Nr. 3 - Oktober 2016
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Ihnen heute die dritte Ausgabe des Newsletters rund um das Thema „Spritzenautomaten in NRW“ für das Jahr 2016 zusenden zu können.

Gerne veröffentlichen wir interessante Projekte, Themen oder Termine über den Newsletter. Bitte senden Sie die Beiträge einfach per Mail an brigitte.bersch@nrw.aidshilfe.de. Wir freuen uns über jede Rückmeldung. 

Mit herzlichen Grüßen
Brigitte Bersch
Koordination Spritzenautomatenprojekt NRW


Aufstellung von weiteren Spritzenautomaten in NRW
Für den Ausbau des Spritzenautomaten-Projekts in NRW stehen noch einige Spritzenautomaten zur Verfügung. Die Spritzenautomaten werden den Betreibern vor Ort kostenlos zur Verfügung gestellt. Aufstellungs-, Reparatur- und Portokosten werden von der Aidshilfe NRW übernommen. Die Automaten werden mit Spritzenpäckchen, Kondomen, Pflege-, Care- und Smoke-it-Sets bestückt und enthalten eine Entsorgungsbox für gebrauchtes Spritzbesteck.

HIVReport- Drogenkonsum & Prävention: Ergebnisse der DRUCK-Studie
Der aktuelle HIVReport beschäftigt sich mit folgenden Themen: Prävalenz von HIV und Hepatitis B/C | Wissen und Zugang zu Konsumutensilien | Impfschutz (Hepatitis B) | Safer Sex bei Drogenkonsumenten | Menschen in Haft | Bedeutung von Drogenhilfe-Einrichtungen für Prävention | Interview Dr. Ruth Zimmermann, RKI. Den HIVReport finden Sie hier (PDF-Datei). 

Robert Koch-Institut: HIV-Neudiagnosen
2015 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 3.674 HIV-Neudiagnosen gemeldet, fünf Prozent mehr als 2014. Zugenommen haben die Diagnosen bei Heterosexuellen und Drogengebraucher*innen (IVD), bei schwulen Männern dagegen sind sie leicht gesunken. Das geht aus dem am 26.09.2016 veröffentlichten HIV-Jahresbericht 2015 des RKI hervor. Die absolute Zahl der HIV-Neudiagnosen bei IVD ist im Gegensatz zum Vorjahr um 24 auf 134 Neudiagnosen gestiegen. Die größten Anstiege waren in Niedersachsen von 8 in 2014 auf 23 in 2015 (+15)  und  Nordrhein-Westfalen mit 28 in 2014 auf 40 in 2015 (+12) zu verzeichnen. Die Ursache für diesen Anstieg ist bisher noch nicht geklärt. Das Epidemiologische Bulletin des RKI finden Sie hier.

Chemsex-Befragung des Zentrums für interdisziplinäre Suchtforschung
Die Online-Umfrage richtet sich an Menschen aller sexueller Orientierungen. Erfragt werden Trends und Verhaltensweisen rund um das Thema Sex, Partnerschaft und Drogen. Weitere Infos und den Online-Fragebogen finden Sie hier..

Konturen online: Flüchtlinge und (Opioid)Abhängigkeit
Flucht und Traumata erhöhen die Gefahr eines missbräuchlichen Konsums von psychotropen Substanzen. Zugleich stammen viele der nach Deutschland geflüchteten Menschen aus Herkunftsländern, in denen Opioidgebrauch weit verbreitet und kulturell akzeptiert ist. Es ist davon auszugehen, dass eine nennenswerte Zahl an Geflüchteten – ob ‚mitgebracht‘ oder hier entwickelt – einen riskanten, schädlichen oder abhängigen Konsum von psychoaktiven Substanzen aufweist. 
Eine Expertenrunde hat den aktuellen Wissensstand zusammengefasst. Dieser Text wurde am 10. August 2016 auf KONTUREN online veröffentlicht. Er wurde im Anschluss an einen Fachaustausch zum Thema „Flüchtlinge in Deutschland – eine Herausforderung auch für die Sucht- und Drogenpolitik?“ verfasst, zu dem die Drogenbeauftragte am 25. Mai 2016 eingeladen hatte. Den Artikel finden Sie hier.

buss veröffentlicht Substitutionslandkarte 
Wie geht es weiter mit der Behandlung Opiatabhängiger? Dieser Frage widmete sich im Mai vorigen Jahres ein Workshop, zu dem die fünf Fachverbände Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe (buss), Caritas Suchthilfe e. V. (CaSu), Gesamtverband für Suchthilfe (GVS), Fachverband Drogen- und Suchthilfe (fdr) und Fachverband Sucht (FVS) nach Berlin eingeladen hatten. Besonders setzten sich die eingeladenen Fachleute aus Wissenschaft und Praxis mit den Konzepten der ubstitutionstherapie und der abstinenzorientierten Behandlung auseinander. Zwischen beiden Behandlungsformen gibt es nur wenige Schnittstellen. Vereinbart wurde auf der Arbeitstagung, dass Behandlungsangebote für 
Substituierte leichter zu finden sein sollten. Unter Federführung des buss wurde deshalb eine „Substitutionslandkarte“ eingerichtet. Das Online-Tool verzeichnet alle bekannten Hilfe-Angebote für Substituierte in Deutschland. Sie finden die Substitutionslandkarte unter anderem im WebAngebot des fdr. Dort können Sie sich auch melden, falls noch ein bestehendes Angebot auf der Karte fehlen sollte. 

