen Strategie der Bundesregierung zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen ("BIS 2030"), auch etwa die DRUCK-Studie (Drogen und chronische Infektionskrankheiten in Deutschland) des Robert-Koch Instituts aus dem vergangenen Jahr machte deutlich, wie dringlich der Handlungsbedarf insbesondere im Bereich Hepatitis ist.  Die vollständige Pressemitteilung der Aidshilfe NRW zum Welt-Hepatitis-Tag finden Sie hier.

Hepatitis C im Jahr 2016
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat im Epidemiologischen Bulletin 30/2017 vom 27. Juli 2017 aktuelle Entwicklungen und die Zahl neu diagnostizierter HCV-Infektionen des vergangenen Jahres veröffentlicht. Für das Jahr 2016 ist ein Rückgang von Hepatitis C- Neudiagnosen in Deutschland zu verzeichnen. Das RKI nennt 4.368 Fälle von erstdiagnostizierter Hepatitis C im Vergleich zu 4.913 Diagnosen im Jahr 2015. Dies entspricht einer bundesweiten Inzidenz von 5,3 Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2016 (2015: 6,0). Zum Teil ist der Rückgang laut RKI auf die Anwendung der neuen, enger gefassten Falldefinition zurückzuführen. Die Inzidenz in Nordrhein-Westfalen liegt mit 4,5 Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner zwar unter dem Bundesdurchschnitt, ist im Vergleich zum Vorjahr (2015: 3,9) jedoch gestiegen. Weitere Informationen finden Sie im Epidemiologischen Bulletin (PDF-Datei).

Robert-Koch-Institut: Zahl der gemeldeten HIV-Erstdiagnosen geht leicht zurück
Auch bei HIV-Erstdiagnosen konnte laut Infektionsepidemiologischen Jahrbuch des Robert Koch-Instituts (PDF-Datei) im vergangenen Jahr ein leichter Rückgang verzeichnet werden. 2016 konnten von den beim RKI aus ganz Deutschland eingegangenen Meldungen 3.419 klar als Erstdiagnosen identifiziert werden. Die bundesweite Inzidenz lag damit bei 4,2 Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner*innen. Gegenüber dem Vorjahr (3.699) sank die Anzahl der Erstdiagnosen um 280 (7,6 Prozent). Für 2.738 der 3.419 Erstdiagnosen (80 Prozent) lagen Angaben zum Infektionsrisiko vor. Unter den 2.738 Erstdiagnosen mit Angaben zum Infektionsrisiko hatten sich 63 Prozent möglicherweise über gleichgeschlechtliche Kontakte unter Männern infiziert, 32 Prozent über heterosexuelle Kontakte und 5 Prozent bei intravenösem Drogenkonsum. Die Mehrzahl der Neudiagnosen durch intravenösen Drogengebrauch erfolgte in Bayern (38 von 127). Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW unter aids-nrw.de.

Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher: Menschenrechte für Drogengebrauchende
Seit 1998 wird der 21. Juli als Protest-, Aktions- und Trauertag begangen, um dem Gedenken an die vielen Drogentoten sowie der Gründe und Umstände, die zu ihrem Sterben geführt haben, Raum zu geben: öffentlich und mit medialer Beachtung. Über 150 Organisationen in mehr als 60 deutschen Städten beteiligen sich inzwischen mit Mahnwachen, Trauerfeiern, Musik- und Fachveranstaltungen sowie zusätzlichen Serviceangeboten. Auch in diesem Jahr fanden in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Veranstaltungen statt, unter anderem in Ahlen, Bielefeld, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Köln, Münster, Neuss, Paderborn und Unna. Die Pressemitteilung der Aidshilfe NRW sowie eine Übersicht der Gedenkaktionen und Veranstaltungen, die in ganz NRW stattgefunden haben, finden Sie hier (PDF-Datei).

