Nr. 01 | 22. Januar 2015
Liebe Leserinnen und Leser,

das neue Jahr hat aufregend begonnen. Auch uns haben die furchtbaren Ereignisse in der Redaktion von Charlie Hebdo geschockt, die Bilder der Hunderttausenden auf den Pariser Straßen beeindruckt. Wir sehen fassungslos auf die Demonstrationen in Dresden und Leipzig und wissen ganz genau, dass es mit einem verdunkelten Kölner Dom nicht getan ist. Denn auch hier auf den Straßen und Plätzen in NRW meinen manche, Gott sei Dank weit weniger als in Dresden, das Abendland verteidigen zu müssen und im Februar drohen die Besorgten Eltern, Gegner unter anderem der schwul-lesbischen Schulaufklärung, in Köln zu demonstrieren. Verändert sich das politische Klima in Deutschland und wendet sich der Wind gegen unsere Werte? Fakt ist, dass die von Fremdenfeindlichkeit und Homophobie durchsetzte konservative Strömung Stimmung macht gegen das Eintreten für Vielfalt, die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen und die Offenheit für Fremde, wie wir sie in der Aidshilfe von Beginn unserer Arbeit vor 30 Jahren an für unerlässlich halten. Viele ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Mitgliedsorganisationen, die Aktivistinnen und Aktivisten von POSITHIV HANDELN, die Jungs und Männer von Herzenslust, die Frauen von XXelle, Junkies, Ehemalige und Substituierte, Kolleginnen und Kollegen, die für die Aidshilfe in den Knast oder an die Orte, wo Sexarbeit läuft, gehen - sie alle stehen für diese Vielfalt, für die Offenheit und Akzeptanz, die jetzt von Demonstrierenden auf unseren Straßen geleugnet, verspottet oder abgelehnt werden. Viele von uns haben sich in den letzten Wochen an Gegendemonstrationen beteiligt, haben öffentlich diskutiert und diskret beraten und unterstützt. Bleiben wir wach gegenüber dem, was unsere Werte und vor allem die Menschen, für die wir eintreten, bedroht. Bleiben wir offen für Diskussionen und bleiben wir selbstbewusst in dem, was wir tun. Auf ein gutes und erfolgreiches 2015!

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher


VERBAND

Letzter Aufruf: HIV-KONTROVERS am 7. Februar 2015
Für die Fachtagung HIV-KONTROVERS am 7. Februar 2015 in Düsseldorf können noch letzte Anmeldungen entgegengenommen werden. Die Veranstaltung, die von der Aidshilfe NRW und der Deutschen AIDS-Gesellschaft gemeinsam ausgerichtet wird, steht allen Interessierten offen. Die Teilnahme ist kostenlos. Alle wichtigen Informationen und die Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie unter hiv-kontrovers.de.

Michael Jähme bekommt Kompassnadel
Unser Ehrenmitglied Michael Jähme ist neuer Kompassnadelpreisträger des Schwulen Netzwerks NRW. Dies wurde vergangene Woche bekanntgegeben. Er erhält die Auszeichnung gemeinsam mit "heute-show"-Macher Stephan Denzer vom ZDF im Rahmen des gemeinsamen CSD-Empfangs der Aidshilfe NRW und des Schwulen Netzwerks NRW am 4. Juli 2015 im Kölner Gürzenich. Michael Jähme ist seit vielen Jahren haupt- und ehrenamtlich in der Schwulen- und Aidshilfebewegung in NRW aktiv. Seit 2012 versucht er, über die Biografiearbeit mit schwulen Männern deren Bewusstsein für ihren persönlichen Beitrag zur Zeitgeschichte zu stärken. Seit Mitte 2013 führt er im Rahmen der ARCUS-Stiftung Zeitzeugeninterviews durch. Weitere Informationen zu den beiden Preisträgern lesen Sie unter schwules-netzwerk.de.


