Nr. 14 vom 8. Juli 2009

Liebe Leserinnen und Leser,

"nur noch Party", diesen Vorwurf hörte man noch vor wenigen Jahren, wenn es um den Kölner CSD ging. Mit dem ursprünglichen Gedanken einer politischen Demonstration hätte das, was sich in den drei Tagen in Köln abspiele, nichts mehr zu tun. Mit dem diesjährigen Motto "Unsere Freiheit hat Geschichte" legte der Veranstalter des Colognepride, der Kölner Lesben- und Schwulentag e.V., die Messlatte wieder hoch, um der Tradition des Kampfs um Anerkennung und Gleichstellung von Lesben und Schwulen gerecht zu werden. Unser Fazit: Auch der Colognepride 2009 war wieder farbenfroh und politisch.

Beispielsweise der Gedenkgang "Laufend erinnern", der sich bereits am Wochenende zuvor rund um den Kölner Rudolfplatz bewegte, unterstrich, dass der Blick in die Geschichte auf das Engagement vergangener Generationen die eigenen politischen Positionen und Forderungen schärfen kann: "Unsere Freiheit hat Geschichte". Auf dem CSD-Empfang, zu dem wir gemeinsam mit dem Schwulen Netzwerk NRW weit über 850 Gäste im Gürzenich begrüßen durften, gelang es unserem Vorsitzenden Klaus-Peter Hackbarth und dem Moderator, unserer "Bewegungsschwester" Georg Roth, mit dem Blick in die Vergangenheit deutlich gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Ignoranz einzutreten. Auch die KompassnadelpreisträgerInnen Katharina Kroll und Dominik Frohn sowie Dr. Theo Zwanziger sprachen sich mitreißend und entschlossen für die Akzeptanz und Integration von Minderheiten in die Gesellschaft aus. Eine Fotogalerie zum Empfang finden Sie unter www.csd-empfang-nrw.de.

Am Abend erinnerten auf der Hauptbühne die Aidshilfe Köln und der KLuST mit den "Kerzenlichtern gegen das Vergessen" an die zahlreichen in Köln an den Folgen von Aids Verstorbenen und alle Menschen mit HIV und Aids und erneuerten ihr Bekenntnis für eine Prävention, die sich nicht am Strafrecht, sondern an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Am Sonntag trat die landesweite Kampagne "POSITHIVHANDELN NRW" zur Förderung der Positiven-Selbsthilfe hinter dem großen Truck der Präventionsaktionen "Ich weiß was ich tu" der Deutschen AIDS-Hilfe und "Herzenslust" (mehr dazu unter www.herzenslust.de) in Erscheinung. Bezug nehmend auf den Skandal um die Verhaftung eines Mitglieds der "No Angels" vor einigen Monaten trat die dreißigköpfige Fußgruppe unter dem Motto "Wir sind keine Engel" gegen jede Diskriminierung und eine strafrechtliche Verfolgung von Menschen mit HIV ein (mehr dazu unter www.posithivhandeln.de).

Der Colognepride 2009 hat gezeigt, dass sich Party und Politik, der Wunsch, sich stolz ein wenig selbst zu feiern, und der Anspruch, politische Forderungen nach Anerkennung und Gleichstellung klar zu formulieren, nicht ausschließen.

Dr. Guido Schlimbach | Pressesprecher

 

MENSCHEN MIT HIV/AIDS

Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe durch Vielfalt und Innovation in der Eingliederungshilfe
Nach einjähriger Diskussion in den einschlägigen Facharbeitskreisen des Verbandes und einer abschließenden Beschlussfassung des Landesvorstandes stellt der Paritätische NRW seine "Eckpunkte zur Diskussion um die Zukunft der Eingliederungshilfe" zur Verfügung. Damit gibt der Verband einen umfassenden Überblick über die notwendigen konzeptionellen Grundlagen für eine bedarfsgerechte Bestandssicherung und Weiterentwicklung in der Eingliederungs- und Behindertenhilfe in NRW. Die 24-seitige Broschüre gibt es zum Download unter www.paritaet-nrw.org oder per Bestellung bei: Der Paritätische NRW, Fachgruppe Sozialbetriebe, Loher Straße 7, 42283 Wuppertal, ulla.plagge@paritaet-nrw.org.


