April/Mai 2009
Liebe Leserinnen und Leser

Der XXelle Newsletter bietet Ihnen wieder viele interessante Hinweise und Termine für die nächsten Wochen. Und nächsten Donnerstag startet auch wieder "Andreas Tagebuch", das Tagebuch mit dem Titel: Aus dem Leben einer HIV-positiven Frau.
Aus aktuellem Anlass möchte ich an dieser Stelle Andrea zitieren: "... mein Name ist Andrea und ich bin 47 Jahre alt. Vor einiger Zeit bin ich von der XXelle-Homepage gefragt worden, ob ich mir vorstellen kann, auf dieser Homepage regelmäßig etwas von mir und aus meinem Leben zu erzählen. Ich war erst sehr unsicher, ob ich das machen soll. Ich bin HIV-positiv und obwohl es einige Menschen gibt, die das auch wissen, so lebe ich doch nicht offen mit der HIV-Infektion. Warum das so ist, darauf werde ich im Laufe der Zeit sicher noch öfter zu sprechen kommen."
Andrea hat sich freiwillig entscheiden können, über sich und ihr Leben als HIV-positive Frau zu berichten, eine andere Frau, die im April verhaftete No-Angel-Sängerin, hatte diese Entscheidungsfreiheit nicht. Mehr dazu finden Sie im Newsletter und auf der Internetseite der AIDS-Hilfe NRW e.V. unter www.nrw.aidshilfe.de.

Viel Spaß beim lesen des Newsletters wünscht Ihnen
Petra Hielscher
Frauen und Aids
AIDS-Hilfe NRW e.V.

 

A K T U E L L E S

Zur Verhaftung der No-Angel-Sängerin
"Sie als Aidshilfe sind doch sicher froh, dass Aids jetzt wieder überall Thema ist", so hörten wir es in den zurück liegenden Tagen immer wieder seitens Vertreterinnen und Vertretern der Presse. Selbstverständlich brauchen unsere Präventionsbemühungen entsprechende Aufmerksamkeit. Im konkreten Fall der verhafteten No-Angel-Sängerin liegt der Fall allerdings anders. Dass eine junge Frau mit einer HIV-Infektion leben muss, ist nichts, worüber man froh sein kann. Dass diese in aller Öffentlichkeit gebrandmarkt wird, widerspricht jedem Anstand und jeder Wahrung der Menschenwürde und Privatsphäre. Und eine wirksame Aufklärung und Prävention wird weder durch Kriminalisierung noch durch Moralisierung begünstigt. Es kann nicht im Interesse der Aidshilfe sein, wenn eine junge Frau als "schuldig" oder "böse" abgestempelt wird, aber niemand über sein eigenes Sexualverhalten nachdenkt.
Die Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft könnte zudem bei vielen den Eindruck erwecken, der Staat habe alles im Griff und schütze durch Strafverfolgung die Bevölkerung vor HIV. Andererseits könnten manche aus Angst, kriminalisiert zu werden, von einem HIV-Test absehen. Beides hätte fatale Folgen für eine angstfreie und wirkungsvolle Prävention.
Was wir also in den letzten zwei Wochen erlebt haben, hat in vielerlei Hinsicht die Grenzen überschritten. Es scheint in Deutschland im 21. Jahrhundert zuzugehen, als gebe es keinen Datenschutz, als sei die Unschuldsvermutung romantischer Schnickschnack, als wären wir auf direktem Wege vom Rechtsstaat der Gegenwart zur öffentlichen Hexenverbrennung des Mittelalters. Wer erwartet hatte, dass die geltende Rechtssprechung bezüglich einvernehmlicher Sexualität zwischen Erwachsenen, bei der es zu einer HIV-Übertragung kommt, kritisch hinterfragt würde, darf sich ab jetzt zu den "Naivlingen" zählen.
Und als sei das noch nicht schlimm genug, veröffentlicht eine westfälische Zeitung ein Interview mit einem lokal ansässigen Zahnarzt, der Nadja B. tröstet, ihre Erkrankung sei nicht Folge einer HIV-Infektion. Duisberg lässt grüßen.
Aber keine Regel ohne Ausnahme: Es gibt auch Journalistinnen und Journalisten, die nicht in die allgemeine Aufregung einstimmten und den eigenen Berufsstand und das staatanwaltliche Handeln in Frage stellen.
Wir werden sehen, was bleibt, ob das die bundesdeutschen Schulhöfe beherrschende Thema nachhaltigen Widerhall in den Klassenzimmern und damit auch in den Köpfen der Jugendlichen findet.
Aus dem Newsletter der AIDS-Hilfe NRW, Ausgabe Nr. 9 vom 29. April 2009 von Guido Schlimbach und Beate Jagla

Ohne HIV-Hysterie geht´s auch!
Hier finden Sie zwei Artikel von Nils Minkmar (FAZ am Sonntag) und Robert Leicht (Zeit), die nicht in die angesprochene Aufregung und Hysterie einstimmten und das staatanwaltliche und mediale Handeln deutlich in Frage stellen (PDF-Datei).

