Juni 2014
Liebe Leserinnen und Leser,
die Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids in NRW hat in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe und Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens ihre Solidarität mit den Hebammen zum Ausdruck gebracht und deren Anliegen zur Sicherstellung der Finanzierung der Hebammenarbeit unterstützt. In der Begleitung von Schwangeren mit HIV und ihrer Partner stellen – besonders freiberufliche - Hebammen unverzichtbare Kooperationspartnerinnen dar. Frauen mit HIV gelten als Risikoschwangere, bei denen eine intensive medizinische Betreuung stattfindet, insbesondere um eine Mutter-Kind-Transmission zu verhindern. In dieser häufig mit Sorge um die eigene Gesundheit, die Gesundheit des Kindes und auch Schuldgefühlen geprägten Zeit, stellen Hebammen wichtige Ansprechpartnerinnen für die Frauen dar. Sie vermitteln Normalität, stärken die Körperwahrnehmung und nehmen sich die Zeit, medizinische und geburtshilfliche Fragestellungen zu besprechen sowie deren fachgerechte Umsetzung zu begleiten. Auch in der nachgeburtlichen Zeit stärken sie die Bindung zwischen Mutter und Kind und unterstützen sie beispielsweise bei der medikamentösen Versorgung nach der Geburt eines HIV-exponierten Kindes. Aus diesem Grund forderte die LAG Frauen und HIV/Aids in NRW die Ministerin und den Minister auf, die Arbeit der Hebammen sicherzustellen und baldmöglichst dauerhaft tragfähige Lösungen zu finden, um ihr unverzichtbares Wirken weiterhin zu gewährleisten.
Ihnen allen viel Spaß beim Lesen des Newsletters!

Petra Hielscher
Frauen und Aids
Aidshilfe NRW e.V.


A K T U E L L E S

Ungehinderten Zugang zu Präventionsmaterial für alle Menschen
Mit einer Fachtagung und einem kleinen Festakt feierte die Aidshilfe NRW das "Silberjubiläum" des Spritzenautomatenprojekts NRW. Seit 25 Jahren sind die inzwischen über 100 Automaten im ganzen Land Garanten für einen niedrigschwelligen Zugang zu Präventionsmitteln für Drogen konsumierende Menschen. "Das Projekt", so der stellvertretende Landesvorsitzende Olaf Lonczewski, "festigt ein Konzept und eine Haltung in Aidshilfe, die sich heute als eines der wichtigsten Erfolgsrezepte für Prävention nicht nur im Drogenbereich darstellt: Niedrigschwelligkeit und akzeptierende Arbeit. Lonczewski betonte, der Zugang zu Präventionsmaterialien sei ein Menschenrecht. Die Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW, Martina Hoffmann-Badache, dankte seitens der Landesregierung allen, die sich an der Weiterentwicklung und Umsetzung des Projekts engagieren. Die niedrigschwelligen Hilfsmaßnahmen seien gesundheitspolitischer Schwerpunkt des Landes. "Im Mittelpunkt steht die Reduzierung der HIV-Ansteckungsrisiken durch umfassende an der Lebensrealität der Menschen orientierte Information und Aufklärung zu 'Safer Use'." Das Spritzenautomatenprojekt sei nicht zuletzt ein gelungenes Beispiel für ein erfolgreiches Zusammenwirken von Aids- und Drogenhilfesystem. Auch wenn es bei intravenös Drogenabhängigen - nicht zuletzt als Erfolg der Aidspräventionsmaßnahmen - in den zurückliegenden Jahren zu einem Rückgang der Zahl der HIV-Neuinfektionen gekommen sei, gehörten sie auch heute noch mit schätzungsweise 8 Prozent der gemeldeten HIV-Neuinfektionen zu den Menschen, die von HIV und Aids besonders betroffen sind. Darum sei die Weiterführung und der landesweite Ausbau des Spritzenautomatenprojekts unverzichtbar. Die Rede von Olaf Lonczewski, stellvertretender Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, lesen Sie hier (PDF-Datei). Die Rede von Staatssekretärin Martina Hoffmann-Badache lesen Sie hier (PDF-Datei). Die Redebeiträge und einige Bilder vom Fachtag finden Sie jetzt auch unter saferuse-nrw.de.

