Mai 2017
Liebe Leser*innen,

am Sonntag wird ein neuer Landtag für das Land NRW gewählt. Wir müssen uns an den Wahlen zum Landtag jetzt und zum Bundestag im Oktober beteiligen! Dazu rief uns auch der Landesvorsitzende der Aidshilfe NRW, Arne Kayser, Ende April beim Jahresempfang der Aidshilfe NRW in Düsseldorf auf. Jede Stimme für eine bislang im Landtag vertretene demokratische Partei ist auch eine Stimme für die Sicherung der Qualität unserer Arbeit. Wir dürfen nicht zulassen, dass funktionierende und wirksame Präventionsstrategien und Arbeitsansätze zurückgenommen werden, weil gewisse politische Kräfte ein anderes Welt- und Menschenbild durchsetzen wollen. "Wir wollen mehr Stimmen!" Mit diesem Kartenmotiv hat die Aidshilfe NRW für die Landtagswahl geworben. Wir nutzen diesen Newsletter, um quasi einen letzten Aufruf zu starten, vom Stimmrecht Gebrauch zu machen und zur Wahl zu gehen.

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher


AKTUELLES

Bewerbung für die Steuerungsgruppe von "Mitmischen in NRW"
Unter dem Titel "Landesweite Vernetzung der Selbsthilfe von Menschen mit HIV/Aids - Stärkung, Qualifizierung und Beteiligung" hat am 1. März 2017 ein auf der Mitgliederversammlung der Aidshilfe NRW beschlossenes Projekt zur Partizipativen Qualitätsentwicklung begonnen. Der Vorstand der Aidshilfe NRW und die Landesarbeitsgemeinschaft POSITHIV HANDELN NRW laden ganz herzlich gemeinsam zur Beteiligung ein. Ziele des von der Techniker Krankenkasse bis zum 30. Juni 2019 finanzierten Projektes sind unter anderem, in den Mitgliedsorganisationen die strukturellen Voraussetzungen zu schaffen, die die Partizipation überhaupt erst ermöglicht und im Verband Entscheidungsprozesse zu initiieren, in welchem Umfang Partizipation von Menschen mit HIV und Aids im Landesverband gewollt wird. Die Steuerung des Projektes findet in der Steuerungsgruppe statt. Die Vertreter*innen aus den Mitgliedsorganisationen sind noch nicht berufen. Für diese sechs Sitze in der Steuerungsgruppe wird hiermit das Bewerbungsverfahren eröffnet! Weitere Informationen zum Projekt und zur Bewerbung für die Steuerungsgruppe finden Sie unter ahnrw.de


VERBAND

Respekt vor unterschiedlichen Lebenswelten für Aidshilfe NRW "nicht verhandelbar"
Beim Jahresempfang der Aidshilfe NRW erklärte unser Landesvorsitzender Arne Kayser am 26. April in Düsseldorf, "jede Form von Ausgrenzung, Rassismus und Rechtspopulismus schadet nicht nur der Prävention, sie zerstören auch das gesellschaftliche Klima." Wer die fundamentalen Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Frage stelle, "der gehört nicht in unsere Mitte", so Kayser weiter. Im Vorfeld der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 14. Mai appellierte der Landesvorsitzende der Aidshilfe NRW an die Verantwortlichen in der Politik, auch in der nächsten Legislaturperiode mit seiner Organisation zusammen die Weichen für die künftige Arbeit der Aidshilfe zu stellen. Zugleich warnte Kayser vor den Folgen einer Rücknahme funktionierender und wirksamer Präventionsstrategien. Man dürfe nicht zulassen, dass solche vorbeugenden Strategien, "insbesondere in der Schulaufklärung, der Drogenselbsthilfe und der strukturellen HIV-Prävention zurückgenommen werden, weil gewisse politische Kräfte ein anderes Welt- und Menschenbild durchsetzen wollen", so der Landesvorsitzende. Die vollständige Rede von Arne Kayser lesen Sie hier (PDF-Datei). Beim Jahresempfang wurde auch der Ehrenamtspreis "merk-würdig" an Steffen Schwab vom Schwulen Netzwerk NRW und an Heike Hoffstädt von der AIDS-Hilfe Bergisch Gladbach vergeben. Schwab wurde unter anderem für seine jahrzehntelange schwule Emanzipationsarbeit und Selbsthilfe in Siegen geehrt. Hoffstädt ist seit 25 Jahren ehrenamtlich zunächst in Leverkusen und dann in Bergisch Gladbach in der Aidshifearbeit aktiv. Weitere Informationen finden Sie unter ahnrw.de.