Die Neue Westfälische auf merkwürdigen Wegen
Am 17. April 2009 hielt es die Neue Westfälische für nötig, auf den gegenwärtigen medialen HIV-Hype noch einen draufzusetzen: Sie veröffentlichte ein großes Interview mit einem Zahnarzt, der behauptete, dass HIV nicht ursächlich für eine Aidserkrankung verantwortlich sei. Die AIDS-Hilfe Bielefeld und die Aidsberatungsstelle im Gesundheitsamt Bielefeld sahen sich zu Recht genötigt, eine fachliche Stellungnahme abzugeben. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Landtags Günter Garbrecht sah sich ebenso zu einem Statement veranlasst, das die Notwendigkeit der Prävention deutlich betont. Mehr erfahren Sie hier (PDF-Datei).

Zehn Gründe gegen die Kriminalisierung der HIV-Übertragung
Im Vorfeld der Welt-Aids-Konferenz im kommenden Jahr hat das Open Society Institut eine Initiative gegen die Kriminalisierung der HIV-Übertragung gestartet. Als Grundlage für die Initiative hat sie ein Papier erstellt, das die Deutsche AIDS-Hilfe im Herbst 2008 unterzeichnet hat. Angesichts der aktuellen Situation hat das Papier auch in Deutschland besondere Bedeutung bekommen. Mehr erfahren Sie hier (PDF-Datei).

Pressemitteilung der GSSG - Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit
Haft hilft nicht gegen HIV.
Haft wegen HIV unmenschlich, unnötig und gefährlich – GSSG setzt sich für sofortige Freilassung der HIV-positiven Sängerin Nadja Benaissa ein – Vorgehen der Justiz gefährdet HIV-Prävention. Die Pressemitteilung finden Sie hier.


N E W S

Deutsch/Österreichisch/Schweizerischen AIDS-Kongresses (SÖDAK)
Stellungnahme des Community-Boards des 1. Deutsch/Österreichisch/Schweizerischen AIDS-Kongresses (SÖDAK)
Nachdem in den letzten Wochen die Gerüchteküche über die Community-Beteiligung am SÖDAK innerhalb der HIV-Positiven-, der ärztlichen/wissenschaftlichen, aber auch der AIDS-Hilfe-Communities zu einer Hochform aufgelaufen ist gibt es nun eine Stellungnahme des Community-Boards. Diese und weitere Informationen zum Thema finden Sie hier (Stellungnahme).

POSITHIV HANDELN
Ab sofort ist die neu gestaltete Website www.posithivhandeln.de der AIDS-Hilfe NRW mit vielen zusätzlichen Inhalten und geändertem Layout online gestellt. Die Seite richtet sich an Menschen mit HIV und Aids und bietet Informationen zu POSITHIV HANDELN, der Initiative der Positivenselbsthilfe in NRW, und den landesweiten Positiventreffen. Außerdem sind hier Termine und Links, ausführliche Informationen zu HIV & Arbeit und HIV & Gesundheit zu finden.

HIV und Gesundheit
Hauptsache gut informiert! Medizinische Themen können ganz schön kompliziert sein, und wenn es von Laborwerten und Koinfektionen nur so wimmelt, ergreift so mancher lieber die Flucht. Aber das ist nicht nötig, denn das Wichtigste ist gar nicht so schwer zu verstehen. Und wer informiert ist, fühlt sich in jeder Hinsicht sicherer – und ist es oft auch! Auf der Website www.posithivhandeln.de finden Sie gut verständliche Basisinfos über HIV/Aids, die Funktionsweise antiretroviraler Therapien und Wechselwirkungen der Medikamente mit Partydrogen aber auch über andere sexuell übertragbare Krankheiten.

Lebensversicherungen für HIV-Infizierte
Seit Mitte 2008 besteht auch für Menschen mit HIV und Aids die Möglichkeit eine Lebensversicherung abzuschließen. Dabei wird das Risiko individuell kalkuliert. Grundsätzlich ist sehr darauf zu achten, ob eine Lebensversicherung wirklich optimal für Positive ist, oder ob nicht andere Finanzkonzepte zu bevorzugen sind, die ohne Gesundheitsprüfung und die entsprechenden Aufschläge auskommen. Hierzu eine Meldung der Deutschen AIDS-Hilfe: (PDF-Datei)


X X e l l e  I M  I N T E R N E T

"Andreas Tagebuch"
Das Tagebuch von Andrea mit dem Titel: Aus dem Leben einer HIV-positiven Frau, startet nach einer Pause wieder ab Donnerstag, den 7. Mai 2009.
Sie finden wieder wie gewohnt die wöchentlichen Berichte.
Auf der XXelle Internetseite www.xxelle-nrw.de ist seit Dezember 2008 ein Blog zum Thema: Aus dem Leben einer HIV-positiven Frau, gestartet. Andrea, 47 Jahre, gewährt dort regelmäßig Einblicke in ihr Leben als HIV-positive Frau.


