Nr. 2 Juli 2016
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Ihnen heute die zweite Ausgabe des Newsletters rund um das Thema „Spritzenautomaten in NRW“ für das Jahr 2016 zusenden zu können.

Gerne veröffentlichen wir interessante Projekte, Themen oder Termine über den Newsletter. Bitte senden Sie die Beiträge einfach per Mail an brigitte.bersch@nrw.aidshilfe.de. Wir freuen uns über jede Rückmeldung.

Mit herzlichen Grüßen
Brigitte Bersch
Koordination Spritzenautomatenprojekt NRW



Anschaffung von weiteren Spritzenautomaten
Für den Ausbau des Spritzenautomaten-Projektes in NRW stellte das Gesundheitsministerium Gelder für die Anschaffung von weiteren Spritzenautomaten zur Verfügung. Die Spritzenautomaten werden den Betreibern vor Ort kostenlos zur Verfügung gestellt. Aufstellungs-, Reparatur- und Portokosten werden von der Aidshilfe NRW übernommen. Die Automaten werden mit Spritzenpäckchen, Kondomen, Pflege-, Care- und Smoke-it-Sets bestückt und enthalten eine Entsorgungsbox für gebrauchtes Spritzbesteck. Weitere Infos erhalten Sie hier.

21. Juli – Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen
Anlässlich des Internationalen Gedenktages für verstorbene Drogengebraucher*innen erklärte Winfried Holz vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe: „Wir trauern um die Menschen, die am Drogenkonsum gestorben sind, vor allem aber an den Folgen von Strafverfolgung und Ausgrenzung. Mehr als 1000 sind es pro Jahr. Jeder einzelne hatte Familie und Freunde und wollte nicht sterben. Wir dürfen die Menschen hinter den Zahlen nicht vergessen. Zugleich genügt es nicht, der Verstorbenen zu gedenken. Es ist Zeit zu handeln! Die Zahl der Drogentoten ließe sich mit einfachen Mitteln senken. Die politisch Verantwortlichen sind mitverantwortlich für den Tod von immer mehr Menschen. Wir fordern die Bundesregierung und ihre Drogenbeauftragte sowie die jeweiligen Landesregierungen auf, endlich zu handeln!“

Drogenkonsumräume und Naloxon retten Leben

Noch immer haben zehn Bundesländer keine Drogenkonsumräume eingerichtet, obwohl diese Einrichtungen Leben retten sowie HIV- und Hepatitis-Infektionen verhindern. Noch immer ist das Notfallmedikament Naloxon, das im Fall einer Überdosis Heroin hilft, im entscheidenden Moment für Drogenkonsumenten nicht verfügbar. „Sowohl Drogenkonsumräume als auch Naloxon sind Lebensretter ohne Risiken und Nebenwirkungen. Die Menschen weiter sterben zu lassen, ist durch nichts zu rechtfertigen!" so Winfried Holz.

Die Zahl der Drogentoten ist in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, von 944 im Jahr 2012 auf 1.226 im Jahr 2015.

HIV-Infektion im Gefängnis: Die fatale gemeinsame Spritze
Bei Gefangenen kommen HIV-Infektionen überproportional häufig vor – etliche stecken sich erst in Haft an.
Die Haft als Gesundheitsrisiko: Wer eine Gefängnisstrafe verbüßen muss, läuft weit stärker als der Durchschnitt der Bevölkerung Gefahr, sich mit Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis C anzustecken. Gründe dafür gibt es viele, sagt Heino Stöver, Direktor des Instituts für Suchtforschung an der Frankfurt University for Applied Sciences: Drogenabhängige Insassen teilen sich Spritzen, Männer haben ungeschützten Geschlechtsverkehr miteinander. Heino Stöver sucht mit seinem Team nun nach Wegen, wie die Zahl der Ansteckungen in Gefängnissen verringert werden kann. Sein Projekt „Harm reduction and continuity of care in prisons“ (Schadensbegrenzung und Kontinuität der Therapie in Gefängnissen) ist Teil eines umfangreichen Forschungsprogramms zur HIV-Prävention der Europäischen Union. Den kompletten Artikel lesen Sie hier (PDF-Datei).

05. Juni 2016 - 3. Alternativer Drogen- und Suchtbericht in Berlin vorgestellt
Ein Kurswechsel in der Drogenpolitik könnte Leben retten, Abhängigkeit verhindern und Schluss machen mit drastischer Ressourcenverschwendung in Justiz- und Polizeiarbeit. Darauf haben als Herausgeber des 3. Alternativen Drogen- und Suchtberichts der akzept Bundesverband, die Deutsche AIDS-Hilfe und der JES  Bundesverband sowie weitere Expert*innen hingewiesen. Der Bericht fordert eine wissenschaftlich fundierte Überprüfung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG), die staatlich kontrollierte Abgabe von bisher illegalen Substanzen (bei Cannabis etwa über autorisierte Geschäfte, bei Heroin über das Medizinsystem) und die flächendeckende Einführung lebensrettender Maßnahmen wie Drogenkonsumräume, die Verfügbarkeit des Notfallmedikaments Naloxon sowie Druck-Checking und Spritzenvergabe in Haft. Die Deutsche AIDS-Hilfe beklagt, wie aberwitzig die Strafverfolgung heroinabhängiger Menschen sei. In Haft bestehe ein dramatisch höheres HIV- und Hepatitisrisiko. Mit einfachen Maßnahmen ohne Risiken und Nebenwirkungen könnten stattdessen zahlreiche Menschen gerettet werden. Darauf zu verzichten, könne nur als unterlassene Hilfeleistung bezeichnet werden. Den gesamten Bericht finden Sie hier.