Verbandstag der Aidshilfe NRW setzt Signale
Am 31. März und 1. April fand in Köln der Verbandstag der Aidshilfe NRW statt. Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands, Dr. Frank Überall, suchte in seiner Eröffnungsrede den Schulterschluss zwischen NGOs und Medien. "Wir alle aber, jede und jeder von uns, sind zusammen der Kitt, der diese Gesellschaft zusammenhält. Journalismus und soziale Arbeit sind systemrelevanter als so manche strauchelnde Großbank. Das schönste intakte Wirtschaftssystem nützt nichts, wenn die Menschen nicht aufeinander achtgeben, sich engagieren und mit Ernst und Wahrhaftigkeit miteinander kommunizieren. Auf der Suche nach dem besten Weg für uns alle.“ Ein deutliches Zeichen der Solidarität setzten die beim Verbandstag Anwesenden mit einem Gruppenfoto mit Pussyhats. Die Pussyhats stehen als Symbol für Frauenrechte, für Diversity und Akzeptanz! Das Foto finden Sie hier (JPG-Datei). Weitere Informationen finden Sie unter ahnrw.de. Eine Dokumentation des Verbandstag erscheint demnächst online auf unserer Homepage.


LEBEN MIT HIV

Schutz durch Therapie: Freispruch für HIV-Positiven
Das Kölner Amtsgericht sprach am 12. April einen Mann mit HIV von dem Vorwurf der versuchten gefährlichen Körperverletzung frei. Der 42-Jährige war von zwei Frauen angezeigt worden, nachdem er mit ihnen Geschlechtsverkehr ohne Kondom hatte und sie erst hinterher über seine HIV-Infektion aufklärte. Doch laut einem Gutachter habe man weder zum Tatzeitpunkt noch heute das Virus bei ihm nachweisen können, folglich habe er die Frauen gar nicht mit HIV anstecken können. "Wir haben heute viel über medizinischen Fortschritt gelernt", sagte der vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Weitere Infos finden Sie unter ahnrw.de.

Bundesregierung will Finanzhilfen für Opfer des "Bluter-Skandals" sichern
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat einen entsprechenden Gesetzestext vorgelegt, den nun der Bundestag beschließen soll. In den 1980er-Jahren hatten sich rund 1.500 Bluter über kontaminierte Blutprodukte infiziert, obwohl die Verantwortlichen in der Pharmaindustrie und im damaligen Bundesgesundheitsamt von den Gefahren wussten. Etwa 1.000 der betroffenen Patient*innen sind bereits an den Folgen von HIV verstorben. Mehr dazu finden Sie unter aidshilfe.de.


FRAUEN UND HIV/AIDS

Neue Videos
Im vergangenen Jahr erschien der Film "Wir sind positiv, na und...! 20 Jahre - Mein Leben mit HIV" über Kelly Cavalcanti. Zum Einsatz in anderen Zusammenhängen wurden nun Teile herausgeschnitten und unter den Titeln "Mein Engagement gehört zu mir" sowie "HIV und Schwangerschaft" auf dem Youtubekanal von XXelle publiziert. Die Links zu den einzelnen Filmen finden Sie unter xxelle-nrw.de.


