Nr. 11 vom 28. Mai 2008

Liebe Leserinnen und Leser,

"Gesundheitsförderung und Prävention haben in Deutschland einen schweren Stand", mit dieser Einleitung begann ich unseren letzten Newsletter Nr. 10, vom 14. Mai 2008, der viel Aufmerksamkeit, Zustimmung aber auch Kritik gefunden hat. Die Rückmeldungen haben uns gezeigt, dass es sich immer wieder lohnt einen genaueren Blick auf die HIV/Aids-Prävention in Deutschland zu werfen und auf die Bedingungen, die sie prägen.

Eine der wesentlichen Bedingungen für gelingende Prävention und Gesundheitsförderung ist die offene und adäquate Ansprache der Menschen, die in besonderer Weise von HIV/Aids betroffen oder bedroht sind, und damit eine gelingende Kommunikation, die insbesondere auch Responsemöglichkeiten der angesprochenen Zielgruppen einschließt. Dass dies am besten unter Einbeziehung und weitgehender Autonomie der Selbsthilfeorganisationen gelingt, ist zwar inzwischen anerkannter Public-Health-Standard, allerdings im (gesundheitspolitischen) Alltag immer wieder neu zu erkämpfen.

Ein offensichtliches Beispiel für diesen Umstand sind die Schwierigkeiten des Bundes, die notwendigen (und vorhandenen) Finanzmittel für ein seit Jahren dringend benötigtes interaktives Gesundheits-/Präventionsportal für schwule Männer/MSM im Internet der Deutsche AIDS-Hilfe zur Verfügung zu stellen. Dass das Internet ein unabdingbarer und in vielen Dingen auch idealer Kommunikationskanal für die HIV/Aids-Prävention ist, ist unumstritten. Dies aber auch für die größte von HIV/Aids betroffene Gruppe szenenah umzusetzen scheitert letztlich an der Angst der Geldgeber vor der eigenen Courage, den als richtig erkannten Public-Health-Ansatz konsequent umzusetzen.

Es ist richtig, notwendig und erfolgreich, Bundesmittel für die niedrigschwellige zielgruppenspezifische Prävention bereitzustellen. Und es ist richtig, notwendig und sinnvoll, die Distanz zwischen den staatlichen Präventionsakteuren und der Aidshilfe als konstitutives Element des "deutschen Erfolgsmodells" zu beachten. Das erleichtert (vielleicht) auch die Entscheidung, ein Internetportal zu finanzieren, das vor den Augen und Ohren der "Kunden" bestehen muss. Denn: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler! Daher gilt auch hier mein letzter Satz vom 14. Mai 2008.:"Ein Lerneffekt in dieser Angelegenheit ist daher wünschenswert“.

Dirk Meyer | Landesgeschäftsführer

 

VERBAND / LOBBY

Kommunalisierung - Entwicklungen vor Ort: Hamm
"Aids-Hilfe vor Aus?" titelte der Westfälische Anzeiger am 20.05.2008. In dem Artikel lässt er verschiedene Stimmen aus der Kommunal- und Landespolitik zu den möglichen Folgen der Kommunalisierung für Hamm zu Wort kommen. Mehr erfahren Sie hier (PDF-Datei - 450 KB). Weitere Details zur Kommunalisierung der Landesförderung unter www.nrw.aidshilfe.de.


ÖFFENTLICHKEITSARBEIT / FUNDRAISING

Medienpreis der Deutschen AIDS-Stiftung
auch für 2007/2008 vergibt die Deutsche AIDS-Stiftung wieder ihren Medienpreis für sachgerechte Berichterstattung über die Themen HIV und AIDS. Nähere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei – 1061 KB).

Veranstaltungen der AIDS-Hilfe Köln im Rahmen des colognepride
Nähere Informationen zum Sommerfest am Lebenshaus, der Gedenkveranstaltung "Namen und Steine", zum CSD-Dinner im Kölner Maritim und der großen Aidsgala finden Sie hier (PDF-Datei – 581 KB).

