Nr. 10 vom 10. Mai 2012
Liebe Leserinnen und Leser,

die medizinische Forschung hat die Therapiemöglichkeit für Menschen mit HIV in den letzten Jahren entscheidend vorangebracht. Mittlerweile rückt HIV in die Nähe chronischer Krankheiten. Abgesehen von den beruflichen, gesundheitlichen, gesellschaftlichen und sexuellen Folgen dieser erfreulichen Entwicklungen, bleiben doch besondere Bedürfnisse von Menschen mit HIV, die sich mit anderen Krankheiten eben nicht vergleichen lassen, und sei es nur das Stigma des tabubesetzten Infektionswege. Auch wenn man inzwischen davon ausgehen kann, dass Menschen mit HIV mit einer hochaktiven antiretroviralen Therapie faktisch nicht infektiös sind und somit die die Therapie als Möglichkeit zur erfolgreichen Vermeidung von weiteren Neuinfektionen eingesetzt werden könnte, bleiben viele Fragen offen. Prävention wird niemals vollständig medizinalisierbar sein, auch Zwangstherapien stehen außerhalb der Diskussion, jedenfalls für die Aidshilfen. Es ist schon schwierig genug, die hohe Schambesetzung der sexuell übertragbaren Krankheiten zu umgehen, um Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnerinnen und –partner zu regelmäßigen Gesundheitschecks zu motivieren. Hier ist die Frage, wer dem Bedarf einer offenen, diskriminierungsfreien Prävention am besten gerecht wird. Diese und andere spannende Fragen wie Therapievereinfachung, therapeutisches Drugmonitoring oder die immer aktuelle Diskussion über Moral und Verantwortung, Kriminalisierung von HIV-Übertragungen oder eben die Entkriminalisierung werden bei der 3. Fachtagung "HIV KONTROVERS" zur Sprache kommen, die in diesem Jahr in Köln stattfinden wird. Diskutieren Sie mit Vertreterinnen und Vertretern aus Aidshilfe, Positivenselbsthilfe, Medizin und Versorgung, Politik und Verwaltung. Zurzeit erarbeiten wir das Programm und entwerfen die Diskussionsformate. Sehr bald können wir Ihnen das Programm vorstellen. Heute laden wir Sie ein, sich bereits den 29. September 2012 fest einzuplanen. Wir freuen uns auf viele interessierte Mitdiskutantinnen und –diskutanten!

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher


ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING

:info # 1 2012 der AIDS-Hilfe Düsseldorf erschienen
Im neuesten Heft des :info geht es um sinkende Infektionszahlen (Prävention wirkt), die angekündigte Aufhebung des Zwangsoutings in nordrhein-westfälischen Gefängnissen und um HIV und Kinderwunsch. Dieses und viel mehr lesen Sie hier (PDF-Datei).

Zum Jubiläumsjahr mit neuen Modulen für mehr Sicherheit
Die AIDS-Hilfe Rhein-Sieg e.V. feiert im September ihr 25-jähriges Jubiläum. Damit blickt der Verein zurück auf zweieinhalb Jahrzehnte engagierte Beratung und Begleitung von Menschen mit HIV und Aids im Rhein-Sieg-Kreis und nimmt das Jubiläum zum Anlass, die überaus wichtige Aufklärungsarbeit insbesondere junger Menschen neu zu gestalten. Die Krankheit Aids hat sich seit der Gründung im Jahre 1987 verändert, dank verbesserterTherapiemöglichkeiten können HIV-Positive inzwischen lange mit dem Virus leben – verschwunden ist die Gefahr sich anzustecken aber längst nicht. Und gerade junge Menschen müssen über diese Gefahren aufgeklärt werden. Die AIDS-Hilfe Rhein-Sieg bietet sexuelle Bildung und Gesundheit im Baukastensystem – von A wie Aids bis Z wie Zyklus. Näheres lesen Sie hier (PDF-Datei).


SCHWULE PRÄVENTION

Ich wollte es so normal wie andere auch
Im Rahmen des KultCafés, dem Diskussionsforum für – nicht nur – ältere Schwule und diesmal auch mal wieder für Frauen, liest Andreas Pretzel am 23. Juni 2012, um 16:00 Uhr im RUBICON aus seinem Buch über das Leben von Walter Guttmann. Die Lebensgeschichte von Walter Guttmann entzieht sich gängigen Festschreibungen. War er nun ein Holocaustüberlebender oder eher ein jüdischer Homosexueller oder ein homosexueller Israeli mit 'Migrationshintergrund'? Walter Guttmann hat die Zeit des Nationalsozialismus überlebt, eine Zeit, die seine Identität prägte. Buchvorstellung und Lesung von Andreas Pretzel, Kulturwissenschaftler, Historiker und Mit-Autor des Buches über Walter Guttmann. Den Flyer zur Veranstaltung finden Sie hier (PDF-Datei).


