Nr. 11 vom 10. Juli 2013
CSD-Empfang und CSD-Parade in Köln am 6. und 7. Juli 2013 - Fotos: Aidshilfe NRW

Liebe Leserinnen und Leser,

"Es war nicht alles richtig, was wir damals geschrieben haben, und es war nicht alles gut. Es gab falsche Prognosen, es gab nicht nur zugespitzte Darstellungen, sondern auch verletzende Worte und ich kann nur ahnen, was für Verletzungen wir hervorgerufen haben. Ohne es zu wollen, ohne jede Absicht, aber wir haben diese Verletzungen hervorgerufen. Und ich will Ihnen sagen, das bedauere ich. Ich bedaure das zutiefst." Für die einen waren es die erlösenden Worte an diesem Mittag des 6. Juli 2013 im Kölner Gürzenich, gesprochen von Dr. Markus Verbeet, stellvertretender Deutschlandressortchef des SPIEGEL, der die Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW für seine Kolleginnen und Kollegen der Print- und Online-Redaktionen des Nachrichtenmagazins entgegennahm. Andere hätten sich mehr erwartet, waren sie doch trotz der massiven Kritik, unter anderem unseres Bundesverbands, der Deutschen AIDS-Hilfe, und des Vorjahrespreisträgers Martin Danneker, die den CSD-Empfang daraufhin boykottierten, nach Köln gekommen, um zu hören, was Verbeet zu sagen hatte. Worte des Bedauerns eines relativ jungen Journalisten (Jahrgang 1972), der sehr genau wusste, wovon er sprach. Hunderte von SPIEGEL-Berichten seit den Siebzigerjahren über Homosexualität hatte er geprüft, darunter viele über HIV und Aids, allein 18 Titelgeschichten. Unser Landesvorsitzende Arne Kayser hatte in seiner Rede bereits darauf hingewiesen, dass die Redakteure, die die verletzenden Artikel seinerzeit verantwortet hatten, heute nicht mehr beim SPIEGEL arbeiten, dass ihre viel jüngeren Nachfolgerinnen und Nachfolger kaum für sie um Entschuldigung bitten könnten. Doch auch der Laudator, Aidsaktivist Marcel Dams, der den Wandel zu einer positiveren Berichterstattung beschrieb und hervorhob, fand, es sei Zeit für eine längst überfällige Entschuldigung, am besten am Ort des Geschehens – im Blatt. Es sei ein wichtiges Zeichen der Versöhnung. Und er appellierte an die Kritiker der Preisverleihung, ihren Boykott aufzugeben. Was wir brauchen, sei Aufarbeitung und Verständnis, denn der SPIEGEL habe sich gewandelt. Die beiden Veranstalter, das Schwule Netzwerk, das einmal mehr verdeutlichen konnte, warum es dem SPIEGEL den Preis zuerkannt hat, und die Aidshilfe NRW, die ihre kritische Haltung zur Preisverleihung an SPIEGEL und SPIEGEL Online aufrechthielt, erfuhren viel Zustimmung der circa 600 Besucherinnen und Besucher. Auch Dr. Verbeet hatte Mühe, bis zum Schluss der Veranstaltung mit allen zu sprechen, die ihm ein persönliches Feedback geben wollten. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Kompassnadel nicht nur Anerkennung und Dank für bereits Geleistetes, sondern auch Ermutigung und Ansporn ausdrücken sollte. Es wird sich zeigen, wie der SPIEGEL in den nächsten Wochen öffentlich auf die Ehrung reagieren wird. Die Aidshilfe NRW und all unsere Partner auf Bundes- und Landesebene und in den Kommunen sind auf die kritische Berichterstattung, die begleitende Informationsvermittlung und den klugen Kommentar der Medien, auch des SPIEGEL angewiesen. Unser Verband hat, trotz einiger gegenläufiger Stimmen in der Öffentlichkeit, klare Haltung gezeigt: Dialog statt Verweigerung. Daran werden wir auch zukünftig nichts ändern.

