Nr. 07 vom 21. Dezember 2015
Wir wollen mehr Lametta!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,


das zu Ende gehende Jahr stand ganz im Zeichen unseres 30-jährigen Jubiläums. "Wir wollen mehr!", so lautete das Motto. Trotz aller Erfolge, trotz allem, was wir in dieser Zeit erreicht haben, haben wir immer noch viele Aufgaben und Ziele. Das haben auch die vergangenen Wochen wieder gezeigt, in denen wir uns ausführlich damit beschäftigen mussten, "Schutz durch Therapie" als Safer-Sex-Strategie zu rechtfertigen und um eine sinnvolle Kommunikation dieses Konzepts zu streiten.

"Früher war mehr Lametta!" Opa Hoppenstedts lapidare Feststellung ist inzwischen zum geflügelten Wort für vermeintlich bessere Zeiten geworden. Da für uns noch vieles bleibt, was es zu verbessern gilt, halten wir nicht an alten Zeiten fest, sondern richten unseren Blick weiter nach vorn. Aber mehr Lametta darf es dann auch mal sein …!

Ihnen allen wünschen wir frohe Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr! Wir freuen uns auf viele gute Begegnungen mit Ihnen!

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher


Wir wollen mehr Frauenzimmer!Wir wollen mehr Anonymität!

VERBAND

Wir wollen mehr Karten!
Die in der Landesgeschäftsstelle entwickelte Reihe mit Motiven zum Thema „Wir wollen mehr!“ erfreut sich großer Nachfrage. Eine Reihe Mitgliedsorganisationen orderten immer wieder einzelne Motive nach. Im Kontext der Fachtagung XXelle LIVE und des Welt-Aids-Tags haben wir abschließend weitere Motive entwickelt, die Sie gern in beliebiger Menge bei uns abrufen können. Auch die bisherigen Motive sind noch zu haben. Bitte schicken Sie eine Mail an markus.schmidt@nrw.aidshilfe.de.

Wir wollen mehr Freiheit!Wir wollen mehr Sorglosigkeit!


Save the date! Fachtag Lust + Rausch. Substanzkonsum und Sexualität. Am 30. April 2016 im KOMED in Köln.

Es gibt eine Reihe von Berichten, die darauf hinweisen, dass der Konsum von Substanzen wie Crystal Meth, GHB, GBL oder Ketamin spürbar zugenommen hat. Insbesondere in Teilen der schwulen Szene gibt es offensichtlich einen Zusammenhang zwischen gelebter Sexualität und Substanzkonsum.. Auch wenn es zu dem Phänomen wenig genaue Zahlen gibt, mehren sich insbesondere in den großen Städten die Hinweise, dass Präventions- und Beratungsbedarfe auf die Kombination von Lust und Rausch explizierter eingehen müssen. Im Rahmen des Kölner Fachtags zu Substanzkonsum und Sexualität sollen einerseits die vorhandenen Berichte und Erfahrungen der unterschiedlichen Beteiligten zusammengetragen und erste Schritte zu aktualisierten Präventions- und Beratungskonzepten gemacht werden, die Lust und Rausch als zwei miteinander verbundene Aspekte des Substanzkonsums einzelner Gruppen in den Blick nehmen. Der Fachtag bietet für den Diskurs eine Mischung aus Information und Best-practice-Beispielen, wie die Gelegenheit in kleineren Runden in Workshops erste Konzeptideen und Erfahrungen zum Diskurs zu stellen. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).