Workshop MSM und Substanzkonsum am 22. Juni in Köln
Am 22. Juni 2017 fand in den Räumlichkeiten von VISION e.V. der erste von der Aidshilfe NRW ausgerichtete Workshop "MSM und Substanzkonsum" statt, der sich gleichermaßen an Mitarbeiter*innen von Aidshilfen wie auch Mitarbeiter*innen aus der Drogenhilfe und Vertreter*innen der Drogenselbsthilfe richtete. Ziel war nicht nur ein inhaltliches Update zu den Lebenswelten und zum Konsumverhalten Schwuler und anderer Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sondern auch eine engere Kooperation und ein gegenseitiger Austausch. Zu den Inhalten des Workshops können Sie hier auf die Präsentation der beiden Referent*innen, Anna Graf und Niels Dichtl von der Frankfurt University of Applied Sciences, zurückgreifen, oder auch im Protokoll die Diskussionen und Ergebnisse im Einzelnen nachlesen.

Umfrage Spritzenautomatenbetreiber
Die Vergabe von Konsummaterialien via Spritzenautomaten an Drogenkonsument*innen stellt ein zentrales Element der Harm Reduction-Strategie dar. In keinem anderen Bundesland befinden sich so viele Automaten im öffentlichen Raum wie in NRW. Im Rahmen eines vom Gesundheitsministerium des Landes NRW finanzierten Forschungsprojektes, wird anhand der Erfahrungen der Spritzenautomatenbetreiber dieses landesweite Projekt evaluiert. Das Forschungsprojekt wird von Mitarbeiter*innen des Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung der Katholische Hochschule NRW in Zusammenarbeit mit der Aidshilfe NRW durchgeführt. Anhand der gewonnenen Informationen soll das bestehende System optimiert und weiter entwickelt werden. Zudem sollen die Daten dazu dienen, potentielle Automatenbetreiber zu gewinnen, damit das Projekt weiter ausgebaut werden kann. Die Ergebnisse der Untersuchung werden auf der Internetseite der Aidshilfe NRW Anfang 2018 veröffentlicht. Informationen zum Spritzenautomaten-Projekt finden Sie unter saferuse-nrw.de.

Fachtag HIV & Hepatitis
Am 10. August 2017 luden Aidshilfe NRW, Herzenslust, JES NRW, POSITHIV HANDELN und VISION zum ersten gemeinsamen Fachtag HIV & Hepatitis in die Technische Hochschule Köln ein. Mehr als 120 Teilnehmende aus Aids- und Drogenhilfen, der Selbsthilfe, dem Justizvollzug, den Gesundheitsämtern und weiteren Kooperationspartnern kamen zusammen, um über neue epidemiologische, politische und medizinische Entwicklungen zu diskutieren und daraus zielgruppenspezifische Bedarfe und Handlungsfelder abzuleiten. Die Dokumentation des Fachtags mit den wichtigsten Erkenntnissen und Diskussionspunkten folgt in Kürze.


P O L I T I K

Fragen und Antworten zur Drogen- und Suchtpolitik im Wahljahr
Anlässlich der vergangenen Bundestagswahl am 24. September 2017 hatte der Fachverband Sucht e.V. (FVS) die bis dahin im Bundestag vertretenen Parteien zu ihren Positionen in der Drogen- und Suchtpolitik befragt. Die Positionen der Parteien etwa zu ihren übergeordneten Zielen wie auch zum konkreten Handlungs- und Verbesserungsbedarf in einzelnen Themenfeldern finden Sie im Vorabdruck der Zeitschrift des FVS, SuchtAktuell (2/2017).


G E S U N D H E I T
 

Weitere gefälschte Hepatitis-C-Medikamente im Umlauf
Nach den im Juni aufgetauchten Fälschungen des Hepatitis-C-Medikaments Harvoni sind nun auch gefälschte Tabletten des Mittels Sovaldi (Wirkstoff Sofosbuvir) entdeckt worden, wie das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) meldete. Die 400-mg-Packungen tragen die Chargenbezeichnung VVDXD und das Verfallsdatum Januar 2019. Diese Bezeichnung ist für eine „echte“, für den deutschen Markt bestimmte Charge vergeben worden. Die Verpackungen sind mit dem Original fast identisch, die darin befindlichen Tabletten sind aber weiß statt wie üblich gelb. Patient*innen, die Tabletten mit falscher Farbe erhalten haben, sollten diese nicht einnehmen, sondern sich an ihre Arztpraxis oder Apotheke wenden. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Deutschen AIDS-Hilfe unter aidshilfe.de.

