Nr. 23 vom 1. Dezember 2011
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

brauchen wir eine Skandalisierung, um auf HIV und Aids in Deutschland aufmerksam zu machen? Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass dies nicht notwendig ist. Wir haben immer schon auf die Menschen mit HIV selbst gesetzt, wenn es darum ging, sachlich und klar zu formulieren, wie es sich heute in Deutschland mit dem Virus lebt. Die gemeinsame Welt-Aids-Tags-Kampagne von Bundesgesundheitsministerium, BZgA, Deutscher AIDS-Hilfe und Deutscher AIDS-Stiftung stellt sie nun in den Mittelpunkt und ihre Botschaften werden wahrgenommen: „HIV POSITHIV & MITTEN IM LEBEN?“ – Ja, auch wenn es nicht immer einfach ist, auch wenn von außen nach wie vor viele Widerstände dagegen stehen, kann man mit HIV in Deutschland leben und arbeiten, Kinder erziehen und Freundschaften pflegen.

Insgesamt lebten noch nie so viele Menschen mit HIV in Nordrhein-Westfalen wie heute, laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind es etwa 17.500. Dreiviertel davon sind in Therapie und, wenn alles gut läuft, faktisch nicht mehr infektiös. Dass eine erfolgreiche Therapie inzwischen mindestens genauso zuverlässig vor einer HIV-Übertragung schützt wie Kondome, wird uns in nächster Zeit sowohl in der Beratung als auch in der Primärprävention vor neue Herausforderungen stellen.

Seit 2007 ist die Zahl der Neuinfektionen nach neuesten Schätzungen des RKI rückläufig. Das freut alle, die sich in der Prävention engagieren und die sie dabei unterstützen. Es spornt uns aber auch an, in unseren Anstrengungen nicht nachzulassen. Daran werden wir Politik und Verwaltung genauso erinnern wie die Medien, die so gerne skandalöse Botschaften von uns hören würden. Und wenn dann wieder einmal eine betroffene, in Florida lebende deutsche Schauspielerin in einer Life-Talkshow Thesen verbreitet, die nicht den Tatsachen entsprechen, dann ist das für unsere Arbeit nicht förderlich. Wir brauchen keine Zwangstestung aller schwangeren Frauen in der Bundesrepublik, wir brauchen eine zuverlässige und seriöse Berichterstattung, eine kontinuierliche Information und Beratung, die es den Menschen ermöglicht, sich mit den Risiken, die sie eingehen, auseinanderzusetzen.

Nur so schaffen wir eine Gesellschaft, in der Menschen mit HIV sich nicht verstecken müssen, sondern offen und selbstbewusst ihr Gesicht zeigen können wie Zübeyde und Marcel, Ernst und Thomas. Ihr Mut verdient unser aller Respekt und ihr Engagement unseren herzlichen Dank! Bei allen, die in diesen Tagen rund um den 1. Dezember auf den Straßen unterwegs sind, bei Veranstaltungen helfen, sich in irgendeiner Weise zugunsten der Aidshilfe einsetzen oder unaufgeregt in ihrer Umgebung zeigen, dass man HIV-positiv und Mensch sein kann, bedanken wir uns sehr herzlich!

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher



VERBAND / LOBBY

HIV-Infektionen sinken wieder – Zielgruppenprävention wirkt!
Zum heutigen Welt-Aids-Tag die erfreuliche Nachricht: die Zahl der HIV-Infektionen in Nordrhein-Westfalen ist rückläufig. Bis Ende des Jahres 2011 werden sich in NRW voraussichtlich 650 Menschen mit HIV infiziert haben. Insgesamt lebten noch nie so viele Menschen mit HIV in Nordrhein-Westfalen wie heute, etwa 17.500. Die Presseinformation der AIDS-Hilfe NRW lesen Sie hier (PDF-Datei).

POSITHIV HANDELN gegen Kriminalisierung
Die Landesarbeitsgemeinschaft der Menschen mit HIV in NRW  hat sich auf einem Klausurwochenende im November mit der Kriminalisierung der HIV- Transmission und Exposition beschäftigt. Die Thesen und Gedanken, die entwickelt worden sind, sollen und dürfen als Diskussionsgrundlage für die Verbandsarbeit auf allen Ebenen genutzt werden. Die Presseinformation anlässlich des Welt-Aids-Tags lesen Sie hier (PDF-Datei).