PRESSE- UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Prof. Dr. Elisabeth Pott neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung
Die Deutsche AIDS-Stiftung hat eine neue Vorstandsvorsitzende. Zum 1. Januar 2015 übernahm die bisherige Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Prof. Dr. Elisabeth Pott ihr neues Amt. Der Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung besteht jetzt aus drei Mitgliedern. Prof. Pott ist neue ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende. Sie folgt auf Dr. Christoph Uleer, der weiterhin ehrenamtliches Vorstandsmitglied ist. Dr. Ulrich Heide bleibt geschäftsführender Vorstand. Weiteres lesen Sie unter ahnrw.de.


MENSCHEN MIT HIV/AIDS

Erfahrungen zum Leben mit HIV am Arbeitsplatz gesucht
Die Frage nach dem Outing des HIV-Status am Arbeitsplatz ist für viele Betroffene ein schwieriges Thema. Um Menschen mit HIV bei diesem Schritt gezielter unterstützen zu können, führen Helen Führer, Markus Paluch und Natalie Pohl im Rahmen ihres Masterstudiums der Prävention und beruflichen Rehabilitation an der Universität zu Köln eine wissenschaftliche Studie hierzu durch. Sie richtet sich sowohl an Menschen mit einer HIV-Infektion, die sich am Arbeitsplatz geoutet haben als auch solche, die sich nicht geoutet haben. Die Forscherinnen und Forscher interessiert auch die soziale Unterstützung am Arbeitsplatz. Die Befragung dauert etwa 10 bis 15 Minuten. Die erhobenen Daten werden anonym und vertraulich behandelt. Die Teilnahme ist anonym. Erste Ergebnisse werden im Februar auf Anfrage bereit stehen. Den Onlinefragebogen finden Sie unter soscisurvey.de.

Bundestreffen von Jugendlichen mit HIV
In Kooperation mit der  Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendliche im Umfeld von HIV/AIDS veranstaltet die Deutsche AIDS-Hilfe 2015 wieder ein bundesweites Treffen für HIV-positive Jugendliche. Auf Wunsch der Jugendlichen des Treffens 2013 ist das Treffen 2015 sogar vier Tage. Wir möchten Sie bitten, die Ausschreibung und das Anmeldeformular (PDF-Datei) an interessierte Jugendliche weiter zu leiten oder in Ihren Räumen auszulegen. Für Rückfragen steht Kerstin Mörsch von der Deutschen AIDS-Hilfe gerne zur Verfügung.

Unbegründete Ängste und Wissensdefizite in der Altenpflege
Viele in der Altenpflege Beschäftigte sind auf Menschen mit HIV nur unzureichend vorbereitet. Darauf weist die Deutsche AIDS-Hilfe hin. Wie tief Ansteckungsängste und Vorbehalte gegenüber HIV-Positiven noch sitzen, hat die 2014 abgeschlossene Bachelor-Arbeit von Angela Groß-Thebing in Münster zutage gebracht. Ein Großteil der Pflegekräfte hat seine Kenntnisse für die Pflege von Menschen mit HIV als mangelhaft eingeschätzt. Zugleich offenbarten sich sachlich unbegründete Ängste vor einer Ansteckung wie auch enorme Defizite, was den aktuellen medizinischen Wissensstand zu HIV und Aids angeht. Das befördert Verunsicherung und Angst bei Leitungskräften und Pflegenden und damit auch ihre ablehnende Haltung. Näheres lesen Sie unter blog.aidshilfe.de.


