Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Freundinnen und Freunde,
diesmal zu Beginn ein Beitrag aus dem AIDS-Hilfe NRW-Newsletter vom 29. April, der sich mit den skandalösen Geschehnissen rund um die Verhaftung der "No-Angels" Sängerin beschäftigt:
"Sie als Aidshilfe sind doch sicher froh, dass Aids jetzt wieder überall Thema ist", so hörten wir es in den zurück liegenden Tagen immer wieder seitens Vertreterinnen und Vertretern der Presse. Selbstverständlich brauchen unsere Präventionsbemühungen entsprechende Aufmerksamkeit. Im konkreten Fall der verhafteten No-Angel-Sängerin liegt der Fall allerdings anders. Dass eine junge Frau mit einer HIV-Infektion leben muss, ist nichts, worüber man froh sein kann. Dass diese in aller Öffentlichkeit gebrandmarkt wird, widerspricht jedem Anstand und jeder Wahrung der Menschenwürde und Privatsphäre. Und eine wirksame Aufklärung und Prävention wird weder durch Kriminalisierung noch durch Moralisierung begünstigt. Es kann nicht im Interesse der Aidshilfe sein, wenn eine junge Frau als "schuldig" oder "böse" abgestempelt wird, aber niemand über sein eigenes Sexualverhalten nachdenkt.
Die Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft könnte zudem bei vielen den Eindruck erwecken, der Staat habe alles im Griff und schütze durch Strafverfolgung die Bevölkerung vor HIV. Andererseits könnten manche aus Angst, kriminalisiert zu werden, von einem HIV-Test absehen. Beides hätte fatale Folgen für eine angstfreie und wirkungsvolle Prävention.
Was wir also in den letzten zwei Wochen erlebt haben, hat in vielerlei Hinsicht die Grenzen überschritten. Es scheint in Deutschland im 21. Jahrhundert zuzugehen, als gebe es keinen Datenschutz, als sei die Unschuldsvermutung romantischer Schnickschnack, als wären wir auf direktem Wege vom Rechtsstaat der Gegenwart zur öffentlichen Hexenverbrennung des Mittelalters. Wer erwartet hatte, dass die geltende Rechtssprechung bezüglich einvernehmlicher Sexualität zwischen Erwachsenen, bei der es zu einer HIV-Übertragung kommt, kritisch hinterfragt würde, darf sich ab jetzt zu den "Naivlingen" zählen.
Und als sei das noch nicht schlimm genug, veröffentlicht eine westfälische Zeitung ein Interview mit einem lokal ansässigen Zahnarzt, der Nadja B. tröstet, ihre Erkrankung sei nicht Folge einer HIV-Infektion. Duisberg lässt grüßen.
Aber keine Regel ohne Ausnahme: Es gibt auch Journalistinnen und Journalisten, die nicht in die allgemeine Aufregung einstimmten und den eigenen Berufsstand und das staatanwaltliche Handeln in Frage stellen. Wir werden sehen, was bleibt, ob das die bundesdeutschen Schulhöfe beherrschende Thema nachhaltigen Widerhall in den Klassenzimmern und damit auch in den Köpfen der Jugendlichen findet.
Guido Schlimbach | Beate Jagla
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING
Ohne HIV-Hysterie geht´s auch!
Hier findest Du zwei Artikel von Nils Minkmar (FAZ am Sonntag) und Robert Leicht (Zeit), die nicht in die angesprochene Aufregung und Hysterie einstimmten und das staatanwaltliche und mediale Handeln deutlich in Frage stellen (PDF-Datei).
Die Neue Westfälische auf merkwürdigen Wegen
Am 17. April 2009 hielt es die Neue Westfälische für nötig, auf den gegenwärtigen medialen HIV-Hype noch einen draufzusetzen: Sie veröffentlichte ein großes Interview mit einem Zahnarzt, der behauptete, dass HIV nicht ursächlich für eine Aidserkrankung verantwortlich sei. Die AIDS-Hilfe Bielefeld und die Aidsberatungsstelle im Gesundheitsamt Bielefeld sahen sich zu Recht genötigt, eine fachliche Stellungnahme abzugeben. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Landtags Günter Garbrecht sah sich ebenso zu einem Statement veranlasst, das die Notwendigkeit der Prävention deutlich betont. Mehr kannst Du hier lesen (PDF-Datei).
und weil es so schön passt:
Zehn Gründe gegen die Kriminalisierung der HIV-Übertragung
Im Vorfeld der Welt-Aids-Konferenz im kommenden Jahr hat das Open Society Institut eine Initiative gegen die Kriminalisierung der HIV-Übertragung gestartet. Als Grundlage für die Initiative hat sie ein Papier erstellt, das die Deutsche AIDS-Hilfe im Herbst 2008 unterzeichnet hat. Angesichts der aktuellen Situation hat das Papier auch in Deutschland besondere Bedeutung bekommen. Mehr erfahrt Ihr hier (PDF-Datei).