Vortrag von Prof. em. Martin Dannecker zu 25 Jahren Aidshilfearbeit
Im Rahmen der Veranstaltungen zu CSD in Dortmund wird auch zu einem Vortrag mit Prof. Martin Dannecker eingeladen. Martin Dannecker, herausragender Sexualwissenschaftler, wird darüber reden, wie sich die Bedeutung der Aidshilfe-Arbeit in Deutschland in der Vergangenheit gewandelt hat und in der Zukunft noch wandeln wird. Der Vortrag findet am Freitag, den 29. August 2008, um 19.30 Uhr, im KCR Dortmund statt. Weitere Infos finden Sie hier (PDF-Datei - 56 KB).


MENSCHEN MIT HIV/AIDS

Positiventreffen "Leben mit HIV"
Die Landesarbeitsgemeinschaft POSITHIV HANDELN NRW lädt zum landesweiten Positiventreffen "Leben mit HIV" vom 27. bis 29. Juni 2008 in die Akademie Biggesee. Parallel werden zwei Themen behandelt: "Sport und Gesundheit – positive Bewegungen für Menschen mit HIV" und "HIV-ART – Kunsttherapie für Positive". Nähere Informationen sowie die Anmeldung finden Sie hier (PDF-Datei – 196 KB).

(K)eine Zukunft für die HIV Ambulanz!?
Vor Wochen ist eine Debatte um den Fortbestand der Dortmunder HIV-Ambulanz am Klinikum Dortmund ausgebrochen. Der SLADO e.V. lädt deshalb zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung mit den Vertretern der beteiligten Stellen und der Betroffenen ein. Die Einladung finden Sie hier (PDF-Datei – 75 KB).

Informationsveranstaltung "Neue Optionen für Vorsorge und Therapie bei HIV", Köln, 18. Juni 2008
Die Richtlinien, die den Beginn einer HIV-Therapie festlegen, haben sich in den letzten Jahren immer wieder verändert. Mittlerweile geht der Trend dahin, wieder früher mit der HIV-Therapie zu beginnen. Eine Studie, die herausfinden will, ob ein noch früherer Beginn als bisher Vorteile für HIV-Positive bringt, wird auf dieser Veranstaltung vorgestellt. Mehr erfahren Sie hier (PDF-Datei - 858 KB).

Selbstbestimmtes Leben für behinderte Menschen - Das Persönliche Budget
Seit dem Januar 2008 besteht Rechtsanspruch auf das "Persönliche Budget". Das "PB" ermöglicht es behinderten Menschen, die ihnen zustehenden Leistungen als Ausgleich ihrer Behinderung direkt zu erhalten und sich selbst die notwendige Unterstützung zu organisieren. Es ist ratsam, sich gut beraten zu lassen, ob und wenn ja, in welcher Form diese Leistung in Frage kommen. Einen Flyer des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe finden Sie unter www.lwl.org, weitere Informationen unter www.mags.nrw.de, www.bmas.de oder http://www.zsl-koeln.de.

Kennenlernwochenende für junge, schwule HIV-Positive

Die Aidshilfen Frankfurt und Köln bieten gemeinsam ein Wochenende im Gästehaus Lommerke (nahe Willingen) für junge, HIV-positive, schwule Männer aus bereits bestehenden lokalen 20plus-Gruppen an. Die Einladung richtet insbesondere an junge HIV-Positive aus Regionen, in denen es bisher keine Angebote für junge, schwule HIV-Positive gibt. Neben der Gelegenheit Gleichaltrige in ähnlichen Lebenssituationen kennen zu lernen, wird die Möglichkeit zur persönlichen Auseinandersetzung mit Themen, die über das medizinische Wissen zu HIV und Aids hinausgehen, geboten. Dabei stehen persönlichen Wünsche und Bedürfnisse im Mittelpunkt. Nähere Infos finden Sie hier (PDF-Datei – 42 KB).


SCHWULE PRÄVENTION

Sex bei Viruslast unter der Nachweisgrenze
Check up und MEDInfo im Gespräch laden zu einem Regenbogengespräch zum Thema "Sex bei Viruslast unter der Nachweisgrenze" am 11. Juni 2008 um 19.30 Uhr im Regenbogencafé der Aidshilfe Köln ein. Die Anzeige finden Sie hier (PDF-Datei – 87 KB).