FRAUEN UND HIV/AIDS

Weltweite Studie zur Situation von Frauen mit HIV veröffentlicht
Der Salamander Trust, eine britische HIV/Aids-Organisation, hat die Ergebnisse einer internationalen Befragung von HIV-positiven Frauen vorgelegt. Diese sei die bislang größte Befragung zu den Themen sexuelle und Reproduktionsgesundheit sowie den Menschenrechten von Frauen, die mit HIV leben. 89 Prozent der befragten Frauen haben bereits Gewalt aufgrund ihres Geschlechts erlebt oder befürchten müssen. Mitentscheidend dafür, wie Frauen mit ihrer HIV-Diagnose umgehen, seien die Einstellung und das Verhalten des Gesundheitspersonals. Dies gelte insbesondere während der Schwangerschaft. Die Unterstützung durch Lebenspartner, die eigene Community und Gesundheitspersonal, aber auch durch andere HIV-Positive trage maßgeblich dazu bei, dass die Frauen eine erfüllte Sexualität und eine gesunde Mutterschaft erleben könnten. Die Studie will nicht nur Anstöße und Anregungen für die Überarbeitung der WHO-Leitlinie geben, sondern stellt auch klare Forderungen an Verantwortliche auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. Zu diesen gehört unter anderem die Forderung nach Sicherheit, Unterstützung und Respekt für alle Frauen zu jeder Zeit. Weitere Informationen lesen Sie unter aidshilfe.de.


SCHWULE PRÄVENTION

Aspirin-Sozialpreis: Abstimmen für Socke und Schuss
Gemeinsam mit knapp 100 anderen gemeinnützigen Projekten hat sich "Socke & Schuss. Mit Herzenslust bis in die Puppen" um den Aspirin-Sozialpreis beworben. Online kann man unter Nennung der eigenen Mailadresse für unser Projekt votieren. Die Abstimmungsseite finden Sie unter aspirin-sozialpreis.de.

Terminliste Herzenslust 2015
Die Termine für das begonnene Jahr stehen fest. Einladungen und Ausschreibungen erfolgen spätestens vier bis sechs Wochen vor Veranstaltungsbeginn. Es ist zu beachten, dass die neuen Trainingsangebote aufgrund von Anmeldezahlen oder Ausschreibung und Konzeption Terminänderungen erfahren können, über die wir in der jeweils aktualisierten Terminliste im Herzenslust-Newsletter informieren. Die Termine finden Sie hier (PDF-Datei). Für Rückfragen zu den einzelnen Terminen und Veranstaltungen stehen Reinhard Klenke und Oliver Schubert gerne zur Verfügung.


DROGEN

RKI: Neue Fälle von Milzbrand bei Heroinkonsum in Nachbarstaaten
Am 7. Januar 2015 informierte das Robert Koch Institut (RKI) über eine mögliche Häufung von Wundbotulismus bei Drogengebrauchenden in Norwegen und Schottland. Dem RKI war Ende Dezember über das europäische Frühwarnsystem (EWRS) bisher ein klinisch diagnostizierter Fall in der Gegend von Oslo bei einem Heroingebraucher bekannt geworden. Zwei weitere Verdachtsfälle in Schottland, ebenfalls bei Heroinkonsum, wurden in ernstem klinischem Zustand stationär aufgenommen. Da der Grund dafür eine kontaminierte Charge Heroin sein kann, sind weitere Fälle auch in anderen Ländern nicht auszuschließen. Weil die Prognose der Infektion durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden kann, ist es wichtig, diese Diagnose rechtzeitig mit zu denken. Informationen über diese Warnung bitte an Ihre Kooperationspartner in Drogenhilfeeinrichtungen, Substitutionspraxen und andere Einrichtungen, die mit Drogenkonsumentinnen und -konsumenten in Kontakt sind. Die Landesstellen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes wurden informiert mit der Bitte um Weitergabe der Informationen an die Kliniken. Klinische Verdachtsfälle sind unverzüglich an das lokale Gesundheitsamt zu melden. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der RKI-Homepage unter rki.de. Für Rückfragen stehen Christina Frank und Ruth Zimmermann gerne zur Verfügung.


