Januar 2015
Liebe Leserinnen und Leser!
Es ist vielfach schon angesprochen worden in den vergangenen Wochen: Die Aidshilfen können zu dem, was sich momentan auf den Straßen in Deutschlands Großstädten abspielt, nicht schweigen. Zu den PEGIDA-Demonstrationen nicht und dem, was dort lautstark skandiert wird, auch nicht. Denn dort werden fundamentale Werte unserer Arbeit abgelehnt: das Einstehen für Vielfalt, die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen und die Offenheit für Fremde. Etwa zwanzig Prozent der Menschen mit HIV, die in Nordrhein-Westfalen leben, sind Frauen. Das sind etwa 3.500. Die Erfahrungen der Kolleginnen in den regionalen Anlauf- und Beratungsstellen ist, dass etwa die Hälfte davon einen Migrationshintergrund haben. Nicht wenige haben keine gültigen Papiere beziehungsweise bangen um ihr Aufenthaltsrecht bei uns. Wie immer und aus welchen Gründen sie nach Deutschland kamen, wir kämpfen dafür, ihnen im Falle einer HIV-Infektion eine adäquate und nachhaltige Behandlung zukommen lassen zu können. Unser Bemühen ist, Sie jenseits jeder kultureller Unterschiede individuell, verständlich und umfassend zu beraten. Uns liegen diese Frauen am Herzen. Daher können wir zu den fremdenfeindlichen und menschenverachtenden Parolen nicht schweigen. Wir solidarisieren uns mit denen, die bei uns Aufnahme suchen, und heißen sie herzlich in NRW willkommen. Und wo immer es zu Diskussionen kommt, die Aidshilfen brauchen sich, was die Errungenschaften und Erfolge ihrer Arbeit betrifft, nicht zu verstecken und können selbstbewusst für Vielfalt und Akzeptanz eintreten. In diesem Sinne freue ich mich auf dieses Jahr 2015, in dem die Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids bereits auf zwanzig Jahre zurückblicken kann.

Ihnen allen viel Spaß beim Lesen des Newsletters!
Petra Hielscher
Frauen und Aids
Aidshilfe NRW e.V.


A K T U E L L E S

Prof. Dr. Elisabeth Pott neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung
Die Deutsche AIDS-Stiftung hat eine neue Vorstandsvorsitzende. Zum 1. Januar 2015 übernahm die bisherige Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Prof. Dr. Elisabeth Pott ihr neues Amt. Der Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung besteht jetzt aus drei Mitgliedern. Prof. Pott ist neue ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende. Sie folgt auf Dr. Christoph Uleer, der weiterhin ehrenamtliches Vorstandsmitglied ist. Dr. Ulrich Heide bleibt geschäftsführender Vorstand. Weiteres lesen Sie unter ahnrw.de.


P O L I T I K

Der Preiskampf bei den Hepatitis-C-Medikamenten geht weiter
Krankenkassen und Hersteller haben sich nicht auf einen Erstattungspreis für das neue Hepatitis-C-Medikament Sovaldi® geeinigt. Bis zum 17. April soll nun ein Schiedsverfahren ein Ergebnis bringen. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ist laut SPIEGEL online zuversichtlich, eine Einigung erreichen zu können. Sovaldi®-Hersteller Gilead dagegen habe sich nicht geäußert. Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de.


S O Z I A L E S

Befragung zum Thema "Leben mit HIV am Arbeitsplatz"
Die Frage nach dem Outing des HIV-Status am Arbeitsplatz ist für viele Betroffene ein schwieriges Thema. Um Menschen mit HIV bei diesem Schritt gezielter unterstützen zu können, führen Helen Führer, Markus Paluch und Natalie Pohl im Rahmen ihres Masterstudiums der Prävention und beruflichen Rehabilitation an der Universität zu Köln eine wissenschaftliche Studie hierzu durch. Sie richtet sich sowohl an Menschen mit einer HIV-Infektion, die sich am Arbeitsplatz geoutet haben, als auch an solche, die sich nicht geoutet haben. Die Forscherinnen und Forscher interessiert auch die soziale Unterstützung am Arbeitsplatz. Die Befragung dauert etwa 10 bis 15 Minuten und wird anonym durchgeführt. Die erhobenen Daten werden vertraulich behandelt. Erste Ergebnisse stehen ab Februar auf Anfrage bereit. Den Onlinefragebogen finden Sie unter soscisurvey.de.

Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"
Seit dem 6. März 2013 gibt es das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen". Hier finden sowohl von Gewalt betroffene Frauen als auch Fachkräfte aus der Beratung, der Sozialarbeit, aus dem Umfeld der Polizei, aus der Ärzteschaft und aus dem direkten Umfeld der Frauen Unterstützung in Form von Informationen und fallspezifischer Beratung. Ende März 2014 wurde im ersten Jahresbericht des Hilfetelefons ein erstes Fazit daraus vorgestellt. Mehr lesen Sie hier (PDF-Datei).

Unbegründete Ängste und Wissensdefizite in der Altenpflege
Viele in der Altenpflege Beschäftigte sind auf Menschen mit HIV nur unzureichend vorbereitet. Darauf weist die Deutsche AIDS-Hilfe hin. Wie tief Ansteckungsängste und Vorbehalte gegenüber Frauen wie Männern mit HIV noch sitzen, hat die 2014 abgeschlossene Bachelor-Arbeit von Angela Groß-Thebing in Münster zutage gebracht. Ein Großteil der Pflegekräfte hat seine Kenntnisse für die Pflege von Menschen mit HIV als mangelhaft eingeschätzt. Zugleich offenbarten sich sachlich unbegründete Ängste vor einer Ansteckung wie auch enorme Defizite, was den aktuellen medizinischen Wissensstand zu HIV und Aids betrifft. Das befördert Verunsicherung und Angst bei Leitungskräften und Pflegenden und damit auch ihre ablehnende Haltung. Näheres lesen Sie unter blog.aidshilfe.de.

Weltweite Studie zur Situation von Frauen mit HIV veröffentlicht
Der Salamander Trust, eine britische HIV/Aids-Organisation, hat die Ergebnisse einer internationalen Befragung von Frauen mit HIV vorgelegt. Diese sei die bislang größte Befragung zu den Themen sexuelle und Reproduktionsgesundheit sowie den Menschenrechten von Frauen, die mit HIV leben. Sie konnte unter anderem herausarbeiten, dass 89 Prozent der befragten Frauen bereits Gewalt aufgrund ihres Geschlechts erlebt haben oder befürchten müssen. Frauen lassen sich im Umgang mit der eigenen HIV-Diagnose laut der Studie besonders in der Zeit der Schwangerschaft durch die Einstellung und das Verhalten des Gesundheitspersonals beeinflussen. Die Unterstützung durch Lebenspartner, die eigene Community und das Gesundheitspersonal, aber auch durch andere HIV-Positive trage maßgeblich dazu bei, dass die Frauen eine erfüllte Sexualität und eine gesunde Mutterschaft erleben könnten. Die Studie will nicht nur Anstöße und Anregungen für die Überarbeitung der WHO-Leitlinie geben, sondern stellt auch klare Forderungen an Verantwortliche auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. Zu diesen gehört auch die Forderung nach Sicherheit, Unterstützung und Respekt für alle Frauen zu jeder Zeit. Weitere Informationen lesen Sie unter aidshilfe.de.


G E S U N D H E I T

HIV-Report: Die Hepatitis-C-Revolution
Im vergangenen Jahr hat sich bei den Therapiemöglichkeiten der Hepatitis-C viel getan. Mit der Zulassung neuer direkt wirksamer antiretroviraler Medikamente nimmt die Bedeutung der Interferon-Therapie ab. Medizinisch wäre somit heute für viele HCV-Patientinnen und HCV-Patienten eine interferonfreie Therapie möglich. Die derzeit gültigen Behandlungsrichtlinien hinken jedoch der wissenschaftlichen Entwicklung hinterher. Zudem scheinen die hohen Preise der neuen Medikamente einen negativen Einfluss auf das Verschreibungsverhalten von Ärztinnen und Ärzten zu haben. Der neue HIV-Report der Deutschen AIDS-Hilfe stellt die neuen Substanzen zur HCV-Therapie vor und geht auf die aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen ein. Lesen Sie mehr unter hivreport.de.

Sexuelle Gesundheit von Frauen in der Sexarbeit
Die ärztliche Versorgung von Sexarbeiterinnen bedeutet mehr als das Anbieten von STI-Diagnostik und -Therapie. Sie muss das gesamte gynäkologische Spektrum umfassen und gleichzeitig auch die Besonderheiten der Lebenssituation der Frauen berücksichtigen. Mehr zu dem Thema finden Sie hier (PDF-Datei).


