Nr. 18 vom 4. Oktober 2012
HIV-KONTROVERS am 29. Septmeber 2012 in Köln

Liebe Leserinnen und Leser,


am vergangenen Samstag trafen sich in Köln rund 170 Menschen aus allen Bereichen der Aidsarbeit, aus Selbsthilfe und Medizin, zu HIV-KONTROVERS 2012. Die acht hochqualifizierten Diskussionen waren nahezu bis auf den letzten Platz besucht, zum Teil musste das Publikum stehen. Spannend auch für Nichtmediziner war beispielsweise der Disput zwischen den Professoren Behrens und Stellbrink über die absehbaren Heilungschancen bei HIV. In dieser Kontroverse traten sowohl die realistischen Möglichkeiten zutage, die sich der medizinischen Forschung zur Bekämpfung des HI-Virus böten, als auch der Aufwand für die forschenden Institutionen, die individuellen Beeinträchtigungen für Patientinnen und Patienten sowie die Perspektiven, die mit einer möglichen Heilung verbunden wären. Auch darüber, ob die Tatsache, dass Menschen mit HIV unter der Nachweisgrenze nicht mehr infektiös sind, als Botschaft für Präventionskampagnen dienen könnte, wurde gestritten. Während unsere Bundesgeschäftsführerin Silke Klumb für eine breite Aufklärung plädierte, wodurch alle in die Lage versetzt werden, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen und die für sie passende Schutzmethode auszuwählen, beharrte Dr. Heinrich Rasokat beharrte aber auf der Propagierung von Kondomen, die zu 60 Prozent vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützten, weshalb auf sie nicht verzichtet werden könne. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr die Diskussion über die strafrechtliche Bewertung von HIV-Übertragungen in Deutschland. Rechtsanwalt Jacob Hösl monierte die auf völlig veralteten Grundlagen basierende Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs von 1988, die immer noch als Rechtsgrundlage aktueller Urteile herangezogen werde. Oberstaatsanwältin Margarete Heymann aus Köln vertrat dagegen die Meinung, dass auch die Übertragung anderer schwerwiegender STI in gleichem Maße strafrechtlich beurteilt würde. Dem widersprach Hösl. Heymann machte deutlich, dass wissenschaftliche Entwicklungen in vielen Fällen über Gutachten in Verfahren einfließen, die angefragten Beurteilungen zur Infektiösität aber nicht einig seien. Andererseits forderte sie die anwesenden Vertreterinnen und Vertretern aus Medizin und Aidshilfe auf, sich in die Diskussion einzuschalten, da Juristinnen und Juristen schließlich auch diskussionsfreudig seien und durchaus sensibel auf aktuelle Entwicklungen reagieren könnten. Kurzum: Auch die dritte Auflage von HIV-KONTROVERS hat gezeigt, dass der konstruktive Dialog die zielgruppennahe Prävention und die patientenorientierte Behandlung weiterbringt. Unser Dank gilt in erster Linie unserer Partnerin, der Deutschen AIDS-Gesellschaft, den Sponsoren und allen, die zum Zusatndekommen dieses spannenden Tages beigetragen haben.

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher


VERBAND / LOBBY

HIV-KONTROVERS 2012
Rund 170 Expertinnen und Experten trafen sich in Köln zur 3. Fachtagung HIV-KONTROVERS. Veranstalterinnen waren die Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) und die AIDS-Hilfe NRW. Vertreterinnen und Vertreter aus Aidshilfe, Positiven-Selbsthilfe, Prävention, Medizin, öffentlichem Gesundheitswesen, ambulanter und stationärer Versorgung, Politik und Verwaltung sowie Menschen mit HIV aus ganz Nordrhein-Westfalen diskutieren kontrovers über medizinische und soziale Fragen zum Leben mit HIV.

merk|würdig 2013
Auch im kommenden Jahr wird der Landesvorstand anlässlich des Jahresempfangs am 25. April 2013 zwei Menschen aus unseren Reihen mit dem Ehrenamtspreis "merk|würdig" der AIDS-Hilfe NRW auszeichnen. Ab sofort können Sie dem Landesvorstand Vorschläge für "merk|würdige" Menschen unterbreiten, die diesen Preis verdienen. Wir bitten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Mitgliedsorganisationen und uns nahestehende Mitstreiterinnen und Mitstreiter, in Frage kommende Persönlichkeiten für die Preiskategorien "innovativ" und "nachhaltig/langfristig" zu benennen. Alle Vorschläge, die uns bis zum 1. Dezember 2012 schriftlich erreichen, gehen in das diesjährige Verfahren ein. Bitte senden Sie die Vorschläge mit kurzer Begründung, warum die Vorgeschlagenen als Kandidatinnen oder Kandidaten für den Ehrenamtspreis "merk|würdig" in Frage kommen, per E-Mail an markus.schmidt@nrw.aidshilfe.de.


ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING

Aidshilfe trauert um Dirk Bach
Dirk Bach war seit mehr als 20 Jahre ein großartiger Unterstützer der Arbeit der Kölner Aidshilfe und setzte sich beispielhaft gegen Stigmatisierung und Diskriminierung auch von Menschen mit HIV und Aids ein. Er war nicht nur Ehrenmitglied und im Beirat der Aidshilfe Köln, sondern auch der größte Zustifter der Lebenshaus-Stiftung. Dirk Bach schaffte es auf seine kreative, kluge und liebenswürdige Weise immer wieder, Menschen miteinander zu verbinden, um gemeinsam für Gleichberechtigung und Menschenrechte einzutreten. Der AIDS-Hilfe NRW war Dirk Bach durch seine Mitwirkung am Kick-Off von Herzenslust im Jahr 1995 verbunden. Gemeinsam u.a. mit Georg Roth und Volker Beck hob er als Herzenslust-Botschafter das landesweite Präventionsprojekt für schwule Männer in einer öffentlichen Veranstaltung im Kölner Gloria-Theater aus der Taufe. Ein Kondolenzbuch liegt am 8. Oktober 2012 von 12 bis 20 Uhr in den Räumen des Bestattungsinstituts Christoph Kuckelkorn in der Zeughausstraße 28-38, 50667 Köln aus. Schriftliche Beileidsbekundungen können an selbige Adresse gerichtet werden.

Gedenken an Jörg Vathke
Jörg Vathke war Anfang der 1990iger Jahre stellvertretender Landesvorsitzender der AIDS-Hilfe NRW und Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Köln für Schwulenarbeit und Prävention. Er gehörte zu den Initiatoren des Kölner Lesben- und Schwulentages (Cologne Pride)  und war der erste Kölner, dem für sein schwulen- und aidspolitisches Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Die Ordensverleihung fand wenige Tage vor seinem Tod statt. Am 19. Oktober jährt sich der 20. Todestag. Freundinnen und Freunde haben an diesem Tag zu einer Erinnerungsfeier eingeladen, zu der alle willkommen sind, die Jörg kannten. Die Einladung finden Sie Sie hier (PDF-Datei).

Finanzierungsprobleme gefährden erfolgreiches Beratungsangebot der AIDS-Hilfe Rhein-Sieg
Zwei Jahre ist es her, dass das Kreisgesundheitsamt sich entschied, den Bürgerinnen und Bürgern des Rhein-Sieg-Kreises ein umfassendes Test- und Beratungsangebot zu machen und den HIV-Schnelltest der AIDS-Hilfe Rhein-Sieg zu übertragen. Mehr als 600 Personen nutzten bisher das Angebot, ließen ihr Blut auf HIV-Antikörper testen, informierten sich, wie sie sich zukünftig schützen können und konnten in einem persönlichen Gespräch individuell beraten werden. Die Finanzierung des bisher kostenfreien Angebots ist nun unsicher. Weiteres lesen Sie hier (PDF-Datei).


LEBEN MIT HIV/AIDS

"Positive Professionals" der AIDS-Hilfe Düsseldorf
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schätzt, dass zwei Drittel der rund 70.000 HIV-Positiven in Deutschland voll erwerbstätig sind – Tendenz steigend. In der Düsseldorfer AIDS-Hilfe hat sich eine Gruppe HIV-positiver Erwerbstätiger gegründet, die "Positive Professionals". Es sind Berufstätige, die Lust haben, etwas zu bewegen; vom Lehrer bis zum Rechtsanwalt, Chemiker, Manager oder Arzt sind viele unterschiedliche Berufsgruppen vertreten. Bisher sind es nur Männer, aber auch Frauen sind in der Gruppe willkommen. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

Fachgespräch Eradikation in Duisburg
Zur Fortsetzung der Kontroverse zur Heilung findet am 20. November 2012ein ein Fachgespräch zur HIV-Therapie in Duisburg mit dem Titel "Heilung in Sicht ??? – Ist es schon so weit" statt. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).


SCHWULE PRÄVENTION

Zweite Aufführung von Safer on Stage wird gefeiert!
Das Trainings-Team der landesweiten Fortbildungsstruktur von Herzenslust NRW freut sich über ein durchweg positives Feedback zum Aufbautraining für die Vor-Ort-Arbeit. Die teilnehmenden Ehrenamtlichen haben das Training mit einer Gesamtnote von 1,4 bewertet. Dabei schnitten die zu bewertenden Bereiche "Ablauf des Seminars" mit 1,5 und "Seminar-Team" mit 1,4 und "Ergebnis des Seminars" mit 1,6 ab. Dies ist umso erfreulicher, da dieses Training sowohl in der Konzeption, als auch in der erlebten Praxis vom 18.-19. August in Düsseldorf für ehren- und hauptamtliche Kräfte gedacht ist und auch so umgesetzt wurde. In der Adhoc-AG Trainings wurden im Fachaustausch einige konstruktive Kritiken notiert, die für den nächsten Durchlauf von Safer on Stage in 2013 berücksichtigt werden. Unser Dank gilt erneut Bernd Plöger aus Düsseldorf, der dieses Herzenslust-Training immer wieder zu einem Erlebnis für alle Beteiligten macht.