HIV-Speichel-Schnelltest
Die Tageszeitung "Die Welt" thematisiert in einem Artikel den neuen HIV-Speichel-Schnelltest. Dabei wird auch der Sinn des Einsatzes als Heimtest diskutiert. Die Hauptargumente dagegen sind die fehlende Vor- und Nachberatung sowie die Fehleranfälligkeit bei falscher Anwendung. Vom US-amerikanischen CDC wird als Befürworter eines Heimtests hervorgebracht, dass in den USA bis zu 30% der Ergebnisse von herkömmlichen HIV-Tests nicht abgeholt würden. Für Deutschland und NRW kann jedoch davon ausgegangen werden, dass lediglich weniger als 5% der Ergebnisse nicht abgeholt werden. Darüber hinaus spricht die Anzahl der nicht abgeholten Egebnis für den Einsatz von Schnelltests, nicht aber für den Einsatz von Heimtests. Der Artikel findet sich unter http://www.welt.de.

Tag gegen Homophobie
Aus Anlass des Internationalen Tages gegen Homophobie am 17. Mai hat die Botschafterin der ARCUS-Stiftungsinitiative, Lissy Gröner, Mitglied des Europäischen Parlaments, eine Erklärung veröffentlicht, die Sie hier (PDF-Datei – 30 KB) finden.


JUGEND

Ein Gegengewicht gegen Vorurteile
Die Jugendgruppe der AIDS-Hilfe Bergisch Gladbacher hat ihr Theaterstück verfilmt. Für das selbst geschriebene und inszenierte Werk wurde das "A-Team" jüngst von der AIDS-Hilfe NRW mit dem Ehrenamtspreis "merk|würdig 2008" ausgezeichnet. Einen Artikel des Rheinisch-Bergischen Anzeigers finden Sie unter http://www.rhein-berg-online.ksta.de.

"DVD AFFÄREN" zur Aidsprävention mit Unterrichtshilfe

"AFFÄREN" richtet sich an Jugendliche, Erwachsene und an Pädagogen, ist frisch, frei unterhaltend, informativ, sehr direkt und mit größter Sensibilität umgesetzt. Die unmissverständliche Botschaft: Wer sexuellen Kontakt hat, ohne Schutz, riskiert eine HIV-Übertragung. Die dazu entstandene umfassende Unterrichtshilfe beantwortet Fragen und gibt Anregungen. Die DVD entstand in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Bundesamt für Gesundheit und der AIDS Hilfe Schweiz im Rahmen der Stop AIDS Kampagne. Für Deutschland wurde eigens eine deutsche Sprachfassung synchronisiert. Weitere Informationen gibt Frau Egger-Zeller unter ursula.egger@bluewin.ch.


DROGEN & STRAFVOLLZUG

Heroinsubstitution
Die Presseerklärung von akzept e.V. anlässlich der Debatte zur Heroinsubstitution am 08. Mai 2008 im Bundestag finden Sie hier (PDF-Datei – 98 KB).

9. Interdisziplinärer Kongress für Suchtmedizin
Vom 3. bis 5. Juli 2008 findet der diesjährige Interdisziplinäre Kongress für Suchtmedizin in München statt . Er trägt der Tatsache Rechnung, dass Suchtkranke nach wie vor diskriminiert werden, obwohl sie eine der größten Patientengruppen in den Akutkrankenhäusern auf internistischen, neurologischen, chirurgischen und gynäkologischen Stationen sind. Der Kongress bietet die Möglichkeit, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse auszutauschen und suchtmedizinisches Grundlagenwissen zu erwerben und richtet sich an Ärztinnen und Ärzte der verschiedensten Fachrichtungen, Psychologinnen/Psychologen, Sozialpädagoginnen/Sozialpädagogen, Krankenschwestern und –pfleger sowie weitere Therapeutinnen/Therapeuten. Nähere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei – 504 KB).

Arbeitsausschuss Drogen und Sucht der LIGA kritisiert Landesdrogenpolitik
Der Arbeitsausschuss Drogen und Sucht NW als Zusammenschluss der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in NRW fordert: "Die Sucht- und Drogenhilfe in NRW braucht gesicherte Rahmenbedingungen und materielle Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Beratungs- und Therapieangebote." Es brauche Gleichaltrige/Peers, PädagogInnen und Fachkräfte, die sich informativ, kreativ und nicht selten auch provokativ gegen den Mainstream stellen. Das Konzept der Abstinenz und Nüchternheit brauche überzeugende Handlungskonzepte und personelle Ressourcen in Städten und auf dem Land. Nähere Informationen finden Sie hier (PDF-Datei – 40 KB) und unter http://www.inforum-sucht.de unter "Drogen- und Suchtbericht 2008 - Wo bleiben Handlungsempfehlungen für NRW?".

