Nr. 06 | 4. September 2014
Liebe Leserinnen und Leser,

"Niemanden zurücklassen" - So der Titel der "Melbourne Erklärung" der 20. Internationalen Aids-Konferenz Ende Juli in Australien, so auch das Leitmotiv unserer diesjährigen Jahrespressekonferenz am vergangenen Dienstag. Arne Kayser und Patrik Maas stellten heraus, dass auch in NRW Menschenrechte verletzt werden und dass die Diskriminierung von Menschen mit HIV und der am meisten von HIV betroffenen Gruppen gesundheitsschädlich sind. "Akzeptanz und Gleichbehandlung sind für eine effektive HIV-Prävention und den Umgang mit HIV unverzichtbar", so die Kernaussage. Von allen Beispielen für Diskriminierung, die wir aus dem Bereich unserer Zielgruppen vorgestellt hatten, griffen sich die Medienleute die Verweigerung von Gesundheitsdienstleistungen in deutschen Praxen heraus und stellten sie voran. Der WDR berichtete den Nachmittag über in allen Hörfunknachrichten. Und selbst die Rheinische Post, die vor zwei Jahren noch publizierte, die Aidshilfe NRW befürworte Sex ohne Kondom, machte auf mit: "Aidshilfe beklagt Diskriminierung. Vorwurf: Ärzte weisen HIV-Infizierte ab". Dass auf rp-online diese Aussage allerdings mit unsäglichen Kampagnenmotiven der von uns so ungeliebten Stiftung aus Hamburg illustriert wurde, war völlig unnötig. Da war ein gutmeinender Webdesigner offenbar etwas übereifrig am Werk. Nichtdestotrotz freuen wir uns, mit unserer Pressekonferenz ein wichtiges Thema nach vorn gebracht zu haben. Es gilt, hier am Ball zu bleiben und weiterhin mit seriösen Informationen der Diskriminierung von Menschen mit HIV entgegenzuwirken. Denn eine Focus-Schlagzeile allein ändert noch nicht die Verhältnisse.

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher


VERBAND

merk|würdig 2015
Auch im kommenden Jahr wird der Landesvorstand anlässlich des Jahresempfangs (30-jähriges Jubiläum) am 28. April 2014 zwei Menschen aus unseren Reihen mit dem Ehrenamtspreis "merk|würdig" der Aidshilfe NRW auszeichnen. Ab sofort können Sie dem Landesvorstand Vorschläge für "merk|würdige" Menschen unterbreiten, die diesen Preis verdienen. Wir bitten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Mitgliedsorganisationen und uns nahestehende Mitstreiterinnen und Mitstreiter, in Frage kommende Persönlichkeiten für die Preiskategorien "innovativ" und "nachhaltig/langfristig" zu benennen. Alle Vorschläge, die uns bis zum 31. November 2014 schriftlich erreichen, gehen in das diesjährige Verfahren ein. Bitte senden Sie die Vorschläge mit kurzer Begründung, warum die Vorgeschlagenen als Kandidatinnen oder Kandidaten für den Ehrenamtspreis "merk|würdig" in Frage kommen, per E-Mail an markus.schmidt@nrw.aidshilfe.de.

Erinnerung: HIV-KONTROVERS auf den 7. Februar 2015 verschoben
Wie bereits berichtet wurde die für Ende September vorgesehene Konferenz HIV-KONTROVERS auf das kommende Jahr verschoben. Auch die Fachtagung von POSITHIV HANDELN ist mitverschoben worden. Bitte notieren Sie, dass 10 Jahre POSITHIV HANDELN am 6. Februar 2015 und HIV KONTROVERS am 7. Februar 2015 im Düsseldorfer Hotel Intercontinental stattfinden werden.


FUNDRAISING

Seminar: Wege zu erfolgreichem Stiftungsantrag
Frei gemeinnützige Anbieter von Sozialleistungen werden in NRW oftmals ehrenamtlich geführt. Sie unterstützen sozial benachteiligte Familien, halten Wohn- und Betreuungsangebote für Menschen mit Behinderung oder alte Menschen vor. Sie bieten Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche und vieles mehr. Zur Aufrechterhaltung der bestehenden, aber auch im Rahmen der Entwicklung neuer Projekte und Angebote sind diese Organisationen in Zeiten knapper Mittel auf die finanzielle Unterstützung von Stiftungen angewiesen. Nähere Informationen zu Wegen zu einem erfolgreichen Stiftungsantrag lesen Sie unter paritaetische-akademie-nrw.de.

