Nr. 16 vom 18. August 2011
Liebe Leserinnen und Leser,

Die „neue“ Landesregierung ist inzwischen ein Jahr im Amt. Seitdem ist Barbara Steffens Ministerin für Gesundheit und Emanzipation, Pflege und Alter. Viele Jahre hat sie in ihrer damaligen Funktion als gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion engen Kontakt zur AIDS-Hilfe NRW gehalten, kein Wunder, dass wir mit unseren Anliegen auch jetzt bei ihr stets auf offene Ohren stoßen. Am Dienstag dieser Woche traf unser neuer Landesgeschäftsführer mit der Ministerin zu einem ersten Gedankenaustausch im Düsseldorfer Ministerium zusammen. An dem Gespräch nahmen auch die Staatssekretärin Marlis Bredehorst und unser Vorstandsmitglied Arne Kayser teil. Im Mittelpunkt stand das gegenseitige Kennenlernen, aber auch konkrete Themen wurden erörtert. So kamen die Erfahrungen in den regionalen Herzenslustprojekten, die Sicherung der Strukturen der mann-männlichen Sexarbeit, die wachsende Bedeutung der Sekundärprävention und die Situation im Strafvollzug zur Sprache. Außerdem wurde ein Blick auf die weitere Finanzierung der Aidshilfearbeit geworfen. Die Ministerin betont, dass das Land auf die bewährte Zusammenarbeit mit dem Landesverband setzt, und freut sich auf weitere Möglichkeiten des Gedankenaustauschs.

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher


VERBAND / LOBBY

Protokoll der Anhörung im Rechtsausschuss zum Zwangsouting am 22. Juni 2011
Eine deutliche Mehrheit der geladenen 14 Sachverständigen war sich einig, dass die Praxis des Zwangsoutings umgehend abgeschafft gehöre. Als Mittel der Infektionsvermeidung stellt es ein unbrauchbares Instrument dar, die Handhabung ist zudem diskriminierend, Gefangene mit HIV werden bloßgestellt und belastet. Für die Bediensteten schafft die Kenntnis über den HIV-Status der Gefangenen nur eine scheinbare Sicherheit. Das nun vorliegende Protokoll verdeutlicht, wie sehr die im Vollzug realisierten Präventionsmaßnahmen von den außerhalb des Vollzugs geltenden Standards abweichen. Es sagt mehr über die Zustände im Vollzug aus, als dass der Justiz angenehm sein dürfte. Das Prinzip der Äquivalenz, welches vergleichbare Verhältnisse innerhalb und außerhalb des Vollzugs anmahnt, ist noch lange nicht umgesetzt. Eine Entscheidung über das Zwangsouting ist im Laufe des Herbstes zu erwarten. Wir dürfen gespannt sein! Das Protokoll der Sitzung lesen sie hier (PDF-Datei).

Save the date: 18. November 2011 Mitgliederversammlung Paritätischer
Wir weisen heute bereits auf die Mitgliederversammlung des Paritätischen NRW hin und bitten alle Mitgliedsorganisationen, die Mitglied des Spitzenverbands sind, den Termin einzuplanen und ihre Delegierten zu bestimmen. Unser Landesvorsitzender Klaus-Peter Schäfer wird bei den Neuwahlen des Vorstands erneut kandidieren und bittet unsere Mitgliedsorganisationen um ihre Unterstützung.


ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING

:info # 2 2011 der AIDS-Hilfe Düsseldorf erschienen.
Im neuesten Heft des :info geht es sowohl um das „Hochrangige Treffen“ der UN und das „Zwangsouting“ für HIV-positive Gefangene in NRW als auch um 20 Jahre Schwules Netzwerk NRW und die Mitgliederversammlung der AHD. Dieses und viel mehr lesen Sie hier (PDF-Datei).


