Nr. 2 vom 2. Februar 2011

Liebe Leserinnen und Leser,


auf die Kleine Anfrage 414 (News vom 03.01.2011) zweier FDP-Abgeordneter zum Zwangsouting in Justizvollzugsanstalten hat Justizminister Thomas Kutschaty, nun geantwortet (PDF-Datei). Er bestätigt, dass die 1987 in Kraft gesetzte Regelung, dass HIV-positive Gefangene in Nordrhein-Westfalen ihre Infektion gegenüber Mithäftlingen und Bediensteten offenzulegen hätten, wenn sie an Gemeinschaftszeiten („Umschluss“) teilnehmen wollen, "weiterhin aktuell" sei.

Ein Zwangsouting der HIV-positiven Gefangenen finde allerdings nicht statt, so der Minister. Keine inhaftierte Person sei verpflichtet, Informationen über ihren Infektionsstatus an Mitgefangene weiter zu geben. Stimmt! Wenn sie allein auf ihrer Zelle bleiben, am sozialen Leben in der Haftanstalt nicht teilnehmen, dann bekommt niemand die HIV-Infektion mit. Wir finden diese Antwort zynisch. Denn wenn die seinerzeit getroffene Regelung weiterhin aktuell ist, müssen die Gefangenen ihren HIV-Status offen legen, wenn sie sich mit anderen Inhaftierten treffen und am Umschluss teilnehmen wollten. Dies kommt unserer Sicht nach einem Zwangsouting gleich.

Unser Bundesverband protestierte auf das schärfste (www.aidshilfe.de) .Da NRW nach unserer Kenntnis das einzige Bundesland ist, wo diese Regelung praktiziert wird, möchten wir mit Minister Kutschaty über diesen unhaltbaren Zustand reden. Eine am Rande der 25-Jahrfeier der AIDS-Hilfe Essen im November ausgesprochene Einladung durch Kutschaty lässt hoffen, dass wir bald Gelegenheit dazu haben werden.

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher

 

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING

„Beratung und Test“ im Kölner Rathaus
Nach fünf Jahren Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ organisierte die Stadt Köln eine Ausstellung mit den regionalen Siegern des deutschlandweiten Innovationswettbewerbs. Die Ausstellung findet vom 26. Januar bis 16. Februar 2011 im Spanischen Bau des Kölner Rathauses statt. AIDS-Hilfe NRW präsentiert ihr Projekt „Beratung und Test (BuT)“. Die Presseinformation lesen Sie hier (PDF-Datei).

Praxishilfe: Selbsthilfe im Internet
Die NAKOS hat eine Praxishilfe herausgegeben, die sich mit Selbsthilfeangeboten im Internet befasst. Die Broschüre beschreibt, wie sich Selbsthilfe im Internet in guter Qualität darstellen kann. Gleichzeitig werden die Herausforderungen und Tücken, für die Angebote im Internet sind nicht verschwiegen. Viel mehr werden Lösungsoptionen angeboten. Die Praxishilfe finden Sie hier (PDF-Datei).


MENSCHEN MIT HIV/AIDS

Premiere und Pressevorführung des neuen JuPo-Präventionsspots
Seit 2003 findet sich unter dem Namen "JuPo" (Jung Positiv) jedes Jahr eine bunte Mischung aus 30 jungen Menschen zwischen 15 und 27 Jahren zusammen, die einen Aufklärungsspot zum Thema HIV und Aids für Jugendliche drehen. Ziel dieses Projektes ist es, durch Filme Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen zu leisten und so eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die Aidshilfe Köln, das Sozialwerk für Lesben und Schwule und die Kölner Videoproduktionsfirma carasana sowie die jugendlichen Projektteilnehmer laden herzlich zur Premiere 25.Februar 2011 um 19.30 Uhr ins Kölner Jugendzentrum Anyway, Kamekestr. 14, 50672 Köln ein. Weitere Informationen unter www.jupo.info.

Ernst Albert Gradl: „Salvatores Traum“
Fast 20 Jahre lang ignorierte Ernst Albert Gradl seine HIV-Infektion. Als sog. „Aids-Dissident“ bestritt er jeden Zusammenhang von HIV und Aids-Erkrankung. Im Jahr 2008 hatte er noch 8 Helferzellen und Millionen HIV-Viruskopien im Blut. Mit einer lebensbedrohlichen HIV-induizierten Enzephalitis kam er ins Krankenhaus und wurden „in letzter Minute“ durch den Einsatz von Aids-Medikamenten gerettet. Hier beginnt die Entstehungsgeschichte seiner Erzählung „Salvatores Traum“, die er gerne mit bzw. in Aidshilfen vorstellen möchte. Weitere Informationen zu dem Buch und der Geschichte seines Autors finden sie hier (PDF-Datei).


