Nr. 10 vom 26. Mai  2011

Liebe Leserinnen und Leser,

in den letzten Wochen war es den Medien zu entnehmen, mit der Ausweitung des Dortmunder Sperrbezirks wurde auch der dortige Straßenstrich geschlossen. Damit geriet die seit langem erfolgreich praktizierte Zusammenarbeit zwischen Hilfsorganisationen und Ordnungsbehörden in eine deutliche Schieflage. Das bewährte „Dortmunder Modell“, also die Kombination von ordnungsrechtlichen mit unterstützenden Maßnahmen, wurde von einem hohen Konsens der unterschiedlichen Akteure getragen. Schon jetzt ist absehbar, dass sich die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit marginalisierten Gruppen deutlich verändert. Was passieren wird, wenn repressive und diskriminierende Maßnahmen bewährte integrierende und akzeptierende Ansätze verdrängen, liegt auf der Hand: die bislang gut und effizient arbeitenden Hilfsangebote in Dortmund geraten in die Defensive, ganz zu schweigen von den marginalisierten Personen, die nun gezwungen sind, ihrer Arbeit illegal nachzugehen oder sich von anderen abhängig zu machen.

Die ersten negativen Folgen für die Präventionsarbeit treten schon zutage, etwa im Stricherprojekt "Neonlicht": Prostitution wird in weniger sichtbare Räume verdrängt, so dass Gesundheitsförderung sehr viel schwieriger wird und sich schon jetzt die Bildung neuer, illegaler Zuhälter-Strukturen andeutet. Wo die Streetworker der Aidshilfe bis vor einigen Wochen noch rund 300 Stricher und Callboys mit Informationsmaterial und Kondomen versorgte und sich damit manch intensiver Gesprächskontakt ergab, treffen sie inzwischen kaum noch Stricher und Freier an. Sie sind für Aufklärung und praktische Gesundheitsfürsorge faktisch nicht mehr erreichbar.

Hat der ordnungspolitische Wille diese gesundheitspolitischen Folgen bedacht? Wohl kaum. Die Proteste nehmen zu, nach der Aidshilfe (PDF-Datei) und den Beratungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter hat sich nun auch das Netzwerk der paritätischen  Suchtkrankenhilfe in Dortmund geäußert. Es weist in seinem offenen Brief an den Oberbürgermeister (PDF-Datei) darauf hin, welche Auswirkung die Schließung des Straßenstrichs auf intravenös Drogenkonsumierende hat, die oftmals gezwungen sind, der Beschaffungsprostitution nachzugehen. Bleibt zu hoffen, dass die Politik zu einem sorgfältigen Abwägen unterschiedlicher und gegensätzlicher Interessen zurückkehrt und im Interesse der Gesundheit auch unpopuläre Maßnahmen nicht ausschließt. Momentan kann man sich des Eindrucks einer Provinzposse nicht erwehren, die an Pauschalierungen und Verkürzungen kaum zu überbieten ist.

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher



ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING

Jahresbericht aidshilfe dortmund 2010
Wie in den vergangenen Jahren veröffentlicht die aidshilfe dortmund ihre Leistungsbilanz des vergangenen Jahres. Die nackten Daten und Fakten treten im aktuellen Bericht in den Hintergrund zu Gunsten der Berichte von vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die aus ihrer ganz subjektiven Perspektive von ihrer Arbeit erzählen und dem Leser so einen neuen, alltagsnahen Einblick ermöglichen. Der vollständige Bericht finden Sie unter
aidshilfe-dortmund.de.


MENSCHEN MIT HIV/AIDS

Handreichung für den Kontakt mit HIV-betroffenen Familien
Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Kinder und Jugendliche im Umfeld von HIV/AIDS“ hat eine Handreichung für den Kontakt mit HIV-betroffenen Familien zusammengestellt. Die Handreichung als Download finden Sie unter www.ajs-hamburg.de. Wenn Sie mehr über die BAG wissen möchten, finden Sie dort auch eine Selbstdarstellung der BAG.

Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendliche im Umfeld von HIV/AIDS sucht Mitstreiterinnen und Mitstreiter
Zur Vernetzung und Unterstützung der Arbeit mit von HIV betroffene Familien gibt es die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendliche im Umfeld von HIV/AIDS (BAG). Die BAG würde sich über weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter freuen. Das nächste Treffen ist am 13. Juli in Kassel. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei). Informationen zur BAG finden Sie unter www.ahnrw.de.


SCHWULE PRÄVENTION

Herzenslust-Termine im Juni 2011
Ob Beratungs- und Schnelltestangebote oder Treffen der Herzenslust-Teams in den Regionen: Die aktuellen Termine im Juni 2011 für schwule und bisexuelle Männer in NRW finden Sie unter www.herzenslust.de.

Landesarbeitsgemeinschaft Herzenslust am 9.Juli 2011 in Unna
Die zweite LAG-Veranstaltung mit dem Schwerpunktthema „ZSP-Verfahren und Anträge 2012“ findet am 9. Juli in Unna statt. Neben dem kollegialen Austausch im Rahmen von Qualitätssicherung unserer landesweiten Präventionsarbeit steht die Vernetzung und Weiterentwicklung von aktuellen und neuen Projekten im Vordergrund. Eine gesonderte Einladung mit Tagesordnung und Informationen zur Anreise erscheint vier Wochen vorher.

Wichtige Kampagne: Steh’ auf gegen Homophobie!
Die Angst vor der sexuellen Orientierung einer Bevölkerungsgruppe und der damit einhergehenden psychischen und physischen Gewalt gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*-Menschen (LGBTI) ist auch heute noch immer allgegenwertig. In Irland ist nun eine neue Kampagne der LGBTI-Organisation “BeLonG To” gestartet – mit einem mehr als nur berührenden auf aufrüttelnden Video, das sie unter www.youtube.com finden.

Zwei Männer wünschen sich ein Kind und es kommt: Patrick, 15, vorbestraft!
"Patrick Anderthalb" heißt das Stück, mit dem am Freitag, 17. Juni 2011 um 20.00 Uhr und am Samstag, 18. Juni 2011 um 20.00 Uhr in der Studio-Bühne Essen wieder ein aktuelles Thema der homo- und heterosexuellen Lebenswirklichkeit auf dem Spielplan steht. Einzelheiten finden Sie unter www.studio-buehne-essen.de.


YOUTHWORK

Think Big: Förderprogramm sucht engagierte Jugendliche
Junge Menschen haben Fantasie und Ideen, wollen sich engagieren und zeigen, was sie können. Nur fehlt manchmal die Chance, eine Idee in die Tat umzusetzen. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und Telefónica Germany rufen Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 25 auf, sich ab sofort mit ihren Ideen im Rahmen des Förderprogramms »Think Big« zu bewerben. Voraussetzung ist: Die Jugendlichen müssen ihre Projekte selbständig und ehrenamtlich umsetzen. Weitere Informationen finden Sie unter www.engagiert-in-nrw.de.


DROGEN & AIDS

Spritzenautomatenprojekt 2010: 251.000 Spritzen abgegeben
im Rahmen des Spritzenaustauschprogramms wurden im Jahr 2010 rund 251.000 sterile Einwegspritzen für i.v.-drogengebrauchende Menschen in NRW über die Spritzenautomaten zielgerichtet abgegeben (Safer Use). Das bedeutet eine Steigerung um ca. 2,8% (6.902 Stück) zum Vorjahr. Darüber hinaus wurden 10.355 Kondome (Safer Sex) und 42.303 Pflege- und Care Sets bereitgestellt. Die Menge der lose abgegebenen Einmalspritzen, die über die Drogenhilfe-Einrichtungen abgegeben bzw. getauscht  wurden, liegt bei 2.113.242 Stück. Das bedeutet ebenfalls eine Steigerung, und zwar um ca. 5,8% (117.902 Stück) zum Vorjahr. Die Gesamtübersicht der Jahre 2008-2010 finden Sie hier (PDF-Datei).