Deutsche AIDS-Hilfe steigt aus SÖDAK aus
Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. wird sich in diesem Jahr nicht am Deutsch-Österreichischen-Schweizer Aids-Kongress (SÖDAK) in Sankt Gallen/Schweiz beteiligen. Die zugehörige Pressemeldung findest Du hier (PDF-Datei)
Deutsche AIDS-Gesellschaft positioniert sich
Die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) hat eine Stellungnahme zur Frage der Infektiosität von Patienten unter HIV-Therapie herausgegeben. Diese findest Du hier (PDF-Datei).
Einladung zum Positiventreffen "Sport und Gesundheit"
Zum landesweiten Positiventreffen von POSITHIV HANDELN vom 26. bis 28. Juni 2009 im DGB-Tagungszentrum Hattingen mit dem Thema: Positive Bewegung für Menschen mit HIV – Sport und Gesundheit laden wir herzlich ein. Die Referenten sind Stefan Buchsbaum, Dortmund und Philipp Kahl (beide Sportlehrer). Stefan und Philipp werden in erster Linie praktische Übungen mit uns durchführen, wie z. B. Stretching, Gymnastik, Entspannung usw. und sie geben uns auch Tipps für unseren Alltag. Beide Sportlehrer haben langjährige praktische Erfahrungen als Trainer der RedRibbon(Sport)Gruppe des SC Aufruhr, in der sich Menschen mit HIV und Aids und Freunde treffen. Wie immer, gibt es viel Zeit zum Austausch untereinander und mit den Referenten, die von Freitag bis Sonntag dieses Wochenende gestalten. Wie immer steht Euch die Onlineanmeldung zur Verfügung.
Unter dem Link: http://hattingen.dgb-tagungszentren.de könnt Ihr Euch Einzelheiten zum Tagungshaus ansehen.
Neues Angebot von 20+pos in der AIDS-Hilfe Essen
jeden zweiten Mittwoch im Monat ab 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr trifft sich die Selbsthilfegruppe in der AIDS-Hilfe Essen. 20+pos Ruhrgebiet' spricht junge Männern und junge Frauen im Alter von bis zu 29 Jahren an. Die AIDS-Hilfe Essen e.V. stellt dafür einen Raum in der ersten Etage zur Verfügung, der eine angenehme und geschützte Atmosphäre bietet. Die Anonymität ist gewährleistet, da die Varnhorststr. 17 ein gewöhnliches Mehrfamilienhaus ist.
Bisher sind wir gut damit gefahren, ein offenes Treffen zu gestalten; d.h. wir stellen zwar bestimmte Gesprächsthemen vor, aber Priorität haben die Themen, die Dir am Herzen liegen. Uns ist wichtig, dass Du Dich einbringen kannst, soweit Du das willst. Thomas Kuta bietet als neuer Mitarbeiter im selben Zeitraum auch die Möglichkeit, sich rund um die Thematik jung und HIV-positiv individuell und persönlich beraten zu lassen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Weitere Infos findest Du hier (PDF-Datei).
AIDS-Hilfe Oberhausen & AIDS-Hilfe Duisburg/Kr. Wesel: Fachgespräch zur HIV-Therapie 2009 „Älterwerden mit HIV/Aids“, 27. Mai 2009
Glücklicherweise nimmt mit der gestiegenen Lebenserwartung von Menschen mit HIV der Anteil von älteren HIV-PatientInnen kontinuierlich zu. Die AIDS-Hilfe Oberhausen und die AIDS-Hilfe Duisburg/Kr. Wesel veranstalten ein Fachgespräch, das sich der Frage widmet, welche zukünftigen Herausforderungen mit „älteren" PatientInnen verbunden sind. Mehr erfährst Du hier (PDF-Datei).