PRESSE- UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT


Streit um "Schutz durch Therapie"
"Mach's mit!" - so werben viele öffentliche Kampagnen seit Jahren für Safer Sex mit Kondom. "Wir machen's ohne" erklären nun HIV-positive Aktivistinnen und Aktivisten auch aus NRW und verweisen damit auf das Konzept "Schutz durch Therapie". Das wird von uns und von der Deutschen AIDS-Hilfe ausdrücklich begrüßt. Kritik daran äußerte Gesundheitsministerin Barbara Steffens, die betonte, dass Kondome auch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützen können. Während unserer Gespräche im Kontext des Welt-Aids-Tags im Landtag hatten wir die Gelegenheit, das ausführlich mit der Ministerin zu erörtern. Daher haben wir eine erneute Stellungnahme abgegeben, die Sie unter ahnrw.de lesen können. Mehrfach haben wir uns den Fragen diverser Fernsehredaktionen gestellt, fanden uns in den ausgestrahlten Beiträgen aber leider nicht umfassend dargestellt. Dass man „Schutz durch Therapie“ auch differenziert einer breiten Leserschaft bekannt machen kann, beweist ein gut recherchierter Artikel von Paul Wrusch in der taz, den Sie Sie unter taz.de lesen können.

HIV-Neudiagnosen und HIV-Neuinfektionen dürfen nicht verwechselt werden
Die Zahl der HIV-Neuinfektionen pro Jahr ist in Deutschland in den letzten Jahren stabil geblieben. Im Jahr 2014 infizierten sich nach Schätzungen RKI wie im Vorjahr rund 3.200 Menschen neu mit HIV. Die gestiegene Zahl der HIV-Neudiagnosen – erstmals diagnostizierte Fälle von HIV, bei denen die Übertragung des Virus schon Jahre zurückliegen kann – weist laut RKI nicht auf einen Anstieg bei den Neuinfektionen hin. Die Zahl der Neudiagnosen kann zum Beispiel von einem veränderten Testverhalten beeinflusst werden. Weitere Informationen im Epidemiologischen Bulletin des RKI vom 9. November 2015 (PDF-Datei). Hier finden Sie die HIV/Aids-Eckdaten von Nordrhein-Westfalen (PDF-Datei) und von Deutschland (PDF-Datei), Schätzung Ende 2014.


LEBEN MIT HIV

5. Fachtag  "Psychotherapie bei Menschen mit HIV/AIDS"
Der Fachtag vom 15. bis 16. Januar 2016 ist eine Veranstaltung des Kompetenznetzes HIV/AIDS, des Walk In Ruhr (WIR) - Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin, der DAIG, der STI-Gesellschaft/Ruhr und der DSTIG, in Kooperation mit der Bochumer AIDS Hilfe und steht unter der Schirmherrschaft der Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Frau Barbara Steffens. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).


FRAUEN UND HIV/AIDS

1995 - 2015 | 20 Jahre Frauen und HIV/Aids in NRW
In ihrem Jubiläumsjahr hat die LAG Frauen und HIV/Aids in NRW Frauen und auch Männer zu Wort kommen lassen, die sich in und für Aidshilfen in Nordrhein-Westfalen in der Prävention, Beratung und Begleitung, in der Vernetzung und Organisation für die Interessen von Frauen mit HIV und Aids eingesetzt haben. Zwölf Persönlichkeiten haben sich im Laufe des Jahres geäußert. Alle zwölf Interviews finden Sie jetzt unter xxelle-nrw.de.

Die DHIVA zum Winter ist da!
Die neue Ausgabe des Magazins erscheint mit Beiträgen über Migrantinnen mit HIV, einen neuen Infospot zur PrEP, HIV-Prävention und männliche Beschneidung, Hilfe bei Allergien und spannende Buch-Tipps. Nähere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).


SCHWULE MÄNNER

Vorstand des "Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter"
Das Thema Prostitution wird in der medialen Öffentlichkeit hauptsächlich aus dem Blickwinkel weiblicher Sexarbeit wahrgenommen. Obgleich Frauen den größten Anteil im Feld ausmachen, sind es genauso auch Männer, die Geld mit Sex verdienen. In neun deutschen Städten gibt es daher "Stricherprojekte", welche mit eigenen Anlaufstellen und Komponenten aufsuchender Arbeit professionelle Unterstützungsangebote anbieten. Neben dem AKSD (Arbeitskreis der Strichereinrichtungen in Deutschland) besteht seit einigen Jahren der bufas (Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter), in welchem sich verschiedene Einrichtungen zusammengeschlossen haben, um sich gemeinsam für eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern einzusetzen sowie für die Entstigmatisierung des Themas zu streiten. Auf dem diesjährigen bufas-Herbsttreffen wurde mit Manuel Hurschmann von der AIDS-Hilfe Essen (Projekt "Nachtfalke") erstmals ein Vertreter aus dem Bereich der "mann-männlichen Prostitution" in den Vorstand gewählt. Wir gratulieren und wünschen eine erfolgreiche Vorstandsarbeit.

