Februar 2015
Liebe Leserin! Lieber Leser!
Es kam, wie es offenbar kommen musste: Familienpolitiker von Union und SPD einigten sich hinter verschlossenen Türen auf ein neues „Gesetz zum Prostituiertenschutz“. Trotz vielfach geäußerter Gegenargumente beharrten die Politikerinnen und Politiker unter anderem auf eine Kondompflicht. Passiert das Gesetz das Parlament, ermöglicht es den Strafbehörden, unangemeldet Kontrollen in den Bordellen durchzuführen. Dabei hatte auch der Runde Tisch Prostitution des Gesundheitsministeriums NRW im vergangenen Herbst hingewiesen, dass eine Kondompflicht in der Sexarbeit epidemiologisch nicht zu begründen ist. Zudem fehlt es doch auch an angemessenen Kontrollmöglichkeiten. Stichprobenartige Kontrollen durch zivile Beamte, die sich, wie in München praktiziert, als Freier ausgeben, sind nicht nur skandalös, sie ergeben auch keinen Sinn. Zudem wird das zur Bekämpfung der Begleitkriminalität notwendige Vertrauen zwischen Polizei und Prostituierten untergraben. Die Aidshilfe NRW forderte die Regierungsparteien auf, unsinnige Symbolpolitik zu unterlassen, stattdessen echte Hilfsangebote für Menschen in der Sexarbeit zu schaffen und auch für die entsprechende finanzielle Ausstattung der niedrigschwelligen Hilfe zu sorgen. Hoffen wir, dass im Rahmen der parlamentarischen Beratungen kritische Stimmen von Expertinnen und Experten doch noch auf Gehör stoßen. Andernfalls wäre den Frauen wieder ein Bärendienst erwiesen worden.

Ihnen allen viel Spaß beim Lesen des Newsletters!
Petra Hielscher
Frauen und Aids
Aidshilfe NRW e.V.


A K T U E L L E S

1995 - 2015 | 20 Jahre Frauen und HIV/Aids in NRW
20 Jahre Landesarbeitsgemeinschaft und Fachbereich Frauen und HIV/Aids in NRW bedeuten vor allem 20 Jahre Engagement von Frauen und auch Männern, die sich in und für Aidshilfen in Nordrhein-Westfalen in der Prävention, Beratung und Begleitung, in der Vernetzung und Organisation für die Interessen von Frauen mit HIV und Aids eingesetzt haben. Im Jubiläumsjahr sollen einige dieser Menschen zu Wort kommen. Sie haben sich ehren- oder hauptamtlich in diesem Sinne engagiert und repräsentieren damit 20 Jahre Aidshilfegeschichte. Weiteres lesen Sie unter xxelle-nrw.de.

Neues Orga-Team für die landesweiten Positiventreffen
Neue Gesichter bringen frischen Wind: Alexandra Frings, Ralf Dierichs, Kelly Cavalcanti und Christian Neumann lösen zu Anfang des Jahres Regine Merz, Wolfgang Becker und Harry Kirchwehm als Orga-Team der landesweiten Positiventreffen ab. Angaben zu den Personen finden Sie unter posithiv-handeln.de.


P O L I T I K

Hoffnung für Hepatitis-C-Kranke auf günstigere Generika
Am 13. Januar 2015 hat das oberste indische Gericht den Patentantrag der Firma Gilead auf ihr neues Hepatitis-C-Medikament Sofosbuvir (Sovaldi ®) abgelehnt. Seit der Zulassung dieses Medikaments Ende 2013 steht der Hersteller wegen seiner überzogenen Preisforderungen in massiver Kritik (60.000 Euro für die Gesamttherapie). Dem Patent widersprochen hatten auch der indische Generikahersteller Natco und die New Yorker Initiative für Medicines, Access & Knowledge (I-MAK). "Durch das Urteil bekommen wir Sofosbuvir aus der Monopol-Festung Gileads heraus", jubelt Dr. Christiane Fischer, die ärztliche Geschäftsführerin der Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte, MEZIS e.V.. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).