CSD-Empfang der Aidshilfe NRW und des schwulen Netzwerks NRW
An diesem Samstag, dem 5. Juli 2014, findet wieder der alljährliche CSD-Empfang des Schwulen Netzwerks NRW und der Aidshilfe NRW von 13:00 bis 15:00 Uhr im Kölner Gürzenich statt, zu dem auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, herzlich eingeladen sind! In diesem Jahr geht die Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW an Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, und an Wulf Thomas, langjähriger Schwulenaktivist aus Duisburg. Anmeldung ist erforderlich mit Namen und ggf. Ihrer Organisation unter anmeldung@csd-empfang-nrw.de.


P O L I T I K

Schutzlücken bei der Strafverfolgung von Vergewaltigungen
Das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR) weist in seinem aktuellen Policy Paper Nr. 24 auf notwendigen menschenrechtlichen Änderungsbedarf im Sexualstrafrecht hin. Die Stellungnahme des DIMR steht im Zusammenhang mit der aktuellen Vorbereitung der Ratifikation der Bundesregierung des Europaratsübereinkommens gegen Gewalt gegen Frauen (Istanbul-Konvention). Das DIMR legt dar, dass zur Umsetzung der Konvention der Tatbestand der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung im deutschen Strafgesetzbuch geändert werden muss. Dies entspricht auch der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Das Policy Papier kann kostenlos von der Homepage des Deutschen Instituts für Menschenrechte heruntergeladen werden unter institut-fuer-menschenrechte.de.

Fachpublikation zu weiblicher Prostitution in Deutschland
Sechs Frauen, die sich wissenschaftlich, verbandlich oder im Rahmen ihrer Tätigkeit in einer Beratungsstelle fachlich mit dem Themenfeld weibliche Prostitution auseinandersetzen, haben eine umfangreiche Veröffentlichung vorgelegt, die zur Versachlichung der Debatte um das Prostitutionsgesetz beitragen soll. Unter dem Titel "Prostitution in Deutschland – Fachliche Betrachtung komplexer Herausforderungen" informieren die Autorinnen, nehmen zu derzeit kontrovers diskutierten Fragen und Themen Stellung und weisen auf wichtige Organisationen und Projekte hin. Die Veröffentlichung "Prostitution in Deutschland – Fachliche Betrachtung komplexer Herausforderungen" finden Sie hier (PDF-Datei).

Aidshilfe NRW berät Bundesregierung
Die Bundesregierung hat sich darauf verständigt, die Ausübung legaler Formen der Sexarbeit besser zu regeln und ein Bündel von Maßnahmen vorzulegen, um Menschenhandel und Zwangsprostitution besser zu bekämpfen. Zugleich ist es ein zentrales gleichstellungspolitisches Anliegen der Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig, die Rechtsgrundlagen zum Schutz von Frauen und Männer in der Sexarbeit entscheidend zu verbessern. Besonders wichtig ist die wirksame gesetzliche Regelung der Sexarbeit. Um auf die Arbeitsbedingungen von Menschen in der Sexarbeit Einfluss nehmen zu können, müssen Prostitutionsstätten und andere Bereiche des Sexgewerbes einer rechtsstaatlichen Kontrolle unterworfen werden. Gleichzeitig geht es darum, Menschenhandel vorzubeugen und besorgniserregende Auswüchse des Prostitutionsgewerbes zu bekämpfen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wird im Ministerium aktuell vorbereitet, wobei die Ministerin frühzeitig die unterschiedlichen fachlichen Sichtweisen, Meinungen und Interessen aller maßgeblichen Akteurinnen und Akteure einbeziehen will. Daher hat Ministerin Schwesig den Sprecher unserer Landesarbeitsgemeinschaft Männliche Prostitution NRW, Markus Willeke aus Essen, gebeten, eine Stellungnahme zu verfassen und an einer Anhörung teilzunehmen, um den Reglungsbedarf und die Zielsetzung für ein Gesetz herauszuarbeiten.