Kampagnen gegen emanzipatorische sexuelle Bildung
Traditionalistische und rechtsgerichtete Gruppierungen führen seit mehreren Jahren eine Diffamierungskampagne gegen Personen und Institutionen, die sich in Theorie und Praxis mit den Themen sexuelle Selbstbestimmung und emanzipatorische Sexualpädagogik befassen, wie z. B. gegen das Institut für Sexualpädagogik, pro familia und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Da sich die Diffamierungskampagne auch gegen das Institut für Sexualpädagogik Dortmund (isp) richtet, hat der Wissenschaftliche Beirat des Instituts eine Stellungnahme verfasst, die die Hintergründe und sachlichen Zusammenhänge aufklärt. Sie finden den Gesamttext unter isp-dortmund.de.

WHO und UNAIDS fordern ein Ende der Diskriminierung sexueller Minderheiten
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), UNAIDS und viele andere Institutionen der Vereinten Nationen appellieren dringend an die Staaten dieser Welt, aktiv zu werden, um die Diskriminierung von und die Gewalt gegen sexuelle Minderheiten zu beenden. Unter anderem machen sie deutlich, dass Diskriminierung und Gewalt eine erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen einschließlich HIV-Infektionen befördern. Mehr unter aids-nrw.de.


DROGEN

Umsetzung des Aktionsplans gegen Sucht NRW
Am 24. Februar 2015 verabschiedete die Landesregierung NRW den Aktionsplan gegen Sucht NRW. Nun können im Rahmen der Umsetzung Anträge auf Landesförderung von Projekten und Maßnahmen sowie auf Aufnahme von Projekten in die Projektdatenbank gestellt werden. Der Aktionsplan ist als Gemeinschaftsaktion angelegt, an der sich neben den zuständigen Ressorts der Landesregierung alle relevanten Akteurinnen und Akteure im Suchtbereich und den angrenzenden Hilfebereichen beteiligen. Alle notwendigen Informationen zu den Fördervoraussetzungen sowie zur Antragsstellung finden Sie unter landesstellesucht-nrw.de.

24. Internationale Harm-Reduction-Konferenz in Kuala Lumpur, Malaysia
Vom 18. bis 21. Oktober 2015 fand die 24. Internationale Harm-Reduction-Koferenz in Kuala Lumpur, Malaysia, statt. Über 800 Aktivisten und Experten aus mehr als 70 Nationen diskutierten aktuelle Erkenntnisse und Herausforderungen im Bereich Harm Reduction (Schadensminderung) für drogengebrauchende Menschen. Detaillierte Informationen zu den Resultaten der Konferenz lesen Sie unter aidsmap.com, die offizielle Erklärung "Towards a Harm Reduction Decade" finden Sie unter harmreductiondecade.org.

Träger und Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter der deutschen Drogenhilfe unterzeichnen Positionspapier zur Drogenpolitik
Die AG Drogenpolitik Hamburg hat im Zuge der aktuellen Strafrechtsdebatte im Drogenbereich ein Positionspapier zur Drogenpolitik erarbeitet, das bereits von über 40 Trägern, Verbänden und Einrichtungen der Drogen- und Gesundheitshilfe unterzeichnet wurde. Das Papier weist auf die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und individuellen Schäden der Prohibition hin und fordert eine Neuausrichtung der bisherigen Drogenpolitik jenseits der Orientierung auf Repression und Strafe. Das Papier finden Sie hier (PDF-Datei) die Liste der bisherigen Unterstützer hier (PDF-Datei).


