September 2007

PHARMAZIE

FDA hat Darunavir als Bestandteil von HIV-Kombinationstherapie Zulassung in en USA erteilt

Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) hat die beschleunigte Zulassung für das Medikament Darunavir (TMC114) zur Behandlung von HIV erteilt. Die Zulassung gilt bei gleichzeitiger Verabreichung von Ritonavir (rtv) 600/100 mg zweimal täglich (BID) in Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen für Humane Immundefizienz-Virus-1-Infektionen (HIV) bei erwachsenen PatientInnen, die sich bereits einer antiretroviralen Behandlung unterzogen haben. Das beschleunigte Zulassungsverfahren der FDA gestattet eine frührere Zulassung von Medikamenten, die gegenüber bestehenden Therapien bei schwerwiegenden oder lebensbedrohlichen Erkrankungen einen bedeutenden therapeutischen Vorteil aufweisen.
Im Januar dieses Jahres war bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) ein Antrag auf Marktgenehmigung eingereicht worden. Die Zulassung von Daunavir (Prezista) seitens der FDA und der Antrag in Europa gründeten sich beide auf die Ergebnisse zu Wirksamkeit und Unbedenklichkeit aus de 24-wöchigen Phase zur Dosisfindung zweier kontrollierter, randomisierter Phase-IIb-Studien, die unter dem Namen POWER 1 und POWER 2 bekannt sind, sowie die unterstützenden Analysedaten aus dem nicht randomisierten Open-Label-Versuch mit dem Namen POWER3.
(Tibotec Pharmaceuticals Ltd.)

Selentabletten reduzieren Belastung durch HIV-Viren, erhöhen aber Diabetes-Risiko

Eine US-Studie an 91 HIV-Patienten liefert überraschende Ergebnisse: Die tägliche Einnahme von Selen verhindert die Anhäufung von HI-Viren im Blut. Das Mineral könnte somit eine einfache und billige Behandlungsalternative sein, um das Virus unter Kontrolle zu halten, bzw. die Funktion des Immunsystems zu verbessern. In einem Zeitraum von neun Monaten erhielten 91 HIV-Patienten täglich eine Kapsel mit 200 Milligramm Selen, weitere 83 Patienten erhielten ein Blindpräparat. Zu Beginn der Studie verfügten beide Gruppen über vergleichbare Selenwerte. Die Werte der Gruppe, die das Mineral einnahmen, waren danach deutlich höher. Jene Teilnehmer mit einem höheren Selenwert verfügten eher über eine geringere Virenbelastung und mehr CD4-Zellen. Einer neueren Studie der University of Warwick zufolge führt allerdings die erhöhte Einnahme von Selen unter Umständen widerum dazu, das Risiko einer Diabetes-2-Erkrankung zu erhöhen (statt wie ursprünglich erhofft, zu senken).
(BBC/HIVLife)

Merck bricht Impfstofftest ab

Einer der aussichtsreichsten Impfstoffkandidaten, das vom US-Konzern Merck entwickelte Präparat MRKAd5, zeigt nun doch weniger Wirkung als erwartet. Der in Südafrika im Februar 2007 gestartete Phase-II-Test HVTN 503, an dem 700 Menschen beteiligt waren, wurde jetzt im September 2007 abgebrochen, nachdem Paralleltests in den USA und Australien negativ verliefen. Erste Ergebnisse hätten eine gute Reaktion des Immunsystems gezeigt, doch es scheine nun so, als ob dies nicht unbedingt zur Abwehr der Aidsviren führe, sagte die Chefwissenschaftlerin des Impfstofftests in Südafrika, Glenda Gray vom Chris Baragwanath Hospital in Soweto gegenüber dpa. "Es war ein schlechter Tag für uns. Diese Neuigkeiten machen uns schrecklich mutlos." Möglicherweise wird Merck die Forschung nach AIDS-Impfstoffen komplett einstellen.
(Netzzeitung/WDR)