Tagungsbeiträge der Sucht-Selbsthilfe-Konferenz der DHS im Netz
"Von der Konkurrenz zur Kooperation. Sucht-Selbsthilfe auf dem Weg in die Zukunft", so der Titel der Sucht-Sebsthilfekonferenz, die von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) Ende April ausgerichtet und über 200 Personen besucht wurde. Nun erscheinenen die Beiträge schrittweise im Internet unter: www.dhs.de.

Beiträge des Bundesdrogenkongesses 2008 im Netz
Der 31. Bundesdrogenkongress des FDR (Fachverband Drogen und Rauschmittel e.V.) fand Ende April in Hamburg statt. Er stand unter dem Motto: "Kinder sind Zukunft. Die Suchthilfe positioniert sich." Er bot Beiträge zu Suchtmittelkonsum in der Schwangerschaft, Kindern im suchtkranken Umfeld und Jugendlichen und Suchtmittelkonsum. Die Kurzfassungen finden Sie unter http://fdr-online.info, die Abstracts  unter http://fdr-online.info.

Prävention und Schadenminimierung mal anders
Der Junkie Bund Köln e.V. präsentiert auf seiner Internetseite einen Präventionsspot "Safer Use - Kochen für die breite Masse", der den Trend der Kochshows aufgreift und zeigt, was zu einem klassischen Druck unter hygienischen Bedingungen gehört. Das Video finden Sie unter www.junkiebund.de.

Weiterentwicklung der Substitutionsbehandlung nötig
akzept e.V. hat einen Abgleich von §5 BtMVV mit weiteren relevanten Bestimmungen, wie z.B. §43 Arzneimittelgesetz (AMG) und den Richtlinien der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opiatabhängiger in Auftrag gegeben. Das Gutachten vom März 2008 kommt zu dem Schluss, dass die Rahmenrichtlinien der Substitutionsbehandlung dringend zu reformieren sind. Sie finden das Gutachten unter www.dgsuchtmedizin.de. Diesem Standpunkt nähert sich auch die Bundesärztekammer. Im April veröffentlichte sie Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage unter Substitutionsärzten. Nähere Informationen finden Sie unter www.dgsuchtmedizin.de.

Homepage zu Gesundheitsförderung in Haft
Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V., Archido Bremen (das Informations- und Forschungszentrum der Uni Bremen zu Alkohol, Tabak, Drogen, Medikamenten und Sucht), akzept e.V. und das Wissenschaftliche Institut der Ärzte Deutschlands (WIAD) haben gemeinsam eine neue Homepage zu Gesundheitsförderung in Haft unter www.gesundinhaft.eu online gestellt. Mit dem Ziel die gesundheitliche Versorgung der Gefangenen und die gesundheitlichen Belastungen der Bediensteten höher auf der politischen und fachlichen Agenda zu platzieren dient sie als interdisziplinäres Forum, um aktuelle Informationen und Materialien innerhalb der deutschsprachigen europäischen Länder (v.a. Deutschland, Österreich, Schweiz) leichter zugänglich zu machen.


FORTBILDUNG & TERMINE

Veranstaltungskalender der AIDS-Hilfe NRW Juni/Juli 2008
Fortbildungsveranstaltungen der AIDS-Hilfe NRW, ihrer Mitglieder, der Deutschen AIDS-Hilfe, der Paritätischen Akademie und andere interessante Angebote für die kommenden zwei Monate finden Sie hier (PDF-Datei – 73 KB).

 

Der nächste Newsletter erscheint am 11. Juni 2008
Wir freuen uns über interessante Berichte, Veranstaltungshinweise etc. Bitte senden Sie diese per Mail an: newsletter@nrw.aidshilfe.de senden. Redaktionsschluss für die kommende Ausgabe ist der 10. Juni 2008. 

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