MENSCHEN MIT HIV/AIDS

MED-INFO im Gespräch am 8. September in Köln
Dr. Tim Kümmerle, Infektionsambulanz der Universitätsklinik Köln, ist Referent von Zahlen und Fakten, Strategien zur Risikominimierung, Einfluss der antiretroviralen Therapie. Durch die moderne medikamentöse Therapie der HIV-Infektion hat sich die Lebenserwartung von Menschen mit HIV weitgehend normalisiert. Viele berichten über eine wenig beeinträchtigte Lebensqualität durch die Infektion oder die Einnahme der Medikamente. Die HIV-Medikamente haben aber noch einen Nebeneffekt, durch die regelmäßige Einnahme einer wirksamen Therapie wird das Ansteckungsrisiko deutlich verringert. Wie groß dieser Effekt ist, worauf er beruht und was dies für einzelne oder serodifferente Paare bedeutet, soll in diesem Vortrag erläutert werden. Weitere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).


SCHWULE PRÄVENTION

Koinfektion HIV und HEP C
Nicht zuletzt auf dem vergangenen DÖAK im Juni in Hannover war das Thema Koinfektion von HIV und HEPC in aller Munde. Experten erwarten auch in den kommenden Jahren steigende Zahlen. Herzenslust und „Posithiv Handeln“ werden sich Anfang 2012 mit einer Veranstaltung zu Beginn des Jahres 2012 an Fachkollegen und Interessierte wenden und dabei auf neueste Studienergebnisse zurückgreifen können. Eine gute und verständliche Zusammenfassung der Thematik findet sich unter www.hivbuch.de.

Neuer Herzenslustkoordinator in Bonn
Alles neu macht der August!? Deshalb freuen wir uns über Verstärkung in der Bundesstadt Bonn. Die Gummibärchen werden zukünftig mit voller Herzenslust durch Jan Gentsch begleitet. Seine Vorstellung finden Sie hier (PDF-Datei).


DROGEN & AIDS

Substitutionsbehandlung ist eine Erfolgsstory
Ein sehr positiver Artikel zur Substitutionsbehandlung erschien am 12. August in der Deutschen Apothekerzeitung. Die Bundesärztekammer (BÄK) ermutigt Ärztinnen und Ärzte, sich zu Suchtmedizinern weiterbilden zu lassen. Die Behandlung Opiatabhängiger mit Ersatzstoffen sei eine Erfolgsstory, erklärt Prof. Dr. Frieder Hessenauer, Präsident der Landesärztekammer Rheinland–Pfalz und Vorsitzender des Sucht- und Drogen-Ausschusses der BÄK. Um diese fortzusetzen, seien aber mehr substituierende Ärzte und eine noch bessere Koordination der Versorgung zwischen den Sektoren und den verschiedenen Institutionen notwendig. Mehr lesen sie unter www.deutsche-apotheker-zeitung.de.

Erstes Bundesland ermöglicht die Diamorphinvergabe in Haft
Baden-Württemberg hat seine Verwaltungsvorschrift zur Substitution im Justizvollzug erneuert, seit dem 15. Juli 2011 ist nun auch die Diamorphinvergabe in Haft möglich. Aktuell erhält in Deutschland noch kein Gefangener Diamorphin, auch nicht in Baden-Württemberg. Mit der Verwaltungsvorschrift sollten die organisatorischen Voraussetzungen der Diamorphinvergabe in Haft geschaffen werden. Ob und wie viele Gefangene sich dafür eignen, ist offen. Das Justizministerium will sich dabei an den Vorgaben außerhalb der Gefängnisse orientieren. Im Mai 2010 veranstaltete die Deutsche AIDS-Hilfe das Expertengespräch „Heroinvergabe in Haft – neue Herausforderungen und Chancen für den Vollzug“. Zu dem Zeitpunkt war es für viele noch nicht möglich,über die Diamorphinvergabe in Haft zu sprechen, nun, wenige Monate später, ist es zumindest theoretisch möglich. Die „Heroinvergabe“ in Haft ist ein Meilenstein. Der erste Schritt ist getan, bleibt abzuwarten, wie sich die zuständigen Ministerien in NRW positionieren. Die Verwaltungsvorschrift lesen sie hier (PDF-Datei).