S O Z I A L E S

Leitfaden zum Flüchtlingsrecht
Das Deutsche Rote Kreuz hat in Zusammenarbeit mit dem Informationsverbund ASYL & MIGRATION einen Leitfaden zum Flüchtlingsrecht herausgegeben. Er bietet eine Übersicht über die materiellrechtlichen Voraussetzungen für die Gewährung von Flüchtlings- und anderweitigem Schutz. Der Leitfaden kann unter asyl.net heruntergeladen werden.

Stiftung Wohlfahrtspflege NRW beschließt zwei neue Förderinitiativen
Der Stiftungsrat der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW hat in seinen beiden letzten Sitzungen 2014 zwei neue Förderinitiativen beschlossen. Zum einen wurden die Grundsätze zur Förderung der Quartiersentwicklung festgeschrieben. Projekte, die der Realisierung einer nachhaltigen und inklusiven Quartiersentwicklung dienen, werden in Zukunft verstärkt unterstützt. Mit der zweiten Initiative "Pflege Inklusiv" gewährt die Stiftung in den Jahren 2015 bis 2019 Projektförderungen für innovative Modell- und Forschungsprojekte zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Pflege zugunsten von Menschen mit Behinderung, alten Menschen sowie benachteiligten Kindern. Details zu beiden Förderinitiativen finden Sie hier (PDF-Datei).


G E S U N D H E I T

Dreimonatsspritze erhöht tatsächlich das HIV-Risiko für Frauen
Eine Metaanalyse von zwölf Studien aus Afrika mit knapp 40.000 HIV-negativen Frauen bestätigte, dass das Depot-Medroxyprogesteronacetat (DMPA) das Risiko für eine HIV-Infektion im Vergleich zu anderen kontrazeptiven Methoden und im Vergleich zu keiner Verhütung um 40 Prozent erhöht. Wurden Frauen mit einem Hochrisiko aus der Analyse ausgeschlossen, ergab sich für die Allgemeinbevölkerung ein um 31 Prozent erhöhtes Risiko. Die "Anti-Baby-Pille" erhöhte das Risiko nicht. In Deutschland ist die DPMA-Spritze anders als in Afrika nicht weit verbreitet. (hivandmore.de)


M E D I E N

Die Nächste bitte - Multimediaprojekt "Lifeboat Deutschland" klärt auf zum Umgang mit Menschen mit HIV
Besser ein doppeltes Paar Handschuhe? Immer ein Kaiserschnitt oder doch vaginale Geburt? Und was ist mit dem deutlichen HIV-Vermerk in der Krankenakte? Wenn es um HIV geht, gibt es immer noch viel Unsicherheit, gerade im medizinischen Alltag. Der neue Lifeboat-Film "Meine Patientin, HIV und ich" beantwortet die wichtigsten Fragen rund um HIV in Klinik und Praxis. Der Filmbeitrag richtet sich sowohl an Auszubildende in medizinischen Berufen und StudienanfängerInnen als auch an Fachpersonal mit langjähriger Erfahrung. Details zum Film lesen Sie hier (PDF-Datei), weitere Informationen zu Lifeboat sowie alle vorhandenen Kurzfilme finden Sie unter stiftung-gssg.de.

Themenwerkstatt "Abbau von Diskriminierung im Gesundheitswesen" stellt neuen Film vor
Die Themenwerkstatt der Deutschen AIDS-Hilfe hat einen Kurzfilm entwickelt, in dem dargestellt wird, wie Menschen mit HIV Diskriminierung im Gesundheitswesen erleben und welche Verbesserungen sie sich wünschen. Der Film kann unter anderem für Fort- und Weiterbildungen im Gesundheitswesen eingesetzt werden. Sie finden den Film unter youtube.com.