FRAUEN & AIDS

XXelleROXX am 16. Mai 2012 in Bochum
Nach den Events in Dortmund, Essen und Duisburg rockt XXelle 2012 in Bochum im Bahnhof Langendreer. Die Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher erwartet ein toller Abend mit "Call me Mary", "melanchoholica" und der Band "fataal". Alles weitere lesen Sie unter xxelle-nrw.de.


DROGEN & AIDS

Partydrogen: Wirkung, Nebenwirkung, Wechselwirkung
Ausgehen, Abtanzen, Party machen: Drogen gehören für viele einfach mit dazu. Der Sekt zum Vorglühen, die XTC zum Abtanzen, Koks und eine "Blaue" zum Sex und einen Joint zum runterkommen: Für jede Stimmung scheint es den richtigen "Verstärker" zu geben. Doch viele Drogen zeigen neben der erwünschten Wirkung auch ungewollte, nicht bedachte Nebenwirkungen. Werden die Drogen gemischt, werden die Risiken häufig unkalkulierbar. Dies gilt besonders, wenn HIV-Medikamente genommen werden, denn Partydrogen können mit der Kombinationstherapie erhebliche Wechselwirkungen haben. Im Rahmen der Gesprächsreihe MED-INFO lädt die Aidshilfe Köln am 28. Juni 2012 um 19:30 Uhr in die Opernterrassen, Brüderstraße 2-4 in 50667 Köln. Informationen, Antworten auf persönlichen Fragen und Diskussion ohne moralischen Zeigefinger, insbesondere für Party- und Clubleute, gibt Ralf Wischnewski von der Drogenhilfe Köln.

17. Hamburger Suchttherapietage unter dem Schwerpunktthema: Sucht und Politik
"Suchtkrank, weiblich, traumatisiert, dissoziativ – wie kann stationäre Therapie gelingen?" oder "Ambulante Betreuung von jungen Müttern mit einer Suchtproblematik" oder die "Behandlung von drogenabhängigen Frauen und Männern mit Gewalterfahrungen im Versorgungsnetzwerk" sind Beispiele geschlechterbezogener Themen der diesjährigen Hamburger Suchttherapietage vom 29. Mai bis 1. Juni 2012. Anmeldung und informationen unter suchttherapietage.de.

Motto zum 21. Juli 2012: Legalisierung gleich Kontrolle!
Der diesjährige Nationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher steht unter der Schirmherrschaft von Gregor Gysi. Der Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit e.V. bittet um möglichst große Beteiligung an diesem inzwischen auch international berücksichtigten Gedenktag. Durch eine über die reine Trauer und Erinnerung an die Verstorbenen hinausgehende Beteiligung in Form von Aktion und Protest soll auf die drogenpolitische Wahrnehmung in unserem Land Einfluss genommen werden. Das Motto "Legalisierung gleich Kontrolle!" macht deutlich, dass gerade durch die Prohibition dem Schwarzmarkt und damit gesundheitsschädigenden Beimengungen an den illlegalisierten Stoffen der Weg geebnet wird. Informationen zur Vorbereitung des Gedenktages lesen Sie auf der Hompage des Elternverbandes unter akzeptierende-eltern.de.

Schadenminimierung in Moskau ermöglichen: Andrey Rylkov Stiftung sammelt Geld für Spritzenbus
Die Andrey Rylkov Stiftung ist eine Selbsthilfegruppe in Moskau, die unter extrem schwierigen Bedingungen Schadensminderung bei Drogengebraucherinnen und Drogengebrauchern betreibt (rylkov-fond.org). Um einen Bus für Spritzen- und Nadeltausch und andere schadensmindernde Maßnahmen auf Moskaus Straßen zu bringen, ruft sie nun zu einer internationalen Spendenaktion auf. Einen Kurzfilm mit deutschen Untertiteln und weitere Angaben zur Spendenaktion sehen Sie unter globalgiving.org.