Geld für Ihre Einrichtung - Herbstzeitlose des PARITÄTISCHEN
Viele soziale Einrichtungen leiden unter den staatlichen Kürzungen der Sachkosten. Es fehlen Bastelmaterialien und Spiele; neue Bücher oder ein Ausflug können nicht mehr bezahlt werden. Eigeninitiative ist hier gefragt. Die Lotterie macht Spaß und hilft. Planen Sie für Ihr nächstes Fest einen Losverkauf mit ein! Die Lotterie "Helfen und Gewinnen" wird seit Jahren von der Freien Wohlfahrtpflege durchgeführt und bietet sozialen Einrichtungen aller Art eine gute Möglichkeit, ihre Feste noch attraktiver zu gestalten und gleichzeitig finanzielle Engpässe auszugleichen. Weitere Informationen lesen sie hier (PDF-Datei).


PRESSE- UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Niemanden zurücklassen - Diskriminierung schadet der Gesundheit
Die ausführlichen Presseinformationen mit dem Redetext von Arne Kayser und Patrik Maas, weiterführenden Links, dem vollständigen Text der "Melbourne –Erklärung" sowie Zahlen zum Leistungsprofil der Aidshilfe NRW 2013 finden Sie unter ahnrw.de.

21. Juli 2014: trauern, handeln, fordern
Seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten ist der 21. Juli der Gedenktag für verstorbene Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher. In diesem Jahr lag der Fokus des bundesweiten Protest-, Aktions- und Trauertags auf drei wichtigen Instrumenten, die den Drogentod verhindern und ein menschenwürdiges Überleben ermöglichen können: die Drogenkonsumräume, die Substitution und das Naloxon! Die Aidshilfe NRW hat zusammen mit Vision e.V. und akzeptNRW die Fachveranstaltung “Naloxon rettet Menschenleben - Naloxonvergabe und Drogennotfalltraining für Drogengebraucher“ durchgeführt. Mehr darüber lesen Sie unter vision-ev.de. Weitere öffentliche Beiträge zum Gedenktag in NRW finden sie auch unter radioduisburg.de, aids-initiative-bonn.de, derwesten.de und nw-news.de.


MENSCHEN MIT HIV/AIDS

Paritätischer fordert Ende der Minutenpflege: Expertise belegt chronische Unterfinanzierung der ambulanten Pflege
Die Kosten der ambulanten Pflegedienste werden durch die Leistungsvergütungen nicht gedeckt. Das zeigt eine aktuelle Modellrechnung (PDF-Datei) des Paritätischen Gesamtverbandes. Die Finanzierung der ambulanten Pflege müsse daher künftig nach Zeit und dürfe nicht länger nach Pauschalen und Modulen erfolgen, um den Anreiz zur Verknappung von Einsatzzeiten zu beseitigen. Schließlich sei der Leitgedanke der Menschenwürde – analog zum Sozialhilfegesetz – auch im Pflegeversicherungsgesetz zu verankern. Der Paritätische fordert die Bundesregierung auf, von der geplanten Einrichtung eines Vorsorgefonds in der Pflege Abstand zu nehmen und stattdessen die rund eine Milliarde Euro jährlich in die Aufwertung der Tätigkeit von Pflegediensten zu investieren. Neben der Erhöhung der Vergütungen fordert der Verband eine Erhöhung der Sachleistungsbeträge der ambulanten Pflege, damit Mehrkosten nicht an den Pflegebedürftigen hängen bleiben. Mehr dazu lesen Sie unter der-paritaetische.de.

Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland – Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven (SHILD)
Das Projekt SHILD ist eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte multizentrische Studie zum Stand der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe in Deutschland. Die folgenden Seiten enthalten projektrelevante Informationen für Vertreterinnen und Vertreter der Selbsthilfe und der Selbsthilfeunterstützung, Projektbeteiligte und die interessierte Öffentlichkeit. Design und Methodik des Projekts werden im Sinne eines gemeinschaftlichen Forschungsansatzes kontinuierlich mit den beteiligten Akteuren abgestimmt (Deutsche Arbeitgemeinschaft Selbsthilfegruppen / NAKOS, Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE, PARITÄTISCHER, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen und andere). Angesprochen sind Selbsthilfevereinigungen, Selbsthilfegruppen und Selbsthilfekontakt- und -unterstützungsstellen. Die ersten Ergebnisberichte der SHILD-Umfragen sind online einsehbar unter uke.de.