Drogenkonsumräume in Deutschland - eine Bestandsaufnahme des AK Konsumraum
Derzeit sind 25 Drogenkonsumräume in 16 Städten und sechs Bundesländern (Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Saarland) in Betrieb. Im Jahr 2000 initiierte die Deutsche AIDS-Hilfe erstmals einen bundesweiten Arbeitskreis Drogenkonsumräume (AK Konsumraum), der sich seitdem jährlich trifft und an dem alle DKR-Betreiber teilnehmen. Es entstand eine Plattform zur Qualitätsentwicklung, zum fachlichen Austausch, zur inhaltlichen Fortbildung (z.B. zu Infektionskrankheiten, Maßnahmen im Drogennotfall, Hygiene, Deeskalation, Umfeldmanagement, Ordnungspolitik, Vernetzung mit weiterführenden Hilfen) und zur Weiterentwicklung der Angebote. Die Praxis hat eine Vielfalt konzeptioneller Ansätze hervorgebracht, die in unterschiedlichen kommunalen, drogenpolitischen und rechtlichen Rahmenbedingungen gewachsen sind und ihre Berechtigung haben. „Drogenkonsumräume in Deutschland - eine Bestandsaufnahme des AK Konsumraum“ lautet der Titel der aktuellen Broschüre, die akzept und die DAH nun veröffentlicht haben. Die Broschüre kann bei akzept bestellt oder von deren Homepage heruntergeladen werden unter www.akzept.org.


STRAFVOLLZUG

Konferenz Gesundheit in Haft vom 1.-3. Februar 2012
Die 6. Europäische Konferenz zur Gesundheitsförderung in Haft findet vom 1.-3. Februar 2012 in Genf (Universitätsklinikum) statt. Die Ankündigung der Veranstaltung finden Sie hier (PDF-Datei).

Menschenrechtsorganisationen fordern Rente für Gefangene
Menschenrechts- und kritische Strafvollzugsorganisationen haben am 19. Juli 2011 in Berlin 1.598 Unterschriften an den Petitionsausschuss des Bundestages übergeben. Darunter sind 531 Unterschriften von betroffenen Gefangenen. Der Bundestagsabgeordnete Matthias W. Birkwald nahm die Unterschriften entgegen. Die Petition fordert, die arbeitenden und in Ausbildung befindlichen Strafgefangenen in die Rentenversicherung einzubeziehen. Der Gesetzgeber selbst hatte dies im Strafvollzugsgesetz von 1976/1977 bereits vorgesehen. Doch das angekündigte Bundesgesetz zur Umsetzung ist nie erlassen worden. Der Staat spart sich dadurch jährlich 160 Millionen Euro Rentenbeiträge. Gefangene werden um ihre Rente geprellt. Mehr dazu erfahren sie auf der Homepage des Grundrechtekomitees unter www.grundrechtekomitee.de. In einem Interview, veröffentlicht am 8. August in der jungen Welt, erläutert Professor Johannes Feest, Leiter des Strafvollzugsarchivs in Bremen, die Hintergründe, www.jungewelt.de.

Forschungsprojekt: Gewalt und Suizid im Jugendstrafvollzug
Der grausame Mord an einem 20-jährigen Gefangenen, den drei Mithäftlinge im November 2006 in der Justizvollzugsanstalt Siegburg verübten, hat die Aufmerksamkeit auf ein drängendes Problem des Strafvollzugs gelenkt: Mit Gewalt in allen ihren Facetten ist im Gefängnis zu rechnen. Ob Gefangene einen anderen körperlich oder sexuell misshandeln, bedrohen oder demütigen, wird den Strafvollzugsbeamten häufig nicht bekannt, da die Gefangenen oft über solche Übergriffe nicht sprechen. Drogengebrauchende Gefangene stehen oft auf der untersten Schwelle der Hierarchie unter den Gefangenen und sind deshalb besonders gefährdet. Das Kölner Institut für Kriminologie will in einem neuen Forschungsprojekt die Hintergründe von Gewalt und Suizid im Jugendstrafvollzug beleuchten. Allein in Nordrhein-Westfalen befinden sich derzeit rund 1.500 junge Straffällige hinter den Gittern des Jugendstrafvollzugs. Auf die Ergebnisse der geplanten Studie darf mit Spannung gewartet werden. Mehr Informationen dazu erfahren sie unter www.gewaltundsuizid.uni-koeln.de.