STRAFVOLLZUG

Deutsche AIDS-Hilfe kritisiert Gerichtsbeschlüsse des Landgerichtes Augsburg gegen Substitution in Haft
Das Landgericht Augsburg hat nach Aktenlage und ohne Berücksichtigung der geltenden Substitutionsrichtlinien die Klagen zweier heroinabhängiger Gefängnisinsasssen auf eine Substitutionsbehandlung zurückgewiesen. Der Stellungnahme einer auf Substitution spezialisierten Ärztin der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS) maß das Gericht keine Bedeutung bei. Es argumentiert unter anderem, dass keine Aussicht auf Heilung bestehe. Laut Bayerischem Strafvollzugsgesetz müssen Gefangene eine genauso gute medizinische Behandlung erhalten wie Menschen in Freiheit. Gemäß Artikel 60 haben sie Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn diese notwendig ist, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern. Die Deutsche AIDS-Hilfe kritisiert die Beschlussfassung des Landgerichtes Augsburg entschieden und fordert generell, das medizinische Personal in den Anstalten aus- und weiterzubilden, damit auch in Haft eine bedarfsgerechte Versorgung von Suchtkranken gewährleistet ist. Ausführliches zu dieser bayrischen Justiz-Affäre lesen sie unter aidshilfe.de.

Freiheit: ein relativer Begriff
In Deutschland wird statistisch täglich etwa 70.000 Menschen die Freiheit entzogen. Was Gefangene dazu mitteilen, lesen Sie in einem Gastbeitrag der Redaktionsgemeinschaft von „der Lichtblick“ aus der JVA Tegel in Jungle-World unter dem Titel: "Freiheit auf Entzug". Mehr über die auflagenstärkste, unzensierte Gefangenenzeitung lesen Sie unter lichtblick-zeitung.de. Am 31. Mai 2012 ist Kinostart des Dokumentarfilms "Meine Freiheit, Deine Freiheit" der den schwierigen Weg von zwei Gefangenen aus der Frauenhaftanstalt Berlin Lichtenberg in das Leben in Freiheit aufzeichnet. Der Film ist mit mehreren (inter)nationalen Preisen ausgezeichnet. Nähere Informationen dazu sehen Sie hier berlin.de.


VERSCHIEDENES

25 Jahre AIDS-Beratung in den Gesundheitsämtern in NRW - Start der landesweiten Kampagne WIE AUCH IMMER
Anlässlich des Jubiläums – 25 Jahre AIDS-Beratung in den Gesundheitsämtern in Nordrhein-Westfalen – starten die Gesundheitsämter die landesweite Informations- und Präventionskampagne WIE AUCH IMMER. Mit der Botschaft "Mit uns können Sie reden. Wir beraten und helfen kompetent, vertraulich, anonym und kostenfrei." machen die Gesundheitsämter landesweit auf die fachlich qualifizierten Beratungs-und Untersuchungsangebote der Gesundheitsämter zu HIV und sexuell übertragbaren Infektionen aufmerksam. Eine Übersicht der Beratungsstellen in NRW sowie nähere Informationen zur Kampagne WIE AUCH IMMER erhalten Sie unter vak-nrw.de und aids-nrw.de.

Inklusion – konkret: Vielfalt erkennen, wertschätzen und nutzen
Am 8. März 2012 führte die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW in Gelsenkirchen eine bereichsübergreifende Fachtagung zur Inklusion durch, die bis zum letzten Platz ausgebucht war. Der kommunale Index für Inklusion steht unter dem Motto "Vielfalt erkennen, wertschätzen und nutzen". Zur Veranschaulichung gibt es einen Kurzfilm unter montag-stiftungen.de. Die vielseitigen und anregenden Tagungsbeiträge fin den Sie unter freiewohlfahrtspflege-nrw.de. Informationen zum zugehörigen Förderprogramm finden Sie auf der Seite von Aktion Mensch unter aktion-mensch.de.

"Regulationsmechanismen der Erregerabwehr – Neue Perspektiven antimikrobieller Therapie?"
Die Nationale Akademie der Wissenschaft lädt zum LEOPOLDINA-SYMPOSIUM zum Thema "Regulationsmechanismen der Erregerabwehr – Neue Perspektiven antimikrobieller Therapie?" ein. Das Symposium findet einen Tag vor dem STI-Jubiläumskongress, am 13. Juni 2012 im historischen Bärensaal, im Alten Stadthaus Berlin statt. Beginn ist 13:00 Uhr, die Veranstaltung endet mit dem öffentlichen Vortrag um 20:00 Uhr mit anschließendem Get together. Den Programmflyer finden Sie hier (PDF-Datei).

Der nächste Newsletter erscheint am 23. Mai 2012
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 21. Mai 2012.
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