S O Z I A L E S

Positive Begegnungen 2014
Die Konferenz zum Leben mit HIV/Aids "Positive Begegnungen" ist Europas größte Selbsthilfekonferenz. Die Deutsche AIDS-Hilfe veranstaltet sie alle zwei Jahre in Kooperation mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Selbsthilfe-Communities. In diesem Jahr findet sie wieder in Kassel statt. Ein Schwerpunkt der diesjährigen Positiven Begegnungen wird das Thema Diskriminierung sein. Dabei wird es einerseits um Diskriminierungen gehen, die HIV-Positive von außen erfahren, andererseits aber auch um Benachteiligungen und Ausgrenzungen innerhalb der Community. Ein weiteres großes Themenfeld ist die Struktur der Selbsthilfe: Können und wollen sich HIV-Positive die Aidshilfen "zurück erobern"? Welche Modelle zur Partizipation innerhalb der verbandlichen Arbeit gibt es – welche erscheinen sinnvoll und sind verbindlich? Der Bereich "Kriminalisierung" steht ebenfalls auf dem Programm, in einer Podiumsdiskussion erörtern Expertinnen und Experten aus den Bereichen Medizin, Justiz, des Nationalen AIDS-Beirats etc. Möglichkeiten für eine bessere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure in Bezug auf die Entkriminalisierung der HIV-Exposition und die Übertragung. Auf das Jugendprogramm hatten wir bereits im letzten Newsletter hingewiesen. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Onlineanmeldung finden Sie unter aidshilfe.de.

Vertrauliche Geburt
Am 1. Mai 2014 trat das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt in Kraft. Schwangere in Not haben die Möglichkeit, ihr Kind sicher - und auf Wunsch vertraulich - in einer Klinik oder bei einer Hebamme auf die Welt zu bringen. Als anonyme Anlaufstelle wurde das Hilfetelefon "Schwangere in Not" vom Bund eingerichtet. Es bietet unter der Nummer 0800 40 40 020 kostenlose und qualifizierte Erstberatung. Es ist barrierefrei, mehrsprachig und vermittelt als 24-Stunden-Lotse rund um die Uhr an Beratungsstellen vor Ort. Mit der vertraulichen Geburt wurde ein medizinisch sicheres Angebot für Frauen geschaffen, die ihre Schwangerschaft geheim halten wollen oder müssen. Sie sichert ihnen für die Dauer von 16 Jahren völlige Anonymität zu, danach kann ausschließlich das Kind Einsicht in seine Herkunft erhalten. Die neuen Regelungen zur vertraulichen Geburt sehen ein zweistufiges Verfahren vor. Zunächst bieten die Schwangerschaftsberatungsstellen umfassende Hilfen und Beratung zur Lösung des Konflikts an, der den Wunsch nach Anonymität bedingt hat. Erst wenn feststeht, dass sich die Frau trotz guter Hilfsangebote nicht offenbaren möchte, wird sie auf einer zweiten Stufe zur vertraulichen Geburt beraten. Die Internetseite geburt-vertraulich.de informiert Frauen umfassend über die neuen und die bestehenden Hilfsangebote für Schwangere. Ab 1. Oktober 2014 erhalten Schwangere hier zudem das Angebot einer anonymen Online-Beratung. Ausführliche Informationen über die neuen Regelungen und Hilfen enthält auch die Broschüre "Die vertrauliche Geburt" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Weitere Informationen unter bmfsfj.de.

Leitlinien für Gesundheit zum Umgang mit sexueller Gewalt
Vor einem Jahr hat die WHO evidenzbasierte Leitlinien für Gesundheitsversorgung und Gesundheitspolitik zum Umgang mit Gewalt in Paarbeziehungen und mit sexueller Gewalt veröffentlicht. S.I.G.N.A.L. e.V. hat nun mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend eine deutsche Fassung der Leitlinien vorgelegt. Die Empfehlungen der WHO sollen so noch besser verbreitet werden und für die praktische und politische Weiterentwicklung der Intervention und Prävention bei häuslicher und sexueller Gewalt im Rahmen der Gesundheitsversorgung nutzbar gemacht werden. Die deutsche Übersetzung der Empfehlung finden Sie unter signal-intervention.de.


