Nr. 14 vom 1. August 2012

Liebe Leserinnen und Leser,

in der vergangenen Woche fand in Washington die Internationale Aids-Konferenz statt. Die Delegation der Deutschen AIDS-Hilfe präsentierte an ihrem Stand im „Global Village“ an vier Thementagen, wie sich selbstbestimmtes Leben („Your Freedom of Choice“) im Kontext von HIV und Aids konkret ausgestaltet: für Drogen-User („Prohibition kills!“), für Sexworker („Repression kills!“), für Menschen mit HIV („Discrimination kills!“) und für schwule Männer („Exclusion kills!“). Als unabdingbar zeigte sich gerade hier die notwendige Partizipation derer, über die auf der Konferenz geredet wurde. Die US-Behörden hatten Sexworkern und Drogengebrauchenden die Einreise verweigert, die an der Konferenz teilnehmen wollten. Zu Recht machten zahlreiche Delegationen auf diesen Missstand aufmerksam: „Nothing about us without us!“ Den sehr informativen Ticker der Deutschen AIDS-Hilfe von der Washingtoner Konferenz Konferenz lesen Sie unter aidshilfe.de. Der im internationalen Vergleich sehr erfolgreichen deutschen HIV-Prävention wurde in Washington großes Interesse entgegengebracht, weil sie auf Beteiligung der am stärksten von HIV betroffenen Gruppen setzt und Diskriminierung entgegenwirkt.
Als zentrale politische Botschaft verkündete die Konferenz den erklärten Willen, Aids beenden zu können. Nicht in einer unseriösen Prognose, in absehbarer Zeit HIV heilen zu können, wohl aber im Bewusstsein, durch Prävention, Therapie und Antidiskriminierungsarbeit die Folge Aids zu verhindern. Und so benennt die von vielen Organisationen, auch von der Deutschen AIDS-Hilfe, unterzeichnete Washingtoner Erklärung neun dringend notwendige Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen: darunter Zugang zu Prävention, Behandlung, Versorgung und Beratung, weitere Schritte gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Kriminalisierung von Menschen mit HIV sowie verstärkte Anstrengungen in der Forschung.
Auch in Deutschland bleibt noch vieles zu tun: die medizinische Versorgung der Menschen in Haft, insbesondere derer, die Drogen konsumieren, ist nach wie vor nicht flächendeckend sichergestellt, Drogenkonsumräume sind noch nicht in allen Bundesländern möglich und in der Forschung ist Deutschland auch nicht gerade führend. Insofern können wir uns der Internationalen Aids-Konferenz nur anschließen, wenn sie fordert, gemeinsam das Blatt zu wenden: „Turning the Tide Together – A declaration to End the AIDS Epidemic“ (www.dcdeclaration.org).
Die Washingtoner Konferenz hat sicher keinen großen Durchbruch gebracht, aber sie hat wichtige Zeichen gesetzt. Gerade vor dem Hintergrund der großen Aufmerksamkeit bei der Freigabe eines Medikaments für die HIV-Prophylaxe darf die präventive Wirkung der HIV-Medikamente, sei es nun in Form der Therapien HIV-Positiver oder als Präexpositionsprophylaxe, nicht gegen die Prävention ausgespielt werden darf. Information, Beratung und die Beseitigung jeder Diskriminierung sind und bleiben essenziell. Analog zu den Kombinationstherapien sprach man von einer „kombinierten Prävention“. Mit diesem Begriff können wir auch in Deutschland gut arbeiten.

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher 

 

VERBAND / LOBBY

Jetzt anmelden: HIV KONTROVERS am 29. September 2012 in Köln
Anmeldungen zu HIV-KONTROVERS am 29. September 2012 im Dorint Hotel Köln am Heumarkt sind jetzt online und nur dort möglich. Unter hiv-kontrovers.de finden Sie alle Informationen und das Anmeldeformular. Die Veranstaltung wird gemeinsam von der AIDS-Hilfe NRW und der Deutschen AIDS-Gesellschaft in Kooperation mit der Uniklinik Köln ausgerichtet. Teilnehmen können alle Ärztinnen und Ärzte, Expertinnen und Experten aus Aidshilfen, Positiven-Selbsthilfe, Prävention, öffentlichem Gesundheitswesen, ambulanter und stationärer Versorgung, Politik und Verwaltung sowie Menschen mit HIV.

 

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING 

28. Juli: Welt-Hepatitis-Tag
Der diesjährige Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation stand unter dem Motto "Näher als Du denkst – Das ist Hepatitis … Informier Dich, Schütz Dich, Lass Dich testen". Weltweit leidet einer von zwölf Menschen an chronischer Hepatitis B oder C. Die wenigsten wissen davon. Die Leber leidet stumm. Warnende Symptome bleiben oft Jahre lang aus. Erhöhte Leberwerte bei Routineuntersuchungen können ein erstes Warnsignal sein, das jedoch oft ignoriert wird. Beide Infektionen können nach Jahren zu Zirrhose und Leberkrebs führen. Je früher die Infektion entdeckt wird, desto besser lässt sie sich therapieren. Die Behandlung hat in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht. Daher empfehlen die Aidshilfen qualifizierte Beratungen und Testangebote zu HIV und Hepatitis.