T E R M I N E  U N D  F O R T B I L D U N G E N

Party für positive Frauen und Männer
Die vierte Hetero-Singleparty für positive Frauen und Männer findet am 31. Mai 2009 in Köln statt. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem Plakat (PDF-Datei).  

Gesundheitstrainings für Menschen mit HIV/Aids in Köln und Düsseldorf
Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten, ist auch heute noch ein positives Testergebnis für die meisten Menschen ein tiefer Einschnitt. Mediziner gehen davon aus, dass ein HIV-infizierter Mensch eine relativ normale Lebenserwartung hat. Doch kann die eigene Infektion erst dann immer mehr zur „Normalität“ werden, wenn man sich auf den verschiedenen Ebenen damit auseinander setzt. Dabei wird die HIV-Infektion in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder zum Thema – etwa in der Partnerschaft, bei dem Beginn bzw. dem Wechsel der Kombinationstherapie oder einer Veränderung im Berufsleben.
Durch gezielte Informationen und die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, unterstützt das Gesundheitstraining die persönliche Auseinandersetzung.
Es hilft individuelle Wege zu finden, um die eigenen Ziele zu erreichen.
Das Gesundheitstraining findet an sieben Abenden und zwei Wochenenden statt. Somit wird insbesondere Berufstätigen und sich in Ausbildung befindenden Menschen mit HIV/Aids eine Teilnahme ermöglicht. Auch inhaltlich wird auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Personengruppe besonders eingegangen.
Die Gruppengröße beträgt max. 12 Personen. Für eine Kinderbetreuung kann gesorgt werden. Hier finden Sie die Informationsflyer für Düsseldorf (PDF-Datei) und Köln (PDF-Datei).

Rundreise "HIV und Depression" am 09.05.2009 in der AIDS-Hilfe Bielefeld e.V. von 10.00-17.00 Uhr.
Anmeldung bei Bert-Ulf Prellwitz unter 0521/133388
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bis zu 80 % der HIV-Positiven von seelischen Störungen wie z. B. Depressionen betroffen sein können. Häufig werden die Symptome nicht erkannt und folglich auch nicht behandelt. Andererseits gibt es inzwischen hoch wirksame und gut verträgliche Behandlungsansätze. Seelische Erkrankungen werden in unserer Gesellschaft freilich noch immer tabuisiert – an einer Depression erkrankte Menschen mit HIV werden daher oft doppelt stigmatisiert
Themen:
• HIV und Psyche – ein Überblick über die Fakten
• HIV und Depression: Was sind erste Anzeichen? Wie geht man mit der eigenen Hilflosigkeit um? Wie sehen Diagnose und Behandlung aus? Wann ist wer der richtige Ansprechpartner? Psychotherapie oder Pharmakotherapie was ist wann angezeigt?
• Welche Rolle spielen Angehörige und ehrenamtliche Helfer/innen bei der Bewältigung der Depression? Was kann man tun, was sollte man besser lassen?
• Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Vernetzung können vor Ort genutzt werden?
AIDS-Hilfe Bielefeld e.V. Ehlentruper Weg 45 a 33604 Bielefeld

Landesweite Positiventreffen 2009
Alle Termine für Landesweite Positiventreffen 2009 und für die Treffen der Landesarbeitsgemeinschaft POSITHIV HANDELN finden Sie unter www.posithivhandeln.de.

Seminarankündigungen der Deutschen AIDS-Hilfe:
Die Veranstaltung Positiv leben mit Kindern findet vom 26.-28.06.2009 in der Akademie Waldschlösschen in Reinhausen bei Göttingen statt. Die Kenn-Nr. lautet: 3F-92870. Ankündigung und Anmeldeformular finden Sie hier. 

Die Veranstaltung "Neue" Präventionsstrategien und ihre Bedeutung für die beraterische Praxis findet vom 03.-05.07.2009 in Fohrde unter der Kenn-Nr. 2F-91350 statt. Ankündigung und Anmeldeformular finden Sie hier.

Das II. Treffen des Netzwerk „Frauen und Aids“ zum Thema Sexualität und Partnerschaft findet vom 10.-12.07.2009 im Kulturbahnhof in Kassel statt. Parallel treffen sich dort weitere Netzwerke. Ankündigung und Anmeldeformular finden Sie hier. Die Ankündigung zu allen Netzwerktreffen finden Sie hier.


Der nächste Newsletter erscheint am 2. Juni 2009.
Ich freue mich über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per Mail an: petra.hielscher@nrw.aidshilfe.de.

 
 
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