Substituierte können in NRW Drogenkonsumräume nutzen
Substitutionspatientinnen und -patienten haben künftig in Nordrhein-Westfalen auch Zugang zur Nutzung der Drogenkonsumräume. Das geht aus der Ende vorigen Jahres in Kraft getretenen Änderung der Drogenkonsumraum-Verordnung hervor, auf die die Landesstelle Sucht NRW jetzt noch mal hingewiesen hat. Drogenkonsumräume stehen darüber hinaus auch Konsumentinnen und Konsumenten offen, die Drogen nasal zu sich nehmen. Die Verordnung ist nicht mehr befristet. Weitere Infos und die Drogenkonsumraum-Verordnung finden Sie hier.

Der Nationale AIDS-Beirat zur Speicherung von gesundheitsbezogenen Daten in polizeilichen Datenbanken unter dem Kürzel "ANST"
Die Polizei- und Ordnungsgesetze der Bundesländer enthalten Bestimmungen, die insbesondere Bedienstete der Polizei und Rettungspersonal vor Infektionsgefahren im Rahmen ihrer Dienstausübung schützen sollen. Vor diesem Hintergrund werden in polizeilichen Informationssystemen von Bund und Ländern personenbezogene Daten von Bürger*innen mit dem Zusatz "ANST" (ansteckend) versehen. Dies erfolgt ausschließlich bei Hepatitis B-, Hepatitis C- oder HIV-Infektionen. Erforderlich ist, dass entsprechende Hinweise von einem Arzt oder einer Ärztin oder einer entsprechenden Unterlage (Gesundheitsamt, Verwaltungsbehörde, Justizvollzugsanstalt u.ä.) oder dem Betroffenen selbst vorliegen. Die Art der Infektion wird nicht gespeichert. Der NAB unterstützt nachdrücklich das Anliegen, das Risiko einer Übertragung von Infektionen durch geeignete Maßnahmen zu minimieren. Diese Maßnahmen müssen auf gesicherten medizinischen Erkenntnissen beruhen und sachgerecht umgesetzt werden. Das Votum des Nationalen AIDS-Beirats hierzu finden Sie unter bmg.bund.de.

Bundesverdienstkreuz für Jürgen Heimchen
Am 22.06.2016 wurde Jürgen Heimchen, Mitbegründer der Elterninitiative für akzeptierende Drogenarbeit, durch die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft das Verdienstkreuz am Bande verliehen. Mit der Auszeichnung wird der 73-jährige Wuppertaler für seinen jahrzehntelangen Einsatz für eine akzeptierende und humane Drogenpolitik geehrt. 1992 starb Jürgen Heimchens damals 21-jähriger drogenabhängiger Sohn Torsten nach einem Suizidversuch im Polizeigewahrsam. Seitdem setzt sich Heimchen gemeinsam mit der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH), akzept e.V. und dem Netzwerk für Junkies, Ehemalige und Substituierte (JES) auf vielfältige Weise für die Rechte von Drogengebraucher*innen ein. Durch seine engagierte Öffentlichkeitsarbeit trug er maßgeblich zum Abbau von Vorurteilen gegenüber Drogenkonsument*innen bei. Der Gewerkschafter hat nicht nur den  Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit mitbegründet, er initiierte 1998 auch den ersten Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende, der jedes Jahr am 21. Juli in inzwischen bundesweit rund 60 Städten sowie in vielen weiteren rund um den Globus begangen wird.

Fachtag Safer Use 2015 – Dokumentation erschienen
Auf der Tagung haben Praktiker*innen zusammen mit Konsumierenden erprobte und effektive Safer-Use-Techniken in Theorie und Praxis kennengelernt und sich darüber austauscht. Zum einen wurden die aktuellen wissenschaftlichen und sozialpolitischen Erkenntnisse aus dem In- und Ausland dargestellt, darüber hinaus schonende Drogenapplikation anschaulich gezeigt und "trocken" geübt, ebenso wie Drogennotfalltraining. Ziel ist die Vermittlung von effektiven Safer-Use-Techniken und von Optionen zur Schadenminderung im Bereich illegalisierten Drogenkonsums, unter anderem zur Reduzierung von HIV- und HCV-Übertragungen. Die Dokumentation finden Sie hier (PDF-Datei) und ist als Broschüre zu bestellen bei Brigitte.Bersch@nrw-aidshilfe.de
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