"Up your bum": Die Po-Injektion
In Deutschland wird Heroin meistens gespritzt. Das ist aber mit Abstand die risikoreichste Konsumform: Es drohen Abszesse und Vernarbungen und beim gemeinsamen Gebrauch von Spritzen auch Hepatitis und HIV. Die nadelfreie Alternative: "Up your bum!". Dabei wird die Droge mit einer Spritze – selbstverständlich ohne Nadel – in den Po einführt. Den Flyer mit weiteren Informationen finden Sie hier (PDF-Datei). Die Flyer können Sie kostenlos bestellen unter aidshilfe.de.

1. Pilotprojekt "Gesundheit für Hund und Herrchen" startet in Kürze
In Kürze startet in Berlin ein Pilotprojekt für Menschen, die Drogen konsumieren. Vor allem Drogenkonsument*innen, die auf der Straße leben, haben sehr oft einen Hund, um den sie sich rührend kümmern. Daher macht die Deutsche AIDS-Hilf (DAH) diesen Menschen ein besonderes Angebot. An vier Terminen im August und September können sie einen kostenlosen Gesundheitscheck für ihr Tier in Anspruch nehmen und bekommen selbst (wenn sie möchten) eine kostenlose Beratung mit Testangebot auf HIV und HCV. Die Beratung und Testung wird durch die Berliner Aids-Hilfe sichergestellt. Wenn dieses Angebot gut angenommen wird, soll es auf andere Städte ausgeweitet werden. Weitere Infos finden Sie unter aidshilfe.de.


M E D I E N

Newsletter Drogen-Haft der DAH
Die Deutsche AIDS-Hilfe stellt den neuen Newsletter des Fachbereichs Drogen, Strafvollzug und JES vor, der in unregelmäßigen Abständen produziert wird. In diesem Newsletter soll über neue Medien, Veranstaltungen sowie Neuigkeiten zu den Themen Recht, Behandlung, Prävention und Drogenpolitik berichtet werden. Den Newsletter finden Sie hier (PDF-Datei).


T E R M I N E

Fachkunde "Psychosoziale Beratung begleitend zur Substitutionsbehandlung (PSB)" startet im November
Die nächste Reihe der von der Koordinationsstelle Sucht (Landschaftsverband Westfalen-Lippe/LWL), akzept e.V. und der Deutschen AIDS-Hilfe konzipierten Fortbildungsreihe "Psychosoziale Beratung begleitend zur Substitutionsbehandlung (PSB)" startet im kommenden November. Den Teilnehmenden werden rechtliche, administrative, organisatorische, medizinische und fachlich-inhaltliche Grundlagen zur Substitutionsbehandlung und der PSB vermittelt. Die Zielgruppe sind Fachkräfte mit (Fach-)Hochschulabschluss Soziale Arbeit oder Fachkräfte mit alternativem Berufsabschluss mit mindestens einjähriger Praxiserfahrung in der PSB. Weitere Informationen zu den Inhalten sowie zur Anmeldung finden Sie Auf der Homepage der LWL-Koordinationsstelle Sucht unter lwl-ks.de.

11. – 12. Dezember 2017 in Berlin: Wie kann man Menschen aus den neuen EU-Ländern krankenversichern?
Der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen hat dazu geführt, dass oft versucht wird, "unbeliebte" Antragsteller*innen regelrecht abzuwimmeln. Dazu gehören in der Regel auch Bürger*innen aus den neuen EU-Ländern. Wer diese Menschen berät und begleitet, sollte gegen rechtswidrige Ablehnungen der Krankenkassen vorgehen und eine reguläre Mitgliedschaft durchsetzen. Das erfordert fundierte Kenntnisse über Mitgliedschaften gemäß SGB V, um die Antragsteller*innen richtig zuordnen und entsprechend versichern zu können. Zu diesem Zweck richtet die Deutsche AIDS-Hilfe vom 11. bis 12. Dezember in Berlin ein Seminar aus. Zielgruppe des Seminars sind Fachkräfte im Bereich HIV/Aids-Prävention und Migration, insbesondere Fachkräfte aus Projekten mit Schwerpunkt Sexarbeit und/oder Drogengebrauch. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter aidshilfe.de.


Impressum | Newsletter abmelden | Newsletter anmelden