G E S U N D H E I T

Tuberkulose-Manifest
Ein Drittel der Weltbevölkerung ist nach Schätzungen der WHO mit Tuberkulose-Bakterien infiziert. TB verbreitet sich über die Luft, wenn infizierte Personen husten oder niesen. Aber nicht jede infizierte Person erkrankt an TB. Die Krankheit befällt meist die Lungen, zu den Symptomen gehören hartnäckiger Husten, Fieber, Gewichtsverlust, Brustschmerzen sowie Atemnot. Die Häufigkeit von TB-Neuerkrankungen ist unter Menschen mit HIV höher, Tuberkulose ist für den Tod eines Viertels von ihnen verantwortlich. Wenn Patientinnen und Patienten resistent gegen zwei der wirkungsvollsten Antibiotika der ersten Therapielinie sind, gelten sie als multiresistente TB-Fälle. Es ist zwar nicht unmöglich, MDR-TB zu behandeln, aber die medikamentöse Therapie ist sehr unangenehm, dauert bis zu zwei Jahre und verursacht viele Nebenwirkungen. Von einer extrem resistenten Tuberkulose (XDR-TB) wird dann gesprochen, wenn der Patient neben der MDR-TB auch eine Resistenz gegen die Medikamente der zweiten Therapielinie entwickelt. Die Möglichkeiten einer Behandlung von XDR-TB sind beschränkt. Menschen mit resistenter TB und diejenigen, die sie behandeln, sind alarmiert und verlangen den sofortigen allgemeinen Zugang zu Diagnosen und Behandlung von resistenter TB. Mehr dazu lesen Sie unter tb-manifest.aerzte-ohne-grenzen.de.
 

T E R M I N E  /  F O R T B I L D U N G E N

3. Juli 2014
Selbstbestimmung und Gesundheit von Frauen - vom hohen Gut zum Werbeslogan?
Das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit feiert an diesem Donnerstag sein 20-jähriges Jubiläum mit einer Fachtagung. Unter dem Titel "Selbstbestimmung und Gesundheit von Frauen - vom hohen Gut zum Werbeslogan?" wird es um die Bedeutungsveränderungen gehen, denen der Begriff der Selbstbestimmung unterworfen wurde. Die kritische Reflektion des Selbstbestimmungsbegriffes wird am Beispiel der reproduktiven Gesundheit und der körperliche Selbstoptimierung verdeutlicht. Aktuelle Diskurse, wie etwa die Abgabemodalitäten der "Pille danach", werden aufgegriffen. Auch wenn es kurzfristig ist, Programm und Anmeldung sind unter nationales-netzwerk-frauengesundheit.de abrufbar.

1. - 3. August 2014
Kunsttherapie und Yoga für Menschen mit HIV
POSITHIV HANDELN NRW lädt HIV-positive Frauen und Männer aus NRW zu einem Wochenende in Hattingen ein. Nur für mich – ist diesmal das Motto. Alles was gut tut, bedeutet mehr Lebensqualität. Neben der körperlichen Gesundheit sollte auch das geistige Gleichgewicht stimmen, wenn man mit HIV lebt. Mit dem kunsttherapeutischen Angebot von Regine Merz werden kreative Kräfte geweckt und gefördert. Spielerisch und ohne Leistungsgedanken im Kopf können beim Malen innere Bilder ihren Ausdruck finden. Ergänzend dazu bietet Yoga mit Walter Dippe die Möglichkeit, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter ahnrw.de.

18. und 19. September 2014
Seminar: Interkulturelle Sensibilisierung
Interkulturelle Kompetenzen sind angesichts der Zusammensetzung unserer Gesellschaft auch in den Mädchen- und Frauenberatungsstellen sowie in den Frauenhäusern gefragt. Dieser Bereich erfordert ohnehin besondere Sensibilität der Mitarbeiterinnen gegenüber den Frauen und Mädchen, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden. Diesen zu begegnen setzt viel Professionalität voraus und stellt Mitarbeiterinnen in Situationen, die interkulturelle Kompetenzen verlangen, vor neue Herausforderungen. Speziell für Mitarbeiterinnen in diesem Bereich bietet die Paritätische Akademie NRW in Kooperation mit dem Fachgebiet Frauen- und Mädchenorganisationen ein interkulturelles Sensibilisierungstraining an. Weiteres lesen Sie unter paritaetische-akademie-nrw.de.

27. September 2014
Run of Colours
Die Promotionteams der Aidshilfe Köln haben bereits die Laufschuhe geschnürt und werden in den kommenden Wochen bei diversen Laufveranstaltungen für das bunte Event werben. Weitere Informationen zum Lauf und Registrierungsstart finden Sie unter aidshilfe-koeln.de.


S O N S T I G E S

Der nächste Newsletter erscheint im August 2014 als Doppelnummer.
Ich freue mich über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese bis zum 4. August per Mail an Petra Hielscher.
 
 
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