STRAFVOLLZUG

Veranstaltungshinweis: 8. Europäische Konferenz zur Gesundheitsförderung in Haft
Vom 21. bis 22. Januar 2016 findet in Basel unter dem Motto "Gesundheit ist ein Menschenrecht – auch in Haft!" die 8. Europäische Konferenz zur Gesundheitsförderung in Haft statt. Die Veranstalter sind das Bündnis Europäische Konferenz zur Gesundheitsförderung in Haft (u.a. akzept, Deutsche AIDS-Hilfe) in Kooperation mit der Universität Basel, die Konferenz Schweizerischer Gefängnisärzte (KSG) und das Forum der Gesundheitsdienste des Schweizerischen Justizvollzugs. Das Programm der Konferenz finden Sie hier (PDF-Datei).

UN beschließen Äquivalenzprinzip für die Gesundheitsversorgung in Haft
Die Vereinten Nationen haben am 7. Oktober 2015 die überarbeiteten Mindeststandards für die Behandlung von Gefangenen, die sogenannten "Nelson Mandela Regeln", verabschiedet. Menschen in Haft haben nach den neuen Standards das gleiche Recht auf Gesundheit wie Menschen außerhalb des Gefängnisses. Mehr lesen Sie unter aids-nrw.de.


ARBEITSGEMEINSCHAFT AIDS-PRÄVENTION NRW

Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW veröffentlicht Grundsatzpapier zur Sexualpädagogik
Die Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW hat auf ihrer letzten Sitzung ein Grundsatzpapier zum Thema "Sexualpädagogik als Grundlage einer zukunftsorientierten HIV-Prävention in Nordrhein-Westfalen" verabschiedet. Mit der Beschreibung der wesentlichen Aspekte und Rahmenbedingungen für die sexualpädagogische Präventionsarbeit will die Arbeitsgemeinschaft den in diesem Bereich tätigen Akteurinnen und Akteuren sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor Ort eine Orientierungshilfe geben und zur Transparenz gegenüber Entscheidungsträgerinnen und -trägern, Bildungseinrichtungen sowie Bürgerinnen und Bürgern beitragen. Das Grundsatzpapier zur Sexualpädagogik finden Sie unter aids-nrw.de.


MIGRATION

Nationaler AIDS-Beirat zum HIV-Test in der Erstuntersuchung von Flüchtlingen
Der Nationale AIDS-Beirat lehnt routinemäßige HIV-Tests für Asylsuchende in seinem Votum "HIV-Diagnostik in der Erstuntersuchung von Asylsuchenden" vom 13. Oktober 2015 ausdrücklich ab. Mehr lesen Sie unter aids-nrw.de.

Für eine zielführende, ökonomische, humanitäre und ethische medizinische Versorgung  von Flüchtlingen
Die Deutsche AIDS-Gesellschaft, weitere Fachgesellschaften sowie eine Vielzahl von Personen aus der Wissenschaft, der stationären und ambulanten Versorgung sowie des öffentlichen Gesundheitsdienstes treten für eine zielführende, ökonomische, humanitäre und ethische medizinische Versorgung von Flüchtlingen ein. In ihrem "Kölner Statement" vom 26. Oktober 2015 äußern sie sich zur Erstuntersuchung, zur weiteren medizinischen Versorgung sowie zur Weiterleitung von Untersuchungsergebnissen. Mehr unter aids-nrw.de.


VERSCHIEDENES

Stand der Dinge zum Prostituiertenschutzgesetz
Der ursprüngliche Entwurf für ein "Prostituiertenschutzgesetz" ist wie berichtet vom Tisch, da Bundesfamilienministerin Schwesig einen geänderten Entwurf einbrachte. Am 19. November 2015 legte Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens dem Landtag von NRW einen schriftlichen Bericht vor, aus dem die inhaltliche Beurteilung des Referentenentwurfs sowie der in ihrem Haus derzeit bekannte Verfahrensstand hervorgehen. Diesen Bericht lesen Sie hier (PDF-Datei).


Der nächste Newsletter erscheint Mitte Februar 2016
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de.
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