SCHWULE MÄNNER

Dortmund: Ausschreibung Praxisstelle Duales Studium
Die aidshilfe Dortmund sucht im Fachbereich Prävention zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens aber zum 1. September 2017, über die gesamte Dauer des Studiums mit einer regelmäßigen Wochenarbeitszeit von 20 Stunden (zzgl. 20 Stunden/Woche Studium) einen Studenten des Dualen Studiengangs "Soziale Arbeit Schwerpunkt Armut und (Flüchtlings-) Migration". Der Fachbereich Prävention umfasst die Arbeitsgebiete "pudelwohl" (HIV-/STI-Prävention für schwule und andere MSM (Männer, die Sex mit Männern haben), "neonlicht" (aufsuchende Sozialarbeit und Männer, die der mann-männlichen Prostitution nachgehen), "Mashallah! – You’re welcome" (landesweites Modellprojekt zur HIV-/STI-Prävention für schwule und andere MSM mit Migrationshintergrund) und Youthwork (schulische Sexualpädagogik). Der Aufgabenschwerpunkt der angebotenen Stelle liegt im Bereich "Mashallah!", mit dem Ziel, innovative Präventionsangebote für schwule und andere MSM mit Migrationshintergrund (einschließlich Geflüchteten) zu entwickeln und umzusetzen. Um ein möglichst vielseitiges Bild der Präventionsarbeit zu erhalten, werden Einsätze in den übrigen Bereichen gern gesehen. Weitere Infos finden Sie hier (PDF-Datei).

Dokumentation Fachtag Lust+Rausch
Am 30. April 2016 fand der erste Kölner Fachtag Lust+Rausch der Aidshilfe NRW, der Aidshilfe Köln und der Drogenhilfe Köln statt. Fast 200 Teilnehmende aus etwa 100 unterschiedlichen Einrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet waren nach Köln gekommen, um sich über Substanzkonsum und Sexualität bei schwulen Männern auszutauschen und die Folgen des Phänomens Chemsex unter die Lupe zu nehmen. Die jetzt erschienene, sehr lesenswerte Dokumentation finden Sie unter ahnrw.de.

Handreichung zur Beratung von LSBT*I*-Geflüchteten
Die Broschüre der Schwulenberatung Berlin stellt die besondere Situation von LSBT*I* Geflüchteten sowie die Konsequenzen für die Beratung und Unterstützung dar. Ziel des dargestellten Arbeitsansatzes ist das Empowerment der Geflüchteten, also die Förderung ihrer Autonomie und Selbstbestimmung sowie der Selbstvertretung ihrer Interessen. Weitere Infos finden Sie unter aids-nrw.de.


SEXARBEIT

Wissen über HIV bei Sexarbeitern gestiegen
Der Anteil von männlichen Sexarbeitern, so genannten male*Escorts, die einen Migrationshintergrund haben, ist deutlich gestiegen. Darauf machte die Aidshilfe NRW bei der Vorstellung der jüngsten Studie zur Lebenslage von male*Escorts in Dortmund, Essen, Düsseldorf und Köln aufmerksam. Die Presseinformation finden Sie hier (PDF-Datei).


DROGEN

Save the Date - Fachtag HIV & Hepatitis
Die Aidshilfe NRW lädt gemeinsam mit Herzenslust, POSITHIV HANDELN, VISION und JES NRW zum Fachtag HIV und Hepatitis am 10. August 2017 ein. Die epidemiologischen, medizinischen und politischen Entwicklungen in Bezug auf Hepatitis stellen auch Aidshilfen und ihre Kooperationspartner in ihrer täglichen Arbeit vor neue Herausforderungen. Es wäre gut, wenn sich viele Kolleg*innen aus den verschiedenen Themenfeldern des Landesverbands den Termin freihalten. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Bundeskabinett ändert Regeln für Substitutionsbehandlungen