Drogen- und Suchtbericht 2011 der Bundesregierung veröffentlicht
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung legte am 17. Mai 2011 den Drogen- und Suchtbericht 2011 der Bundesregierung vor. Der Bericht beschreibt Projekte und Maßnahmen der Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung von 2009 bis Anfang 2011. In dem Bericht wird deutlich, dass Jugendliche weniger trinken, rauchen und „kiffen“. 2010 tranken 13 % der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal in der Woche Alkohol. 2004 waren es noch 21 %. 13 % der Jugendlichen in diesem Alter rauchen, 2001 waren es noch 23 %. Auch der Anteil der Nichtraucher ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Erstmals werden die Voraussetzungen für die Zulassungs- und Verschreibungsfähigkeit von cannabishaltigen Fertigarzneimitteln geschaffen: „Das ist ein bedeutender Schritt, weil Schwerkranken dadurch eine weitere Therapieoption zur Behandlung von Schmerzen eröffnet wird. Ich wünsche mir jetzt weitere Zulassungsanträge, denn viele Menschen warten auf diese Medizin.“ erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Die Pressemitteilung finden sie unter www.drogenbeauftragte.de. Den Drogen und Suchtbericht lesen sie hier (PDF-Datei).

9 Jahre Drogenkonsumraum Dortmund
Am 6. Mai vor 9 Jahren wurde der Drogenkonsumraum im kick eröffnet. Damals war nicht klar, ob das Angebot von der Szene überhaupt angenommen würde, und auch in der Öffentlichkeit gab es viele Vorbehalte. Bewahrheitet haben sich diese Befürchtungen nicht: Das kick ist inzwischen ein wichtiger Baustein im Dortmunder Gesundheitssystem, über 220.000 Mal (!) wurde im Drogenkonsumraum unter hygienischen, medizinisch kontrollierten Bedingungen konsumiert, außergewöhnliche Belastungen für die Bürger sind dank der guten und intensiven Kooperation zwischen Hilfeseite und Ordnungsbehörden kaum entstanden. Weiteres lesen Sie hier (PDF-Datei).

Jahresbericht des Vereins für innovative Drogenselbsthilfe e.V.
Der Verein für  innovative Drogenselbsthilfe, VISION  e.V., konnte im vergangenen Jahr seine 20igjähriges Bestehen feiern. Der nun vorliegende Jahresbericht bietet einen Überblick über die Entwicklung, Veränderungen und Ereignisse der vergangenen Jahre: „VISION – damals noch unter dem Namen Junkie Bund Köln – ist angetreten, um die Lebensumstände Drogen konsumierender Menschen zu verbessern und das Bild von Drogengebrauchenden in der Öffentlichkeit durch vorurteilsfreie und objektive Aufklärung zu verbessern“ schreibt Geschäftsführer Marco Jesse  im Vorwort des lesenswerten Jahresberichts.  Mehr dazu finden sie unter www.vision-ev.de.

12. Interdisziplinärer Kongress für Suchtmedizin in München

Seit kurzem liegt das Programm des 12. Interdisziplinären Kongresses für Suchtmedizin vollständig vor. Die Veranstaltung findet vom 30. Juni 2011 bis 2. Juli 2011 in München statt. In den letzten 20 Jahren hat die Suchtmedizin zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Veranstaltung bietet die Gelegenheit, Neuigkeiten in der Diagnostik und Therapie der verschiedenen Suchtkrankheiten zu diskutieren. Medien- und Computersucht, Alkoholkrankheit, Opioidabhängigkeit und Tabakabhängigkeit bilden die Schwerpunkte des diesjährigen Kongresses. Mehr Informationen finden Sie unter www.m-i-c.de.