STRAFVOLLZUG

Lesung "Frauenknast"
Am 27. Februar 2015 ist um 19 Uhr eine Autorenlesung mit Karlheinz Keppler, Arzt aus der JVA Vechta im Regenbogencafe der Aidshilfe Köln. Dr. Keppler ist der Arzt, der die Spritzenvergabe in Haft in Deutschland möglich machte. Er hatte über die Auswertung von Krankenakten die hohe Infektionsrate mit Hepatitis im Gefängnis offengelegt. Im Oktober 2014 erschien sein Buch "Frauenknast" über seine langjährige Arbeit in einer der größten Frauenanstalten Deutschlands. Der Bericht gibt einen realistischen Einblick in den Haftalltag mit Frauen. Der Eintritt ist frei.


VERSCHIEDENES

HIV-Report: Die Hepatitis-C-Revolution
Im vergangenen Jahr hat sich bei den Therapiemöglichkeiten der Hepatitis-C viel getan. Mit der Zulassung neuer direkt wirksamer antiretroviraler Medikamente nimmt die Bedeutung der Interferon-Therapie ab. Medizinisch wäre somit heute für viele HCV-Patientinnen und HCV-Patienten eine interferonfreie Therapie möglich. Die derzeit gültigen Behandlungsrichtlinien hinken jedoch der wissenschaftlichen Entwicklung hinterher. Zudem scheinen die hohen Preise der neuen Medikamte das Verschreibungsverhalten von Ärztinnen und Ärzten negativ zu beeinflussen. Im neuen HIV-Report der Deutschen AIDS-Hilfe werden die neuen Substanzen zur HCV-Therapie vorgestellt und auf die aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen eingegangen. Den HIV-Report finden Sie unter hivreport.de.

Der Preiskampf bei den Hepatitis-C-Medikamenten geht weiter
Krankenkassen und Hersteller haben sich nicht auf einen Erstattungspreis für das neue Hepatitis-C-Medikament Sovaldi® geeinigt. Bis zum 17. April soll nun ein Schiedsverfahren ein Ergebnis bringen. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ist laut SPIEGEL online zuversichtlich, eine Einigung erreichen zu können. Sovaldi®-Hersteller Gilead dagegen habe sich nicht geäußert. Weitere Informationen finden Sie unter aidshilfe.de.

Kongress Armut und Gesundheit
Der Kongress Armut und Gesundheit ist die bundesweit größte Plattform, die den Zusammenhang von sozialer Lage und Gesundheitschancen thematisiert und Teilnehmende aus den unterschiedlichsten politischen und gesellschaftlichen Bereichen zum fachlichen Austausch zusammenbringt. Unter dem Motto "Gesundheit gemeinsam verantworten" werden zum Kongress Armut und Gesundheit 2015 am 5. und 6. März 2015 in der Technischen Universität Berlin wieder mehr als 2.000 Teilnehmende erwartet. Weitere Informationen sowie das Kongressprogramm, das eine Übersicht aller Workshops, Fachforen und Podiumsdiskussionen bereithält, finden Sie unter armut-und-gesundheit.de.

Weiterbildung Sexualberatung
Das Institut für Sexualpädagogik (isp) bildet seit über 25 Jahren sexualpädagogische Fachkräfte im deutschsprachigen Raum aus. Aufgrund des hohen Interesses und häufiger Nachfragen von Fachkräften hat das isp nun die Weiterbildung Sexualberatung entwickelt. Acht Seminareinheiten von September 2015 bis Januar 2017 zu Grundlagen der Sexualberatung, Gestaltung von Erstkontakt, Körperarbeit und Selbstreflexion, Sexuelle Entwicklungen, Praxis der Einzel- und Paarberatung, Beratung zu Grenzerfahrungen. Eine Besonderheit ist die parallele Begleitung durch ein Online-Beratungstraining. Detaillierte Informationenen sowie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und Anmeldung finden Sie unter isp-dortmund.de.

Ausschreibungen im Landesverband
Ausschreibungen der Aidshilfe NRW, ihrer Mitgliedsorganisationen sowie befreundeter Organisationen finden Sie unter ahnrw.de.


Der nächste Newsletter erscheint Mitte Februar 2015
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese möglichst bald per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de.
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