DROGEN & AIDS

Positionspapier "Psychosoziale Betreuung Substituierter"
Der internetgestützte Rundbrief der DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin ist erschienen. Aktuelle Bedeutung hat das Positionspapier "Psychosoziale Betreuung Substituierter". Es wird als relevanter Schritt auf dem Weg zu Richtlinien und Qualitätskontrolle gewertet. Den DGS-Rundbrief, neben spezifischen Veranstaltungshinweisen aus dem Drogen- und Aids-Bereich enthält er diverse Auskünfte und Hintergrundinformationen zum aktuellen politischen Geschehen rund um die Themen Drogen und Sucht, finden Sie unter www.dgsuchtmedizin.de.

Informationsschrift zu Heroin und Kokain von Fixpunkt Berlin
Der Verein Fixpunkt und die Fachstelle für Suchtprävention Berlin haben eine Informationsschrift zu Heroin und Kokain herausgegeben. Auf elf Seiten erfahren Leserinnen und Leser etwas über die jeweiligen Substanzen und die Nutzungszahlen in Deutschland. Ausführlich werden die gesundheitlichen Risiken dargelegt. Diskutiert wird auch, ob Abstinenz oder Gefahrenreduzierung die Leitmotive beim Umgang mit den Drogen sein sollten. Sie finden die Informationsschrift hier (PDF-Datei).

Artikel über Drogenkonsumräume in Europa
Unter dem Titel „Drogenkonsumräume in Europa: Politische „Sp(r)itzen oder soziales Allheilmittel“ ist ein interessanter Streifzug durch verschiedene EU-Länder zu lesen Den Artikel lesen Sie unter www.cafebabel.de.

Forschungsbericht zum Bedarf älterer Konsumierender illegaler Drogen
Eine Studie der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen hat die Situation älterer Konsumierender illegaler Drogen und die zukünftigen Anforderungen an Versorgungskonzepte in der Sucht- und Altenhilfe zum Inhalt. Das Ergebnis zeigt, dass ältere Drogenabhängige häufiger vereinsamen als nicht Drogen konsumierende Menschen. Häufiger als jüngere Konsumierende haben Ältere hingegen eine Wohnung. Die Befragung macht deutlich, dass sie im Pflegefall nicht in spezielle Heime für Suchtkranke wollen. Den Bericht lesen Sie hier (PDF-Datei).

Deutsches Forum Sucht stellt sich mit neuem Tagungskonzept vor
Unter dem Titel „Deutsches Forum Sucht“ wird am 26. und 27. März 2011 in Kassel eine neue Kongressform im Suchtbereich etabliert. Neue Erkenntnisse aus der Suchtmedizin werden nach modernen Methoden der Erwachsenenbildung untersucht. Die Veranstaltung richtet sich an alle an der Suchttherapie teilnehmenden Berufsgruppen. Mitveranstalter ist die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin. Nähere Informationen unter www.forumsucht.de.

Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien vom 13. bis 19. Februar 2011
Die Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien hat zum Ziel, die Aufmerksamkeit in Öffentlichkeit und Medien auf diese Kinder zu lenken, damit sie in Kindergärten, Schulen, Kinderarztpraxen oder Jugendfreizeiteinrichtungen bestmöglich unterstützt werden. Daher rufen die drei Vereine "Kunst gegen Sucht" (Düsseldorf), "NACOA Deutschland" (Berlin) und "Such(t)- und Wendepunkt" (Hamburg) zur zweiten bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien auf. Nähere Informationen lesen Sie hier (PDF-Datei).


STRAFVOLLZUG

Medienbeiträge: Positiv im Knast
Nachdem das Zwangsouting in den Gefängnissen von NRW Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Landtag geworden ist, haben sich verschiedene Medien des Themas angenommen. Ein Artikel in der Fresh vom Februar 2011 berichtet über die Gefängnisarbeit der Aidshilfe Unna (PDF-Datei). Der Blogger „alivenkickn“ äußerte sich am 28. Januar 2011 ausführlich zum gleichen Thema (alivenkickn.wordpress.com). Wir hoffen dass die zunehmende öffentliche Wahrnehmung dazu beiträgt, dass hinter Gittern mehr auf Menschenrechte und medizinische Versorgung geachtet wird und somit die Teilhabe am Gesundheitswesen als Resozialisierungsweg allgemein Anerkennung findet.