Berichte zum Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende 2012
Auch in diesem Jahr haben sich wieder zahlreiche Menschen im Gedenken an die verstorbenen Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher ihrer Region am 21. Juli versammelt. Seit 1988 beteiligen sich nicht nur Angehörige und Aids- oder Drogenhilfen an der Gestaltung dieses Aktionstages. Zunehmend integrieren sich auch Kommunen oder politische Vertreterinnen oder Vertreter, um den Gründen und Umständen, die zum Sterben geführt haben, nachzugehen oder auf den Anpassungsbedarf in der aktuellen Suchthilfepolitik hinzuweisen. Die Stellungnahme des diesjährigen Schirmherrn des nationalen Gedenktages, Dr. Gregor Gysi MdB, lesen Sie unter jes-bundesverband.de. Wie der sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Bonn sich zum Gedenktag verhält, lesen Sie unter bonner-presseblog.de. Ein Interview mit Heino Stöver zum Tag lesen Sie unter blog.aidshilfe.de und die Pressemitteilung der AIDS-Hilfe NRW wurde finden Sie hier (PDF-Datei).

 

LEBEN MIT HIV/AIDS

LAG POSITHIV HANDELN am 18. August 2012
Das nächste Treffen der LAG sich POSITHIV HANDELN findet in der AIDS-Hilfe Bochum statt. Hier wird es u.a. um die Zusammenarbeit mit HERZENSLUST gehen, um das Leitbild der AIDS-Hilfe NRW sowie um Projekte für die Deutsche AIDS-Hilfe. Weitere Informationen und die Anmeldung finden Sie hier (PDF-Datei).

18. Kongress Armut und Gesundheit am 6. und 7. März 2013 in Berlin
Mit dem 18. Kongress Armut und Gesundheit, der unter dem Motto „Brücken bauen zwischen Wissen und Handeln – Strategien der Gesundheitsförderung“ steht, möchte Gesundheit Berlin-Brandenburg zusammen mit zahlreichen Partnern die Frage beantworten, wie wir man einem flächendeckenden Transfer und nachhaltigem Handeln in Prävention und Gesundheitsförderung kommt. Weiteres lesen Sie hier (PDF-Datei).

Günstige Kreditbedingungen für barrierearme kommunale und soziale Infrastruktur
Nach und nach werden bestimmte Lebensräume und der öffentliche Raum als Ganzer an die Bedürfnisse behinderter und alternder Bürgerinnen und Bürger angepasst. Aus aktuellem Anlass verweist der Paritätische Gesamtverband daher auf die Fördermöglichkeiten durch die KFW-Bankgruppe. Mit dem Förderprogramm "IKU - Barrierearme Stadt" sollen vor dem Hintergrund des demographischen Wandels entsprechende investive Maßnahmen unterstützt werden. Näheres dazu lesen Sie hier unter kfw.de. Mit den Förderprogramm 159 können alle Baumaßnahmen in bestehenden Immobilien (also auch private) die zu einer Barrierereduzierung führen mit bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit durch einen günstigen Zinssatz unterstützt werden. Weitere Angaben und die Beratungstelefonnummer lesen Sie hier unter kfw.de. Zusätzliche Optionen zu Investitionen für energieeffiziente Maßnahmen können unter kfw.de abgerufen werden. 

 

SCHWULE PRÄVENTION

CSD-Gottesdienst für Lesben, Schwule und Freunde am 3. August 2012 in Essen
Am Vorabend des diesjährigen Christopher Street Day Ruhr laden die AIDS-Hilfe Essen, die Alt-Katholische Kirchengemeinde Essen, Mülheim und Oberhausen, die Caritas Aidsberatung und die Evangelische Beratungsstelle unter dem Motto „Akzeptanz, Gleichberechtigung, Respekt - JETZT!" Lesben, Schwule und deren Freundinnen und Freunde erstmalig zu einem ökumenischen CSD-Gottesdienst ein. Näheres lesen Sie hier (PDF-Datei).

 

DROGEN & AIDS

10 Jahre Drogenkonsumraum in Trägerschaft der Aidshilfe Dortmund
Nach intensiven politischen Diskussionen und als vierte derartige Einrichtung in NRW öffnete vor 10 Jahren die Drogenhilfeeinrichtung KICK der Aidshilfe Dortmund. Die aktuelle Statistik der Bundesdrogenbeauftragten verdeutlicht auch für Dortmund: Die Zahl der Drogentoten ist rückläufig – von 26 im Jahr 2002 auf 11 in 2011. Vor Inbetriebnahme des Drogenkonsumraumes, z.B. im Jahr 2000, waren es in Dortmund noch 41 Drogentote. Es ist inzwischen anerkannt, dass Einrichtungen dieser Art einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Mortalität von Drogenabhängigen zu senken. Anerkannt ist auch, dass die Kennzeichnung „Drogentot“ ungenau ist, da sie lediglich die unmittelbar an einer Überdosierung Verstorbenen registriert. Die weitaus größere Zahl der Suchtkranken, die an den Langzeitfolgen verstirbt, bleibt statistisch ungezählt. Mehr über die Arbeit und die Erfolge im Drogenkonsumraume sowie die Hintergründe zur Notwendigkeit der Anpassung der aktuellen Suchtpolitik an die Realitäten des Lebens mit Drogen trotz Verbot lesen Sie im Jahresbericht der Aidshilfe Dortmund hier (PDF-Datei).