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N


5. bis 6. März 2015
Kongress Armut und Gesundheit
Der Kongress Armut und Gesundheit ist die bundesweit größte Plattform, die den Zusammenhang von sozialer Lage und Gesundheitschancen thematisiert und Teilnehmende aus den unterschiedlichsten politischen und gesellschaftlichen Bereichen zum fachlichen Austausch an einen Tisch bringt. Unter dem Motto "Gesundheit gemeinsam verantworten" werden zum Kongress Armut und Gesundheit 2015 am 5. und 6. März 2015 in der Technischen Universität Berlin wieder mehr als 2.000 Teilnehmende erwartet. Weitere Informationen sowie das Kongressprogramm, das eine Übersicht aller Workshops, Fachforen und Podiumsdiskussionen bereithält, finden Sie unter armut-und-gesundheit.de.

19.März 2015
Länger leben und älter werden mit HIV
Dank der Fortschritte der Medizin und Therapie leben Menschen mit HIV heute deutlich länger. Was bedeutet dieses längere Leben mit HIV aus medizinischer Sicht? Welche Folgen ergeben sich auf längere Sicht auf Grund der HIV-Infektion, der Therapie und welche auf Grund des all-gemeinen „Älter Werdens“? Welche Organsysteme sind bei älter werdenden HIV-Positiven besonders betroffen? Altern Menschen mit HIV schneller als ohne? Was kann man zur Gesunderhaltung selber tun? Was könnte die Aidshilfe dazu anbieten? Diesen Fragen geht die medizinische Rundreise der Deutschen AIDS-Hilfe nach, zu der die AIDS-Hilfe Düsseldorf einlädt. Weiteres lesen Sie hier (PDF-Datei).

26. bis 29. März 2015
Seminar HIV- und STI-Tests: Beratung und Durchführung
Die dreitägige Veranstaltung der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) findet in der Akademie Schönbrunn statt. Sie dient der praxisorientierten Vermittlung der Inhalte der DAH-Broschüre "HIV- und STI-Tests. Information und Standards 2012/2013". Beraterinnen und Berater aus Aidshilfen, Gesundheitsämtern und anderen Einrichtungen, die HIV-Tests anbieten, sollen in diesem Seminar Praxis und Methoden verschiedener HIV- und STI-Tests kennenlernen und in praktischen Übungen Beratungssituation mit Pre- und Posttestberatung erarbeiten. Anmeldeschluss ist der 12. Februar 2015, detaillierte Informationen sowie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und Anmeldung finden Sie hier (PDF-Datei).

27. bis 29. März 2015
DAH-Veranstaltung HIV/STI-Prävention in der Beratung von Frauen in der Prostitution
Die Veranstaltung in der Akademie Waldschlösschen richtet sich an Beraterinnen und Berater wie Streetworkerinnen und Streetworker, die sich mit dem Thema Sexarbeit befassen. Sie soll in erster Linie den überregionalen Erfahrungsaustausch fördern. Details zu Inhalt und Anmeldung finden Sie hier (PDF-Datei).

10. bis 12. April 2015
Streetwork für Frauen I
Streetwork im Bereich der Sexarbeit wird wesentlich dadurch bestimmt, in welchen Bereichen des Sexgeschäfts man unterwegs ist (in Clubs, auf der Straße) und wer aufgesucht wird (professionelle Sexarbeiterinnen, Gelegenheits- oder Beschaffungsprostituierte, Frauen mit oder ohne deutschen Pass, Minderjährige oder Volljährige). Die Zahl sehr junger Sexarbeiterinnen – sowohl deutscher als auch nichtdeutscher – nimmt seit einigen Jahren zu. Wie sich der Zugang zu den Frauen gestaltet, ist nicht zuletzt durch die Haltung der Streetworkerinnen und ihren Bezug zu Sexualität und Sexarbeit bestimmt. Das zweiteilige Seminar startet mit der Reflexion der eigenen Rolle als Streetworkerin und der eigenen Haltung zu Sexualität und Sexarbeit. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