Integrase-Hemmer Raltegravir bewährt sich in Phase-III-Studie
Raltegravir, der im Frühjahr 2007 als "Beginn einer neuen Ära" begeistert bezeichnete Integrase-Hemmer, scheint die in ihn gesetzten Erwartungen zu bestätigen. Das Medikament war in einer Dosiswirkungsstudie bei Patienten wirksam, bei denen alle anderen Medikamente aufgrund mutipler Resistenzen die Viruslast nicht mehr zu senken vermochten. Raltegravir braucht nicht geboostet zu werden (mit Ritonavir), kann aber mit den meisten antiretroviralen Medikamenten kombiniert werden, da es anders verstoffwechselt wird. Die Phase-III-Studien bestätigten die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit bei zuvor intensiv behandelten PatientInnen.
(Ärztezeitung)


THERAPIE

Pneumokokken-Impfung auch bei HIV-PatientInnen wirksam

Eine antiretrovirale Therapie sowie die Impfung mit der Pneumokokken-Polysaccharid-Vakzine (in Deutschland Pneumovax23®) senkt die Wahrscheinlichkeit einer Pneumokokken-Erkrankung bei HIV-PatientInnen. Dies ist das Ergebnis einer retrospektiven Fall-Kontrollstudie mit über 700 PatientInnen. Allerdings waren nur 20 Prozent der für die Studie untersuchten HIV-PatientInnen gegen Pneumokokken geimpft. Die Forscher rufen dazu auf, diese Patienten zu impfen. Dieser Aufruf deckt sich mit den Empfehlungen der STIKO für Deutschland. (STIKO: siehe: www.riki.de)
(ÄZ)

Früher Therapiebeginn bei Kleinkindern
Werden Kleinkinder innerhalb der ersten 12 Lebenswochen mit einer antiretroviralen Therapie behandelt (statt abzuwarten, bis ihr Immunsystem Anzeichen einer Schädigung oder Schwächung zeigt), so reduziert dies ihr dramatisch das Risiko eines frühen Todes. Die ist das Ergebnis einer Studie aus Südafrika. Demnach konnte das Risiko eines Todes innerhalb der folgenden 32 Wochen um 75 % gesenkt werden.
(The Lancet)

Therapie gegen Herpes verringert Zahl der HI-Viren

Bei Frauen, die sowohl mit HIV als auch mit Herpesviren (HSV) infiziert sind, verringert offenbar die Therapie gegen die Herpesviren auch die Menge der Aids-Erreger. http://www.hivlife.de/119/119_m2.html

HPV-Impfung - Kostspielige Maßnahme mit ungewissem Ausgang?
FFGZ Berlin warnt vor Überbewertung. Anlässlich der neu eingeführten HPV-Impfung stellt das Feministische Frauen Gesundheitszentrum(FFGZ) Berlin fest, dass eine Überbewertung der Impfung, mit der Gebärmutterhalskrebs reduziert werden soll, zu befürchten ist - "dank einer Koalition aus Pharmaindustrie und impfbereiten ÄrztInnen sowie einer defizitären Informationspolitik, so das FFGZ
http://www.hivlife.de/117/117_m2.html



... UND WAS NOCH

Bestandteil von Olivenöl erfolgreich gegen HIV-Freisetzung
Spanische Forscher konnten zeigen, dass Maslinsäure, ein Bestandteil des Wachses in der Olivenschale, Serin-Protease hemmt. Dieses Enzym wird von den HI-Viren benutzt, um aus der infizierten Zelle zu gelangen. So war es im Labor möglich, die HIV-Freisetzung um mehr als 80 % zu reduzieren. Ob sich Maslinsäure zur Herstellung neuer Arzneimittel eignet, soll nun geprüft werden.
(AG)

Konrad-Lutz-Preis
Immer ist jetzt" lautet das Motto für den VII. Konrad-Lutz-Preis, zu dem das Netzwerk plus sowie der Pharmakonzern GlaxoSmithKline aufrufen. Bei diesem Gestaltungswettbewerb können HIV-Positive und deren Freunde oder Verwandte bis zum 15. November ihre Bilder einsenden. Eine Jury wählt die 13 besten aus, wobei sie die Kriterien "Umsetzung des Mottos" und "Künstlerische, technischmalerische Ausführung" anlegt. Der erste Preisträger erhält 1500 Euro, der zweite 1000 Euro, der dritte 800 Euro. Infos unter 089-189385-50, per E-Mail an klp@add-coop.de.
(ÄZ)