Verweigerung von Substitution in Haft ist unmenschlich 
Die pauschale Verweigerung einer Substitutionsbehandlung für heroinabhängige Strafgefangene verstößt gegen die Menschenrechte. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg festgestellt. In seinem Urteil befasste sich der EGMR mit dem Fall eines Mannes, der seit 1972 drogenabhängig ist und lange substituiert wurde, bevor er 2009 zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Zu Beginn der Haft wurde er in eine Entzugsklinik eingewiesen. Der Entzug ohne Substitution war aber nicht erfolgreich. Späteren Anträgen des Häftlings auf eine Substitutionsbehandlung wurde nicht stattgegeben. Das Gericht urteilte, die Verweigerung der Substitution ohne eingehende Prüfung der Notwendigkeit sei eine unmenschliche Behandlung. Bei der Süddeutschen Zeitung finden Sie eine ausführliche Reportage über die Abgabe von Methadon an Strafgefangene. 

Neuer Standort Spritzenautomat in Bonn
Die AIDS-Initiative Bonn e.V. betreibt seit August einen Spritzenautomaten. Der Automat steht am Marthashof im Zentrum von Bonn. Infos über die AIDS-Initiative Bonn e.V. finden Sie hier.

DROGENKURIER 
Die neue Ausgabe des Drogenkurier dokumentiert alle Aktionen und Veranstaltungen anlässlich des „Internationalen Gedenktags für verstorbene Drogengebraucher“ 2016. Das Motto „Zahl der Drogentoten weiter gestiegen. Jetzt handeln!“ rückte den erneuten dramatischen Anstieg von Drogen gebrauchenden Frauen und Männern, die im Jahr 2015 verstarben, in den Fokus. Die aktuelle Ausgabe steht hier zum Download bereit

Safer Use Fachtag Broschüren
Zu dem von der Aidshilfe NRW, akzept NRW, VISION und dem JES-Bundesverband gemeinsam veranstalteten Fachtag Safer Use in Köln kamen am 12. August 2015 rund 130 Teilnehmende zusammen, um sich über den aktuellen Sachstand von Präventionsangeboten beim Konsum von Drogen zu informieren und auszutauschen. Ziele des Fachtages waren sowohl die Vermittlung wissenschaftlicher Grundlagen und neuer Erkenntnisse als auch die Vorstellung praktischen Know-hows und die Erläuterung effektiver Safer-Use-Techniken zur Schadensminderung im Bereich des illegalisierten Drogenkonsums zur Reduzierung von HIV- und HCV-Übertragungen. Die Printversion der Tagungsdokumentation bestellen Sie bitte per Email bei Brigitte.Bersch@nrw.aidshilfe.de

Online-Protest gegen überhöhte Medikamentenpreise 
Mit der europaweiten Kampagne "Der Preis des Lebens" protestiert das Netzwerk von Ärzte der Welt gegen überzogene Preise für lebenswichtige Medikamente. Besonders deutlich werde das Streben der Pharmafirmen nach Gewinnmaximierung am Beispiel des Hepatitis-C-Medikaments Sovaldi (Wirkstoff: Sofosbuvir), so die Organisation in ihrer Pressemitteilung. In Deutschland liege der Erstattungsbetrag, den die Krankenkassen dem Hersteller Gilead zahlen, bei rund 43.500 Euro für die zwölfwöchige Therapie. Die Behandlung aller Menschen mit chronischer Hepatitis C in Deutschland würde somit etwa 9 Milliarden Euro kosten – mehr als ein Viertel der jährlichen Medikamentenkosten der Krankenkassen. Weitere Infos zum Thema finden Sie hier. Mit einer Online-Petition fordert Ärzte der Welt Gesundheitsminister Gröhe auf, sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden „rechtlichen und politischen Mitteln einzusetzen, damit die Preise für innovative Medikamente drastisch gesenkt werden“.

Kurzinfos für Drogengebraucher*innen
Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig. Auch im Leben vieler Drogengebraucher*innen spielt Alkohol eine zentrale Rolle. Mal soll er das Selbstbewusstsein stützen, mal Ängste lindern und beruhigen, mal den Pillen- oder Opiatentzug erleichtern. Und viele Substituierte setzen Alkohol ein, weil das Substitutionsmittel keinen Kick erzeugt und nicht breit macht. Die Broschüre „Drogen und Alkohol: Risiken senken“ weist auf die Risiken von Alkoholkonsum in Verbindung mit anderen Drogen hin. Die Broschüre kann hier bestellt werden. 

Neuer "Spritzenautomat" unter der Seibelquerspange
Mettmann. Ab sofort können Drogenabhängige in Mettmann wieder sterile Spritzen für den intravenösen Drogenkonsum aus dem Automaten ziehen. Im Zuge der städtischen Umbaumaßnahmen fehlte dieses Angebot seitdem. Nun steht ein neuer Automat fast am alten Standort und es handelt sich erneut um ein Kooperationsprodukt der Caritas-Suchthilfe im Kreis Mettmann und der Aidshilfe in Köln. Den Artikel lesen Sie hier.

Crack-Pfeifen Automat
Ein Crack-Pfeifen-Automat steht in einem Hotel einer Drogenhilfe-Einrichtung in Vancouver, Kanada. Das Foto des Automaten finden Sie hier.


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