Jahresbericht der Deutschen AIDS-Stiftung 2013
Im vergangenen Jahr konnte die Deutsche AIDS-Stiftung erneut mehrere Tausend Menschen mit HIV und Aids individuell oder über Projektförderungen unterstützen. Neben den Hilfsaktivitäten informiert der aktuelle Jahresbericht über die Benefiz-Events des vergangenen Jahres und die Verleihung des Medienpreises 2011/2012. Der Bericht steht zum Download unter aids-stiftung.de bereit.


FRAUEN UND HIV/AIDS

Neue DHIVA erschienen
Die Herbst-DHIVA berichtet unter anderem über Migrantinnen mit HIV in Deutschland, die Internationale Aids-Konferenz in Melbourne, Menschen mit Behinderung und Sexualität sowie den STI-Kongress in Berlin und gibt darüber hinaus spannende Buch-Tipps. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Chlamydien: Infektionen bei jungen Frauen am häufigsten
Die Zahl der sexuell übertragbaren Erkrankungen nimmt in Europa weiter zu. Das berichtete das Deutsche Ärzteblatt im Juli. Die mit Abstand häufigste sexuell übertragbare Erkrankung ist die Chlamydien-Infektion. Ein Screening, wie es seit langem gefordert wird, gibt es nur in vier Ländern. Dies erklärt, warum 84 Prozent aller gemeldeten Erkrankungen auf Dänemark, Norwegen, Schweden und Großbritannien entfallen. Das Screening muss junge Frauen erfassen, da die Infektion häufig frühzeitig erfolgt und langfristige Komplikationen nur bei einer rechtzeitigen Therapie verhindert werden können. Leider fehlt in dem Artikel der Hinweis zum kostenlosen Screening für Mädchen und junge Frauen bis zum Alter von 25 Jahren in Deutschland. Den Artikel lesen Sie unter aerzteblatt.de.

BZgA-Frauengesundheitskongress
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) veranstalten am 1. Oktober 2014 in Berlin den Kongress "Frauengesundheit 2014 - aktiv, bewegt, informiert". Frauenspezifische Lebenslagen, Lebensstile und Gesundheitsprobleme erfordern eine auf Frauen und ihren Alltag ausgerichtete Gesundheitsförderung. Vor diesem Hintergrund werden auf dem Kongress aktuelle Daten und Fakten zur Frauengesundheit vorgestellt und Herausforderungen diskutiert. In Vorträgen thematisieren Expertinnen und Experten wie Bewegung die Gesundheit fördert, den frauenspezifischen Umgang mit Medikamenten und was Frauen an Informationen für ihre Gesundheit wollen. Anschließend können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in interaktiven Gesprächen mit der psychischen Gesundheit von Frauen, Familienplanung oder Herzgesundheit auseinandersetzen. Weitere Informationen finden Sie unter frauengesundheitsportal.de.


SCHWULE PRÄVENTION

Vielfalt im Alter
Am 25. September 2014 veranstaltet die Landeskoordination "Senior_innenarbeit für Lesben und Schwule in NRW" im Bochumer Haus der Begegnung einen Fachtag unter dem Titel "Vielfalt im Alter. Lesben und Schwule in der Senior_innenarbeit". Damit ziehen Carolina Brauckmann und Georg Roth nach knapp dreijähriger Projektlaufzeit Zwischenbilanz. Was ist erreicht worden für ältere Lesben und Schwule? Welchen Stellenwert haben gleichgeschlechtliche Lebensformen inzwischen in den Angeboten der Begegnungszentren und Seniorenberatungen? Was muss geschehen, damit Lesben und Schwule frei von Diskriminierung und eingebunden in soziale Netzwerke altern können? Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