Schwangeren ist HIV-Status oft nicht bekannt

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes leben derzeit in Deutschland etwa 56.000 HIV-Infizierte. Im Jahr 2005 steckten sich 2600 Menschen neu mit HIV an, darunter 20 Kinder. Die HIV-Infektion im Kindesalter verläuft überwiegend vertikal: entweder während der Schwangerschaft, unter der Geburt oder über die Muttermilch. Mit einer antiretroviralen Prophylaxe kann das Risiko der vertikalen Transmission heute deutlich gesenkt werden, so das Ergebnis einer Studie.
www.hivlife.de/119/119_m3.html

Stillen reduziert das Risiko einer postnatalen HIV-Infektion des Säuglings

Wenn HIV-positive Mütter ihre Babys ausschließlich mit Muttermilch ernähren würden, hätten die Säuglinge ein geringeres Risiko einer postnatalen HIV-Infektion, so das Ergebnis einer Studie von der "University of KwaZulu-Natal in Südafrika" Kinder, die bevor oder nach einem Alter von 14 Wochen zusätzlich zur Muttermilch noch Milchersatz erhielten, hatten eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit einer HIVTransmission im Vergleich zu ausschließlich gestillten Kindern. Die Zufütterung von fester Nahrung erhöhte das Risiko um das 11fache. Die Mortalitätsrate von drei Monate alten Babys mit Ersatznahrung war doppelt so hoch wie die der gestillten.
http://www.thelancet.de/artikel/869832

Papillomavirus-Impfstoff könnte Auftreten des Zervixkarzinoms erheblich reduzieren
Das Auftreten von mit dem Papillomavirus verknüpftem Gebärmutterhalskrebs und Präkanzerosen könnte erheblich verringert werden, wenn sexuell aktive sowie noch unerfahrene Frauen mit dem HPV-Vierfachimpfstoffs (Human Papillomavirus Vaccine) geimpft werden, so das Ergebnis der FUTURE II-Studie aus Atlanta. Bei sexuell noch inaktiven Frauen zeigte der Impfstoff eine 99-prozentige Wirksamkeit beim Unterbinden des Gebärmutterhalskrebses (Adenokarzinom in situ) und präkanzeröser Läsionen. Die Wirksamkeit sinkt auf 44 Prozent, wenn Daten der Frauen hinzugerechnet werden, die sich einem Virusinfektionsrisiko schon ausgesetzt hatten. Gebärmutterhalskrebs ist weltweit bei Frauen die zweithäufigste Todesursache durch Krebs, und wird durch Infektion mit onkogenen Varianten des Human Papilloma Virus ausgelöst. Jährlich werden etwa 500000 neue Fälle diagnostiziert, davon 80 Prozent in Entwicklungsländern, mit 250000 Todesfällen
http://www.thelancet.de/artikel/875677

Kondome bieten ausreichenden Schutz vor HIV

Der gleichzeitige Einsatz von Diaphragmen, Gleitgelen und Kondomen zum Schutz vor HIV bei sexuell aktiven Frauen in Afrika ist nicht effektiver als die ausschließliche Verwendung von Kondomen, wie eine Veröffentlichung der Universität von Kalifornien berichtet.
http://www.hivlife.de/120/120_m3.html

Cannabis steigert das Risiko einer Psychose im späteren Leben

Junge Menschen müssten gewarnt werden, dass der Konsum von Cannabis das Risiko einer psychotischen Erkrankung im späteren Leben um bis zu 40 Prozent steigern kann, schlussfolgert eine Studie aus Großbritannien. Den Ergebnissen zufolge haben gewohnheitsmäßig Cannabis konsumierende Individuen ein um 41 Prozent höheres Risiko einer psychotischen Erkrankung als jene, welche diese Droge niemals geraucht haben. Das Risiko stieg relativ zur Dosis an, wobei die intensiv Konsumierenden mit mehr als doppelter Häufigkeit eine psychotische Störung riskierten.
http://www.hivlife.de/120/120_m2.html
 

 
 
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