„Menschen mit HIV leben mitten unter uns – und haben immer bessere Aussichten, bei guter Gesundheit alt zu werden“
In den 30 Jahren seit dem Beginn der weltweiten Aidspandemie hat sich viel verändert, doch Stigmatisierung und Diskriminierung sind nicht überwunden. Sie können die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität von Menschen, die mit HIV leben, stark beeinträchtigen. Gleichzeitig behindern Erfolge der HIV-Prävention. Der Wuppertaler Arbeitskreis Welt-AIDS-Tag (AK WAT) fordert zum Welt-Aids-Tag eine umfassende Akzeptanz für Menschen mit HIV, insbesondere am Arbeitsplatz. Die Erklärung lesen Sie hier (PDF-Format).

In Medizin und Pflege stoßen HIV-Positive immer noch auf Hysterie und Ausgrenzung
Anlässlich des Welt-Aids-Tags äußert sich die AIDS-Hilfe Münster zu Zwangstestungen einer Krankenhausgesellschaft vor der Aufnahme jeglicher Tätigkeit. Die Erklärung lesen Sie hier (PDF-Format).


ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING

Ministerin Steffens: Erfolgreiche HIV/Aids-Prävention lässt Zahl der Neuinfektionen sinken
Gesundheitsministerin Barbara Steffens wertet die erneut gesunkene Zahl der HIV-Neuinfektionen im bevölkerungsreichsten Bundesland auch als einen Erfolg der kontinuierlich durchgeführten HIV/Aids-Prävention: "Diese Trendwende ist ein Erfolg des Engagements und der Investitionen in Aufklärung, Information und Prävention der vergangenen 25 Jahre", so die Ministerin anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember. Dennoch gäbe es keinen Grund zur Entwarnung. Die Pressemeldung des Ministeriums lesen Sie unter www.mgepa.nrw.de.

"Prävention wirkt"
Der Bundesgesundheitsminister, Daniel Bahr, weist darauf hin, dass Prävention wirkt. Er führt dies darauf zurück, weil Staat und Bürger seit Langem Hand in Hand zusammenarbeiten. Wichtig ist, die Menschen weiterhin gut über die Infektion, Übertragungswege und Schutzmöglichkeiten informiert werden. Denn wer gut informiert ist, kann Risiken realistisch einschätzen und neigt nicht dazu, andere wegen irrationaler Ängste zu diskriminieren. HIV und Aids können weltweit nur in Zusammenarbeit erfolgreich besiegt werden, wenn die Menschenrechte beachtet werden und betroffene Menschen nicht ausgegrenzt werden. Die Pressemeldung des Ministeriums lesen Sie unter www.bmg.bund.de.

Lüders zum Welt-Aids-Tag: Chronisch Kranke brauchen mehr Schutz vor Diskriminierungen
Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, fordert bessere gesetzliche Regelungen für Menschen mit HIV-Infektion. In Deutschland leben etwa 70 000 Menschen, die mit HIV infiziert sind. Rund zwei Drittel von ihnen gehen einem Beruf nach. Umso bedauerlicher ist es, dass HIV-Positive nach wie vor stigmatisiert werden. Ob bei der Arbeit, im Bewerbungsverfahren oder beim Versicherungsberater: HIV-Infizierte machen Diskriminierungserfahrungen. Die Pressemitteilung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes finden Sie unter www.antidiskriminierungsstelle.de.


MENSCHEN MIT HIV/AIDS

Psychotherapie bei Menschen mit HIV: ein überfälliges Update
Am Samstag, 14. Januar 2012, veranstaltet das Kompetenznetz HIV/AIDS in Bochum einen Fachtag zum Thema „Psychotherapie bei Menschen mit HIV“ statt. Nähere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Für Frauen: www.frauenundhiv.info
Kurz vor dem Welt-Aids-Tag startet die Deutsche AIDS-Hilfe ihre Internetseite für Frauen. Die neue Website richtet sich an alle interessierte Frauen, egal ob HIV-positiv oder negativ. Sie informiert vom Kinderwunsch bis zu Wechselwirkungen der Medikamente mit hormonellen Verhütungsmitteln. Wer sich detaillierter informieren möchte, viele interessante Broschüren stehen hier zum Download bereit: www.frauenundhiv.info.


YOUTHWORK

Rollemmodell Marcel Dams in Lünener Schule
Kurz vor dem Welt-AIDS-Tag hat die Aidshilfe des Kreises Unna zu einer Diskussionsrunde in die Achenbachschule in Lünen-Brambauer mit Marcel Dams eingeladen, der sich als Botschafter der Kampagne „Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ den Fragen der Schüler stellen will. Einen Artikel zu dem Termin finden Sie hier (PDF-Datei).

VERSCHIEDENES

Der nächste Newsletter erscheint am 14. Dezember 2011
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 12. Dezember 2011.

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