PoBe-Bericht 2010 zu HIV in Gefängnissen
Inhaftierung bedeutet immer auch die Einschränkung von Rechten, der Bewegungsfreiheit und Handlungsspielräume. Das soziale Umfeld wird entzogen, die freie Arzt- und Behandlungswahl fehlt. Safer Use-Materialien wie beispielsweise steriles Spritzbesteck sind in fast allen Justizvollzugsanstalten eine heimliche Mangelware und Safer Sex-Materialien stehen meist nur unter unzureichenden und unwürdigen Bedingungen zur Verfügung. Einen Bericht der Aidshilfe Bielefeld zu diesem Thema anlässlich der PoBe 2010 lesen Sie hier (PDF-Datei).


FORTBILDUNG & TERMINE

Mit Sekt und Selters über Leben und Tod: Gaybestattungen
Das Rubicon lädt ein zum Informationsabend für schwule Männer zu den Themen Bestattungvorsorge und Bestattungsformen am Montag den 14. März 2011. Näheres lesen Sie hier (PDF-Datei).


VERSCHIEDENES

Ehrenamtsstrategie der AIDS-Hilfe Hagen
Andreas Rau, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Hagen, berichtet in einem Interview im Blog der Deutschen AIDS-Hilfe über die dortige Ehrenamtsstrategie. Im Kernbereich dieser Strategie steht die Lernwerkstatt HIV, die persönliche Auseinandersetzung, Fortbildung und sogar Prüfung umfasst. Sie steht üblicherweise zu Beginn des ehrenamtlichen Engagements. Mehr zu der Bedeutung des Ehrenamts in und für die AIDS-Hilfe Hagen finden Sie in dem Interview auf blog.aidshilfe.de.

Stellenausschreibung der AIDS-Hilfe Freiburg
Die AIDS-Hilfe Freiburg besetzt zum 1. Juni 2011 eine Dreiviertelstelle in der Beratung zu HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Infektionen sowie der Betreuung und Begleitung von Menschen mit HIV/Aids und STI. Die Ausschreibung finden Sie hier (PDF-Datei).

Stellenausschreibung der AIDS-Hilfe Paderborn
Die AIDS-Hilfe Paderborn besetzt zum 1. März 2011 oder später eine Stelle in der Beratung und psychosozialen Begleitung von Menschen mit HIV und Aids. Die Ausschreibung finden Sie hier (PDF-Datei).

Ausschreibung der Deutschen AIDS-Hilfe
Die Deutsche AIDS-Hilfe startete 2006 gemeinsam mit der DAGNÄ, der DAIG, dem Kompetenznetz HIV/AIDS und der BZgA ein Projekt zur Erforschung und Implementierung von Aspekten der HIV/STI-Prävention im Arzt-Patientenkontakt. 2010 begann die DAH mit spezifischen Fortbildungen für Ärztinnen und Ärzte, die in 2011 fortgeführt werden sollen. Gesucht wird jemand für die Bewerbung, Teile der Umsetzung und die Evaluierung der Seminare. Die Ausschreibung lesen Sie hier (PDF-Datei).

"Pimp my Messestand"
Ein Messestand lässt sich kinderleicht auf- und abbauen, sorgt z.B. bei Promotion-Aktionen für erhöhte Aufmerksamkeit der gewünschten Zielgruppe und lässt sich bequem mehrmals verwenden. Die Easydisplay GmbH veranstaltet im Jahr 2011 eine Aktion für gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen. Einmal im Monat ist ein neuwertiger Messestand für die professionelle Außendarstellung zu gewinnen. Näheres unter www.easydisplay.com.

Neues Stück über schwule Adoption
Nach "BENT - Rosa Winkel" von Martin Sherman und "Ich, Michael, Hausfrau und Mutter" von Johannes Brinkmann setzt die Studio-Bühne Essen ab dem 12. März 2011 erneut ein brisantes Thema der homo- und heterosexuellen Lebenswirklichkeit in Szene, „Patrick Anderthalb“. Näheres finden Sie hier (PDF-Datei).

Der nächste Newsletter erscheint am 16. Februar 2011
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 14. Februar 2011.

Newsletter-Archiv
Alle Ausgaben dieses Newsletters finden Sie archiviert unter www.nrw.aidshilfe.de.

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