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher


VERBAND

CSD-Empfang der Aidshilfe NRW und des Schwulen Netzwerks NRW
"Wer im absoluten Widerspruch zu unseren Zielen und Grundwerten steht, neben der Gleichstellung von Schwulen und Lesben die Durchsetzung der Menschenrechte und die Ablehnung von Homophobie und Fremdenfeindlichkeit, der hat in unseren Reihen nichts zu suchen!" So äußerte sich Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, zu Beginn des CSD-Empfangs des Schwulen Netzwerks NRW und der Aidshilfe und beglückwünschte die Veranstalter des ColognePride, durch ihre besonnene und kluge Vorgehensweise, die Vereinnahmung der CSD-Parade durch Rechtsextreme verhindert zu haben. Beide Landesverbände hatten den Protest des Kölner Lesben- und Schwulentags unterstützt, die Vorstände dokumentierten mit einem einheitlichen T-Shirt und entsprechendem Motiv, dass Nazis beim CSD nicht geduldet sind. Die Pressemappe der Veranstaltung finden Sie hier (PDF-Datei).

Spektakulärer Auftritt der "Cruising Sailors" von Herzenslust und "POSITHIV? RESPEKT!" von POSITHIV HANDELN
Mit insgesamt unübertroffenen weit über 200 Leuten waren Herzenslust und POSITHIV HANDELN am Sonntag in der Kölner CSD-Parade unterwegs! Etwa 120 schwule Männer legten an der Deutzer Freiheit als Cruising Sailors unter dem Motto "Junge, komm bald wieder!" zu ihrer Jungfernfahrt ab. Mit sensationellen 200, hauptsächlich HIV-positiven Männern und Frauen trat POSITHIV HANDELN NRW auf der Parade an die Öffentlichkeit. Unter dem Motto "POSITIV? RESPEKT!" demonstrierten sie gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung und für Solidarität mit den Menschen mit HIV. Für einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es das erste Mal, sich öffentlich als HIV-positiv zu zeigen, umso mehr Gewicht hatte dieser Auftritt in der Parade. Mehr dazu lesen Sie hier.

Das ZSP-Antragsverfahren 2014
Wie in den Vorjahren wird auch in diesem Jahr die Antragstellung komplett online abgewickelt werden. Für das Jahr 2014 gehen wir davon aus, dass vom Ministerium für Emanzipation, Gesundheit, Pflege und Alter eine Förderung zur Zielgruppenspezifischen Prävention in Höhe der Vorjahre zur Verfügung gestellt werden kann. Bevor das Online-Formular genutzt und der Antrag gestellt werden kann, muss vorab ein Termin zur fachlichen Beratung mit den jeweiligen Fachmitarbeiterinnen oder Mitarbeitern der Landesgeschäftsstelle vereinbart werden. Das Onlineformular für die Terminvereinbarung finden Sie unter ahnrw.de.


ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING

:info 2/2013 der AIDS-Hilfe Düsseldorf
Das neue Info-Heft liegt vor, unter anderem mit Berichten über die Unterstützung durch den MAC Aids Fund und die Schaffrath-Stiftung, über den HIV-Test für den Hausgebrauch, den neuen Patientenbeauftragten für NRW, Dirk Meyer, die CSD-Aktion 2013 "Positiv? Respekt!", den Nationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende und das Sommerfest der AIDS-Hilfe Düsseldorf. Das Heft finden Sie hier (PDF-Datei).