SCHWULE PRÄVENTION

AIDS-Hilfe Oberhausen: Neues Angebot zu Beratung und Test ab 13. Juli 2009
Ab dem 13. Juli 2009 bietet das Herzenslust-Team in Oberhausen einmal im Monat ein Beratungsangebot mit der Möglichkeit, einen HIV-Schnelltest zu machen, an. Das Angebot richtet sich an Männer, die Sex mit Männern haben. Mehr erfahren Sie hier (PDF-Datei).

Einladung zu "kreathiv - präventhiv am 25. Juli 2009 in Köln
Zum diesjährigen Runden Tisch "kreathiv - präventhiv" am 25. Juli 2009 in Köln laden wir herzlich ein. Im Fokus von "kreathiv - präventhiv" stehen in diesem Jahr Geschichte, Wandel und Perspektiven. Wir blicken zurück auf 40 Jahre CSD, über 25 Jahre Aidshilfe und schwule Präventionsarbeit. Weitere Informationen und die Anmeldung finden Sie hier (PDF-Datei).

Aids-Hilfe Bonn: 11. Schwul-lesbisches Sommerfest in Bonn 2009, 1. August 2009
Am 1. August 2009 feiern und demonstrieren die schwulen und lesbischen Bonner und Bonnerinnen zum 11. Mal für ein tolerantes Miteinander am Rhein. Die Veranstaltung auf dem Münsterplatz steht auch in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft der Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann. Das Plakat zum Sommerfest und die Pressemeldung der Aids-Hilfe Bonn finden Sie hier (PDF-Datei).

Terminkalender der AIDS-Hilfe Essen und Essen-X-Point für August 2009
Den Terminkalender der AIDS-Hilfe Essen und Essen-X-Point für den Monat August 2009 finden Sie hier (PDF-Datei).

Aus der Wissenschaft: Migration und Gesundheit
Aktuell hat die Heinrich-Böll-Stiftung ein Dossier zum Thema "Migration und Gesundheit" veröffentlicht. Sehr deutlich wird in diesem Dossier auf die gesundheitliche Situation von Schwulen und Lesben mit Zuwanderungsgeschichte eingegangen. Anhand des sog. Minoritäten-Stress-Modells von Meyer wird die spezifische Situation dargestellt: So sind Schwule und Lesben mit Migrationshintergrund einem vierfachen Stress ausgesetzt, dem sie begegnen müssen, um ihre Gesundheit dauerhaft erhalten zu können. Diese erwähnten vier Ebenen des Stresses sind (1) Erfahrungen von Diskriminierung und Gewalt, (2) die Befürchtung von Diskriminierungs- und Gewalterlebnissen, (3) das Verbergen der eigenen sexuellen Orientierung und Lebensweise und (4) die Verinnerlichung negativer gesellschaftlicher Bewertungen über lesbische und schwule Lebensweisen. Für Angebote der Aidshilfearbeit bedeutet dies nicht nur die epidemiologische Situation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu betrachten, sondern auch den Stress aus dem sozialen Umfeld, der wesentliche Ressourcen zum Erhalt der individuellen Gesundheit blockieren kann. Das Dossier kann unter www.migration-boell.de nachgelesen werden.


DROGEN & AIDS

Motto für den 21. Juli 2009: Menschenwürde in der Drogenpolitik
Der diesjährige nationale Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen am 21. Juli 2009 steht unter dem Motto "Menschenwürde in der Drogenpolitik - ohne Legalisierung geht es nicht!". Der Protest-, Aktions- und Trauertag wird das lange erwartete positive Votum des Bundestags zur Diamorphinvergabe zum Anlass nehmen Bilanz zu ziehen, was sich seit dem ersten Gedenktag in der Drogenpolitik positiv entwickelt hat - und was in Zukunft noch zum Positiven zu verändern ist. Im Rahmen der Substitutionsbehandlung sind strukturelle und rechtliche Veränderungen notwendig um eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Behandlung zu gewährleisten (Stadt-Land Gefälle, Rechtssicherheit für Ärzte, Würde der Substituierten). Außerdem gilt es die Möglichkeit der dauerhaften Substitution in Haft zu realisieren. Mehr dazu lesen Sie im gemeinsamen Aktionstagsflugblatt vom Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit e.V., dem Landesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit NRW e.V., dem bundesweiten JES (Junkies - Ehemalige - Substituierte) Selbsthilfe-Netzwerk, dem Landesverband JES NRW e.V., der Deutschen AIDS-Hilfe e.V., der DGS (Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin) e.V. und akzept e.V., dem Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik, hier (PDF-Datei).