T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N


29. bis 31. Januar 2015
Zertifikatslehrgang Sexualpädagogik
Das Institut für Sexualpädagogik bietet von Januar bis November 2015 in Kooperation mit Fachpool zehn Seminareinheiten zu sexueller Gewalt, Prävention und Mediennutzung an. Die erste Einheit findet vom 29. Bis 31. Januar statt. Die Fortbildung richtet sich insbesondere an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Jugendhilfe. Tagungsort ist Herne. Weitere Informationen finden Sie untern isp-dortmund.de.

7. Februar 2015
Letzter Aufruf: HIV-KONTROVERS
Für die Fachtagung HIV-KONTROVERS am 7. Februar 2015 in Düsseldorf können noch letzte Anmeldungen entgegengenommen werden. Die Veranstaltung, die von der Aidshilfe NRW und der Deutschen AIDS-Gesellschaft gemeinsam ausgerichtet wird, steht allen Interessierten offen. Die Teilnahme ist kostenlos. Alle wichtigen Informationen und die Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie unter hivkontrovers.de.

27. Februar 2015
Lesung "Frauenknast"
Am 27. Februar 2015 ist um 19 Uhr eine Autorenlesung mit Karlheinz Keppler, Arzt aus der JVA Vechta im Regenbogencafe der Aidshilfe Köln. Dr. Keppler ist der Arzt, der die Spritzenvergabe in Haft in Deutschland möglich machte. Er hatte über die Auswertung von Krankenakten die hohe Infektionsrate mit Hepatitis im Gefängnis offengelegt. Im Oktober 2014 erschien sein Buch "Frauenknast" über seine langjährige Arbeit in einer der größten Frauenanstalten Deutschlands. Der Bericht gibt einen realistischen Einblick in den Haftalltag mit Frauen. Der Eintritt ist frei.

5. bis 6. März 2015
Kongress Armut und Gesundheit
Der Kongress Armut und Gesundheit ist die bundesweit größte Plattform, die den Zusammenhang von sozialer Lage und Gesundheitschancen thematisiert und Teilnehmende aus den unterschiedlichsten politischen und gesellschaftlichen Bereichen zum fachlichen Austausch an einen Tisch bringt. Unter dem Motto "Gesundheit gemeinsam verantworten" werden zum Kongress Armut und Gesundheit 2015 am 5. und 6. März 2015 in der Technischen Universität Berlin wieder mehr als 2.000 Teilnehmende erwartet. Weitere Informationen sowie das Kongressprogramm, das eine Übersicht aller Workshops, Fachforen und Podiumsdiskussionen bereithält, finden Sie unter armut-und-gesundheit.de.

19.März 2015
Länger leben und älter werden mit HIV
Dank der Fortschritte der Medizin und Therapie leben Menschen mit HIV heute deutlich länger. Was bedeutet dieses längere Leben mit HIV aus medizinischer Sicht? Welche Folgen ergeben sich auf längere Sicht auf Grund der HIV-Infektion, der Therapie und welche auf Grund des all-gemeinen „Älter Werdens“? Welche Organsysteme sind bei älter werdenden HIV-Positiven besonders betroffen? Altern Menschen mit HIV schneller als ohne? Was kann man zur Gesunderhaltung selber tun? Was könnte die Aidshilfe dazu anbieten? Diesen Fragen geht die medizinische Rundreise der Deutschen AIDS-Hilfe nach, zu der die AIDS-Hilfe Düsseldorf einlädt. Weiteres lesen Sie hier (PDF-Datei).

26. bis 29. März 2015
Seminar HIV- und STI-Tests: Beratung und Durchführung
Die dreitägige Veranstaltung der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) findet in der Akademie Schönbrunn statt. Sie dient der praxisorientierten Vermittlung der Inhalte der DAH-Broschüre "HIV- und STI-Tests. Information und Standards 2012/2013". Beraterinnen und Berater aus Aidshilfen, Gesundheitsämtern und anderen Einrichtungen, die HIV-Tests anbieten, sollen in diesem Seminar Praxis und Methoden verschiedener HIV- und STI-Tests kennenlernen und in praktischen Übungen Beratungssituation mit Pre- und Posttestberatung erarbeiten. Anmeldeschluss ist der 12. Februar 2015, detaillierte Informationen sowie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und Anmeldung finden Sie hier (PDF-Datei).