10. bis 12. April 2015
HIV/Aids und Familiensysteme (Positiv leben mit Kindern)
HIV beeinflusst nicht nur das Leben der Menschen mit HIV selbst, sondern auch das Leben ihrer Angehörigen und Familien. Unser Seminar ermöglicht den Austausch über den Alltag mit dem Virus in der Familie. Zugleich soll es dazu dienen, die Vernetzung zu fördern und Selbsthilfe-Ressourcen zu stärken. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

17. bis 19. April 2015
I. Treffen des Netzwerks Frauen und Aids
Das bundesweite Netzwerk Frauen und Aids der Deutschen AIDS-Hilfe veranstaltet in Neuwied für alle Frauen mit oder ohne HIV-Diagnose, die sich im Bereich Frauen und Aids engagieren wollen, ein Wochenende mit dem Schwerpunktthema "Wie führen wir Selbsthilfestrukturen in die Zukunft?". Details zur Anmeldung und zum Treffen finden Sie hier (PDF-Datei).

14. bis 17. Mai 2015
Bundestreffen von Jugendlichen mit HIV
In Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendliche im Umfeld von HIV/AIDS veranstaltet die Deutsche AIDS-Hilfe 2015 wieder ein bundesweites Treffen für Jugendliche mit HIV. Auf Wunsch der Teilnehmenden der letzten Veranstaltung in 2013 wurde das Treffen 2015 sogar auf vier Tage verlängert. Wir bitten Sie, die Ausschreibung und das Anmeldeformular (PDF-Datei) an interessierte Jugendliche weiterzuleiten oder in Ihren Räumen auszulegen. Für Rückfragen steht Kerstin Mörsch von der Deutschen AIDS-Hilfe gerne zur Verfügung.

September 2015 bis Januar 2017
Weiterbildung Sexualberatung
Das Institut für Sexualpädagogik (isp) bildet seit über 25 Jahren sexualpädagogische Fachkräfte im deutschsprachigen Raum aus. Aufgrund des hohen Interesses hat das isp nun die Weiterbildung Sexualberatung entwickelt. Insgesamt werden acht Seminareinheiten von September 2015 bis Januar 2017 zu Grundlagen der Sexualberatung, Gestaltung von Erstkontakt, Körperarbeit und Selbstreflexion, Sexuelle Entwicklungen, Praxis der Einzel- und Paarberatung, Beratung zu Grenzerfahrungen angeboten. Eine Besonderheit bietet die parallele Begleitung durch ein Online-Beratungstraining. Detaillierte Informationen sowie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und Anmeldung finden Sie unter isp-dortmund.de.

6. November 2015
XXelle LIVE
Zum vierten Mal findet XXelle LIVE, die Fachtagung Frauen und HIV, statt. Erneut lädt die Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids in NRW in Kooperation mit der Aidshilfe NRW e. V. zu dieser Veranstaltung ein. Im Anschluss an die Tagung gibt es einen Jubiläumsempfang zum 20-jährigen Jubiläum der Landesarbeitsgemeinschaft, die sich im Dezember 1995 gründete.


S O N S T I G E S

Newsletter des Frauengesundheitsportals der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Die BZgA hat untersucht, wie sich in Deutschland das Zusammenleben und der Umgang mit HIV-positiven Menschen darstellen. Darauf und auf weitere interessante Themen zu den Bereichen Schwangerschaft oder Gewalt an Frauen weist der Januar-Newsletter des Frauengesundheitsportals hin. Den Newsletter finden Sie hier (PDF-Datei).

Ausschreibungen im Landesverband
Ausschreibungen der Aidshilfe NRW, ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint im März 2015.
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise, etc. Bitte senden Sie diese bis zum 16. März 2015 per Mail an Petra Hielscher.
 
 
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