Dank und Auszeichnung für Kölner Aktivisten Alfred Schiefer und Ludwig Rubruck
Erstmals in seiner fast 40jährigen Geschichte verlieh unsere Mitgliedsorganisation RUBICON (ehemals Sozialwerk für Lesben und Schwule) die Ehrenmitgliedschaft. Im Rahmen eines  Sommerfestes nahmen Alfred Schiefer (82) und Ludwig Rubruck (84) die Urkunde und zwei eigens angefertigte Anstecknadeln in Empfang. Den beiden schwulen Aktivisten verdankt die Kölner Community weit mehr als legendäre Flohmärkte und Rosa Kulturwochen. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

Statement zur sexuellen Vielfalt und sexualpädagogischen Professionalität
Die Gesellschaft für Sexualpädagogik hat auf die reißerische Berichterstattung zur Sexualpädagogik, die vor einigen Wochen durch die Medien ging, reagiert und ein Statement veröffentlicht. Mit diesem Text werden Grundsätze sexualpädagogischer Professionalität im Umgang mit sexueller Vielfalt benannt, die von den unterzeichnenden Fachorganisationen geteilt werden. Den Text finden Sie unter gsp-ev.de.


YOUTHWORK

Stellenausschreibung der Schwulen Initiative Siegen
Die SIS e.V. bietet ab 1. Oktober 2014 je eine halbe Stelle für eine Sozialarbeiterin sowie eine halbe Stelle für einen Sozialarbeiter im Bereich der offenen lesbischen / schwulen / trans* - Jugendarbeit an. Die Stellen sind geschlechterparitätisch zu besetzen. Die Ausschreibung finden Sie hier (PDF-Datei).

Große Unterstützung für das anyway
Das anyway in Köln freut sich über die große Unterstützung zweier Jungunternehmen, die unsere Mitgliedsorganisation zur Scheckübergabe besucht haben. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).


DROGEN

6. Fachtag und Europäische Konferenz Hepatitis C und Drogengebrauch in Berlin
Am 22. und 23. Oktober 2014 findet in Berlin der 6. Fachtag Hepatitis C und Drogengebrauch statt. Er widmet sich neuen Behandlungs- und Präventionsansätzen und richtet sich an Fachpersonal sowie interessierte Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher. Nähere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei). Die Veranstaltung ist so gelegt, dass im Anschluss die Möglichkeit besteht, auch die Europäische Konferenz "Hepatitis C und Drogengebrauch" am gleichen Tagungs-Ort zu besuchen. Diese Konferenz bietet die Möglichkeit, sich über die Entwicklungen im europäischen Raum zu informieren und Anregungen für die Praxis in Deutschland zu erhalten. Das Programm wird simultan ins Deutsche übersetzt. Nähere Informationen dazu lesen Sie unter conference.hepatitis-c-initiative.eu.

Dokumentation der European Harm Reduction Conference online
Mehr als 700 Expertinnen und Experten kamen vom 7. bis 9. Mai 2014 in Basel auf der 2. Europäischen Konferenz zur Schadenminderung bei Drogenkonsum zusammen, um die neuesten Forschungsergebnisse, die aktuellen Tätigkeitsbereiche sowie die derzeitigen Herausforderungen in der Suchthilfe Europas zu diskutieren. Am ersten Tag lag der Schwerpunkt auf der aktuellen Situation und den Perspektiven für die Weiterentwicklung der Schadensminderung. Der zweite Tag war den innovativen Ansätzen in der Praxis gewidmet. Am dritten Tag wurden Fragen zu den politischen Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit möglichen Reformen der Drogenpolitik behandelt. Nächstes Eckdatum für die weltweite Drogenpolitik wird die UNGASS 2016, die UN-Vollversammlung zu Drogen sein (s. Beitrag Ann Fordham). Die praxisorientierte Konferenz fand neben dem üblichen Personenkreis unter Beteiligung von Drogenusern (bspw. Efi Kokkini, Griechenland), Ex-Geheimdienstpersonal (Annie Machon, London), bis hin zu Personal der Steuerbehörde aus Kalifornien (z.B. Barbara Brohl), statt. Dieses Team war eigens aus den USA angereist, um über die Vorteile und die Machbarkeit der Legalisierung von Cannabis zu berichten. Die Präsentationen und Videos der Konferenz (zum Teil auch in Deutsch) finden Sie unter infodrog.ch.

