Ausgabe 22 vom 28. Oktober 2010

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie bewertet man Qualität? Legt man etwa die Kriterien eines umfassenden Qualitätsmanagements an, stehen nicht nur Produkte und Dienstleistungen, sondern die gesamte Kultur und Haltung einer Organisation auf dem Prüfstand. Für die AIDS-Hilfe NRW entsteht Qualität immer auch durch Dialog und fachlichen Austausch, den wir nicht nur untereinander, sondern auch auf Länderebene oder innerhalb der Deutschen AIDS-Hilfe pflegen. Durch die Beteiligung an einem EU-Projekt zur gemeinsamen Entwicklung von Qualität in zielgruppenorientierten HIV-Testangeboten stehen wir seit einiger Zeit auch wieder einmal im internationalen Dialog.

Dabei kommen interessante Erkenntnisse zutage. Beispielsweise treffen wir dort auf Organisationen, die sich durchaus zur schwulen Selbsthilfe zählen und dennoch das jährliche Durchtesten schwuler Männer fordern. Unsere Haltung, dass auch ohne HIV-Test ein gelingender Schutz vor HIV möglich ist, steht dort eher im Hintergrund. Verblüffende Unterschiede gibt es auch im Verständnis darüber, was Selbsthilfe und die Einbeziehung der von HIV am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen meint. Während für die einen ein breites ehrenamtliches Engagement dazu gehört, reicht es für die anderen aus, Beratung und Test außerhalb klinischer Settings anzubieten.

Insgesamt hat uns eines stolz gemacht: Projekte, die aufsuchend arbeiten, gibt es einige. Projekte, die umfassend auf Lebensweltakzeptanz und Empowerment setzen, gibt es schon weniger. Und Projekte, die durch Ehrenamtlichkeit die Zielgruppe in die Projektentwicklung und -umsetzung integrieren, gibt es vereinzelt. Insgesamt scheint es nur ein einziges Projekt zu geben, das auf alle drei Aspekte setzt und daraus seine Stärke gewinnt, das ist Beratung und Test von Herzenslust.

Und wieder wurden zwei Projekte unserer Mitgliedsorganisationen ausgezeichnet, die sich am Bundeswettbewerb Aidsprävention 2010 beteiligt haben. Wir gratulieren Looks und der Aids-Hilfe Bonn, die mit sechs weiteren Projekten mit dem Sirius ausgezeichnet wurden. Darüber freuen wir uns sehr! Denn das Anliegen des Wettbewerbs ist, neuartige und ideenreiche Präventionsansätze auszuzeichnen und bekannt zu machen, die insbesondere schwer erreichbare Gruppen ansprechen. Herzlichen Glückwunsch!

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher

Näheres zum Sirius 2010 finden Sie hier (PDF-Datei).

 

VERBAND / LOBBY

merk|würdig 2011 - Der Ehrenamtspreis der AIDS-Hilfe NRW
Auch im kommenden Jahr wird der Landesvorstand zwei Ehrenamtspreise der AIDS-Hilfe NRW mit dem Namen "merk|würdig" an Menschen aus unseren Reihen vergeben. Ab sofort können dem Vorstand Vorschläge für "merk|würdige" Menschen unterbreitet werden, die diesen Preis verdienen. Wir bitten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Mitgliedsorganisationen und uns nahestehende Menschen, Mitstreiterinnen und Mitstreiter für die Preiskategorien "innovativ" und "nachhaltig/langfristig" zu benennen. Alle Vorschläge, die uns bis zum 1. Dezember 2010 schriftlich erreichen, gehen in das diesjährige Verfahren ein. Bitte die Vorschläge mit kurzer Begründung, warum die Vorgeschlagenen als Kandidatinnen oder Kandidaten für den Ehrenamtspreis "merk|würdig" in Frage kommen, an markus.schmidt@nrw.aidshilfe.de (Betreff: "merk|würdig" 2011) senden. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).


ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING

5. Bonner Aids Gala  am 27. November 2010
Zum fünften Mal findet im Brückenforum Bonn Beuel die Bonner Aids Gala statt. Eintrittskarten sind über das Brückenforum und alle bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).