Substitutionsmittel sollen künftig auch von Rehabilitationseinrichtungen, Alten- und Pflegeheimen, Hospizen und Gesundheitsämtern an Patient*innen abgegeben werden dürfen. Zudem wird es in Einzelfällen möglich werden, dass Substituierte das Methadon oder andere Mittel für den Bedarf von bis zu 30 Tagen mit nach Hause nehmen dürfen. Bislang war dies nur für grundsätzlich sieben Tage gestattet. Diese und weitere Änderungen der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) hat das Bundeskabinett Mitte März beschlossen. Sie müssen nun noch vom Bundesrat gebilligt werden. Ziel der Änderungen ist es, die wohnortnahe Versorgung der Betroffenen zu verbessern und mehr Ärzt*innen für die Teilnahme an der Substitutionsbehandlung zu gewinnen. Mit der Änderung der Verordnung werden verschiedene Regelungen in die Richtlinienkompetenz der Bundesärztekammer übergeben. Das betrifft die Voraussetzungen für Einleitung und Fortführung einer Therapie, die Entscheidung über begleitende psychosoziale Betreuung, den Umgang mit Beikonsum und Verschreibungen zur eigenverantwortlichen Einnahme von Substitutionsmitteln. Die Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundesdrogenbeauftragten vom 15. März 2017 finden Sie hier (PDF-Datei).

Studie zu Safer Use, Partnerschaft und Sexualität bei Drogengebrauchenden
Safer-Use- und Harm-Reduction-Angebote für Drogengebrauchende richten sich für gewöhnlich an Individuen - das Teilen von Spritzen und weiteren Konsumutensilien findet jedoch oft innerhalb von Partnerschaften statt. Dies werde von den Angeboten bisher noch weitestgehend vernachlässigt, so australische Wissenschaftler*innen, die im Rahmen einer qualitativen Studie Tiefeninterviews mit 80 Drogengebrauchenden über deren Partnerschaften, Konsumverhalten und Safer-Use-Strategien geführt haben. Ähnlich wie im HIV-Bereich lasse sich eine Strategie der „ausgehandelten Sicherheit“ auch für HCV-infizierte Drogengebrauchende und deren Partner*innen feststellen, also ein Konsumverhalten auf Basis des gegenseitigen Wissens über den Infektionsstatus. Die Studie empfiehlt deshalb, Aspekte wie Partnerschaft und Sexualität in der Präventionsarbeit, aber auch in Bereichen wie etwa Entgiftung, Substitutionstherapie und Hepatitis-Behandlung zu berücksichtigen. Eine Übersicht zu den Methoden und Ergebnissen der Studie finden Sie unter aidsmap.com


MIGRATION

Studie über geflüchtete Frauen erschienen
Mit dem Forschungsprojekt der Charité "Repräsentative Untersuchung von geflüchteten Frauen in unterschiedlichen Bundesländern in Deutschland" wurden erstmals Informationen direkt von geflüchteten Frauen selbst zu ihren Fluchtgründen, Fluchtwegen, Erfahrungen vor, während und nach der Flucht sowie zu ihrer aktuellen Situation in Deutschland erhoben. Etwa ein Drittel der nach Deutschland einreisenden Schutzsuchenden sind Frauen. Viele sind vor, auf der Flucht und zum Teil auch in Deutschland geschlechtsspezifischen Belastungen ausgesetzt. Was die geflüchteten Frauen erlebt haben, in welcher psychischen Verfassung sie sind und welche Sorgen und Ängste eine Integration hier möglicherweise erschweren – darüber gab es bisher kaum belastbare Informationen. Die Ergebnisse der Studie finden Sie unter integrationsbeauftragte.de.

Neue UNICEF-Studie zu geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Deutschland
Deutschland nimmt international eine Vorreiterrolle bei der Bewältigung der so genannten Flüchtlingskrise ein. Durch ihr großes Engagement und ihre Flexibilität haben Politik, Behörden und Zivilgesellschaft eine Notversorgung der Menschen sichergestellt. Trotz dieser großen Leistung sieht UNICEF Deutschland die Lebensumstände vieler Kinder und Jugendlichen unter den Geflüchteten jedoch als schwierig an. Laut einer neuen UNICEF-Studie "Kindheit im Wartezustand" verbringen viele von ihnen lange Monate oder sogar Jahre in Flüchtlingsunterkünften, die häufig nicht sicher und nicht kindgerecht sind. Dies erschwert ihre Integration. Weitere Informationen dazu finden Sie unter unicef.de.


VERSCHIEDENES


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