Online-Dokumentation zu "Zukunftswerkstatt Suchthilfe NRW" erschienen
Die Dokumentation zur Veranstaltung "Zukunftswerkstatt Suchthilfe NRW - Ideen, Visionen und Perspektiven" am 25. Juni 2014 in Mülheim ist auf den Seiten des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen erschienen. Neben den Hauptvorträgen finden Sie dort viele Beiträge aus den Foren sowie eine umfangreiche Fotostrecke. Wer sich nicht nachträglich durch die zahlreichen Folien kämpfen möchte, dem sind die visuellen Protokolle des anwesenden Zeichnerinnen-Teams empfohlen. Insbesondere der Vortrag von Dr. Oliver Bilke-Hentsch über "Das Suchthilfesystem im Wandel - Neue Herausforderungen und zukunftsweisende Strategien" beeindruckte durch seine spritzige Erklärung der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen. Die Online-Dokumentation lesen Sie unter lzg.gc.nrw.de.

Fehlende Zugänge zum Wohnungsmarkt lassen Menschen an ambulant Betreutem Wohnen und Anbieterorganisationen verzweifeln
Die Hindernisse und Barrieren, die Menschen mit Behinderung zu überwinden haben, um die ihnen nach dem Sozialgesetzbuch zustehenden Leistungen zu erhalten (Eingliederungshilfe), sind häufig sehr groß. Auch das Personal im Bereich des ambulant Betreuten Wohnens fragt sich oft, wie viele Fachleistungsstunden aufgrund der Behinderung der einzelnen Menschen und wie viele aufgrund der Behinderung durch die Strukturen in unserer Gesellschaft zu leisten sind. Eindrückliche und erschütternde Beispiele dazu, wie sie täglich an vielen Orten überall im Land vorkommen, lesen Sie im aktuellen Jahresbericht von Vision e.V. auf den Seiten 10 und 16 ff (PDF-Datei).

Videoüberwachte Urinprobeabgabe bei Substitution ist laut Landesdatenschutzbeauftragten NRW verboten
Die videoüberwachte Urinprobeabgabe bei Substitution ist verboten. Zu diesem Schluss kommt der Landesdatenschutzbeauftragte NRW In einem Schreiben an den Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit, das die Handhabung in einer Substitutionspraxis auf der Grundlage des Bundesdatenschutzgesetztes bewertet. Auch die Einwilligung der Patientinnen und Patienten kann nicht als zulässige Grundlage für eine Abweichung in Betracht kommen, da es an der dafür nötigen freien unbeeinflussten Entscheidung mangelt. "Schwerstabhängige Patienten, die wegen ihrer Suchterkrankung einer regelmäßigen Einnahme zumindest des Substitutionspräparates bedürfen und die befürchten müssen, bei Verstößen gegen die Abgabebestimmungen aus der qualifizierten Substitutionsbehandlung ausscheiden zu müssen", werden die Einverständniserklärung kaum freiwillig abgeben. Da es in der Vergangenheit in diesem Zusammenhang immer wieder zu spannungsreichen Situationen kam und es doch verschiedene Wege gibt, dem auszuweichen, hilft diese Klärung hoffentlich dabei, einen würdigeren Umgang in Bezug auf die Abgabebedingungen zu finden. Mehr dazu lesen Sie hier (PDF-Datei).


STRAFVOLLZUG

Aidshilfe NRW besucht Justizvollzugskrankenhaus NRW
In dieser Woche besuchten Arne Kayser und Patrik Maas in Begleitung von Ruth Steffens und Guido Schlimbach das Landesjustizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg an der Ruhr im Kreis Unna. Das Krankenhaus ist seit 1986 in Betrieb und mit 236 Plätzen das größte seiner Art in der Bundesrepublik. Ausgestattet mit den Sicherheitsstandards eines Gefängnisses wird hier die gesundheitliche Versorgung der bis zu 18.000 Inhaftierten des Landes Nordrhein-Westfalen und Gefangener anderer Bundesländer gewährleistet. Insgesamt konnte sich die Aidshilfe NRW vom hohen Standard der medizinischen Versorgung der Inhaftierten überzeugen, der nach Erfahrung unserer Mitgliedsorganisationen, die im Strafvollzug tätig sind, lange nicht in jeder Justizvollzugsanstalt des Landes vorherrscht. Weitere Informationen lesen Sie unter ahnrw.de.