27. bis 29. März 2015
DAH-Veranstaltung HIV/STI-Prävention in der Beratung von Frauen in der Prostitution
Die Veranstaltung in der Akademie Waldschlösschen richtet sich an Beraterinnen und Berater wie Streetworkerinnen und Streetworker, die sich mit dem Thema Sexarbeit befassen. Sie soll in erster Linie den überregionalen Erfahrungsaustausch fördern. Details zu Inhalt und Anmeldung finden Sie hier (PDF-Datei).

10. bis 12. April 2015
Streetwork für Frauen I
Streetwork im Bereich der Sexarbeit wird wesentlich dadurch bestimmt, in welchen Bereichen des Sexgeschäfts man unterwegs ist (in Clubs, auf der Straße) und wer aufgesucht wird (professionelle Sexarbeiterinnen, Gelegenheits- oder Beschaffungsprostituierte, Frauen mit oder ohne deutschen Pass, Minderjährige oder Volljährige). Die Zahl sehr junger Sexarbeiterinnen – sowohl deutscher als auch nichtdeutscher – nimmt seit einigen Jahren zu. Wie sich der Zugang zu den Frauen gestaltet, ist nicht zuletzt durch die Haltung der Streetworkerinnen und ihren Bezug zu Sexualität und Sexarbeit bestimmt. Das zweiteilige Seminar startet mit der Reflexion der eigenen Rolle als Streetworkerin und der eigenen Haltung zu Sexualität und Sexarbeit. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

10. bis 12. April 2015
HIV/Aids und Familiensysteme (Positiv leben mit Kindern)
HIV beeinflusst nicht nur das Leben der Menschen mit HIV selbst, sondern auch das Leben ihrer Angehörigen und Familien. Unser Seminar ermöglicht den Austausch über den Alltag mit dem Virus in der Familie. Zugleich soll es dazu dienen, die Vernetzung zu fördern und Selbsthilfe-Ressourcen zu stärken. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

17. bis 19. April 2015
I. Treffen des Netzwerks Frauen und Aids
Das bundesweite Netzwerk Frauen und Aids der Deutschen AIDS-Hilfe veranstaltet in Neuwied für alle Frauen mit oder ohne HIV-Diagnose, die sich im Bereich Frauen und Aids engagieren wollen, ein Wochenende mit dem Schwerpunktthema "Wie führen wir Selbsthilfestrukturen in die Zukunft?". Details zur Anmeldung und zum Treffen finden Sie hier (PDF-Datei).

14. bis 17. Mai 2015
Bundestreffen von Jugendlichen mit HIV
In Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendliche im Umfeld von HIV/AIDS veranstaltet die Deutsche AIDS-Hilfe 2015 wieder ein bundesweites Treffen für Jugendliche mit HIV. Auf Wunsch der Teilnehmenden der letzten Veranstaltung in 2013 wurde das Treffen 2015 sogar auf vier Tage verlängert. Wir bitten Sie, die Ausschreibung und das Anmeldeformular (PDF-Datei) an interessierte Jugendliche weiterzuleiten oder in Ihren Räumen auszulegen. Für Rückfragen steht Kerstin Mörsch von der Deutschen AIDS-Hilfe gerne zur Verfügung.

September 2015 bis Januar 2017
Weiterbildung Sexualberatung
Das Institut für Sexualpädagogik (isp) bildet seit über 25 Jahren sexualpädagogische Fachkräfte im deutschsprachigen Raum aus. Aufgrund des hohen Interesses hat das isp nun die Weiterbildung Sexualberatung entwickelt. Insgesamt werden acht Seminareinheiten von September 2015 bis Januar 2017 zu Grundlagen der Sexualberatung, Gestaltung von Erstkontakt, Körperarbeit und Selbstreflexion, Sexuelle Entwicklungen, Praxis der Einzel- und Paarberatung, Beratung zu Grenzerfahrungen angeboten. Eine Besonderheit bietet die parallele Begleitung durch ein Online-Beratungstraining. Detaillierte Informationen sowie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und Anmeldung finden Sie unter isp-dortmund.de.


S O N S T I G E S

Ausschreibungen im Landesverband
Ausschreibungen der Aidshilfe NRW, ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.

Der nächste Newsletter erscheint im Februar 2015.
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise, etc. Bitte senden Sie diese bis zum 16. Februar 2015 per Mail an Petra Hielscher.
 
 
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