20 Jahre JES-Netzwerk: Für ein menschenwürdiges Leben mit Drogen, 24. bis 25. Juni 2009
Am 24. und 25. Juni 2009 begingen etwa 100 Mitglieder aus JES-Gruppen sowie Akteurinnen und Akteure mit MitarbeiterInnen aus Aids- und Drogenhilfen, Wissenschaft und Politik den 20 Geburtstag des JES-Netzwerks in Berlin. Höhepunkte waren u.a. die Verleihung des 'Celia Bernecker Preis' an VISION e.V. (ehem. Junkie-Bund Köln) und die Verleihung des 'Ginkgo-Blatt für Humanität und Akzeptanz', dem Ehrenpreis des Bundesverbandes der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit an das bundesweite JES Netzwerk (PDF-Datei). Die Rede des Bundesvorstand der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. finden Sie hier (PDF-Datei). Erste Eindrücke zur Veranstaltung finden Sie unter Aktuelles 2009-06-28 auf www.jes.aidshilfe.de. Über die 20 Jährige Arbeit des JES-Netzwerkes hat die Deutsche AIDS-Hilfe einen Forumsband (Nr. 56, 112 Seiten) herausgegeben. Bestellung bei dah@aidshilfe.de oder download unter www.aidshilfe.de.

Nice people take drugs
"Nette Menschen nehmen Drogen", mit diesem Titel versucht Release, die britische Organisation für 'nationales Fachwissen über Drogen und Drogenrecht' den üblichen stigmatisierenden Slogans gegenüber DrogenkonsumentInnen beizukommen. Die These lautet: Die Öffentlichkeit ist die künstliche Darstellung der "bösen Drogen" leid, da die Tatsache, dass alle möglichen Menschen aus dem näheren und öffentlichen Bekanntenkreis Drogen nehmen, durchaus auch andere Realitäten erkennen lässt. Release hofft, dass die Kampagne zu einer Debatte um die angemessene Wahrnehmung von Drogen im Leben der Bevölkerung führt, nachdem der 'War on Drugs' eine Vielzahl von neuen Suchtstoffen und deren Missbrauch zur Folge hat. Das Tabu um Drogen zu brechen sei der erste Schritt, den Schaden den Drogen herstellen können, zu reduzieren. Einen informativen Bericht über die Kampagne und deren Beweggründe von "The Guardian" finden Sie unter www.guardian.co.uk. Informationen von Release zur Kampagne gibt es hier: www.release.org.uk.

Neues DGS-Info (Juli 2009) erschienen
Der internetgestützter Rundbrief der DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin, Ausgabe 28, ist erschienen. Er enthält neben spezifischen Veranstaltungshinweisen aus dem Drogen- und Aids-Bereich diverse Informationen und Hintergrundinformationen zum aktuellen politischen Geschehen rund um die Themen Drogen und Sucht. Online zu lesen unter www.dgsuchtmedizin.de.


FORTBILDUNG & TERMINE

Weiterbildung: Case Management im Gesundheitswesen
Im September 2009 startet die Paritätische Akademie eine einjährige Weiterbildung zur Case Managerin und zum Case Manager im Sozial-, Gesundheitswesen bzw. in der Beschäftigungsförderung. Die TeilnehmerInnen erwerben das Zertifikat als Case Managerin/Case Manager, anerkannt nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC). Der Teilnahmebeitrag beträgt 2.800 Euro, der Umfang beläuft sich auf 210 Unterrichtsstunden, Bildungsschecks werden anerkannt. Ausführliche Informationen finden Sie hier (PDF-Datei) oder erhalten Sie bei Bärbel Gebert unter Tel. 0202-2822231 oder baerbel.gebert@paritaet-nrw.org.


Der nächste Newsletter erscheint am 22. Juli 2009
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per Mail an: newsletter@nrw.aidshilfe.de. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 20. Juli 2009.


Newsletter-Archiv
Alle Ausgaben dieses Newsletters finden Sie archiviert unter www.nrw.aidshilfe.de.

Impressum | Newsletter abmelden | Newsletter anmelden