Artikel zu Jugendgewalt und Medien
Klaus Jünschke veröffentlichte am 26.05. 2011 in der Neuen Rheinischen Zeitung einen außerordentlich lesenswerten Beitrag zu Jugendgewalt und deren Aufbereitung in der Medienwelt, der in der jetzt vorliegenden 66. Ausgabe des LOTSE INFO, des Fachverbandes für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik, nachgedruckt wurde. Neue Worte werden in der Debatte kreiert: nach „Monster-Kids“ und „Koma-Schlägern“ haben Journalisten mit „Hass-Treter“ ein neues Wort für gewalttätige Jugendliche erfunden. Den Jugendlichen wird dabei Unverständnis entgegengebracht. Studien werden ignoriert und es wird vermittelt, dass es eine Zeit gegeben habe, in der Jugendliche weniger gewalttätig gewesen seien, eine Fehleinschätzung, wie Jünschke in dem Artikel verdeutlicht. Die Ignoranz der Jugendlichen, die außer sich vor Wut vor laufenden Kameras schwerste Straftaten begingen, findet, so Jünschke, ihre Entsprechung in den Berichten der Journalisten über sie. Den Beitrag finden sie unter www.nrhz.de.


FORTBILDUNG & TERMINE

Seminarreihe Konzepte und Methoden partizipativer Qualitätsentwicklung
Ein neuer Durchgang der dreiteiligen Seminarreihe zur partizipativen Qualitätsentwicklung der Deutschen AIDS-Hilfe startet im November 2011. Die kompakte Fortbildungsreihe informiert zu Konzepten und Methoden der Qualitätsentwicklung, die auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Aidshilfen und Menschen aus den jeweiligen Zielgruppen der Arbeit setzt. Einen Überblick über die Methoden zur partizipativen Qualitätsentwicklung findet sich unter www.pq-hiv.de. Weitere Informationen zu der Seminarreihe (Inhalte, Termine, Kosten, Anmeldung) finden Sie hier (PDF-Datei).


VERSCHIEDENES

Ausschreibung der AIDS-Hilfe Essen e.V.
Die AIDS-Hilfe Essen sucht Honorarkräfte für das Ambulante Betreute Wohnen für Menschen mit HIV, Aids oder chronischer Hepatitis C mit psychischen und/oder körperlichen und/oder seelischen Erkrankungen in Essen, Mülheim und Duisburg. Die Ausschreibung finden Sie hier (PDF-Datei).

Ausschreibung der Aidshilfe Köln – Freiberufliche Referentinnen und Referenten gesucht
Die Aidshilfe Köln sucht ab sofort freiberufliche Referentinnen und Referenten für die Schulungen von Ehrenamtlichen. Die Referentinnen und Referenten sind sowohl für die Durchführung des Basismoduls „Grundkenntnisse HIV und Aids“ als auch für vertiefenden Inhalte im Aufbaumodul im Rahmen von jeweils einem Wochenendworkshop mit acht Unterrichtseinheiten verantwortlich. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Ausschreibung des Vereins zur Förderung von Jugendlichen mit sozialen Schwierigkeiten e.V. - Bewerbungsfrist ist der 31. August 2011
Der Verein (www.verein-jugendliche.de) berät und begleitet in Kooperation mit der AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. Jungs und junge Männer, die der mann-männlichen Prostitution nachgehen. Zum 1. Oktober 2011 sucht der Verein eine/n Mitarbeiter/in für die Anlauf- und Beratungsstelle „Café Strich-Punkt“. Die Ausschreibung finden Sie hier (PDF-Datei).

Der nächste Newsletter erscheint am 31. August 2011
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 29. August 2011.

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