Bundeskongress der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit 2012: Handlungskonzepte Suchthilfe 
Unter dem Titel "Handlungskonzepte und methodisches Handeln der Sozialen Arbeit in der Suchthilfe" lädt die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit in der Suchthilfe (DG-SAS) in Kooperation mit der Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Sozialwesen, zum Bundeskongress am 24.und 25. September 2012 nach Potsdam ein. Anmeldemöglichkeiten und weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

Suchtkooperationsveranstaltung zu Sucht und Alter am 31. Oktober 2012 in Köln
Das Drogenhilfesystem ist vorrangig auf Drogenkonsumierende von legalen und illegalen Drogen die deutlich unterhalb des Rentenalters sind eingestellt. Obwohl es auch Suchtkranke im fortgeschrittenen Alter gibt, existieren kaum regelhafte Kontakte zu Altenhilfeeinrichtungen. Im klinischen Bereich ist die Vernetzung zwischen Suchtpsychiatrie und Gerontopsychiatrie ebenfalls ungenügend entwickelt. Dieser Aufgabe muss sich die Drogenhilfe stellen, sie kann sie aber nicht alleine bewältigen. Daher veranstalten die großen Träger der Wohlfahrtspflege in NRW zusammen mit dem LVR am 31. Oktober in Köln-Deutz eine Fachtagung zum Thema Sucht und Alter. Nähere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).

Bildungsangebote im Bereich Frauen und Sucht
BELLA DONNA, die Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht NRW informiert zu Beginn der zweiten Jahreshälfte über ihre Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote für die Monate August bis Dezember 2012. Es gibt u.a. Aufklärung zu Schweigepflicht oder Autoaggressivem Verhalten sowie die Weiterentwicklung des Internet-Fachportals. Mehr Details zu den Angeboten lesen Sie hier (PDF-Datei).

Zwei Buchempfehlungen für Drogenfrieden
Keine andere international verfolgte Strategie hat in den vergangenen Jahrzehnten Terroristen, Kriminelle und Korruption begünstigt wie die Prohibition von Drogen. Kein anderes politisches Konzept hat systematisch Gewalt, Menschenrechtsverletzungen, Korruption und die Ausbreitung von HIV und Aids erzeugt. Und kaum ein anderes Thema wird so stark von Moral und Tabus bestimmt und so wenig von empirischen Fakten. Nun sind zwei Bücher erschienen, die Drogensucht als Thema der Gesundheits- und Sozialpolitik begreifen und Entkriminalisierungsmodelle verschiedener europäischer Staaten darstellen. „Entkriminalisierung von Drogenkonsumenten – Legalisierung von Drogen“, herausgegeben von Ralf Gerlach und Heino Stöver, ist im Fachhochschulverlag erschienen, weitere Infos lesen Sie hier (PDF-Datei). „Nach dem Krieg gegen die Drogen: Modelle für einen regulierten Umgang“ wurde als deutsche Übersetzung von akzept herausgegeben, Dieses Buch steht im Netzt kostenfrei als Download zur Verfügung unter hanfverband.de.

 

 FORTBILDUNG & TERMINE

Strategien der Beratung von Aidshypochondern am 20. August 2012in Hannover
Aidshypochonder zählen zu den anstrengendsten Ratsuchenden in der HIV- und Aidsberatung. Einerseits wollen sie Aussagen mit 100% Sicherheit, andererseits zweifeln sie jedes negative HIV-Testergebnis an. Die Gespräche mit ihnen drehen sich fortlaufen im Kreis. In dem Seminar soll der typische seelische Konflikt des Hypochonders nachvollziehbar gemacht und gemeinsam Strategien erarbeiten werden, wie man in der Beratung das Hypochonder-Dilemma überleben kann. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

 

VERSCHIEDENES

Stellenausschreibung der aidshilfe dortmund e.V.
Für ihre ambulante Drogenhilfeeinrichtung kick sucht die aidshilfe dortmund eine Krankenschwester oder einen Krankenpfleger. Zu den Aufgabenbereichen gehören die Mitarbeit in der drogentherapeutischen Ambulanz und im Drogenkonsumraum. Die Stelle hat einen Umfang von ca. 25 Wochenstunden und wird nach TVÖD 8 vergütet. Bewerbungsfrist endet am 17. August 2012. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Ausschreibung hier (PDF-Datei). 

Der nächste Newsletter erscheint am 15. August 2012
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 13. August 2012.

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