Sachverständigenanhörung begrüßt Entwurf Strafvollzugsgesetz NRW
Die Landesregierung will wie die meisten anderen Bundesländer ein eigenes Strafvollzugsgesetz einführen. Mit dem Gesetzentwurf (landtag.nrw.de) will sie den Anforderungen eines modernen Strafvollzugs gerecht werden. Im Vordergrund soll dabei der Gedanke eines "aktivierenden Strafvollzugs" stehen, "der auf der Grundlage einer sorgfältigen Diagnostik eine auf individuell zugeschnittene Behandlung und Motivierung gerichtete Vollzugsplanung vorsieht und den Grundsatz des 'Forderns und Förderns' in den Mittelpunkt stellt". Vollzugsbegleitende und nachsorgende Angebote sollen zwecks späterer sozialer Eingliederung verzahnt werden. In der Sachverständigenanhörung am 25. Juni 2014 wurde der aktuelle Entwurf der Landesregierung grundsätzlich begrüßt. Abseits der einhelligen Befürwortung führten die Sachverständigen Bedenken wegen vorhandener personeller Ressourcen an. Mehr dazu lesen Sie in Landtag intern auf Seite 23 unter landtag.nrw.de.

Ernüchterung in Bayern: Kondome in Haft
Der Freistaat Bayern hat zwar eine Kondompflicht für Freier erlassen, wenn aber bayerische Inhaftierte Kondome haben wollen, müssen sie beim ärztlichen Dienst einen Meldeschein mit ihrem Anliegen einreichen. "Häftlinge müssen sich also indirekt als schwul outen", erklärt Martin Jautz von der Münchner Aids-Hilfe. Deshalb ist er nicht verwundert, dass zwischen 2005 und 2007 nur 43 Präservative an die bayernweit 13 000 Inhaftierte ausgegeben wurden. Da es aber jährlich schätzungsweise zu über 4000 sexuellen Kontakten in Haft kommt, ist diese Praxis beschämend. Lesen Sie dazu einen Artikel der Bayerischen Staatszeitung únter bayerische-staatszeitung.de.


ARBEITSGEMEINSCHAFT AIDS-PRÄVENTION NRW

Gesundheitsförderung bei Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern
In diesem Jahr wird auf Bundesebene über die Ausrichtung der Überarbeitung des geltenden Prostitutionsgesetzes intensiv diskutiert. Einige votieren in dieser Debatte auch für eine Wiedereinführung der Untersuchungspflicht für Prostituierte. Die Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW sieht in der Wiedereinführung der Untersuchungspflicht keine geeignete Maßnahme, die Verbreitung sexuell übertragbarer Infektionen zu verhindern. Die AG AIDS-Prävention NRW hält es für sachgerechter, die Angebote auf der Grundlage anerkannter Strategien zur HIV- und STI-Prävention weiterzuentwickeln. Die Stellungnahme finden Sie unter aids-nrw.de.


VERSCHIEDENES

Ausbildung Qualitätsmanagementbeauftragte PQ-Sys
Der Aufbaulehrgang vermittelt vertiefende anwendungsbezogene Fachkenntnisse und Fertigkeiten, um das QM-System (QMS) in einer Organisation systematisch aufzubauen oder praxisnah weiterzuentwickeln. Außerdem bereitet er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Prüfung Qualitätsmanagementbeauftragte PQ-Sys® (QMB PQ-Sys®) vor, die direkt im Anschluss an den zweiten Block stattfindet. Weitere Informationen lesen Sie unter paritaetische-akademie-nrw.de.