MENSCHEN MIT HIV/AIDS

"Depression und HIV" am 27. November in Wuppertal
Die AIDS-Hilfe Wuppertal bietet in Kooperation mit der Deutschen AIDS-Hilfe eine Patientenschulung und Fortbildung zum Thema „Depression und HIV“ an. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Seminarreihe „HIV & Psyche“ 2011
Im Frühjahr 2011 startet die Seminarreihe „HIV & Psyche“ mit den beiden Grundkursen „Affektive Störungen“ und „Borderline-Syndrom“. Danach werden sechs Aufbaukurse angeboten. Die Seminarreihe richtet sich an Sozialpädagoginnen/Sozialpädagogen, Psychologinnen/Psychologen, Ärztinnen/Ärzte und Pflegepersonal im Arbeitsfeld HIV. Die Seminare finden in der Akademie Schönbrunn bei München statt. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).


SCHWULE PRÄVENTION

Wissenschaftliche Studie über schwule Szene in Essen
In den letzten Jahren hat sich die schwule Szene immer mehr ausdifferenziert. Schwule und bisexuelle Männer definieren sich zunehmend unter anderem durch diverse Dresscodes, Vorlieben und sexuellen Praktiken voneinander. Die AIDS-Hilfe Essen möchte mit dieser Studie herausfinden, wie die zielgruppenspezifische Prävention sich zukünftig verändern muss und welche Präventionsangebote entwickelt werden müssen, um den sich verändernden Anforderungen von schwulen Männern gerecht zu werden. Die Befragung finden Sie hier www.aidshilfe-essen.de.

„Verqueere Welten“ – Ausstellung im Haus der Rosa Strippe
Wie leben junge Menschen, wenn sie beim Erwachsenwerden merken, dass sie lesbisch sind, schwul, bisexuell oder trans? Was im letzten Jahr unter dem doch etwas sperrigen Titel „Lebenswege junge Lesben und Schwuler“ nur als Idee entwickelt wurde, ist zu einer bunten, vielfältigen, eben „verqueeren Welt“ geworden. Die Idee hat auch über die lesbisch-schwule Community hinaus Resonanz gefunden, so dass ihre Umsetzung aus Mitteln des Kinder- und Jugendförderplanes des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wurde. Die Ausstellungseröffnung ist am 5. November 2010 um 19 Uhr im Haus der Rosa Strippe. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).


STRAFVOLLZUG

Wegweisende Rede des Justizminsters zum Strafvollzug anlässlich der 100-Jahrfeier der JVA Essen
Zum Strafvollzug als Behandlungsvollzug gibt es nach den Worten von Landesjustizminister Thomas Kutschaty keine Alternative. Den Inhaftierten müssten mittels einer breiten Palette wiedereingliederungsfördernder Maßnahmen und ehrenamtlicher Unterstützung aus der Bevölkerung Hilfen angeboten werden, um die Gesellschaft schützen zu können. Notwendig seien ein besseres Übergangsmanagement im Zuge der Haftentlassung sowie mehr offener Vollzug und weniger „Ersatzfreiheitsstrafen“. Moderner Strafvollzug müsse immer die individuellen Bedürfnisse der Inhaftierten berücksichtigen, um erfolgreich sein zu können. Deshalb müsse er bei Frauen anders ausgestaltet sein als bei Männern. Das Land will in naher Zukunft ein eigenes Strafvollzugsgesetz auf den Weg bringen. Eine Zusammenfassung sowie den Wortlaut der Rede finden Sie hier (PDF-Datei).

Zahl der Todesfälle mit Drogenzusammenhang nach Haftentlassung inakzeptabel hoch
Daten der Kriminalpolizei und aus Drogenkonsumräumen zeigen deutlich, dass Frauen und Männer nach Haftentlassung besonders gefährdet sind, an einer Überdosis zu sterben. Die WHO geht von einem mehr als hundertfachfach erhöhten Sterberisiko für drogenabhängige, rückfällige gewordene Ex-Gefangene in den ersten Wochen nach Haftentlassung aus. Auf der 5. Konferenz zur Gesundheitsförderung in Haft im September in Hamburg wurde u.a. dieses Thema in den Blick genommen. Eine Presseinformation der Deutschen AIDS-Hilfe dazu finden Sie hier (PDF-Datei).