Verschlechterte Arbeitsbedingungen bei der Vermittlung drogenabhängiger Inhaftierter in stationäre Langzeittherapieeinrichtungen
In einem Schreiben der Drogenberatungsstelle Köln-Innenstadt an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung wird darauf verwiesen, dass sich die Vermittlung von drogenabhängigen Inhaftierten in die stationäre Behandlung nach § 35 BtmG verschlechtert hat. Dies trifft sowohl auf die Leistungsträger (in der Regel die Deutschen Rentenversicherung und nachrangig die überörtlichen Sozialhilfeträger/Landschaftsverbände) als auch auf die Justiz zu. Eine weitere Verschlechterung geht von den Rechtspflegern aus, die zur Zurückstellung der Strafvollstreckung für die einzelnen Delikte zwingend einen nachprüfbaren Zusammenhang zu einer Abhängigkeit von illegalen Drogen im Urteil fordern. Mehr dazu lesen Sie hier (PDF-Datei).


STRAFVOLLZUG

Justizminister Kutschaty: Beschlüsse der Justizministerkonferenz werden Neuregelung der Sicherungsverwahrung vorantreiben
Die Beschlüsse der Justizministerkonferenz zu den Themen Sicherungsverwahrung und Elektronische Aufenthaltsüberwachung werden nach Einschätzung von Justizminister Thomas Kutschaty die notwendigen gesetzlichen Neuregelungen vorantreiben. "Mit der Gesetzgebung ist jetzt umgehend der Bund in der Pflicht, wobei die Länder natürlich eng mitwirken werden", erklärte der Minister am 19. Mai 2011 in Düsseldorf. Angestrebt werde ein bundesweit einheitliches Verfahren für die Anordnung und den Vollzug der Sicherungsverwahrung sowie der Therapieunterbringung. Eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Länder NRW und Niedersachsen werde gesetzliche Grundlagen zur Neuregelung des Vollzugs der Sicherungsverwahrung aufstellen. Mehr dazu lesen Sie unter www.justiz.nrw.de.


FORTBILDUNG & TERMINE

Lesung „Romeo und Jabulile“ und Filmvorführung „Themba – das Spiel seines Lebens“
Auf zwei Veranstaltungen in Köln sei hier hingewiesen, auf die Informationsveranstaltung und Lesung „Romeo und Jabulile“ am 12. Mai mit dem Autor Lutz van Dijk und am 26. Mai die Filmvorführung „Themba – das Spiel seines Lebens“ (FSK: 12) - ein Film, der im Moment im Blick der Öffentlichkeit steht. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

25 Jahre AIDS-Hilfe Ahlen: Veranstaltungen
Bei der Kletternacht der Solidarität am 27.05.2011 im Klettercentrum BigWall steht nicht nur Klettern bis tief in die Nacht auf dem Programm, der AIDS-Hilfe-Helfer-Parcours gibt einen Einblick in die HIV-Prävention und neben anderen Aktionen kann mit der roten Solidaritätsschleife posiert werden. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei). „Endlich mal was Positives“ ist der Titel seines Buches, aus dem Matthias Gerschwitz am 30. Mai 2011 im Volksbank-Forum in Ahlen liest. Weiteres finden Sie hier (PDF-Datei). Bei der INSIDE OUT am 1. Juni 2011 in der Schuhfabrik sind alle Schwulen, Lesben und Heteros in Feierlaune eingeladen, zu den Top-Hits der letzten 25 Jahre eine große Party zu feiern. Das Plakat finden Sie hier (PDF-Datei).

Einladung zum Vortrag "HIV und Psyche" am 27. Juni 2011
Die AIDS-Hilfe Bielefeld lädt ein zum Vortrag "HIV und Psyche" am Montag, 27. Juni 2011, 19:00 Uhr. Dr. Bader aus Bochum berichtet aus seiner Arbeit mit HIV-Positiven und zeigt Möglichkeiten der psychotherapeutischen Behandlung auf. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).


VERSCHIEDENES

Stellenausschreibung der Aids-Hilfe Bonn
Die Ausschreibung der AIDS-Hilfe Bonn für eine neue Fachkraft für den Arbeitsbereich Frauen und Aids / Beratung, Betreuung und Begleitung für Menschen mit HIV/Aids finden Sie hier (PDF-Datei).

Der nächste Newsletter erscheint am 8. Juni 2011
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 6. Juni 2011.

Newsletter-Archiv
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