LEBEN MIT HIV

Patientenbeauftragter NRW zu Gast in der Landesgeschäftsstelle
Die flächendeckende, bedarfsgerechte und leicht zugängliche Gesundheitsversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von Geschlecht, sozialem Status, Alter, sexueller Identität oder Herkunft, ist ein zentrales Ziel der Gesundheitspolitik in Nordrhein-Westfalen. Zur Erleichterung der Zugänge zu den vorhandenen Beratungsangeboten und um Aufschluss über Lücken im Versorgungssystem zu erhalten, hat die Landesregierung den Patientenbeauftragten bestellt. Zu seinen Aufgaben zählt, Beschwerden aus NRW zu bündeln und Patientinnen, Patienten sowie ihren Angehörigen Rat und Unterstützung bei der Lösung ihrer Probleme zur Verfügung zu stellen. Am 28. Juni 2013 besuchte der neue Patientenbeauftragte Dirk Meyer die Landesgeschäftsstelle. Aufgrund der langjährigen Erfahrungen des Landesverbandes mit Gesundheitsversorgung in Haft lag der Schwerpunkt auf Verbesserungsmöglichkeiten der Situation von Gefangenen. In diesem Zusammenhang wurde vereinbart, Berichte aus Aidshilfebezügen über entsprechende Versorgungslücken bei ihm zusammenzutragen. Kontaktadresse info@patientenbeauftragter.nrw.de. Darüber hinaus können kritische Ereignisse und Beinaheschäden unter cirs-nrw.de aufgenommen werden, um die Ursachen für diese Ereignisse aufzuklären und künftig Schäden von der Patientinnen und Patienten abzuwenden.


SCHWULE

CSD-Bericht des WDR, Sendung vom 7. Juli 2013
Die Christopher-Street-Day-Parade am Sonntag in Köln ist an so vielen Zuschauern vorbeigezogen wie noch nie. Eine Million Besucher schauten den 86 Gruppen zu, wie sie bunt und laut Gleichberechtigung einforderten. Aber im Laufe des Wochenendes gab es noch mehr denk- und merkwürdige Termine, über die der WDR am späten Sonntagabend berichtete, unter anderem natürlich auch den CSD-Empfang des Schwulen Netzwerks und der Aidshilfe NRW. Wer die Sendung von Oliver Bätz und André Schäfer verpasst hat, kann sie noch im Laufe dieser Woche in der Mediathek des WDR unter wdr.de nachsehen.


DROGEN

Unterstützen, nicht bestrafen! – Aufruf internationaler Präventionsaktivistinnen und Aktivisten zum Weltdrogentag
Am 26. Juni war "Weltdrogentag" (siehe News der Aidshilfe NRW). Menschen, die Drogen intravenös konsumieren, haben ein erhöhtes HIV-Risiko. Anlass für die "International HIV/AIDS Alliance", mit ihrem Projekt "Community Action on Harm Reduction" Regierungen dazu aufzufordern, die Kriminalisierung von Drogenkonsum zu beenden und Gesetze zu reformieren, die effektive HIV-Prävention unter Drogen gebrauchenden Menschen behindern. Weltweit konsumieren 11 bis 21 Millionen Menschen Drogen intravenös. In Ländern Osteuropas und Zentralasiens sind bis zu 80 Prozent mit HIV infiziert. Mehr dazu lesen Sie im Blog der Deutschen AIDS-Hilfe unter aidshilfe.de.

Bestandsaufnahme zur Substitutionsbehandlung in Deutschland 2013
Anlässlich der Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages zur Substitutionsbehandlung am 5. Juni 2013, der Frühjahrskonferenz der Länderjustizminister am 12. und 13.Juni 2013 und der Gesundheitsministerkonferenz der Länder am 26. und 27.Juni 2013 legt der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS) eine Bestandsaufnahme zu 25 Jahren Substitutionsbehandlung vor. "Nach einem Vierteljahrhundert Substitutionsbehandlung in Deutschland sind die Ergebnisse und Erfolge so offenkundig wie in allen Ländern, in denen mit dem Aufkommen der HIV-Epidemie die Verschreibung von Opiaten/Opioiden zur Behandlung der ersten Wahl bei Suchterkrankten wurde. Die Grundlagen sind weltweit gleich: Die Erkrankung fordert einen hochspezifischen Behandlungsbedarf, die Patientinnen und Patienten sind multimorbid chronisch krank und stabile Abstinenz ist im langfristigen Verlauf ein seltenes Phänomen und mit bedeutsamen Risiken (Tod, Abbruch) assoziiert." Dies und mehr interessante Zusammenhänge lesen sie hier (PDF-Datei). Die Ausschusssitzung im Bundestag (68 Min.) sehen Sie unter bundestag.de.