Fahreignung bei psychiatrischen Erkrankungen und Epilepsie
Fragen zur Fahreignung von Patienten mit psychischen und neurologischen Erkrankungen sind fester Bestandteil im Klinikalltag und stellen die Kolleginnen und Kollegen professions- und abteilungsübergreifend vor zum Teil schwierige Herausforderungen. Auch in der ambulanten Praxis der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte spielt das Thema Fahreignungsberatung insbesondere bei neuropsychiatrischen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Zur Beantwortung und Diskussion dieser und weiterer Fragen veranstaltet die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld ein multiprofessionelles Fachtreffen. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

Abschlusstagung "Interkulturelle Selbsthilfe stärken - Fest der Begegnungen"
Der Name ist Programm: im Fokus steht die Begegnung, der gemeinsame Austausch zur interkulturellen und insbesondere muttersprachlichen Selbsthilfe. Nach sechs Jahren "Modellprojekt Gesundheitsselbsthilfe NRW und Migration" treffen sich Projektverantwortliche, Vertreterinnen und Vertreter der Selbsthilfeunterstützungsstrukturen sowie Gründungspersonen muttersprachlicher Selbsthilfe und berichten über ihre Erfahrungen. Der Bogen wird gespannt von den Erlebnissen und Eindrücken aus der Selbsthilfe vor Ort, über die Erfahrungen in der Zusammenarbeit bis zu den daraus gewonnenen Impulsen und den Perspektiven der interkulturellen Selbsthilfe. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

Empfehlungen des Deutschen Vereins für eine Kooperation sozialer und gesundheitsbezogener Hilfen
Um die Zugänge zu gesundheitlichen Hilfen für wohnungslose Menschen zu verbessern, hat der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge Empfehlungen zur Kooperation sozialer und gesundheitsbezogener Hilfen herausgebracht. Die Empfehlungen umfassen fachliche Hinweise für eine Verbesserung des Zugangs wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen zur gesundheitlichen Regelversorgung. So sollen auf der örtlichen Ebene niedrigschwellige und aufsuchende medizinische Versorgungsmodelle etabliert werden. Die Träger sozialer Hilfen für diesen Personenkreis sollen in bestehende gemeindepsychiatrische Verbünde eingebunden werden. Die Empfehlungen wurden im Arbeitskreis Hilfen für Gefährdete erarbeitet, in den Fachausschüssen Rehabilitation und Teilhabe sowie Sozialpolitik, Soziale Sicherung, Sozialhilfe beraten und am 18. Juni 2014 vom Präsidium des Deutschen Vereins verabschiedet. Mehr dazu lesen Sie hier (PDF-Datei).

"Macht es einfach!"-Kampagne für inklusiven Freiwilligendienst
Die Essener Organisation bezev (Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V.) hat die Kampagne "jetzt-einfach-machen.de" gestartet. Ziel der Kampagne ist es, mehr junge Menschen mit und ohne Behinderung für den internationalen Freiwilligendienst "weltwärts" zu ermutigen. Highlight der Kampagne ist ein Video mit Till und Julia, zwei Freiwillige mit Hör- und Sehbeeinträchtigung, die über ihre außergewöhnlichen Erlebnisse und Herausforderungen während ihres Freiwilligendienstes in Kamerun erzählen. "Macht es einfach!" sagt Till am Ende des Videos und ermutigt so andere junge Menschen, seinem Beispiel zu folgen. Auf der Kampagnenseite jetzt-einfach-machen.de erhalten Interessierte alle wichtigen Informationen zum inklusiven Freiwilligendienst, zum Beispiel welche Unterstützung sie erhalten und wie sie sich bewerben können.

Inzidenzen von HIV, Malaria und Tuberkulose fallen
Die jährlichen Erkrankungsraten der drei häufigen Infektionskrankheiten HIV, Malaria und Tuberkulose gehen weltweit zurück. Trotzdem gibt es weiterhin Defizite bei der Prävention und der Therapie. Das berichtete das Deutsche Ärzteblatt im Juli. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen geht unter anderem hervor, wie effektiv der Kampf gegen die häufigsten Infektionserkrankungen voranschreitet. Im Jahr 2000 legten die Vereinten Nationen im "Millennium Development Goal Six" fest, bis 2015 die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie HIV, Malaria und Tuberkulose zu stoppen und eine Trendumkehr zu bewirken. Für die HIV-Epidemie konnten die Wissenschaftler feststellen, dass seit einem Spitzenwert von 2,8 Millionen Neuinfektionen im Jahr 1997 die Neuerkrankungsrate kontinuierlich auf 1,8 Millionen fiel. Den Artikel lesen Sie unter aerzteblatt.de.

Der nächste Newsletter erscheint Ende Oktober 2014
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis 20. Oktober 2014 per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de.
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