Gesundheitstrainings für Menschen mit HIV/Aids, Raum Köln und Raum Düsseldorf
Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten ist auch heute noch ein positives Testergebnis für die meisten Menschen ein tiefer Einschnitt. MedizinerInnen gehen davon aus, dass ein HIV-infizierter Mensch eine relativ normale Lebenserwartung hat. Doch kann die eigene Infektion erst dann immer mehr zur "Normalität" werden, wenn man sich damit auseinander setzt. Auch ein Gesundheitstraining kann die persönliche Auseinandersetzung verstärken. Ein solches findet an sieben Abenden und zwei Wochenenden in Bonn und Köln statt. Somit wird insbesondere Berufstätigen und sich in Ausbildung befindenden Menschen mit HIV/Aids eine Teilnahme ermöglicht. Auch inhaltlich wird auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Personengruppe besonders eingegangen. Hier findest Du die Informationsflyer für Düsseldorf (PDF-Datei) und Köln (PDF-Datei).
Party für positive Frauen und Männer
Eine Hetero-Singleparty für positive Frauen und Männer findet am 31. Mai 2009 in Köln statt. Nähere Informationen sieht man auf dem Plakat hier (PDF-Datei).
Stellenausschreibung: Verwaltung BuT-Mobil
Für das Projekt „Beratung und Test“ BuT-Herzenslust suchen wir im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung einen Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin, für 20 Stunden monatlich ab dem 01.Juni 2009, oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt für die Verwaltung des BuT-Mobils (Wohnmobil als Beratungs- und Infomobil). Weitere Informationen zu den Anforderungen und den Fristen finden sich hier (PDF-Datei).
BuT-Grundlagentraining am 13. und 14. Juni 2009 in Bochum
Das Grundlagen-Training für Beratung und Test (BuT) findet am Samstag, den 13. Juni 2009, von 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr und am Sonntag, den 14. Juni 2009, von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr in den Räumen der AIDS-Hilfe Bochum (Harmoniestr. 4, 44787 Bochum) statt. Dieses Training stellt die Grundlage für die darauf aufbauenden Trainings für Berater und Buddys dar. Die Teilnahme an zwei Trainings (BuT-Grundlagen + BuT-Berater oder BuT-Grundlagen + BuT-Buddys) qualifiziert zur Übernahme von Aufgaben im Projekt BuT.Thematisch geht es vor allem um den HIV-Test, Reduktion des Infektionsrisikos für HIV und sexuell übertragbare Infektionen sowie um Techniken der Gesprächsführung. Weitere Infos zu den Inhalten sowie die Anmeldemöglichkeit gibt es hier (PDF-Datei).
Seminarankündigung der Deutschen AIDS-Hilfe - Treffen aller Netzwerke
Netzwerk Frauen und AIDS, Jes-Sprecherrat, Netzwerk der Angehörigen, Positiv und Hetero, Afro Leben+, Netzwerk plus laden ein:
Dieses Treffen ist ein von den Netzwerken gewünschtes Treffen aller Netzwerke. Es gibt Raum sowohl für gemeinsam stattfindende Programmpunkte für alle Netzwerke und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie auch Raum für das Treffen der einzelnen Netzwerke.
Die Programmpunkte für die Zeiten die einzelnen Netzwerktreffen haben die Netzwerke jeweils selbst vorbereitet. Weiter Informationen findest Du in der Einladung. Anmelden kannst Du Dich mit folgendem Formular (PDF-Datei)
Terminübersicht der landesweiten Positiventreffen 2009
Alle Termine für Landesweite Positiventreffen 2009 und für die Treffen der Landesarbeitsgemeinschaft POSITHIV HANDELN Terminübersicht 2009. Übrigens ist jeder herzlich eingeladen, einmal bei der LAG reinzuschnuppern, die sich die landesweite Interessenvertretung von Menschen mit HIV/Aids auf die Fahnen geschrieben hat.
Bitte sendet den Newsletter auch an interessierte Personen weiter!
Frühlingsgrüße aus Köln
Stephan Gellrich
AIDS-Hilfe NRW e.V. Lindenstr.20 50674 Köln
Fon 0221 / 92 59 96 - 0 Fax 0221 / 92 59 96 - 9
Mail to stephan.gellrich@nrw.aidshilfe.de
|