Veranstaltungshinweis des Seminarwerk AIDS in Aachen: Partydrogen in der HIV-Szene
Partykultur und Drogenkonsum sind seit je her in subkulturellen Zusammenhängen eng miteinander verbunden. In den letzten Jahren tauchen regelmäßig neue Designerdrogen auf, die Ähnlichkeit mit klassischen Substanzen wie Amphetaminen, Ecstasy oder LSD haben und hauptsächlich über das Internet vertrieben werden. Durch die veränderten Bedingungen entwickeln sich neue Verhaltensmuster. Gleichzeitig verbreitet sich das Interesse auch außerhalb der Szene in breitere Bevölkerungsschichten. Das Seminarwerk AIDS in Aachen bietet dazu am 18. Juli 2013 einen Vortrag an, der Einblick in die Wirkungsweise verschiedener Substanzen gewährt. Mehr dazu lesen Sie unter seminarwerk-aids.de.


STRAFVOLLZUG

Gemeinsame Erklärung zum 21. Juli 2013: Einforderung von Mindeststandrads für bei der Gesundheitsversorgung in Haft
Für Gefangene hat der Staat die direkte Gewähr der Gesundheitsversorgung. Ein Anspruch, der auf den Menschenrechten basiert, tatsächlich in Deutschland jedoch äußerst unterschiedliche Umsetzung erfährt. Immer wieder erleben gerade Unterstützer und Unterstützerinnen aus Aidshilfebezügen, dass von den Standards abgewichen wird, die "draußen" gelten. Dabei darf der Entzug der Freiheit kein Anlass sein, Abstriche in der Gesundheitsversorgung zu machen. Resozialisierung beginnt beim Umgang mit den Gefangenen. "Eine in Freiheit begonnene medizinische Behandlung (unter anderem Substitution) muss übergangslos fortgeführt werden“ ist daher auch eine der zentralen Forderungen der Allianz aus dem Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit, dem Landesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit NRW, dem JES Bundesverband, dem Landesverband JES NRW, der Deutschen AIDS-Hilfe, der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin und des akzept-Bundesverbandes für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik zum diesjährigen Drogentotengedenktag. Doch sie fordern noch mehr und halten sich dabei an die „Genfer Erklärung von 2012 zur Gesundheitsversorgung in Haft". Mehr zu den aktuellen Forderungen lesen Sie hier (PDF-Datei).

Zweck und Zielsetzung einer heroingestützten Behandlung im Strafvollzug
"Die heroingestützten Behandlung in der geschlossenen Lebenswelt einer Strafanstalt ermöglicht eine intensivere und in Teilen sozialpädagogisch ausgerichtete Arbeit mit Drogenabhängigen. Behandlungsziele sind: Abstinenz von illegalen Suchtmitteln, Stabilisierung im psychischen, gesundheitlichen und sozialen Bereich, Verzicht auf Fortsetzung von risikoreichem Suchtmittelkonsum, Distanzierung von der Drogenszene und der illegalen Suchtmittelbeschaffung, Ausstieg aus der Drogenkriminalität, Reduktion von sozial auffälligem Verhalten und damit eine verbesserte Reintegrationsmöglichkeit in die Gesellschaft und günstige Legalprognose nach dem Strafvollzug." Die Schweiz arbeitet mit dieser Methode schon seit über 20 Jahren. Mehr über die ganz praktischen Rahmenbedingungen dazu können Sie im Schweizer Informationsportal von Infodrog zu Sucht, Drogen, Prävention und Hilfe finden unter infoset.ch sowie im Portal des Kantons Graubünden unter gr.ch.


SONSTIGES

Der nächste Newsletter erscheint am 24. Juli 2013
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 23. Juli 2013.
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