TRANSKULTURELLE ORIENTIERUNG

Info-Abend „Lesben und Schwule in Ostafrika: Solidarität als Überlebensstrategie“
Am 5. November 2010 ab 20.00 Uhr findet im Rubicon, Rubensstr. 8-10, Köln, ein Info-Abend über das schwul-lesbische Leben in Ostafrika statt. Diese gemeinsame Veranstaltung von Gay Homeland Foundation (GHF) und baraka wird den Subkontinent näher vorstellen und Wege zur Unterstützung der relativ jungen ostafrikanischen LGBT-Bewegung aufzeigen. Die eingesammelten Spenden werden von der GHF 1:2 aufgestockt und an die Gay and Lesbian Coalition of Kenia übergeben.


VEREINSMANAGEMENT / FORTBILDUNG / FINANZEN / PERSONAL

Arbeitstagung zur Vorstandsentwicklung
Am 18. Januar findet in Köln eine Veranstaltung zur Vorstandsentwicklung statt. Die Tagung widmet sich mit den spezifischen Herausforderungen ehrenamtlicher Vorstände. Neben der Anpassung an sich verändernder Rahmenbedingen geht es auch um innere Veränderungen z.B. durch Wachstum oder Generationenwechsel. Während dieser Tagung sollen Möglichkeiten analysiert werden, auf den daraus resultierenden Qualifikationsbedarf des Vorstands zu reagieren. Veranstaltet wird diese Tagung vom 3WIN e.V. Institut für Bürgergesellschaft. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

16. Kongress Armut und Gesundheit in Berlin: "Verwirklichungschancen für Gesundheit"
Wie können Ressourcen armer und ausgegrenzter Menschen verbessert werden? Welche Handlungsspielräume benötigen Menschen, um ein gutes und gesundes Leben führen zu können? Diese Fragen stehen im Zentrum der mehr als 80 Workshops und Diskussionsforen des 16. Kongress Armut und Gesundheit am Freitag, 3. Dezember, und am Samstag, 4. Dezember 2010, in Berlin. Der Kongress will Teilnehmende aus vielen verschiedenen Bereichen zusammenbringen: Betroffene, Krankenkassen, Ärzteschaft und Initiativen diskutieren mit Menschen aus Politik und Wissenschaft. Die Veranstaltung ist als Bildungsurlaub anerkannt. Alle weiteren Informationen zum Kongress lesen Sie unter: www.gesundheitliche-chancengleichheit.de. Das Programm finden Sie hier (PDF-Datei).


VERSCHIEDENES

BtMG: Schmerzbehandlung in Hospizen und Palliativversorgung soll erleichtert werden
Mit der nächsten BtMG-Änderung sollen künftig ambulante Palliativpflegedienste und Hospize ärztlich verschriebene und nicht mehr benötigte betäubungsmittelhaltige Schmerzmittel für andere Patientinnen und Patient weiterverwenden dürfen. Auch sollen künftig cannabishaltige Fertigarzneimittel verschrieben werden können. Durch die beabsichtigten Änderungen des BtMG greift die Bundesregierung eine Empfehlungen des Sachverständigenausschusses für Betäubungsmittel auf. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei).

Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen verabschiedet
Am 8. September 2010 wurde in Berlin die "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen" vorgestellt. Sie stellt den Zustand in der Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland dar – verbunden mit Handlungsoptionen und einer Selbstverpflichtung für die Zukunft. Träger sind die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), der Deutsche Hospiz- und Palliativverband (DHPV) und die Bundesärztekammer (BÄK). Die Charta zeigt auf, wie eine Palliativversorgung aussehen muss, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen unheilbar kranker und sterbender Menschen orientiert. Weitere Informationen sowie den Text der Charta finden Sie im Internet unter www.charta-zur-betreuung-sterbender.de.

 

Der nächste Newsletter erscheint am 10. November 2010
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per E-Mail an newsletter@nrw.aidshilfe.de. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 8. November 2010. 

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Alle Ausgaben dieses Newsletters finden Sie archiviert unter www.nrw.aidshilfe.de.

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