Projekt ,,Mashallah!“ der AIDS-Hilfe Essen
Ausgehend von ihren eigenen Migrationserfahrungen versuchen die Mitarbeiter von ,,Mashallah!“ andere Migranten unabhängig von Kultur, Religion und Alter mit Präventionsbotschaften zu HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Infektionen zu erreichen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich bei Fragen bezüglich Angst, Einsamkeit, Coming-Out, Problemen mit der Familie etc. persönlich oder telefonisch beraten zu lassen. Zudem kann man im Offenen Gruppenangebot neue Leute kennenlernen, zusammen essen und trinken und Freizeitaktivitäten gestalten. Mehr erfahren Sie hier (PDF-Datei).

anyway startet erste schwule Webserie „Julian – junge liebe anders“
Die erste schwule Webserie von schwulen Jungs für schwule Jungs im deutschsprachigen Raum wird von einem jungen schwulen Medienteam im Kölner Jugendzentrum anyway produziert. Unterstützt wird das Projekt von der Aidshilfe Köln. Die Serie erzählt vom 16-jährigen Julian und seinem Coming-Out. Die Uraufführung und der Onlinestart sind beim 2.Filmfest homochrom am 20. Oktober. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

Mehr Austausch ist gewünscht!
Vom 27. bis 29. September 2012 fand in Hattingen das zweite Treffen schwuler Seniorengruppen NRW statt. Insgesamt nahmen acht Gruppen teil. einen Bericht lesen Sie hier (PDF-Datei).

Termine
Die aktuellen Herzenslusttermine und viele weitere spannende Daten rund ums schwule Leben finden Sie unter herzenslust.de.


FRAUEN & AIDS

Familienbrunch für Familien mit HIV auch in Köln
Nachdem die AIDS-Hilfe Düsseldorf gute Erfahrungen mit dem Familienbrunch in lockerer Atmosphäre gemacht hat, zieht die Aidshilfe Köln nach. Das Treffen findet jetzt an jedem letzten Samstag im Monat ab 10.00 Uhr statt, in "ungeraden" Monaten im Loft-Café der AIDS-Hilfe Düsseldorf, in "geraden" Monaten im Regenbogencafé der Aidshilfe Köln. Weitere Infos finden Sie hier (PDF-Datei).



DROGEN / STRAFVOLLZUG

RKI veröffentlicht Jahresbericht 2011 zu Virushepatitis B, C und D
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat im Epidemiologischen Bulletin Nr. 38 vom 24. September 2012 den Jahresbericht 2011 zu Virushepatitis B, C und D zusammengefasst. Die Präventionsempfehlungen beziehen sich unter anderem auf Männer, die Sex mit Männern haben, i. v.-Drogengebrauchende, Sexarbeiterinnen, Migrantinnen und Migranten sowie Insassen von Justizvollzugsanstalten. Das RKI empfiehlt in diesem Zusammenhang, den Zugang zu sterilem Injektionsmaterial und Utensilien auch in Haft zu ermöglichen. Gerade während Gefängnisaufenthalten sei das Risiko unsicheren Drogenkonsums stark erhöht. Mehr lesen Sie unter aids-nrw.de.


TRANSKULTURELLE ORIENTIERUNG

Fachtagung "HIV & Migration in der Sexarbeit" am Mittwoch, 24. Oktober 2012 in Düsseldorf
Im Zuge der EU-Erweiterung gehen in Deutschland immer mehr osteuropäische Frauen und Männer der Prostitution nach. Dies birgt eine Reihe neuer Herausforderungen für die soziale Arbeit und die Prävention von HIV und sexuell übertragbaren Erkrankungen. In welcher sozialen und rechtlichen Situation leben Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter in Deutschland? Welchen Bedarf an HIV- und STD-Prävention haben sie? Wie können  gesundheitsbewusste Arbeitsweisen gefördert werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich diese Fachtagung. Außerdem wird ein Ausblick auf anstehende rechtliche Änderungen durch wegfallende Arbeitsmarktbeschränkungen gegeben. Weitere Informationen zu der Fachtagung finden Sie hier (PDF-Datei).


FORTBILDUNG & TERMINE

Fachtag: Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen
Das Netzwerk "Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen" ist ein Zusammenschluss von Einrichtungen und Organisationen, die Projekte oder Forschungsarbeiten zum Thema "Selbsthilfe und Patientenorientierung in Einrichtungen des Gesundheitswesens" durchgeführt haben und nun ihre Ergebnisse und Erfahrungen in einem gemeinsamen Verbund weiterführen wollen. Die Veranstaltung am 24. Oktober 2012 ist einerseits der Abschluss des Projekts, andererseits der Startschuss für neue Aktivitäten. Zur Veranstaltung eingeladen sind Frauen und Männer aus Gesundheitseinrichtungen, der Selbsthilfe, sowie alle Interessierten. Nähere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).


VERSCHIEDENES

Der nächste Newsletter erscheint am 24. Oktober 2012

Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 22. Oktober 2012.
Impressum | Newsletter abmelden | Newsletter anmelden